„Berliner Schloss gibt seine ersten Geheimnisse preis“

21.08.2018  Berliner Morgenpost

Das Humboldt Forum lädt am Wochenende mit Neuigkeiten zu den Tagen der offenen Baustelle ein.

Von Brigitte Schmiemann

Es riecht nach frischer Farbe auf der Baustelle, Rolltreppen, Elektrik und Klimatechnik sind installiert, die Gerüste fast alle abgebaut, für die Putz- und Malerarbeiten reichen kleine. Wenn die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss mit dem Förderverein am Wochenende zum sechsten Mal zu den Tagen der offenen Baustelle einlädt, wird es das letzte Mal sein. Ab November 2019 soll der Bau etappenweise eröffnet werden – als neues Museums- und Kulturzentrum in der Mitte Berlins.

Gut ein Jahr vor Fertigstellung des Hauses gibt es bereits eine Menge der neu entstandenen einstigen preußischen Pracht zu besichtigen: So dürfen an diesem Wochenende die Passage, die zweite Etage und der fast fertige Schlüterhof mit der größten Barockfassade nördlich der Alpen besichtigt werden. Rund 3,5 Millionen Ziegel wurden dafür verbaut. Zu entdecken gibt es dort zum Beispiel den Löwenkopf, den Heidi Hetzer 2017 gespendet hat. Direkt über dem linken Pilaster des Portals I im Schlüterhof (der vierte Kopf von links). Das Besondere an ihm: Der Löwe hat keine Mähne. „Sie durfte sie abschlagen, weil sie eine Löwin wollte“, berichtete Wilhelm von Boddien amüsiert. Das sei zwar eine kleine Bausünde, aber angesichts von 1000 Löwenköpfen verzeihlich.

Für Wilhelm von Boddien, den Initiator des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses, geht mit dem Bau ein Traum in Erfüllung. Auf den Titel „Schlossgespenst“, den er vor 28 Jahren von den Medien verpasst bekommen habe, ist er inzwischen sogar stolz: „Obwohl der erste Stein erst vor drei Jahren gesetzt wurde, sind wir inzwischen fast fertig. Großartige Künstler haben das geschaffen, die ganze Oberfläche ist handgearbeitet“, berichtete er am Dienstag bei einem Presserundgang im Schlüterhof. Drei Fassaden des Gebäudes sind originalgetreu rekonstruiert worden, nur die westliche Seite ist modern gehalten.

Für die Farbgebung der Fassaden konnte Margarete Kühn (1902–1995), die als Direktorin der West-Berliner Schlösser­verwaltung nach dem Zweiten Weltkrieg mit großem Engagement den Wiederaufbau des Schlosses Charlottenburg betrieb, einen großen Beitrag leisten. Das Sommerschloss der preußischen Könige hatte größere Schäden erlitten als das 1950 gesprengte Stadtschloss in Mitte, das einstige Winterquartier der Könige. Kühn hatte vier Putzstücke von der hellgelben Fassade des Charlottenburger Kernbaus in Kisten gesichert.

Putzstücke als Farbgebung der Schlossfassade

Das Schloss war 1943 von einer Bombe getroffen worden, dabei wurde die Fassade zum Knobelsdorff-Flügel freigelegt. Die Putzstücke wurden im vergangenen Jahr gefunden und dienten nun als Vorlage für die Farbgebung der Schlossfassade.

Der umtriebige Wilhelm von Boddien war es auch, der dafür sorgte, dass mit dem Konzert der Berliner Philharmoniker am Sonnabend im Schlüterhof eine alte Tradition wiederbelebt wird. Er hatte beim Empfang der Berliner Morgenpost im vergangenen Jahr die neue Intendantin der Berliner Philharmoniker, Andrea Zietzschmann, kennengelernt und mit ihr gleich über sein Herzensanliegen gesprochen. „Die Philharmoniker hatten im Schlüterhof von 1933 bis 1940 Sommerserenadenkonzerte gegeben. Und was für mich unfassbar ist: Dieses Weltorchester schenkt uns das Konzert jetzt“, berichtete von Boddien weiter.

Die Karten für das Konzert sind teuer, 295 Euro kostet eine, doch der Erlös kommt der Schlossrekonstruktion zugute. An Interessenten mangelte es nicht, nur zehn Karten gab es am Dienstag noch (insgesamt 1480 Plätze). Das Konzert wird aber auch übertragen in den Berliner Dom, zudem sendet das RBB-Fernsehen am Sonnabend ab 22.15 Uhr eine Aufzeichnung.

Der Schlossbau liegt nach Auskunft von Hans-Dieter Hegner, dem Bauvorstand der verantwortlichen Stiftung, im Zeit- und Kostenplan (rund 600 Millionen Euro). Liefer- und Kapazitätsengpässe seien zwar auch an dieser Baustelle nicht spurlos vorbeigegangen, aber mit einem klugen Baumanagement konnten alle Meilensteine erreicht werden, so Hegner.

Mit den Tagen der offenen Baustelle wollen die Veranstalter auch an die Spenderherzen rühren. Das ist auch nötig, denn noch fehlen dem Förderverein Berliner Schloss e. V. etwa 20 der benötigten 105 Millionen Euro. „Das ist noch verdammt harte Arbeit, das zu schaffen, aber ich bin optimistisch“, sagte von Boddien. Am Wochenende werbe der Verein mit einem Spendercafé im Schlüterhof.

 

Offene Baustelle

Eintritt frei

Mit dem Slogan „Kieke, staune, wunder Dir!“ laden die Verantwortlichen des Humboldt Forums am kommenden Wochenende zum letzten Mal zu den Tagen der offenen Baustelle ein: Sonnabend von 9 bis 14 Uhr, letzter Einlass in den Schlüterhof um 11.30 Uhr. Letzter Einlass zur Baustellenbesichtigung: 13.15 Uhr.

Sonntag

Geöffnet ist von 9 bis 18 Uhr. Letzter Einlass auf die Baustelle: 17.15 Uhr. Einlass ist am Eingang Nord des Humboldt Forums im Schloss, Schloßplatz 5, neben der Humboldt-Box.

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 21.08.2018

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.