„Berliner Schloss fast fertig: Guck mal Berlin, deine Piazza colossale!“

22.08.2018   Berliner Kurier

 

Von Ulrich Paul

Der gelbfarbene Putz leuchtet hell, Löwenköpfe schauen von oben herab, Säulen zieren die Portale – der Schlüterhof im neuen Berliner Schloss ist fast fertig. An diesem Wochenende (25./26. August) können Besucher bei zwei Tagen der offenen Baustelle erstmals wieder ein Gefühl für die einstige preußische Pracht bekommen.

Drei Fassaden des Hofs, der an eine italienische Piazza erinnert, wurden originalgetreu rekonstruiert, eine in moderner Architektur errichtet. „Kieke, staune, wunder Dir!“ heißt das Motto des Publikumswochenendes. Und es wird das letzte sein, wie Hans-Dieter Hegner, der verantwortliche Bau-Manager sagt. Denn im kommenden Jahr soll hier unter dem Namen Humboldt Forum das neue Museums- und Kulturzentrum in der Mitte Berlins öffnen – zumindest ein erster Teil. „Wir sind zuversichtlich, mit einem klugen Baumanagement die noch ausstehenden Arbeiten rechtzeitig abschließen zu können“, sagt Hegner. Auch mit den Gesamtkosten von rund 600 Millionen Euro liege man im Plan. „Das Budget reicht. Wir werden es nicht reißen“, so der Bau-Manager.

Einnahmen des Benefizkonzerts sollen dem Schloss zugutekommen

Eine Lücke gibt es allerdings bei den Spenden. Von den zugesagten 105 Millionen Euro zur Rekonstruktion der historischen Fassaden, der Kuppel und der Innenportale fehlen noch 20 Millionen. „Wir werden nicht aufhören, bevor wir das Geld zusammenhaben – solange der liebe Gott mich lässt“, sagt Wilhelm von Boddien (76), der Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss und Mitinitiator des Projekts.

Ein ansehnliches Sümmchen dürfte am Sonnabend durch das Benefizkonzert der Berliner Philharmoniker hereinkommen. Das weltberühmte Orchester spielt unter Leitung seines künftigen Chefdirigenten Kirill Petrenko Richard Strauss und Beethovens 7. Sinfonie. Der Eintritt pro Person kostet schlappe 295 Euro. Die Einnahmen für fast 1500 Tickets sollen zu hundert Prozent dem Schloss zugutekommen

Am Tag der offenen Baustelle gibt es ein buntes Programm

„Ausverkauft“, melden die Veranstalter. Kostenfrei ist das Konzert in einer Live-Übertragung direkt gegenüber im Berliner Dom zu hören, das RBB-Fernsehen sendet am Abend eine Aufzeichnung (22.15 Uhr). „Wir wollen mit diesen Tagen der offenen Tür auch ein bisschen an die Spenderherzen rühren. Das haben wir nötig“, sagt Bau-Manager Hegner.

Am Sonnabend ist die Baustelle von 9 bis 14 Uhr geöffnet, am Sonntag von 9 bis 18 Uhr. Der Zugang erfolgt über den Eingang Nord (links neben der Humboldt-Box). Dazu gibt es ein buntes Programm mit Informationen über den Bau, Mitmach- und Experimentierstationen, Musik und Streetfood. Am Sonntagnachmittag beschließt die Showtanzgruppe der Brasilianerin Girlene Santos mit einer Sambashow das Programm – als Referenz an eine der größten Volkstanzkulturen der Welt, wie die Verantwortlichen sagen.

Spender wollte lieber einen weiblichen Löwen-Kopf

Denn das Humboldt Forum versteht sich nach eigenem Programm als „Ort der Weltkulturen“. Schwerpunkt werden die ethnologische und die asiatische Sammlung der Berliner Museen sein. Zudem sind zahlreiche Sonderausstellungen und Kulturveranstaltungen geplant. Wie viel von dem Haus – so groß wie etwa drei Fußballfelder – dann tatsächlich im nächsten Herbst eröffnet wird, will Bauvorstand Hegner noch nicht so recht verraten. „Das ist wie beim Weihnachtsmann“, sagt er. „Wenn Sie alle Geschenke vorher wissen, freuen Sie sich nicht mehr darauf.“

Das neue Schloss entsteht nach Plänen des italienischen Architekten Franco Stella. Neben dem Schlüterhof im Inneren werden an der Nord-, West- und Südseite die Barockfassaden nach historischem Vorbild rekonstruiert. Die bereits fertiggestellte Ostfassade wurde modern gestaltet.

Bei der Rekonstruktion der Fassaden und Ornamente habe man sich am historischen Vorbild orientiert, berichtet Schloss-Initiator Wilhelm von Boddien. Nur eine einzige „Sünde“ habe es gegeben, räumt er ein. So sei ein männlicher Löwenkopf seiner Mähne beraubt worden. Der Grund: Die Oldtimer-Weltreisende Heidi Hetzer hatte sich vor einem Jahr bereit erklärt, das Geld für einen Löwenkopf zu spenden. Sie wollte jedoch keinen männlichen, sondern einen weiblichen Löwenkopf. Also wurde die Mähne eines Löwen gestutzt. Zu sehen ist der Kopf oberhalb des Pilasters auf der Südseite des Schlüterhofs.

 

Quelle: Berliner Kurier, 22.08.2018

 

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