„Wie die Epidemie Berlins Großbaustellen beeinflusst“

15.04.2020  Der Tagesspiegel

Erst brannte es im Humboldt-Forum, dann zerstörte die Pandemie Lieferketten. Die Eröffnung wackelt – anders als beim BER.

Von Alexander Fröhlich und Ralf Schönball

Knapp eine Woche nach dem Brand eines Gussasphalt-Wagens im Durchgang von Portal I des Humboldt-Forums mehren sich die Stimmen, die eine Eröffnung des in Teilen rekonstruierten Schlosses im September für unwahrscheinlich halten.

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sagte der Berliner Morgenpost: „Ob das Humboldt-Forum im Herbst dieses Jahres eröffnet, wage ich zu bezweifeln.“ In näherer Zukunft gelegene Eröffnungen seien wohl stärker in Gefahr als langfristig geplante Projekte.

Davon will man bei der Stiftung Humboldt-Forum allerdings bisher nichts wissen: „Frühestens Ende des Monats, aber wahrscheinlich eher Anfang Mai wird es zu einer Bewertung der durch die Coronakrise verursachten Probleme durch den Vorstand kommen“, sagte Sprecher Bernhard Wolter.

Das Gremium werde sich dabei abstimmen mit Vertretern des Bundesministeriums für Bauen, der Staatsministerin für Kultur sowie des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung. „Dass Lieferketten nicht funktionieren wie üblich und Mitarbeiter aus europäischen Nachbarländern Reisebeschränkungen unterliegen, darunter haben wir natürlich auch zu leiden“, erklärte Wolter. Eine Entscheidung über die Eröffnung sei noch nicht gefallen, „einfacher ist sie aber durch Corona nicht geworden“.

Teileröffnung im September

Ein genaues Datum für die Teileröffnung im September habe es ohnehin noch nicht gegeben. In einem „ersten Schritt“ sollten das Erdgeschoss, der historische Schlosskeller sowie die Berlin-Ausstellung im ersten Obergeschoss feierlich für das Publikum geöffnet werden.

Zurzeit laufe „die Abnahme der technischen Anlagen durch Sachverständige“, sagte Wolter. Der Brand im Durchgang von Portal I sei „bedauerlich“, aber „keine Auswirkung auf die Entscheidung über den ersten Schritt der Eröffnung“. Eine Putzdecke müsse erneuert und die vom Ruß verschmutzte Fassade gereinigt werden.

Die Finanzierung des Schlosses ist im Kern gesichert. Ausgenommen sind allerdings ein Teil der „Optionen“ zur Herrichtung aller Bauteile nach deren historischen Vorbildern, wofür insgesamt 25 Millionen Euro bei Spendern gesammelt werden sollten.

So fehlt etwa Geld für die Figuren, die beim Schloss rund um die Kuppel standen. Stärker ins Auge fallen wird der nackte Beton im Durchgang von Portal IV, wo etwa historische Natursteinelemente erst bei Spendeneingang dazu kommen. Das ist die Seite, die auf den Lustgarten geht und die viele Touristen nutzen werden, wenn sie von der Museumsinsel den Neubau betreten.

BER liegt im Zeitplan

Im Gegensatz zur Baustelle im Humboldt-Forum bleibt es am Hauptstadtflughafen BER Schönefeld beim Zeitplan und der geplanten Eröffnung Ende Oktober. „Wir haben keine nennenswerten Probleme. Bei uns laufen die Bauarbeiten“, sagte eine Sprecherin der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg am Dienstag. Die Beschaffung von Baumaterial sei aktuell kein Problem.

Zwar hätten wegen der Corona-Beschränkungen nicht alle Bauarbeiter aus Osteuropa wie geplant kommen können, auch müssten die Fachkräfte bei den Arbeiten die Mindestabstände und Schutzvorkehrungen einhalten, um eine Infektion mit dem Coronavirus zu vermeiden. Das alles führe bislang jedoch nicht zu Verzögerungen im Betriebsablauf.

 

Quelle: Der Tagesspiegel, 15.04.2020

 

5 Kommentare zu “„Wie die Epidemie Berlins Großbaustellen beeinflusst“

  1. Kommt sie im Mai ?
    Gemeint ist eine der schönsten Laternen die je gebaut wurden und die oben auf der Kuppel montiert werden soll.
    Gibt es dafür einen festen Termin, in Betreff Anlieferung, Vormontage und zu guter letzt das aufsetzen ?

    1. Sehr geehrter Herr Preuß,
      im Moment gehen wir davon aus, dass die Laterne Mitte/Ende Mai aufgesetzt werden kann. Der Zusammenbau der 12 Einzelteile und das Aufsetzen vor Ort (Balustrade, 8 Cherubim, Hauptgesims, Plamettenkuppel mit Kreuz) wird mehrere Tage in Anspruch nehmen.
      Wir informieren Sie rechtzeitig dazu – z.B. über unsere Website, Facebook oder unseren Newsletter.
      Ihr Förderverein Berliner Schloss e.V.

  2. „Im Gegensatz zur Baustelle im Humboldt-Forum bleibt es am Hauptstadtflughafen BER Schönefeld beim Zeitplan und der geplanten Eröffnung Ende Oktober.“. Wie oft ist der angesagte Eröffnungstermin für den BER nochmal verschoben worden? Wann sollte der BER ursprünglich eröffnet werden? Der lächerlich vordergründige Vergleich und die naßforsche Formulierung des „Tagesspiegel“-Journalisten ist typisch für dieses links-links-links-librale Blatt. Wieso erfährt man immer noch nichts über den/die Verursacher des Brandes?

  3. Von FiffiKronsbein2 15.04.2020, 10:12 Uhr

    “ Im Gegensatz zur Baustelle im Humboldt-Forum bleibt es am Hauptstadtflughafen BER Schönefeld beim Zeitplan und der geplanten Eröffnung Ende Oktober. ‚Wir haben keine
    nennenswerten Probleme. Bei uns laufen die Bauarbeiten‘, sagte eine Sprecherin der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg am Dienstag. Die Beschaffung von Baumaterial sei aktuell kein Problem.“

    Na also. So wird BER zu guter Letzt noch zu einem Musterbeispiel für die vorbildliche Abwicklung eines öffentlichen Baugroßprojekts …
    (Dieser Leserbrief zu demselben Artikel wurde von der website des „Tagesspiegel“ geklaut. Nichts für ungut.)

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