„Flussbad Museumsinsel: Von der Spree-Kloake zum Badeparadies“

27.02.2018   Berliner Morgenpost

 

Schon am 1. Juli soll es ein Testschwimmen in der Spree geben, organisiert vom Verein Flussbad. Dessen Unterstützer werden immer mehr.

Von Ulrike von Leszczynski

Abtauchen an der Museumsinsel: Für die Idee eines Flussbads mitten im historischen Berlin spüren die Initiatoren immer mehr Zuspruch. „Seit der Unterstützung im Abgeordnetenhaus im November ist ein Knoten geplatzt“, sagt Flussbad-Sprecherin Barbara Schindler. Der Verein werde ernster genommen. „Die Frage lautet heute nicht mehr, ob oder wann das Flussbad kommt“, ergänzt sie. „Sie lautet nun: Wie kommt es?“

Wie es sich im Spreewasser schwimmt, können Neugierige in diesem Jahr am 1. Juli testen. Dann startet der traditionelle Flussbad-Pokal als „Appetithappen“ für ein rund 800 Meter langes Sommerbad im Spreekanal. Die Anmeldungen beginnen schon im März. Das Potenzial eines Flussbads lässt sich erahnen, wenn die Schwimmer beim Pokal neben Pergamonmuseum, Altem Museum, Zeughaus und dem wiedererstehenden Stadtschloss abtauchen – ohne Zweifel eine Sommerattraktion.

Vom Badefluss zur Kloake und zurück

1925 schlossen die letzten Berliner Badeanstalten an der Spree, weil der Fluss im Industriezeitalter zur Kloake geworden war. Die Vision des Vereins ist es, 100 Jahre später – also 2025 – ein Bad im Spreekanal zu eröffnen. Das Abgeordnetenhaus forderte den Senat Ende November mit breiter Mehrheit auf, dieses Projekt zu unterstützen. „Diese Dynamik war hilfreich für uns“, so Schindler. Der Anstoß habe dazu geführt, dass bei allen Verwaltungsfragen ein Miteinander entstanden sei.

Dennoch liegt vor den Bade-Enthusiasten neben der Finanzierungsfrage ein mühsamer Weg. Sie müssen nicht nur bis 2019 wissenschaftlich nachweisen, dass ein ökologischer Pflanzenfilter im Spreekanal funktionieren würde. Vor allem müssen sie mit allen Anrainern sprechen. „Das heißt zu klären, wem welcher Zentimeter im Spreekanal gehört“, sagt Schindler. Auf Anrainer-Treffen habe es aber keinen grundsätzlichen Widerstand gegeben.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz sei gegenüber dem Flussbad-Projekt positiv eingestellt, bestätigt Stiftungssprecherin Stefanie Heinlein. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Unesco-Weltkulturerbestatus der Museumsinsel nicht gefährdet werde. „Das will bei uns niemand“, sagt Schindler. Damit müssen sich die Flussbad-Enthusiasten aber von ihrer Idee einer großen Freitreppe Richtung Wasser verabschieden. Denn die historische Schinkel-Mauer am Kanal darf nicht angetastet werden. Die Suche nach Alternativen läuft.

Unterstützung von den Berliner Wasserbetrieben

Auch die Berliner Wasserbetriebe hat der Verein auf seiner Seite. „Wir finden diese Idee super. Das ist alles nicht unrealistisch“, sagt Sprecher Stephan Natz. Bereits heute habe der Spreekanal Badewasserqualität. Einzige Ausnahme: Sturz- und Dauerregen in den Stadtteilen Neukölln, Kreuzberg und Friedrichshain. Dann schwappen die Mischwasserkanäle in Mitte über und die Drecksbrühe läuft auch in die Spreearme. Damit wird Baden zur Gesundheitsgefahr.

Noch mehr teuren unterirdischen Stauraum wollen die Wasserbetriebe am Spreekanal nicht bauen. Aber hauseigene Ingenieure unterstützten den Verein, sagt Natz. Da gehe es zum Beispiel um die Filteranlagen. Grundsätzlich hält Natz es für unmöglich, den Spreekanal nach ex­tremem Regen vor Dreckwasser zu schützen. „Aber das macht doch nichts. Dann ist das Baden dort eben an wenigen Tagen verboten – na und?“ Was zähle, sei doch der ganze Sommer und vor allem die Wiederentdeckung des Flusses und seiner Ufer. Auch dem Verein geht es nicht allein um Abkühlung in der Badesaison, sondern um ein lebenswertes Stadtzentrum mit ökologischem Gewinn.

Im Sommer 2017 ging das Probeschwimmen im Spreekanal buchstäblich baden – der Jahrhundertregen Ende Juni verursachte zu dreckiges Wasser. Dieses Jahr hat der Verein an eine Alternative gedacht: Wenn es am 1. Juli nicht klappt, ist der 9. September schon reserviert.

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 27.02.2018

 

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