„Ethnologe Koch wird Direktor der Sammlungen“

19.03.2018  Potsdamer Neueste Nachrichten

 

Von Nicola Kuhn

Interne Lösung beim Humboldt-Forum: Lars-Christian Koch leitet zukünftig die Sammlungen. Derzeit ist er kommissarischer Leiter des Ethnologischen Museums.

Nachdem Inés de Castro, die strahlende Nummer eins auf der Kandidatenliste für den Posten des Doppeldirektors vom Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz absagt hatte, musste sich der Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in seiner Sitzung am 19. März erneut mit der Personalie befassen. Zum zweiten Mal also, nachdem die Ausschreibung ebenfalls zum zweiten Mal erfolgt war, weil sich beim ersten Anlauf nicht genügend ansprechende Bewerber eingestellt hatten. Welch ein Glück dann, als Inés de Castro ihren Hut in den Ring warf, und was für eine Blamage, als die Direktorin des Stuttgarter Linden-Museums wieder zurückzog, weil ihr das baden-württembergische Kultusministerium ein besseres Angebot machte.

So soll es nun die Nummer zwei der Bewerberliste werden, der Musikwissenschaftler und Ethnologe Lars-Christian Koch. Seit der Pensionierung von Viola König, der Direktorin des Museums für Ethnologische Kunst bis Ende 2017, hat der 59-Jährige bereits die kommissarische Leitung des Hauses übernommen, dem er als Leiter der Medienabteilung seit 15 Jahren angehört.

Die Entscheidung wirkt pragmatisch

Nach dem langen Hin und Her wirkt diese Hausberufung vor allem pragmatisch. Wer sich neue Ideen, einen geübten Manager für die komplizierte Gemengelage am Humboldt-Forum und frischen Wind von außen gewünscht hatte, sieht sich enttäuscht. In der Stiftung Preußischer Kulturbesitz aber gilt die Besetzung als Vorsprung beim Kompetenzgerangel im Humboldt-Forum. Mit Koch ist jemand gewonnen, der die von Gründungsintendant Neil MacGregor eingeschlagene Kursänderung – mehr Kooperation mit externen Sammlungen – womöglich zurückzufahren vermag, der sich vor die eigenen Sammlungen stellt und sich auch weniger vom künftigen Intendanten reinreden lässt.

Bislang ist der Spezialist für nordindische Musik, der zugleich an der Universität der Künste in Berlin sowie in Köln lehrt, im Zusammenhang mit dem Humboldt-Forum noch nicht groß in Erscheinung getreten. Das wird sich nun ändern. Als Hauptkurator der nächsten Ausstellung mit dem Titel „Laut“ in der Humboldt-Box zum Thema Klänge tritt er am 22. März zusammen mit Neil MacGregor auf und wird so manch andere Frage als nur zur Musik zu beantworten haben.

Dorgerloh ist einer der Kandidaten für die Intendanz

In Kürze steht beim Humboldt-Forum eine zweite, noch wichtigere Personalentscheidung an. Der Intendant muss gefunden werden – die Person, die das Haus führt, wenn die Gründungsintendanten Neil MacGregor, Hermann Parzinger und Horst Bredekamp abtreten; das soll Ende 2019 passieren, wenn das Forum Zug um Zug eröffnet wird. Im Gespräch dafür sind Johannes Vogel, Generaldirektor des Berliner Museums für Naturkunde, Max Hollein, der erst kürzlich von Frankfurt ans Fine Arts Museum of San Francisco ging, Marion Ackermann, die seit 2016 die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden leitet, und Hartmut Dorgerloh, seit 2002 Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten.

Auch hier zeichnet sich eine Berliner Lösung ab. Als aussichtsreichster Kandidat gilt Dorgerloh, dem gerade erst ein 400 Millionen Euro schweres Investitionsprogramm zugesagt wurde, mit dem bis 2030 ein Großteil der historischen Gebäude und Parkanlagen zukunftsfest gemacht werden soll. Dorgerloh müsste dann seinen Dienstsitz am Park Sanssouci verlassen und würde in Berlins Mitte residieren, im Schloss. Als besonders attraktiv gilt auch dieser Humboldt-Posten nicht mehr.

 

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten, 19.03.2018