„An diesen Stellen investiert der Senat in Berlins Kultur“

22.12.2017   Berliner Morgenpost

 

Der Senat investiert so viel Geld in Berlins Kultur wie nie seit dem Mauerfall. Ein Überblick, wohin das Geld fließt.

Von Gabriela Walde

Berlins Kultur geht es finanziell so gut wie nie seit dem Mauerfall. Dafür sorgt der neue Doppelhaushalt 2018/2019. Im kommenden Jahr steigt der Etat auf 725 Millionen Euro, 2019 werden es 710 Millionen sein – inklusive der Bereiche Religion, Europa und Denkmalschutz. Der reine Kulturetat – ohne Personalkosten – beträgt 625 Millionen Euro, für 2019 sind es 603 Millionen Euro.

Das bedeutet einen Zuwachs von nahezu 20 Prozent. Die Förderung der Basis – dafür schlägt das Herz des Kultursenators Klaus Lederer (Linke). Damit nicht nur ein „Teil der Stadtgesellschaft“ den Weg in die Kulturinstitutionen findet. Doch wohin genau fließt das zusätzliche Plus?

Festivalfonds: Diesen Finanzierungstopf hat der Kultursenator komplett neu aufgestellt. Mit ihm soll die Absicherung von jährlich stattfindenden Großevents – wie dem Karneval der Kulturen oder der Fête de la Musique – auf längere Sicht gewährleistet sein. Die Summe beträgt für 2018 gut zehn Millionen Euro, ein Jahr später werden es neun Millionen Euro sein.

Sanierungsstau: Ein großes Thema in Berlin, nicht nur Schulen sind sanierungsbedürftig, sondern auch Theater und Museen der Stadt. Der Sanierungsstau ist im Laufe der vergangenen Jahre aufgelaufen, jetzt soll langsam repariert werden. 38,5 Millionen Euro stehen bereit, zehn Mal so hoch ist der tatsächliche Bedarf. In welche Institutionen die Gelder im Einzelnen fließen, steht noch nicht fest. Der Kultursenator wird im Januar eine Prioritätenliste erstellen. Ganz oben gelistet sein dürfte die Komische Oper, gefolgt vom Konzerthaus am Gendarmenmarkt, der Philharmonie und dem Friedrichstadt-Palast. Auf diese Liste gehört zudem das Märkische Museum, das denkmalgeschützte Brücke-Museum in Zehlendorf könnte auch ein Fresh-up erhalten. Das Schiller-Theater muss nach dem Auszug der generalsanierten Staatsoper hergerichtet werden. Danach wird das Bauhaus Archiv – während des Umbaus – mit den Mitarbeitern in den Verwaltungstrakt an der Bismarckstraße einziehen. Ab Mai werden die Wölffer-Bühnen dort spielen, dann beginnt der Bau ihres Ersatztheaters. Die Mittel können auch verwendet werden, um Gebäude zu neuen kulturellen Orten zu entwickeln. Dazu gehört die Alte Münze am Molkenmarkt.

Tarifangleichung: Einen Großteil des Etats schluckt die Umsetzung der Tarifsteigerungen, die in den letzten Jahren verschleppt wurden. Die Gehaltserhöhungen der Mitarbeiter in landeseigenen Theatern und Museen werden also voll ausgeglichen, nicht mehr vom künstlerischen Budget abgezogen. Auch in der Freien Szene sollen künftig soziale Mindeststandards im Bereich der Honorare gelten. „Das Versprechen guter Bezahlung für gute Arbeit wird eingelöst“, so formuliert es der Kultursenator. Hier gibt es im nächsten Jahr einen Topf von über 11 Millionen Euro, im Jahr darauf sind es gut 18 Millionen Euro.

Kinder- und Jugendtheater: Diese Bühnen erhalten für 2018 und 2019 jeweils 1,55 Millionen Euro mehr gegenüber 2017. Darunter das Theater an der Parkaue mit 500.000 Euro und das Grips mit je 300.000 Euro. Mit dem Geld werden ausschließlich die Programmmittel aufgestockt. Beispiel: Das Grips erhält damit 2018 insgesamt 3,6 Millionen Euro, 2019 3,7 Millionen Euro. Die kleinen Kindertheater bekommen einmalig 100.000 Euro.

Freie Szene: Das HAU als Produktions- und Präsentationsort der freien Szene erhält zusätzlich 800.000 Euro. Erstmals dabei ist das Radialsystem mit einer Millionen Euro – ebenfalls ein Anker für freie Gruppen.

Atelierförderung: Berlin wirbt gern mit jungen Künstlern und ihren Werken in den Galerien. Dazu gehört, dass man ihnen Platz sichert, wo sie arbeiten können. Bis 2021 soll es in Berlin 2000 Atelier- und Arbeitsräume geben. Für die Schaffung und Erweiterung der Studios (besonders von landeseigenen Objekten) stehen 2018 rund drei Millionen, 2019 etwas über vier Euro Millionen Euro zur Verfügung. Zum Vergleich: In diesem Jahr waren es zwei Millionen Euro. Damit ist der Bereich Bildende Kunst gut aufgestellt.

Provenienzforschung: Seit dem Fall Gurlitt hat die Erforschung der Herkunft einzelner Kunstwerke und Objekte in Berlins Museen noch einmal einen Schub bekommen. Auf der Agenda von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) steht das Thema ganz oben. Jede Institution sollte Rechenschaft darüber ablegen können, was an den Wänden oder in den Depots hängt. Doch diese Arbeit ist zeit- und personalaufwendig. Der Bund ist hier eigentlich in der Pflicht. Zunächst werden drei unbefristete Vollzeitstellen finanziert, je eine in der Berlinischen Galerie, im Stadtmuseum und der Zentral- und Landesbibliothek. Damit wird deutlich, dass die Aufarbeitung und Folgen der NS-Zeit eine dauerhafte Aufgabe bleibt. Die Staatlichen Museen haben ihren eigenen Haushalt.

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 22.12.2017