„Kaiser auf Abstellgleis: Theater zeigt Ende von Wilhelm II.“

20.06.2018  Berliner Zeitung

 

Ein ungewöhnliches Theaterstück gibt intime Einblicke in den letzten Lebensabschnitt von Kaiser Wilhelm II. vor rund 100 Jahren: An diesem Donnerstag ist in Frankfurt (Oder) in einem Theaterzug die Uraufführung des Stücks „Wilhelmina” geplant.

Von der kommenden Woche an fährt der Zug dann bis Ende Juli quer durch Deutschland und die Niederlande. Vorstellungen gibt es unter anderem in Potsdam, Celle, Osnabrück und Bad Bentheim (Niedersachsen).

„Wilhelm II wurde nach seiner Flucht auf ein Abstellgleis gestellt”, sagte Schauspieler Richard Gonlag am Mittwoch in Potsdam. In dem Stück verkörpert er den letzten deutschen Kaiser – mit Pickelhaube, die von einer eisernen Lüftungsabdeckung dargestellt wird. „Uns geht es nie darum, zu amüsieren”, sagte Julia Lenssen, Co-Künstlerische Leiterin. „Wir wollen vielmehr extreme Blickwinkel zu Wort kommen lassen.”

Die Begeisterung für Deutschland damals in den Niederlanden spiele ebenso wie die Nazi-Propaganda wenige Jahre später eine Rolle. Regie führt Jens-Erwin Siemssen, der auch das Buch geschrieben hat.

Wilhelm II. (1859 bis 1941) war 1918 in die Niederlande geflohen. Königin Wilhelmina der Niederlande, die Namensgeberin des Stückes, gewährte ihm nach einigen Tagen Bedenkzeit Asyl – sprach aber den Recherchen der Theatermacher zufolge nie wieder mit ihrem Verwandten.

Aufbereitet hat den Stoff das Theaterprojekt „Das letzte Kleinod”, das schon seit 1999 mit einem Zug durch Europa fährt und Stücke an ihren Original-Schauplätzen aufführt. In Frankfurt (Oder) war die zweite Ehefrau von Wilhelm II. 1947 gestorben, in Potsdam hatte Wilhelm II. seinen Kaiserlichen Hofzug stationiert. (dpa/bb)

 

Quelle: Berliner Zeitung, 20.06.2018

 

 

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