„Humboldt-Forum erwartet drei Millionen Besucher“

15.01.2018  Stuttgarter Zeitung

Das größte Kulturprojekt des Bundes ist im Zeitplan. Einen genauen Eröffnungstermin gibt es zwar noch nicht, aber im Frühjahr kommen die ersten Exponate mitten auf die Baustelle.

Von Katja Bauer

Es gibt Dinge, über die man bei der Stiftung Humboldt-Forum zum Jahresauftakt nicht gerne spricht – und dazu gehört die beabsichtigte Berufung von Inés de Castro zur Sammlungsdirektorin des Hauses. Man kommentiere dies nicht, erklärte der Vorstandssprecher der Stiftung Humboldt-Forum, Johannes Wien, am Montag bei einer schon länger anberaumten Pressekonferenz die jüngsten Nachrichten. Die Art der Nichtantworten machte jedenfalls deutlich, dass mit dem Wechsel noch längst nicht alles in trockenen Tüchern ist – auch wenn die Stiftung Preußischer Kulturbesitz entsprechende Gespräche bestätigte.

Lieber sprachen die Verantwortlichen bei ihrer Jahresauftaktpressekonferenz über den Baufortschritt und das Kulturprogramm dieses Jahres und betonten, man sei im Zeit- und Kostenplan. Auch wenn noch kein genauer Eröffnungstermin feststeht, ist doch klar, dass das große Kulturhaus in der Mitte der Hauptstadt Ende 2019 eröffnen wird. Die Stiftung rechnet künftig mit rund drei Millionen Besuchern pro Jahr.

Südseeboote mitten auf der Baustelle

„In diesem Jahr haben wir eine Reihe von Meilensteinen vor uns“, sagte der Bauvorstand der Stiftung Humboldt-Forum, Hans-Dieter Hegner, am Montag bei der Begehung der Baustelle zu Jahresbeginn. Heikelster Punkt in diesem Jahr ist der Umzug der großen Ausstellungsobjekte aus den außereuropäischen Sammlungen schon von Mai an – bei laufendem Baustellenbetrieb. Zu den Großobjekten, die aus Dahlem in die Mitte der Stadt ziehen, gehören die Südseeboote und -häuser sowie die buddhistischen Höhlenmalereien von der Seidenstraße. Sie sind so voluminös, dass sie durch keine Tür des Schlossbaus passen würden, weshalb derzeit Löcher in der Innenfassade zum Foyer offen gelassen wurden. Durch diese Öffnungen werden die Exponate in die hohen Ausstellungskuben rechts und links der Gebäudeachse gebracht werden müssen.

Nicht nur der Transport ist eine logistische Aufgabe. Die wertvollen Stücke müssen anschließend mindestens ein Jahr in Containern mit einer temporären Klimaanlage vor den klimatischen Wechseln und Gefahren auf der Baustelle geschützt werden, während ringsum der Bau fertiggestellt wird. Von März 2019 an werden die Staatlichen Museen dann ihre Exponate in der Dauerausstellung platzieren.

Ein von vielen lang ersehnter Aha-Effekt erwartet die Berliner im Sommer dieses Jahres. Bis dahin sollen die rekonstruierten historischen Fassaden des Schlosses fertiggestellt sein, und das Gerüst kann fallen. Bei den Tagen der offenen Baustelle im Spätsommer kann man erstmals die Barockfassade dort bewundern. Dann wird auch die klobige Infobox vor dem Bau abgebaut, und man kann sich erstmals ein Bild von der neuen Situation in der Stadtmitte machen. Schon jetzt ist jedem Baustellenbesucher klar, was eine der Attraktionen wird: Ein Durchgang führt von der Museumsinsel durch den Bau auf die Seite der Breiten Straße und verbindet so zwei lange Zeit baulich getrennte Teile der Stadt.

Ein Aha-Effekt im Sommer

Parallel zu den Bauarbeiten wächst auch die Organisation der Stiftung: Inzwischen arbeiten 90 Personen für den Bauherrn und Betreiber des Mammutprojektes, diese Zahl wird nach Angaben von Vorstandssprecher Wien bis 2019 auf 350 Menschen steigen. Hierbei sind die Mitarbeiter für Gastronomie, Sicherheit und Läden nicht mitgerechnet. Nach Betreibern für die Restaurants und Cafés wird derzeit gesucht – die Anforderungen seien unterschiedlich, sagte Bauvorstand Hegner. Die Planungen waren kürzlich erst um ein spektakuläres Restaurant auf dem Dach des Schlosses erweitert worden. Das Humboldt-Forum ist mit Baukosten von rund 600 Millionen Euro deutschlandweit das mit Abstand größte Kulturprojekt des Bundes. Auf einer Geschossfläche in der Größe von etwa drei Fußballfeldern wird es mehrere Dauerausstellungen und jährlich rund 1000 Einzelveranstaltungen geben. Die Betriebskosten sind mit rund 60 Millionen Euro veranschlagt – mehr als eine Million pro Woche.

 

Quelle: Stuttgarter Zeitung, 15.01.2018