„Denkmal für Wiedervereinigung: Entscheidung um Einheitswippe steht auf der Kippe!“

28.06.2018  TAG24

Das seit mehr als zehn Jahren geplante Einheits- und Freiheitsdenkmal in Berlin verzögert sich weiter. Auf Drängen der SPD wird der Haushaltsausschuss des Bundestags das für den Baubeginn erforderliche Geld nicht mehr wie geplant vor der Sommerpause freigeben.

Die CDU/CSU-Fraktion warf dem Koalitionspartner SPD am Mittwoch vor, das Denkmal vorsätzlich zu hintertreiben.

„Das ist ein Schlag ins Gesicht der mutigen Menschen, die für Freiheit und Einheit ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben“, erklärten die Unionsabgeordneten Gitta Connemann (54) und Elisabeth Motschmann (65).

Das 2007 beschlossene Denkmal soll an die Wiedergewinnung der Deutschen Einheit erinnern. Seither gibt es immer wieder Streit. Im vergangenen Jahr bekräftigte der Bundestag deshalb den Beschluss, das Denkmal in Form einer großen, begehbaren Waage möglichst rasch vor dem Berliner Schloss zu errichten.

Zuletzt war als Standort des mindestens 15 Millionen Euro teueren Denkmals der Platz der Republik vor dem Reichstag im Gespräch (TAG24 berichtete).

Der SPD-Haushaltsexperte Johannes Kahrs (54) widersetzte sich diese Woche gleichwohl dem Plan, die notwendigen Mittel für den Baubeginn am Mittwoch in der letzten Haushaltssitzung vor der Sommerpause freizugeben.

Die Vorlage aus dem Haus von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (56, CDU) sei unvollständig, argumentierte er nach Angaben seines Sprechers. Die notwendige Übertragung des Grundstücks von Berlin an den Bund sei immer noch nicht endgültig vollzogen. Dies aber sei Voraussetzung für die Freigabe des Geldes.

Ein Sprecher von Grütters wies Kahrs‘ Kritik zurück. Die Vorlage sei vollständig und erfülle nach Prüfung des Bundesfinanzministeriums alle Bedingungen für die abschließende Entscheidung des Ausschusses. „Alle Kosten, auch die für den Grundstückserwerb, werden in der Vorlage umfassend dargestellt und erläutert“, sagte der Sprecher.

Nach Befürchtungen der Union könnte das Projekt jetzt ganz auf der Kippe stehen. „Denn im Oktober läuft die Baugenehmigung aus“, so Connemann und Motschmann. „Damit liegt der Verdacht nahe, dass mit der Verschiebung in den September das ganze Projekt verhindert werden soll.“

Auch das mit der Realisierung beauftragte Stuttgarter Designbüro Milla&Partner nannte die Verschiebung nicht nachvollziehbar.

Partner Sebastian Letz sagte der dpa: „Wir haben alles: drei Beschlüsse des Bundestages, eine Baugenehmigung, einen unterschriebenen Vertrag, eine Einigung Berlins und des Bundes über den Preis des Grundstücks – ich frage mich, was sich die politischen Gegner des Denkmals noch alles einfallen lassen, um den klaren Willen des Bundestages zu untergraben.“

Vor zwei Jahren hatte der Haushaltsausschuss schon einmal für Unmut gesorgt, als er das Projekt im Alleingang – also ohne Zustimmung des Plenums – überraschend wegen gestiegener Kosten stoppte. Der Bundestag kassierte diesen Beschluss dann aber später.

 

Quelle: TAG24, 28.06.2018

 

16 Kommentare zu “„Denkmal für Wiedervereinigung: Entscheidung um Einheitswippe steht auf der Kippe!“

  1. Als Demokrat muss man wohl die Entscheidung des Bundestages über die Einheitswaage und den gewählten Standort respektieren. Dennoch halte ich diese Entscheidung über den Standort vor dem Berliner Schloss für völlig falsch. Die Waage passt in ihrer ausladend modernen Form weder stilistisch, noch historisch noch symbolisch vor das Portal – und schon gar nicht als erstickender Deckel über ein anderes wichtiges Geschichtsereignis. Ich hoffe sehr, dass dieser Teil der Entscheidung noch gekippt wird. Vor das Eosanderportal des Schlosses gehören die in dem Baustil und im angelegten Bogenverlauf mit dem Portal fein abgestimmten Kolonnaden – nicht zuletzt, um dem denkmalgeschützten Sockel wieder seinen ursprünglichen architektonischen Sinn zurückzugeben, aber auch, weil die Vereinigung Deutschlands von 1871 ein heute immer noch ganz wichtiges Erinnerungsdatum deutscher Geschichte ist.
    Die Waage gehört vor den Reichstag im täglichen Blickwinkel der Abgeordneten des Bundestages, dahin, wo die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 abschließend vollzogen wurde. Hier stimmen Maße und Symbolik. Die Korrektur der Standortentscheidung wäre überhaupt kein Schlag ins Gesicht der mutigen Menschen, die für Freiheit und Einheit ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, sondern ein Zeichen später demokratischer Einsicht.

      1. Genau so ist es! Vor die historische Kulisse des Berliner Stadtschlosses ein solches modernes Monstrum zu stellen wäre meiner Meinung nach eine grobe Beleidigung für das Auge! Ich schliesse mich dem Gedanken an dieses Denkmal vor dem Reichstag aufzubauen. Da passt es hingegen eher hin.

    1. Ich bin 1989 auf die Straße gegangen. Aber diese Wippe brauche ich zur Erinnerung nicht. Das Geld sollte man für Kitas, Schulen, Pflegeheime und die marode Infrastruktur sinnvoll verwenden. Und wenn heute Leute, die damals nicht dabei waren und sich nicht interessiert haben, für auch meine Steuergelder so ein Ding vor das tolle Schloss setzen wollen, hat das nix mit Demokratie zu tun.

  2. Mut! Mut! Mut! Liebe Volksvertreter, wenn Sie das hier lesen. Haben Sie den Mut, dem Bau der Wippe eine klare Absage zu erteilen. Herr Praetorius sagt oben das richtige und hat das schon oft gesagt. Erstmal weg mit der Wippe-Entscheidung. Ob die Wippe unbedingt vor den Reichstag gehört ist m.E. fraglich. Normalerweise (s. Rom, Washington usw.) steht ein Obelisk vor einem Kuppelbau.

  3. Der Standort des Denkmals ist perfekt. Der Entwurf und die Gestaltung des Denkmals sind perfekt. Das ästhetische Zusammenspiel mit dem Humboldt-Forum finde ich perfekt und gerade die historischen Bezüge, welche sich aus dem Standort ergeben, finde ich besonders reizvoll. Ich werde nicht müde, das zu wiederholen, wenn ich die vielen abwertenden Kommentare zu diesem Projekt lese. Ich bin besonders Herrn Thierse sehr dankbar, sich so für dieses Projekt stark gemacht zu haben.
    Dass es jetzt die SPD ist, die dieses Denkmal verhindert, ist desonders empörend, weil dahinter – entgegen jeglichen Pflichtverständnis von Politikern (“Diener des Volkes…”) offenkundig ganz persönliche, nicht einmal ein der eigenen Partei abgestimmtes Eitelkeiten stehen. Wenn es wenigstens einen erkennbaren Plan dahinter gäbe, wäre diese Aktion noch erträglich; indes kann man der SPD nicht einmal unterstellen, hier “für das streng historische Umfeld” zu arbeiten, denn die Wiederaufstellung der Rossebändiger vor der Lustgartenfassade wird ja auch von einem SPD-Politiker verhindert…

    1. „Reizvolle historische Bezüge“ sehen, Sie, sehr geehrter Herr Schuster, in dem besonders von Herrn Thierse (SPD) so vehement verteidigten Beschluss, die Wippe am Ort des abgerissenen Kaiser Wilhelm Denkmals zu errichten. Politikern wie Herrn Thierse ging es genau darum diese Einheits-Wippe auf diesen Sockel zu errichten, weil sie alles von deutscher Geschichte vor ihrer Zeit als verbrecherisch betrachten — wie Kanzler Schmidt (SPD) einmal sagte: Man hat aus der deutschen Geschichte ein Verbrecher-Album gemacht (wie bekannt fiel auch das Bild dieses Kanzlers inzwischen der Aufarbeitungshygiene zum Opfer). Wahrscheinlich sind Sie sehr jung und wissen nicht, in welchem Ausmaß nach dem Krieg die deutsche Geschichte in Ost und West „bereinigt“ wurde.

    2. Die Leute die für diese Wippe stimmen haben anscheinend keinen Bezug zu Berlin und den früheren Zustand nie gesehen. Auf Wilhelm in der Löwengrube kann wohl verzichten der Kartätschenprinz fehlt uns nicht aber die Kolonaden passten gut in den Rahmen. Hoffentlich gibt es noch besonnene Leute die hier eingreifen – stellt die Wippe vor den Reichstag!!! Ich füge noch an: wäre das Humboldt Forum mit einer modernen Fassade versehen könnte ich dem Standort verstehen aber hier nicht.

  4. Wie sagte schon Alexander von Humboldt: „Ein Volk, das keine Vergangenheit haben will, verdient auch keine Zukunft!“ Wie wahr! Wenn Machthaber eines Unrechtsstaates Ideologie-besessen, selbstgerecht und eigenmächtig überkommene wertvolle Kulturbauten abgebrochen und zu ihrer Zeit sinnstiftende Denkmäler abgerissen haben, verdienen diese Gewaltsysteme kein Überleben. Für uns ist es eine Chance , wenigstens in Teilen das wieder aufzubauen (Schloss) und ohne Sinnverfälschung wieder herzustellen (Nationaldenkmal), was im Zusammenhang historisch bedeutungsvoll und machbar ist. Es ist ganz schlechter, respektloser Stil, ein früher von begeisterten Bürgern gespendetes und später aus ideologisch begründetem Hass geschleiftes Denkmal nun nach über 100 Jahren zweckentfremdet mit einem neuen Denkmal zu „überdeckeln“. Ein neues Denkmal ist gerechtfertigt, aber an anderer Stelle.

  5. Die Leute die für diese Wippe stimmen haben anscheinend keinen Bezug zu Berlin und den früheren Zustand nie gesehen. Auf Wilhelm in der Löwengrube kann wohl verzichten der Kartätschenprinz fehlt uns nicht aber die Kolonaden passten gut in den Rahmen. Hoffentlich gibt es noch besonnene Leute die hier eingreifen – stellt die Wippe vor den Reichstag!!!

  6. das Einheits- Denkmal soll gebaut werden aber vor dem Reichstag wie viele Menschen vordern auf der Schloßfreiheit die Kolonaden zu errichten mit dem z.Zt. im Schloß Charlottenburg befidlichem Reiterdenkmal vom großen Kurfürsten welches früher ja am Sadtschloß gestanden hat

  7. Ich habe endlich die Lösung zum Dauerstreit über unsere Denkmäler: nämlich das Konzept eines hochflexiblen modularen Wechseldenkmals, das nach „zeitgemäßen“ Kriterien der jeweiligen aktuellen Mode, Ästhetik und Symbolik angepasst werden kann, aufgestellt auf einem leicht demontierbaren und zu beliebigen anderen Stellen transportierbarem Fundament, auf versetzbarem Standard-Sockel, mit Texterläuterung in Wechselrahmen zu immer aktuellen, politisch korrekten, leicht verständlichen und möglich nichtssagendenund somit unumstrittenen, mehrheitsfähigen Themen. Dann müssten wir uns keiner Denkmäler mehr schämen, sie nicht zerstören, sprengen und einschmelzen oder gar aufwändig reparieren oder wiederherstellen, wären immer im Zeittrend und müssten uns nicht mehr über unsere Geschichte und Vergangenheit streiten.

  8. Man kann nicht einfach ein für ein bestimmtes Umfeld geplantes Denkmal wie die Wippe auf ein anderes und z.B. größeres Umfeld setzen. Vor dem Schloss wirkt die Wippe gross, vor dem Reichstag eher klein. Außerdem empfiehlt sich die Wippe vor dem Reichstag geradezu herausfordernd als Symbol für Schaukelpolitik zwischen Ost und West – was immer ein Problem deutscher Politik war und auch gegenwärtig ist (aufgrund der geografischen Lage).. Früher stand dort vor dem Reichstag das Bismarck-Denkmal, das heute versteckt und seiner Umgebung viel zu groß zwischen Bäumen bei der Siegessäule steht. Man sieht, dass die Proportionen irgendwie stimmen müssen. Davon abgesehen sind Bismarck-Denkmäler und Bismarck-Strassen und Bismarck-Türme usw. von den demokratischen Bilderstürmern bis heute weitgehend verschont geblieben. Dies zeigt die außerordentliche Bedeutung Bismarcks bis heute und über alle Stürme hinweg. Viele sind sich dessen nicht bewusst.

  9. Der Kommentar von Herrn Praetorius hat den Kern getroffen. Ich möchte unsere Volksvertreter bitten nochmals Ihre Entscheidung zu überdenken und den Wunsch der Bevölkerung zu respektieren. (Repräsentative Meinungsumfrage von infratest-dimap im Berliner Extrablatt Nr. 88 vom September 2017)

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