Die historische Mitte Berlins setzt die Maßstäbe

Der Wiederaufbau des Schlosses in seiner historischen Dimension stellt höchste Anforderungen an Architekten, Steinbildhauer und Steinmetzen. Die von uns seit 2004 im Maßstab 1:1 in künstlerischer Arbeit geschaffenen Ton- und Gipsmodelle dienen als Vorlage für die spätere Anfertigung der Fassadenelemente in Sandstein.

Inzwischen haben wir die Prototypen aller Details der Schlüterschen Fensterachesen fertig, ebenso die von Portal I und II. Portal III  ist in Arbeit, Portal IV wird demnächst am Staatsratsgebäude abgeformt und dient weitgehend in seiner Architektur auch als Vorlage für Portal V. Auch der Schlüterhof ist bereits in Arbeit. Die Entwicklung der Modelle erfolgt durch erfahrene Steinbildhauer, die sich zuvor mit der Kunst des Barock intensiv auseinandergesetzt haben.

Ohne solche Modelle wäre der Wiederaufbau des Schlosses in der erwarteten hohen Qualität nicht zu erreichen, da am Modell aus Ton noch schöpferische Retuschen vorgenommen werden können, am Sandstein später aber nicht mehr. Die Tonmodelle werden nach ihrer künstlerischen Abnahme in Gips abgegossen, diese Güsse sind dann die eigentliche Vorlage für den Steinbildhauer, der sie in Sandstein in der Tradition seines über 600 Jahre alten Gewerbes kopiert. Das eigentliche Kunstwerk aus Ton, das die schöpferische Leistung des Steinbildhauers darstellt, ist mit dem Abguss zerstört und damit verloren. Unsere Arbeit wird inzwischen viel beachtet und erfreut sich höchster Anerkennung, auch von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Wir können an dieser Stelle aus Platzgründen nicht alle unsere Arbeiten zeigen, die nachstehenden Fotos zeigen dennoch eindrucksvoll eine Querschnitt der hohen künstlerischen Qualität unserer Modelle.

Das Schlüterportal I am Schlossplatz

Das Portal I war der majestätische, offizielle Zugang zum Schloss. Es wurde schon 1701 fertiggestellt, damit der gerade gekrönte König Friedrich I. in Preußen hier in sein gründlich umgestaltetes Schloss einziehen konnte.

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Die Fensterachsen Andreas Schlüters

Die Schlüterschen Fensterachsen sind bereits weitgehend im 1:1 Modell fertiggestellt. Hier einige schöne Beispiel für die Qualität unserrer Arbeiten.

Haupt / Kranzgesims 

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Das Mezzaningeschoss

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(Foto: Hermann, Berliner Morgenpost)

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Adler aus dem Mezzanin. Im Vordergrund ein Originalkopf eines solchen, der 1950 aus dem Sprengschutt geborgen wurde. (Bild Links)

Der ersten Adler aus dem Hauptgesims sind fertig. 47 von ihnen saßen hoch oben unter der Balustrade des Schlosses in den Schlüterschen Fassaden, abflugbereit, dem Preußischen Wahlspruch folgenden: “Nec soli cedit” (Nicht einmal der Sonne weicht er). Und jeder war anders gestaltet, ein individuelles Original. Die Spannweite der Adler richtet sich nach dem Abstand der Fenster zueinander. Schlüter blendete seine Fassaden dem historischen Schloss von Caspar Theiss vor, das sehr unregelmäßig  gebaut war. Deswegen hatten die Adler, die Flügel mehr oder weniger weit ausgebreitet, eine Spannweite zwischen 1,20 m und 2,60 m. Die Köpfe schauten abwechselnd nach rechts und nach links.

Diese Unterschiedlichkeit kompliziert die Rekonstruktion ungemein, muß doch von jedem einzelnen Adler zunächst das individuelle Tonmodell und danach ein Gipsabguss angefertigt werden, bevor die eigentliche Sandsteinarbeit beginnt.

Aus dieser Vielfalt, die auch für alle an sich baugleichen Fassadenteile des Schlosses gilt, bedingt durch die individuelle Arbeit Hunderter von Bildhauern, erklären sich die immensen Kosten der Fassadenrekonstruktion, die ohne großzügige Spenden nicht aufgebracht werden können. Bitte helfen Sie mit, stiften Sie hier im Internet Ihre (n) Schlossbaustein(e)!

Das Paradegeschossfenster im 2. Stockwerk

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Das Schweifgiebel / Bukranionfenster im ersten Stockwerk

Gilt es Teile oder ein ganzes Bauwerk zu rekonstruieren, bedarf es einer Vielzahl von Materialien, um ein sach- und fachgerechtes Ergebnis im Sinne der Denkmalpflege zu erzielen. In erster Linie sollten die gesamten Bauakten, möglichst auch Detailzeichnungen, umfangreiches, aussagekräftiges Fotomaterial und Fragmente des verlorengegangenen Gebäudes vorhanden sein, damit der rekonstruierte, neu Bau in Form, Maßen, Materialien und Farbe dem ursprünglichen Objekt präzise entspricht.

Bedauerlicherweise ist der umfangreiche Bestand  der Bauakten des Berliner Schlosses durch Kriegseinwirkung verloren gegangen, sieht man einmal von einigen Reparaturzeichnungen ab.

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Um das fehlende, aber für die Rekonstruktion notwendige Planmaterial neu erstellen zu können, mussten daher andere Wege beschritten werden. Ein Handriss (Katasterplan) von 1880, der das Schloss zentimetergenau in seinen äußeren Maßen zeigt, wurde im Vermessungsamt Berlin-Mitte gefunden, darüber hinaus eine Vielzahl von Meydenbauerschen Fotos (Glasplatten 40×40 cm) in dem Brandenburgischen Landesdenkmalamt in Wünsdorf sowie zahllose Ruinenfotos aus dem Jahr 1950.

Mit einem völlig neuartigen, höchst komplizierten Computerverfahren wurden im Fachbereich Photogrammetrie der Technischen Universität Berlin die Fotos entzerrt und maßstabsgerecht in eine Ebene gebracht, so dass Einzelmaße herausgerechnet werden konnten.

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Diese Unterlagen waren die Grundlage für die Neuanfertigung des fehlenden Planmaterials, welches sich zunächst auf zwei Fensterachsen westlich von Portal IV vom Sockel bis zur Balustrade erstreckte.

Im metrischen Aufmaß des Schlosses gibt es nur ungerade Maße, es dauerte schon eine Zeitlang, bis wir herausgefunden hatten, dass ursprünglich das Schloss in rheinischen Fuss vermessen war. Mit diesem Maß hatten wir plötzlich klare Abmessungen der Schlossfassaden.

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Das hier vorgestellte 1:1-Modell des Schweifgiebelfensters (Bukranionfensters) ist ein Teil der zuvor genannten Fassadenplanung.

Die Herstellung sämtlicher Architekturteile des Fensters wurde von dem Steinmetz- und Bildhauermeister sowie Diplomrestaurator Carlo Wloch, Berlin, der auch Lehrlingswart der Steinmetz- und Bildhauerinnung war, steingerecht ausgeführt. Das Schmuckelement “Bukranion” wurde mit viel Einfühlungsvermögen von dem Bildhauer Matthias Körner, einem ausgewiesenen Kenner des Barock geschaffen. Körner hatte sich zuvor nach Anfertigung mehrerer Bozetti dem Schlüter / Böhme Thema genähert.

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Die Sandsteinteile an den Fassaden des neuen Schlosses kamen aus den Sandsteinbrüchen des Elbsandsteingebirges bei Pirna in sachsen. Die neuen Fassaden sollen aus denselben Materialien gefertigt werden wie die seines historischen Vorgängerbaus: Die Architekturteile aus dem harten Reinhardtsdorfer Sandstein und das Bukranion aus dem weichen Cottaer Bildhauer-Sandstein. Für das barocke, hölzerne Fenster sollte wieder abgelagertes Eichenholz genommen werden, welches zunächst dunkelbraunrot mit Ochsenblutfarbe lasiert, dann mehrfach mit einer klaren Firnis überzogen wird.
Das Musterfenster wurde von der Tischlerei Emme / Frau Tischlermeisterin Dipl.Ing. Angela Bühring gefertigt, die zur Restauratorin im Handwerk ausgebildet wird.

Die das Fenster umgebenden Putzflächen werden wie im 18.Jh. nach der Überlieferung gelb und altweiß gestrichen  – ähnlich dem Gelb des Charlottenburger Schlosses.

Ganz besonderen Dank gilt es den Firmen und Institutionen auszusprechen, die ihre Arbeiten kostenlos am Musterfenster zur Verfügung stellten:

Denkmalpflege Berlin, Herr Jacob: Farbfassung und Farbgebung des Fensters
Tischlerei Emme, Berlin, Frau Bühring: Anfertigung des Barockfensters
Firma Rogge, Berlin, Herr K.D. Müller: Herstellung der Putzspiegel.
Stuhlemmer, Dipl. Architekten für Denkmalpflege, Berlin, im Juli 2003

Wie groß das Fenster ist, sieht man  am Größenvergleich mit den davorstehenden Menschen :

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Verabschiedung des Letter of Intent zur Zusammenarbeit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit dem Förderverein Berliner Schloss zum gemeinsamn Bau der Infobox im Jahr 2003.
(v. links n. rechts: Der Generaldirktor der Staatlichen Museen, Prof.Dr. Peter-Klaus Schuster, der Präsident der Stiftung, Prof. Dr. Klaus Dieter Lehmann, Wilhelm v. Boddien und Dipl. Architekt Rupert Stuhlemmer, beide Vorstand Förderverein Berliner Schloss e.V.)