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Das Humboldt-Forum – Die Mitte Berlins wurde neu definiert

Der Deutsche Bundestag beschloss am 4. Juli 2002 ein wegweisendes, neues Konzept für die inhaltliche Gestaltung der Mitte Berlins.  Dieses sieht ein gemeinsames Nutzungskonzept von Museumsinsel und Schloss vor, die einander so in großer Vollkommenheit ergänzen werden.

 

Kernbotschaften des Humboldt Forums

In Rückbesinnung auf die Aufklärung und insbesondere das Weltverständnis der Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt entsteht im Zentrum Berlins ein neuer kultureller Ort: das Humboldt-Forum. Damit nutzt Deutschland die historische Chance, im Herzen der Republik eine Institution einzurichten, die den Veränderungen des 21. Jahrhunderts gerecht  werden und gleichermaßen nach innen wie nach außen wirken will.

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Ziel des Humboldt-Forums ist ein besseres Verständnis unserer globalisierten Welt, die Völker und Kontinente näher zusammenrücken lässt. Dazu soll das Miteinander unterschiedlicher Kulturen gefördert und das gegenseitige Wissen voneinander vermehrt werden. Das Humboldt-Forum wird aufzeigen, welche Aufgaben in Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik vor uns liegen und dabei aktuelle Konfliktfelder benennen und diskutieren.

 

Im Geiste seiner Namensgeber weiß das Humboldt-Forum sich einer Sicht der Welt verpflichtet, in der Neugier, Respekt und Demokratie tragende Werte bilden. Diese Haltung leitet seine Akteure und Partner. Zu ihnen gehören die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit dem Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst ihrer Staatlichen Museen, die Berliner Zentral- und Landesbibliothek, die Humboldt-Universität zu Berlin sowie die Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum.

 

Das wieder errichtete Berliner Schloss als Ort des Humboldt-Forums verweist auf eine wechselhafte Geschichte. Die Berliner Museen, Bibliotheken und Universitätssammlungen hatten in der brandenburgisch-preußischen Kunst- und Wunderkammer des einstigen Schlosses ihre gemeinsame Keimzelle. Nun kehren sie mit einem aktuellen Angebot zurück. Dies umfasst die Sammlungen der nicht-europäischen Museen aus Dahlem, Bibliotheken und eine Welt der Sprachen der Berliner Zentral- und Landesbibliothek, ein Labor der Humboldt-Universität sowie zahlreiche Ausstellungs- und Veranstaltungsräume.

 

Das Humboldt-Forum steht jedoch nicht für sich allein. Es bildet den Abschluss der Museumsinsel mit ihren herausragenden Sammlungen zur Kunst und Kultur Europas und des Nahen Ostens. Fast 200 Jahre nach Errichtung des Alten Museums entsteht nun ein einzigartiger Ort für die Künste und Kulturen Asiens, Afrikas, Amerikas, Australiens und Ozeaniens – als anschauliches und beredtes Zeugnis für den globalen Austausch und für einen gleichberechtigten Dialog der Weltkulturen.

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Die neue Präsentation der musealen Sammlungen im Humboldt-Forum folgt drei Leitgedanken: Multiperspektivität, Gegenwärtigkeit und Publikumsorientierung. Ihre nach Kontinenten und Regionen ausgerichtete Grundstruktur wird über inhaltliche Erzählungen lebendig. Besonderes Gewicht liegt dabei auf dem Perspektivwechsel der Erzählpositionen, repräsentiert durch KuratorInnen, WissenschaftlerInnen oder KünstlerInnen, und nicht zuletzt durch Menschen aus den Herkunftsregionen der Sammlungsobjekte.

 

Die Kernkompetenz des Humboldt-Forums liegt in der inhaltlichen wie räumlichen Verflechtung von Kunst, Kultur, Natur, Wissenschaft, Forschung und Bildung. Neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Museen, Bibliotheken und Universität sollen erprobt werden. Damit ist das Humboldt-Forum mehr Veranstaltungsort als Museum, auch wenn die außereuropäischen Museumssammlungen gleichsam sein Rückgrat bilden. Alle Partner streben zudem dialogorientierte, interaktive Präsentationen an. Das Publikum wird zum eigenen Entdecken und Erleben, Erkennen und Verstehen eingeladen.

Dieses Schloss des 21.Jahrhunderts ist ein offenes Haus, zugänglich für alle Menschen, unabhängig von Herkunft, Alter, Ausbildung oder Vorwissen. BerlinerInnen sollen sich gleichermaßen angesprochen fühlen wie in- und ausländische Gäste, Kinder ebenso wie SeniorenInnen, Kunst- und KulturliebhaberInnen ebenso wie FachwissenschaftlerInnen. Das Humboldt-Forum schließt seine Gäste in den Dialog der Kulturen ein.

Museen der Außereuropäischen Künste und Kulturen

Am authentischen Ort, gegenüber dem bisherigen Erfolgsstandort Museumsinsel, der Wilhelm von Humboldt gewidmet wird, mit seinem europäischen Sammlungsspektrum von den frühesten Hochkulturen Vorderasiens und Ägyptens bis zu den einzigartigen Sammlungen mit den Werken des 19. Jahrhunderts in der alten Nationalgalerie, soll mit Schloss und Museumsinsel unter dem Namen  “Humboldt-Forum”  die Idee der Aufklärung aus dem frühen 19. Jahrhundert wiederaufgenommen werden, im Zentrum Berlins eine “Freistätte von Kunst, Wissenschaft und Kommunikation” entstehen. Diese wird Alexander von Humboldt gewidmet.

Das Humboldt Forum könnte als Motto unter einem Ausspruch  Alexander von Humboldts stehen:

„Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltananschaung derjenigen Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.“

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Im Mittelpunkt dieses Konzepts steht die Verwandlung des Schloss- und Museumsinsel-Areals in einen Weltort der europäischen und außereuropäischen Künste und Kulturen sowie der Wissenschaften. Ein großes, international angebotenes, hochkarätiges Veranstaltungs- und Konferenzzentrum dient der Kommunikation dieses Vorhabens und steht allen wichtigen Entscheidern, vor allem aber auch der Bevölkerung für die Befriedigung ihres Informationsbedarfs zur Verfügung.

Das Ethnologische Museum mit den Künsten und der Volkskunde Afrikas, der beiden Amerikas und Ozeaniens und das Museum für Asiatische Kunst ziehen von Dahlem ins Schloss. Sie werden sich gemeinsam mit den wissenschaftlichen Sammlungen der Humboldt-Universität und den außereuropäischen Literaturbeständen des Ethnologischen Museums und anderer Institutionen zu einem universalen Forum der Weltneugier und des Weltwissens verbinden.

Die magische Formel dafür lautet:  “Die Welt in der Mitte Berlins”.

Die Herkunft der Staatlichen Museen aus den Kunst- und Wunderkammern des einstigen Schlosses und die im 19. Jahrhundert erfolgte Verwandlung der Museumsinsel zu einer “Freistätte der Kunst und Wissenschaft” wird damit vollendet. Der Blick auf die heutige Situation zeigt das Schlossareal als Leerstelle in einem einzigartigen Netzwerk der Wissenschaften (Humboldt-Universität, Staatsbibliothek), Künste (Museumsinsel, Friedrichswerdersche Kirche, einstige Bauakademie) und Politik (Auswärtiges Amt, Rotes Rathaus, Deutsches Historisches Museum). Das Humboldt-Forum als Kunst- und Wissenszentrum für alle wichtigen Ereignisangebote zu allen Tageszeiten steht im Mittelpunkt der Präsentationen, ganz nach dem Motto des MuseumsInselFestivals: “Alle Künste ohne Ende”.

In Ergänzung zu den einzigartigen europäischen Kunstsammlungen aus 6 Jahrtausenden auf der bisherigen Museumsinsel, werden die außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin mit einem flexiblen, multimedialen Ausstellungsprogramm zur Idee des Universalmuseums Position beziehen.

Die Themen reichen von den “Schlössern und Palästen” Afrikas, Mittelamerikas und Asiens, die Menschenbilder der Kontinente bis hin zum Mythos “Außereuropa”, seine Geschichte und Zukunft. Die Museen, ihre Schätze, Meisterwerke und ihre Sammlungsphilosophie stehen hier im Mittelpunkt:

Das Ethnologische Museum, das mit über 500.000 Objekten, Fotodokumenten, Film- und Tonaufnahmen weltweit zu den größten und bedeutendsten seiner Art gehört, das Museum Asiatische Kunst mit seinen Sammlungen zu den Regionen der Seidenstrasse, des Indischen Subkontinents und Südost- und Ostasiens mit seinen Meisterwerken aus Indochina, China, Japan und Korea.

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Immer gegenwärtig in dieser Museums-Vision ist der Bezug zu den europäischen Sammlungen der Museumsinsel. Erst das Zusammenspiel der beiden Museumskomplexe erweist die geistige Identität der Staatlichen Museen als Universalmuseum, das in Zukunft die Künste und Kulturen der ganzen Welt an einem Ort – in der Mitte Berlins – zusammenführt. Der Masterplan Museumsinsel und der Masterplan Schloss-Areal bilden somit eine gedankliche Einheit.

Wissenschaftsmuseum

Wissenschaften und Künste wurden in Preußen schon immer besonders gefördert, verfügte das Land doch über keine Rohstoffe und war so auf das Können seiner Bürger angewiesen.Die Humboldt-Universität, 1810 gegründet, hat ihre Wurzeln in der unter Friedrich I. gegründeten Leibnizgesellschaft und der Akademie der Wissenschaften. Nach dem Toleranzedikt von Potsdam von 1685, kamen Flüchtlinge aus allen wichtigen Ländern Europas nach Berlin, so viele Calvinisten, Hugenotten, Juden, Salzburger u.a.m. Es waren in der Regel in ihrer Heimat unterdrückte Menschen, die ihre Freiheits- und geistigen Ideale im aufgeklärten Preußen-Brandenburg verwirklichen wollten. Ihr wissenschaftliches Können führte dazu, das Preußen führend in Europa in der wissenschaftlichen Innovation wurde. Einen letzten Höhepunkt fand diese Entwicklung Anfang des 20. Jahrhunderts, als in Berlin die allermeisten Nobelpreisträger lebten und an den Berliner Hochschulen arbeiteten, eine Rolle, die durch den Exodus nach 1933 heute die amerikanischen Universitäten übernahmen.
Die Humboldt-Universität verfügt durch ihre reiche, wissenschaftliche Tradition über die bedeutendsten wissenschaftlichen Sammlungen Deutschlands, deren wichtigste Exponate ebenfalls im Humboldt-Forum ausgestellt werden sollen.

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Ausstellung „Welt. Stadt. Berlin“

Insgesamt entsteht damit ein publikumswirksamer Unterbau für die völlig neu formulierte, integrierte geistige Partnerschaft der Staatlichen Museen Berlin, der Humboldt-Universität und der Stadt Berlin.

Diese wird hier zeigen, welchen Einfluss die Welt auf Berlin hatte, das ja seit der Zuwanderung von zahlreichen europäischen Flüchtlingen im 17. Jahrhundert bis heute zu einem deutschen Schmelztiegel der verschiedensten Ethnien wurde – und wie so Berlin auch vorbildlich für die Lösung von Globalisierungsproblemen sein könnte.

Das Konzept dazu ist noch nicht ausgearbeitet und soll im Winter 2015 / 2016 vorgestellt werde. Die bisherige Absicht, die Zentral und Landesbibliothek Berlin u.a. mit einem Sprachlabor am Humboldt Forum zu beteiligen, wurde im Frühjahr 2015 aufgegeben.

Den Diskurs zur Zukunft unserer geistigen Entwicklung im Rahmen der Globalisierung nimmt das Humboldt-Forum der außereuropäischen Kunst, Kulturen und Wissenschaften in seinen entscheidenden Aspekten vorweg:

Interdisziplinität, Internationalität und Zugänglichkeit für alle.

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Die Globalisierung führte durch die Vernetzung der politischen und wirtschaftlichen Prozesse unter einer einheitlichen Fachsprache zu einer Nivellierung, zum Verlust eines Grundverständnisses für die Andersartigkeit fremder Kulturen und damit Denkweisen fremder Völker. Nur wer sie kennt und in sein Handeln einbindet, kann erfolgreich im Weltmarkt agieren.

Das Humboldt-Forum soll so ein besseres Verständnis der Menschen für die Andersartigkeit der verschiedenen Kulturen vermitteln. Nur wer die Wurzeln der Kultur fremder Länder kennt, kann sie verstehen. Im Gegensatz zur meist emotional-negativ vermittelten Globasierungsdebatte, die auf Ängsten beruht, die wiederum zumeist auf Unkenntnis basieren, dem sog. “Clash of Civilisation”. Dieser wird an jedem Tagungsort der G7 medienwirksam sichtbar. Berlin wird mit dem, Humboldt-Forum so auch einen Beitrag zur Aussöhnung der Kulturen leisten können.

 

Damit erhält Deutschland eine Hauptstadt, deren Mitte aus der Kenntnis der Vergangenheit der Zukunft gewidmet ist. Die Vision des Neuen Berlin liegt so auch in einer Metropole der Völkerverständigung über die Kunst, Kultur und das Wissen. Dies ist der wesentliche Teil der programmatischen Botschaft des Forums Neue Mitte-Berlin – des Humboldt-Forums. Es wird so nicht nur die im Krieg und durch politische Willkür schwer zerstörte Mitte einer alten Kulturstadt Europas rehabilitiert, es wird ein neues, bahnbrechendes Konzept auch zu ihrer Nutzung verwirklicht.

In das Humboldt-Forum werden im Erdgeschoss vielseitige, öffentliche Veranstaltungsräume integriert, um auch der Debatte und auch der darstellenden Kunst wie dem Theater und der Musik im internationale Maßstab Raum zu geben. So wird das Humboldt-Forum ein einzigartiger internationaler Ort der Begegnung und der Auseinandersetzung mit der Weltkultur.

Intendanz

 

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Neil MacGregor

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Hermann Parzinger

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Die Bundesregierung hat für die Bespielung und innere Gestaltung des Humboldt Forums eine dreiköpfige Intendanz berufen, der der bisherige Direktor des British Museum in London, Neil MacGregor vorsteht. Prof. Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und damit Hauptnutzer des Humboldt Forums sowie der Kunsthistoriker Prof. Dr. Horst Bredekamp, Humboldt-Universität, gehören gleichberechtigt zur Intendanz.

Diese wird im Herbst 2015 die Arbeit aufnehmen. Sie wurde zunächst bis Oktober 2017 bestellt. Eine Verlängerung dieser Amtszeit über die Einweihung des Berliner Schlosses – Humboldt Forum hinaus ist vorgesehen.

Zu den Aufgaben gehört vor allem auch die Schaffung eines einheitlichen Rahmens, der auch die große Veranstaltungsebene im Erdgeschoss in die Gesamtkonzeption einbindet.

Eine erste, sehr wichtige A ufgabe der Intendanz ist, nach Vorlage eines Bespielungsplans sich bis mindestens 2025 die dazu nötigen finanziellen Mittel zu sichern. Dabei geht man von Kosten von jährlich mindestens 50 Millionen Euro aus. Dies ist nicht zuviel, wenn man weiß, dass das Museum of Metropolitan Art in New York über ein jährliches Budget von mehr als 100 Millionen Dollar verfügt. Seine Konzeption ähnelt der des Humboldt Forums, hier wird auch die gesamte Weltkunst gezeigt. Das Museum verzeichnet so mehr als 10 Millionen Besucher im Jahr bei Eintrittspreisen von 15 Dollar. Das Problem fast aller deutschen Museen ist hingegen, dass sie nirgendwo über ausreichende Betriebsmittel verfügen, um eine wirklich großartige, innovative Schau zu zeigen, einschließlich zahlreicher Sonderausstellungen.

Aber nur dann wird das Humboldt Forum seine von der Politik vorgegeben Aufgaben wirklich wahrnehmen können.