„Tag der offenen Baustelle: Heidi Hetzer sorgt im Berliner Schloss für Aufsehen“

26.08.2018 – Berliner Zeitung

 

Die Unternehmerin und Rallye-Fahrerin Heidi Hetzer (81) hat für einen weiblichen Akzent im Berliner Schloss gesorgt. Sie stiftete für die Fassade des Schlüterhofs einen Löwenkopf – bestand nach ihrer Weltumrundung 2017 aber darauf, die männliche Mähne abzuschlagen.

Bei den Tagen der offenen Baustelle konnten Besucher mit guten Augen deshalb am Wochenende im obersten Reliefband zwischen zahlreichen Löwenköpfen auch eine Löwin entdecken. „Das ist die einzige Bausünde, die wir uns geleistet haben“, sagte Fördervereinschef Wilhelm von Boddien augenzwinkernd.

Allein am Wochenende besuchten Tausende die wiedererrichtete Hohenzollernresidenz in der Mitte Berlins. Sie soll ab Ende 2019 unter dem Namen Humboldt Forum als großes Kultur- und Museumszentrum öffnen. Die Veranstalter erwarten bis zu 3 Millionen Besucher im Jahr.

Viele Gerüste sind bereits gefallen. Vor allem das Herzstück, ein nach dem Baumeister Andreas Schlüter benannter Innenhof, zeigte schon seine volle barocke Pracht. Höhepunkt dort war am Samstag ein Benefizkonzert der Berliner Philharmoniker.

Unter Leitung ihres designierten Chefdirigenten Kirill Petrenko wiederholten die Musiker ihre umjubelte Saisoneröffnung vom Vortag nochmals unter freiem Himmel. Atemberaubend vor allem Beethovens 7. Sinfonie mit ihrem furiosen „forte fortissimo“ zum Schluss – Bravorufe und begeisterter Applaus.

Nach Angaben von Fördervereinschef Wilhelm von Boddien brachte der Auftritt fast 450.000 Euro in die Kasse. Die Karten für 295 Euro pro Stück waren restlos ausverkauft. Einziger Wermutstropfen: Zu Beginn gab es nach den langen dürren Wochen erstmals etwas Regen, die 1500 Gäste mussten die ausgegebenen Plastikfolien überziehen. Bei der kostenlosen Live-Übertragung im ebenfalls voll besetzten Berliner Dom direkt gegenüber blieb das Publikum trocken.

Das Humboldt Forum ist mit Baukosten von insgesamt fast 600 Millionen Euro das mit Abstand größte Kulturprojekt des Bundes. 105 Millionen Euro müssen zur Rekonstruktion der historischen Fassaden über Spenden hereinkommen, davon fehlen noch etwa 20 Millionen. Trotz der angespannten Situation auf dem Baumarkt liege das Projekt weiter im Zeitplan, sagte Bauvorstand Hans-Dieter Hegner.

Die Besucher zeigten sich weitgehend angetan vom Ergebnis. Auf einer großen weißen Tafel hinterließen sie Notizen wie „Überwältigend!“ und „Bin begeistert!“. Allenfalls die spannungsreiche Kombination von rekonstruiertem Barock mit moderner Architektur stieß auf Skepsis: „Tolles Schloss, moderne Fassade eine Katastrophe“.

Auffallend einig waren sich die Kommentatoren dagegen in ihrem klaren Nein zu dem geplanten Freiheits- und Einheitsdenkmal auf dem Vorplatz. Einer schrieb: „Keine Wippe! Oder wollt ihr uns verschaukeln?“ (BLZ/dpa)

 

Quelle: Berliner Zeitung, 26.08.2018

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.