„Schloss-Förderer von Boddien sauer: „Die Mauer muss weg!““

23.01.2019  Berliner Morgenpost

Von den Spreeterrassen am Humboldt Forum kann man die Spree nicht sehen. Der Geschäftsführer Wilhelm von Boddien ist empört.

Von Isabell Jürgens

Eigentlich hatten die Stiftung und der Förderverein Berliner Schloss am Dienstag Grund zum Feiern. Während die bereits im Dezember geschlossene Humboldt-Box, in der über Geschichte, Bau und Zukunft des Berliner Schlosses und des Humboldt Forums informiert wurde, bis März stückweise abgebaut wird, haben die Schlossfreunde nun gleich zwei neue Quartiere gefunden, in denen sie bis zur Eröffnung des Forums Ende dieses Jahres weiter über das Projekt informieren können.

Doch Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, ist die gute Laune vergangen. Grund dafür sind die sogenannten Spreeterrassen, die in diesen Tagen fertiggestellt werden. „Die Betonbrüstung ist so hoch, dass die Gäste der Caféterrasse die Spree nicht sehen können“, so von Boddien. „Die Mauer muss weg“, fordert er deshalb.

Das Wort des Hamburger Unternehmers Wilhelm von Boddien hat Gewicht, schließlich sorgte er 1993 mit seiner Schlosssimulation aus Planen maßgeblich für Zustimmung der politischen Entscheider für die Teilrekonstruktion des Schlosses. Zudem sammelt er bis heute erfolgreich Spenden für das historische Kleid des Mammutprojektes, bei dem der Bund mit 483 Millionen Euro und das Land Berlin mit 32 Millionen Euro beteiligt sind. Weitere 105 Millionen Euro sollen durch private Spenden für die Errichtung der historischen Fassade, des Schlüterhofs sowie der Kuppel zusammenkommen. „Davon fehlen noch 13 Millionen Euro“, sagt von Boddien. Immerhin 92 der versprochenen 105 Millionen Euro habe er bereits geliefert.

Wettbewerb bereits 2014 entschieden

Mit seiner Forderung, die gerade im Bau befindlichen Schlossterrassen vor der Ostfassade, an der die einzige modern gestaltete Seite des Humboldt Forums zu sehen ist, wieder abzureißen, stößt von Boddien bei den Bauherren allerdings auf wenig Gegenliebe. „BBZ Landschaftsarchitekten haben den Wettbewerb 2014 gewonnen, die Jury hat das damals so entschieden, und das Land Berlin baut nun nach diesem Entwurf“, sagt Bauvorstand Hans-Dieter Hegner.

In einer Demokratie müsse man es eben auch aushalten, wenn anders entschieden werde, als man sich das wünsche, sagt Hegner weiter. Zudem gebe es derzeit noch genügend dringlichere Baustellen rund ums Schloss. „Wir sind gerade auf der südlichen Seite, entlang der Karl-Liebknecht-Straße dabei, die 96 Bohrlöcher, die jeweils 100 Meter tief in die Erde gehen werden, vorzubereiten“, nennt der Bauchef ein Beispiel. Entlang des Gebäudes wird sich das Geothermiefeld erstrecken, mit dem das Schloss energieeffizient klimatisiert werden soll.

Doch der 77-jährige Schlossförderer will das nicht gelten lassen. Die Wettbewerbssieger hätten nur gewonnen, weil die computergenerierte Ansicht, die die Landschaftsarchitekten damals geliefert hatten, deutlich niedrigere Brüstungsmauern suggerierten. Tatsächlich können die Gäste auf der Simulation der Terrasse an ihren Tischen sitzend noch locker über die Brüstung auf die Spree schauen. „Dem Kellner auf dem Bild reicht die Mauer gerade mal bis zum Oberschenkel“, ärgert sich von Boddien.

In der gebauten Realität würden die Gäste dagegen in einem Betonverschlag ohne Ausblick sitzen. Dieser werde anschließend nur noch mit Sandsteinplatten verkleidet, ansonsten aber nicht verändert. Die Brüstungshöhe von 1,10 Metern über dem Terrassenboden entspreche zwar den gesetzlichen Vorschriften, so der Schlossförderer weiter. Er schlage deshalb vor, mit einer Betonsäge die Mauerkrone wieder abzutrennen. Technisch sei das möglich und auch nicht sehr teuer. Die erforderliche Brüstungshöhe könne man dann, wie überall am Spreeufer in Mitte, mit schmiedeeisernen Gittern erreichen. „Noch ist es nicht zu spät für eine Korrektur“, appelliert von Boddien.

Spendensammlung geht an neuem Ort weiter

Neben der „Korrektur“ der Spreeterrasse hofft von Boddien auch künftig auf Spender. Als Basis für die Spendensammler hatte ja bisher die Humboldt-Box direkt neben der Baustelle gedient. Nun sind Teile der Info-Ausstellung in ein Ladenlokal rund 300 Meter vom Schloss entfernt an den Werderschen Markt gezogen.

Auf der Lustgarten-Seite vis-à-vis vom Berliner Dom steht nur noch ein Info-Container, an dem Besucher ein Infoblatt des Fördervereins – und einen Wegweiser zum neuen Standort bekommen. Vorerst für sechs Monate kann der Förderverein die Räume nutzen – mit der Option auf eine Verlängerung um weitere drei bis sechs Monate, falls das Humboldt Forum nicht wie beabsichtigt ab Herbst schrittweise eröffnet wird.

Ausstellung am neuen Ort

Die Humboldt-Box war von 2011 bis Ende 2018 ein privat finanziertes, temporäres Ausstellungsgebäude am Schloßplatz gegenüber dem Lustgarten in Mitte. Weil ab Frühling 2019 an dieser Stelle die Erkundungsbohrungen für die Geothermieanlage des Schlosses stattfinden, wird die Box bis März komplett abgebaut. Der Förderverein Berliner Schloss will weiter informieren und Spenden sammeln. Dies wird der Verein künftig in einem Ladenlokal am Werderschen Markt 2 machen. An der Baustelle selbst steht lediglich noch ein kleiner Info-Container, der auf den neuen Standort verweist und als Startpunkt für Führungen rund ums Schloss dient.

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 23.01.2019

 

3 Kommentare zu “„Schloss-Förderer von Boddien sauer: „Die Mauer muss weg!““

  1. Es ist wohl so wie so oft in der Demokratie. Eine Entscheidung wurde getroffen von einem legitimierten Gremium, die auf falschen Tatsachen, nicht erkannten fehlerhaften Annahmen beruhte und nun berufen sich manche aus Bequemlichkeit oder Opportunismus, dass man es eben In einer Demokratie auch aushalten müsse, wenn anders entschieden werde, als man sich das wünsche. Dies Behauptung ist aber nicht die Regel der Demokratie, die doch Korrekturen bei neuen Gesichtspunkten, Einsicht und guten Argumenten erlaubt, sondern schlichte Dummheit, Sturheit oder Denkfaulheit. Ich nenne das nach dem Vorbild unserer britischen Nachbarn: „Brexismus“.

    1. Herrn von Boddien kann man nur recht geben. Landauf landab werden Flüsse mittlerweile renaturiert und zum Erlebnis für die Menschen gemacht. Ausgerechnet am Schloss sollen die Besucher des Cafes hinter einer Mauer sitzen und das Wasser nicht sehen. Wer will denn das? Die Sicherheit lässt sich regeln mit einer niedrigeren Mauer und einem in Sicherheitshöhe darüber angebrachtem Eisengeländer. Es ist natürlich schwer, geplante Fehler einzugestehen. Aber unter erwachsenen Menschen sollte das möglich sein.

      1. Herr von Boddien und auch Herr Grau haben Recht. Der Reiz, diese Terrassenfläche zu besuchen, liegt vor allem darin, von dort die Sicht auf das Leben im Bereich der Spree genießen zu können. Die jetzige sichthemmende Lösung ist total kontraproduktiv. Da bietet es sich auch aus Kindersicht schon an, störende Wandflächen durch pure Flächen aus Sicherheitsglas zu ersetzen, deren Durchsicht durch Pfosten und Geländer möglichst nicht gestört werden sollte. Die Wandhöhe von 1,10m wäre weiterhin einhaltbar. Stünde die Glasfläche auf einem Sockel von 25m Höhe, würde sich eine Scheibenhöhe von immerhin 85cm ergeben.

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