„Humboldt Forum eröffnet 2019 ohne Berlin-Ausstellung“

27.02.2019  Berliner Morgenpost

Die Ausstellung im Schloss-Neubau kann nicht im Herbst 2019 eröffnen. Das nährt Spekulationen über größere Probleme mit dem Gebäude.

Von Joachim Fahrun

Die Berlin-Ausstellung im Humboldt Forums wird nicht wie geplant im Herbst 2019 als eine der ersten Expositionen im neu errichteten Berliner Schloss eröffnen.

Grund dafür ist nach Angaben der Berliner Kulturverwaltung, dass die Bauherren der Stiftung Humboldt Forum die Flächen in der ersten Etage mit Verzögerung übergeben hätten. „2019 ist deshalb nicht mehr zu halten“, sagte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) der Berliner Morgenpost.

Unter Insidern wird darum spekuliert, ob womöglich die gesamte Eröffnung des größten Kulturbaus Deutschlands ins Wanken geraten könnte. Das weist Stiftungssprecher Bernhard Wolter jedoch zurück: „Wie angekündigt, werden wir zum Ende des Jahres 2019 mit der abschnittsweisen Eröffnung des Humboldt Forums beginnen, die sich bis in das Jahr 2020 hinein erstrecken wird.“ Der Bau in der Berliner Mitte werde 2019 fertig gestellt.

Auch der Ersatztermin verstrich

Berlin wollte seinen Anteil von 4000 Quadratmetern im Humboldt Forum eigentlich schon im September 2018 übernehmen. Daraus wurde aber nichts. Auch der Ersatztermin am 1. Februar 2019 ist verstrichen, ohne dass die Berliner Ausstellungsplaner um den Stadtmuseums-Direktor Paul Spiess und den Kulturprojekte-Chef Moritz van Dülmen die Flächen schon mit Inhalten füllen konnten.

„Laut Einschätzung der für die Berlin-Ausstellung zuständigen Projektpartner ist damit eine Eröffnung der Berlin-Ausstellung im Herbst 2019 aufgrund der wiederholten baulichen Verzögerung produktionstechnisch nicht mehr möglich“, heißt es in einer Antwort von Kultur-Staatssekretär Thorsten Wöhlert auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Daniel Wesener.

Der Staatssekretär schreibt auch von Mehrkosten, die durch die bauliche Verzögerung resultieren. Diese seien bereits angezeigt, aber noch nicht beziffert. Eine genaue Kalkulation sei erst dann möglich, wenn die Flächen übergeben seien und ein Eröffnungstermin benannt worden sei.

Materialfehler als Ursache

In der Stiftung ist man bemüht, die Angelegenheit als undramatisch darzustellen. Die Berliner Flächen sollen am 4. März freigegeben, sagte der Sprecher Wolter. Als wesentlichen Grund für die Verzögerung nannte er einen Materialfehler bei der Oberflächenbeschichtung des Hohlraumbodens. Dieser sei inzwischen behoben. Mehrkosten seien in Bezug auf das Gesamtbudget nicht entstanden.

Die Stiftung geht weiter davon aus, dass es bei den Gesamtkosten von 595 Millionen Euro für das Gebäude bleiben werde. Den Löwenanteil bezahlt der Bund, Berlin ist mit 32 Millionen Euro beteiligt. Für die an drei Seiten angebrachte Barock-Fassade wird mit 80 Millionen Euro aus Spenden gerechnet.

Insider berichten, dass auf den berliner Flächen und in dem Neubau insgesamt keine gravierenden technischen Probleme gebe. Die Terminschwierigkeiten seien eher durch den Mangel an Bauarbeitern verursacht, weil die Firmen wegen der hervorragenden Baukonjunktur nicht genügend Leute schicken könnten. „Das ist noch kein BER“, hieß es in Anspielung auf den um Jahre verzögerten Neubau des Hauptstadtflughafens. Es wird erwartet, dass der Schloss-Bau bis zum Sommer technisch abgenommen werden wird. Gleichwohl bezeichneten Beobachter der Baustelle die Pläne, auch Erdgeschossflächen und die Kuppel in diesem Jahr fertig zu stellen als „sportlich“.

In den oberen Etagen ist man schon weiter

In den oberen Etagen zwei und drei, wo auf 17.000 Quadratmetern Exponate aus dem Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen die Kulturen der Welt präsentieren sollen, seien die Arbeiten schon weiter als im ersten Stock, wo sich die Hauptstadt präsentieren soll, hieß es von Seiten der Stiftung.

Genaue Termine für die Eröffnung gibt es aber noch nicht. Die soll der Stiftungsrat im Juni festlegen. Bisher war von einer „Eröffnungschoreographie“ die Rede. Die unterschiedlichen Teile des Hauses sollten sukzessive dem Publikum zugänglich gemacht werden. Der bisherige Plan sah vor, das Haus „von unten nach oben in Etappen zu eröffnen“, wie der Berliner Kulturstaatssekretär schreibt. Im Erdgeschoss wolle man zunächst mit Shops, Restaurants und Sonderausstellungen beginnen.

Der Grünen-Politiker Wesener bleibt aber misstrauisch. Erstmals habe mit dem Berliner Senat ein Akteur eingeräumt, dass der Zeit- und Kostenplan „Makulatur“ sei. „Mich ärgert, dass Kulturstaatsministerin Monika Grütters sich nicht ehrlich macht“, sagte Wesener. Im Hause der CDU-Politikerin weist man die Spekulationen zurück. Man gehe nach Informationen des bauausführenden Bundesbauministeriums „weiterhin von der rechtzeitigen baulichen Fertigstellung für die Ende 2019 geplante Eröffnung“ aus. Der Kostenrahmen werde eingehalten.

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 27.02.2019

 

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