„Am 1. Januar 2019 ist Schluss in der Humbolt-Box“

15.07.2018   Berliner Morgenpost

Die Humboldt-Box wird ab 2019 geschlossen. Tausende Besucher haben die Schloss-Ausstellung schon besucht.

Von Erik Baumgärtel
Anfang der 90er-Jahre arbeitete Luise Hillel noch in einer Attrappe, die das zerstörte Berliner Stadtschloss repräsentierte. Ein bloßes Gerüst mit bedruckter Fassade. „Das Einzige, was da dem Stadtschloss tatsächlich nahestand, waren die Portalfiguren von Balthasar Permoser.“ Mittlerweile hat die Fremdsprachenkorrespondentin Tausende Besucher im Jahr durch die 2011 eröffnete Humboldt-Box geführt. Neben 80 weiteren ehrenamtlichen Mitarbeitern zeigt sie in dem „Klotz“ neben der Schlossbaustelle, was in wenigen Monaten im Humboldt Forum zu erwarten ist.

Heute steht Hillel mit etwas Wehmut vor dem großen Berliner Stadtmodell aus dem 19. Jahrhundert im Eingangsbereich, dem „wichtigsten Exponat“, wie sie findet. Denn die Humboldt-Box schließt zum 1. Januar 2019. Bis 16 Uhr dürfen am Neujahrstag Schlossbegeisterte Ausstellungsstücke und Filme über den Baufortschritt bewundern. Danach ziehen Hillel und ihr Modell ins neue Forum, die Box wird abgetragen.

Viele Freundschaften sind hier entstanden, viel Kritik wurde ertragen. Über das Schloss, aber auch über die Box. „Die Leute haben zu Anfang viel gemeckert. Aber es musste ein Ausstellungsgebäude sein, das abstrakt und auffällig ist.“ Die Humboldt-Box fungierte über Jahre als Ausstellung und Informationszentrum für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses. Filme über den Baufortschritt und erste Modelle der Steinmetzkunst, die später im Schloss zu sehen sein werden, gibt es zu bestaunen. Für den Ausstellungsverantwortlichen, Marc Schnurbus, hatte die Box vor allem einen wichtigen Aspekt: Transparenz des Schlossbaus.

Die Dachterrasse fasziniert die Gäste ganz besonders

„Die Ausstellung hier war ein Publikumsmagnet. Er hat Besuchern verdeutlicht: Wir bekommen das Originalschloss zwar nicht zurück, aber man kann die Achse zum Brandenburger Tor nicht ohne das Schloss verstehen. Es ist das fehlende Puzzleteil in diesem Ensemble.“ Die Humboldt-Box war ein privates Investment einer Werbefirma aus Neuss. Das Gebäude umfasst fünf Etagen. Im ersten Obergeschoss gewährt der Förderverein Berliner Schloss Einblicke in den Baufortschritt, in den Ebenen zwei und drei präsentieren die staatlichen Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz und die Humboldt-Universität Ausschnitte ihres Sammlungs- und Medienbestandes.

Der Höhepunkt ist für viele aber der Ausblick von der Dachterrasse. Besucher können so einen Blick auf den Neubau und die Baustelle werfen. Für Birgit Zapp (56) und Ulf Werner (51) ist es nicht der erste Besuch hier oben. „Als wir das erste Mal hier waren, haben wir noch in eine Baugrube geblickt“, sagt der Architekt und ist erstaunt über den Baufortschritt. In dieser Höhe käme man dem Schloss nie wieder so nahe. „Jetzt fügt sich das Schloss perfekt in die Museumsinsel. Die Humboldt-Box ist dafür der richtige Vorgeschmack auf die Ausstellungen im Museum.“ Auch die Moderne soll Platz im neuen Forum bekommen. Die Laut-Ausstellung bietet den Besuchern dafür bereits einen Einblick in die Forschung unterschiedlicher Klangwelten. Für Jacob, Hubert, Emil und Samuel (alle 18) aus Brüssel ist sie noch interessanter als die Dachterrasse. „Großartig zu sehen, in welche Richtung sich unsere technische Kultur entwickelt“, sagt die Truppe begeistert. „Für uns ist das hier der faszinierendste Teil. Kritik gab es auch beim Bau des Centre Pompidou in Paris. Und daraus wurde eines der bedeutendsten Zen­tren für Kultur. Das wird hier auch passieren.“

Marc Schnurbus möchte weiter für Spenden werben, die in Fassadenverzierungen und Statuen des Stadtschlosses fließen sollen. 85 Millionen Euro sind bereits gesammelt, 105 Millionen Euro sollen es noch werden. Wer mehr als 50 Euro spendet, kann sich sogar noch einen Teil eines Steins auf der Südseite sichern. Durch eine Projektion in der Ausstellung wird gezeigt, wo dieser Stein genau verbaut ist.

Mehr als 30.000 Spender haben bereits mitgemacht. Ein Freundeskreis des Humboldt Forums aus Hamburg etwa hat für die Allegorie des Friedens, die drei Meter hohe Figur „Pax“, allein knapp 259.000 Euro zusammengelegt. Schnurbus kennt das Interesse an der Spendenbereitschaft: „Sie wollen Teil von etwas sein. Sie wollen, dass etwas nachhält, wenn sie bereits vergangen sind.“

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 15.07.2018

 

 

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