„Eröffnung von Haus Bastian – die Vollendung der Museumsinsel“

30.08.2019   Berliner Morgenpost

Zur langen Nacht der Museen startet eine neue Kultureinrichtung am Kupfergraben. Leiterin Heike Kropff plant Schnittstelle zwischen den Museen.

Von Felix Müller

Mit dem gegenüber von der James-Simon-Galerie gelegenen, neu konzipierten Haus Bastian wird am Sonnabend die Museumsinsel komplettiert. Das Gebäude, 2007 nach Plänen des Architekten David Chipperfield eröffnet, beherbergte zunächst eine Galerie des Kunstsammlers und Mäzens Heiner Bastian, bis es die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) 2018 als Schenkung übernahm. Über die künftige Nutzung sprachen wir mit der Leiterin Bildung und Kommunikation der SPK, Heike Kropff.

Frau Kropff, hier im Haus Bastian wird noch ordentlich gewerkelt. Was ist noch zu tun?

Heike Kropff: Nur Kleinigkeiten. Wir haben ja in den letzten fünf Monaten aus einem Galeriegebäude ein Zentrum für kulturelle Bildung gemacht. Wir haben die Architektur nicht angetastet, weil wir sie für unseren Zweck ganz toll finden. Aber es muss natürlich schon eine andere Nutzung möglich sein. Denn wir präsentieren hier keine Kunst und machen auch keine Ausstellungen für Kinder. Es sind vom Erd- bis zum Obergeschoss Workshop- und Seminarräume, die wir ganz flexibel nutzen können.

Was genau wird hier stattfinden?

„Zentrum für kulturelle Bildung“ heißt, dass wir zwei Programmbereiche haben. Den einen überschreiben wir mit „public“ – das werden Angebote für ein diverses Publikum sein, beginnend beim Familientag am Wochenende oder der offenen Werkstatt für Familien an jedem zweiten Sonntag über Projekttage für Schülerinnen und Schüler bis zu Abendveranstaltungen für Erwachsene. Das ist der eine Programmbereich. Der andere Programmbereich, „professional“, bedeutet, dass wir uns immer wieder mit Experten aus der Bildungsarbeit in Museen, aber auch in anderen Disziplinen zusammenfinden möchten, um über Schwerpunktthemen zu beraten. Politische Bildung, inklusive Bildungsarbeit, natürlich auch Diversität werden die Schwerpunktthemen der ersten zwei Jahre sein.

Haben Sie ein konkretes Beispiel?

Wir haben jetzt erst einmal eine Struktur geschaffen, die es dem Publikum ermöglicht, einen Eindruck von unserer Arbeit und unseren Möglichkeiten zu bekommen. Und es geht auch uns darum zu erfahren, was das Publikum von uns erwartet. Für Schulklassen zum Beispiel haben wir das Programm: „Willkommen im Haus Bastian, willkommen auf der Museumsinsel“. Da werden wir kostenfreie, jeweils vierstündige Projekttage zu unterschiedlichen Themenstellungen anbieten. Dabei gibt es immer eine Bewegung vom Haus Bastian auf die Museumsinsel und zurück. Die Referenz von allen Themen sind die Objekte in den Sammlungen. Wir liegen hier ja an der Schnittstelle und verstehen das auch inhaltlich: als Schnittstelle zwischen den kunsthistorischen und den archäologischen Sammlungen, auch den ethnologischen Sammlungen, die später im Humboldt Forum zu sehen sein werden. Wir werden uns ausschließlich mit Themen befassen, die institutionsübergreifende Relevanz haben. Es geht nicht um Nofretete, sondern zum Beispiel um Schönheit. Wir können also die 15 Sammlungen der Staatlichen Museen vernetzen und in Vermittlung übersetzen.

Gibt es schon Nachfrage nach dem neuen Angebot?

Oh ja. Wir haben die Lehrerinnen und Lehrer für die kommende Woche zu einer Extra-Eröffnung eingeladen. Gestern waren es dafür schon fast 200 Anmeldungen.

Zum Beispiel?

Eine Karte der Museumsinsel etwa. Dort einzuzeichnen, was die Schüler interessant und weniger interessant fanden, welches Gebäude sie gut fanden und so weiter. Das ist das eine, ein Angebot für Schulklassen. In der Zusammenarbeit mit inklusiv arbeitenden Schulen wollen wir herausfinden, welche Methoden und Formate wir dafür brauchen. Da haben wir vier Partnerschulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Wie wird die Eröffnung gefeiert?

Wir feiern zwei Tage lang, eigentlich geht es noch die ganze kommende Woche weiter. Zur „Langen Nacht der Museen“ öffnen wir das Haus, da wird es Workshops auf allen Etagen geben, auch Musiker werden unterwegs sein. Lotsen, Läufer und Kuriere werden im Haus für das Publikum da sein und die Brücke zur Museumsinsel herstellen. Am Sonntag gibt’s einen Familienaktionstag, wo wir auch den Neuen Hof zwischen James-Simon-Galerie und Neuem Museum bespielen werden. Bei einem Workshop werden die Kinder aufgefordert, zu zeichnen, was sie von hier aus sehen. Dann steht ein Läufer zur Verfügung, der die Zeichnung auf den Balkon der James-Simon-Galerie bringt, wo sie von professionellen Zeichnern in ein großes Bild übersetzt wird.

Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie?

Uns ist ja wichtig, dass wir auch die Berlinerinnen und Berliner anziehen und die Museumsinsel nicht nur den Touristen überlassen bleibt. 1000 Besucher, zum Aktionstag Familien, der Haus Bastian und den neuen Hof zwischen James Simongalerie und Neuem Museum bespielt, würde ich mal schätzen.

 

Quelle:  Berliner Morgenpost, 30.08.2019

 

 

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