„Hauptstadtgeflüster: Baustelle Eurozone“

18.04.2018   WELT

Von Arne Delfs

Zumindest der Schauplatz für das morgige Treffen der Bundeskanzlerin mit dem französischen Präsidenten ist spektakulär: Angela Merkel und Emmanuel Macron werden im Berliner Humboldt-Forum über die weitere Zukunft der Eurozone beraten.

Man kann davon ausgehen, dass sich das Kanzleramt bei der Auswahl dieses Ortes etwas gedacht hat: Das Humboldt-Forum wird das künftige kulturelle Herzstück des sich im Wiederaufbau befindlichen Berliner Stadtschlosses sein. Ab 2019 soll es Ausstellungen über außereuropäische Kulturen beherbergen und damit ein Gegengewicht zum schweren Erbe des früheren Residenzschlosses der Hohenzollern bilden.

Wenn das Schloss erstmal fertig ist. Denn derzeit wird an dem riesigen Neubau noch kräftig gewerkelt. Insofern darf man gespannt sein, wie Merkel und Macron sich auf dieser Riesenbaustelle in Szene setzen lassen. Die politische Symbolik des Ortes ist auf jeden Fall vielschichtig: Das Schloss steht für den verlorenen Glanz des Preußentums, aber mit dem Humboldt-Forum eben auch für Wissenschaft und Weltkultur.

Die politische Botschaft der Bilder von dem Treffen dürfte sein, dass auch die Eurozone noch eine Riesenbaustelle ist, an die jetzt Merkel und Macron Hand anlegen wollen. Das Problem ist nur, dass beide weiterhin sehr unterschiedliche Baupläne für dieses Projekt haben.

So könnte es der Eurozone am Ende ähnlich ergehen wie dem Berliner Stadtschloss: In Berlin tobt gerade eine leidenschaftliche Debatte über die Frage, was genau im Humboldt-Forum eigentlich eines Tages ausgestellt werden soll.

 

Quelle: WELT, 18.04.2018

 

 

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