12.04.2026 – B.Z. online
Von Gunnar Schupelius
Der Verein sammelte 110 Millionen Euro Spenden für die Schlossfassade. Dennoch dürfen die Förderer ihre Arbeit im Schloss nicht mehr präsentieren
Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses (Humboldt Forum) wurde von der Bundesregierung finanziert, mit Ausnahme der barocken Fassade. Für die Fassade sammelte der Förderverein Berliner Schloss e.V. unter der Leitung von Wilhelm von Boddien die sagenhafte Summe von 110 Millionen Euro von privaten Spendern ein.
Ohne Fassade kein Schloss: Ohne diese Spenden stünde in Berlins Mitte heute ein grauer Kasten aus Stahlbeton.
Verein bekam keinen Platz im Schloss
Wer gedacht hätte, dass der Generalintendant vom Humboldt Forum, Hartmut Dorgerloh, den Förderern die verdiente Anerkennung zukommen lassen würde, der hätte sich geirrt: Der Verein bekam keinen Platz im Schloss, um seine Arbeit zu präsentieren. Er musste sich in den Räumen der Berliner Tourismus-Agentur „Visit Berlin“ einrichten. Der Vertrag wurde nicht verlängert, die Förderer fliegen jetzt raus.
Was sagt Generalintendant Dorgerloh dazu? Auf Nachfrage ließ er uns ausrichten, „die Rekonstruktions- und Bauarbeiten (…), seien „vollständig abgeschlossen“. Es bestehe daher „kein Anlass mehr, dass der Förderverein im Humboldt Forum beispielsweise über neue Vereinstätigkeiten informiert, die das Humboldt Forum nicht betreffen, oder Spenden für weitergehende Ausbau- und Rekonstruktionsmaßnahmen sammelt, die weder beschlossen noch beabsichtigt sind“.
Der Verein hatte allerdings gar nicht vor, „über neue Vereinstätigkeiten zu informieren, die das Humboldt Forum nicht betreffen“. Das ist eine Unterstellung. Der Verein will den Besuchern seine Arbeit präsentieren. Das ist legitim. Und er wirbt dafür, ein Treppenhaus im Schloss nach historischem Vorbild wiederherzustellen.
Warum nicht? Darüber kann man reden. Dorgerloh aber will nicht reden, er will mit den Förderern offenbar überhaupt nichts zu tun haben. Sogar der Vorschlag, einen „Freundeskreis Humboldt Forum“ zu gründen, um dort die Spender zu versammeln, wurde strikt abgelehnt.
Solche Freundeskreise sind üblich, bekannt und erfolgreich, zum Beispiel im Falle der Staatsoper oder der neuen Nationalgalerie.
Man muss es sich vor Augen führen: Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses hat sehr viele Menschen in Deutschland begeistert und zu Spenden in einer Größenordnung angeregt, die einzigartig ist in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Dieses Engagement wird von der Regierung nicht gewürdigt. Im Gegenteil: Der vom Kanzleramt eingesetzte Generalintendant Dorgerloh, ein Beamter, der nichts zum Aufbau des Schlosses beigetragen hat, gibt den Spendern noch einen Fußtritt und setzt sie vor die Tür. Wo leben wir eigentlich?
Hat Gunnar Schupelius recht? Schreiben Sie an: gunnar.schupelius@axelspringer.de
>> Quelle: B.Z. online, 12.04.2026
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