„Nach Plagiats-Vorwurf – Streit um Berliner Einheitswippe schaukelt sich hoch“

10.05.2019  Der Tagesspiegel

In einer Mail fordert der Filmemacher Lauenstein eine Entschädigung von 100.000 Euro für das „plumpe Plagiat“. Mausbach spricht von „Erpressungsversuch“.

Von Ralf Schönball

Der Streit um die Urheberschaft an der Idee zum Freiheits- und Einheitsdenkmal verschärft sich. Wie berichtet, reklamiert der Filmemacher Christoph Lauenstein mit seinem Oscar-prämierten Film „Balance“ die Idee für den Entwurf der Agentur Milla & Partner für sich, was Johannes Milla auf Anfrage dementiert hatte. Nun hat Milla eine von Lauenstein erhaltene Mail in Umlauf gebracht.

Filmemacher Lauenstein erläutert in der Mail, warum er den Denkmalentwurf als „plumpes Plagiat“ ansieht und sich „diese kreative Leistung nicht klauen lassen“ wolle. Weiter schreibt er, nur eine milde Umschreibung dieser Vorwürfe zur Veröffentlichung freigegeben zu haben und begründet dies mit der „von Ihnen (Milla, Anm. d. Red.) erbetenen kollegialen Fairness“. Dafür fordert er aber „eine angemessene Entschädigung in Höhe von 100 000 Euro“, er werde dann die Vorwürfe nicht wiederholen und die Sache beilegen.

„Ich kommentiere das Schreiben nicht, das spricht für sich“, sagte Milla. Deutlicher wird der frühere Präsident des Bundesamtes für Bauwesen Florian Mausbach, ein Befürworter des Denkmals. Er nennt Lauensteins Vorwürfe „dreist“ und die Forderung von 100 000 Euro „billigen Erpressungsversuch“. Milla hatte Mausbach, als einem der Initiatoren des Denkmals, die Mail Lauensteins weitergeleitet.

Erhob Lauenstein den Plagiats-Vorwurf also nur, um Kasse zu machen? „Absurd und an den Haaren herbeigezogen“, sagt der Filmemacher. Sein Schreiben sei der Versuch, „die Sache friedlich zu beenden mit einem konstruktiven Vorschlag“. Nachdem Milla vom Tagesspiegel um Stellungnahme zu Lauensteins Aussagen gebeten worden war, habe Milla ihn angerufen und eine Mail geschickt, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Lauensteins Vorschlag, ihn als Miturheber zu nennen, habe Milla abgelehnt. Darum prüfe er nun rechtliche Schritte gegen die „üble Nachrede einer Erpressung“.

 

Quelle: Der Tagesspiegel, 10.05.2019

 

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