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Wilhelm von Boddien


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(2742)
(1842) Lindner
Sat, 4 July 2009 15:29:04 +0000

„Das was ich mir nur wünsche ist ein konkretes Konzept für die Nutzung. Wenn man sich nun für ein Museum für außereurpäische Kulturen entschieden hat, dann soll das neue Gebäude auch darauf Bezug nehmen.“

Inwiefern hat das alte Museum in Dahlem optisch auf die außereuropäischen Kulturen Bezug genommen?

„Somit würde es dann in guter Tradition zu den anderen Museen auf der Museumsinsel stehen, bei denen die Architektur auf die Ausstellungsstücke aussgerichtet ist.“

Das stimmt nur bedingt. Vielmehr entspricht die Architektur dem jeweiligen Zeitgeschmack: Antikentempel et cetera.

„Eine Fassade die auf diese Kulturen Bezug nimmt, würde sie auch optisch nach außen selbstbewusster präsentieren und nicht hinter zwanghaft kopierten europäischen Barock verstecken (was wäre das für ein politisches Signal?).“

Dürfen eigentlich die außereuropäische - und die europäische Kultur nicht zusammengebracht werden?

Man sollte bedenken, dass die außereuropäischen Kulturgüter, die im Humboldtforum ausgestellt werden sollen, Relikte der Vergangenheit sind und vielfach nichts mehr mit der heutigen Lebensweise in den Ländern gemein haben. Schuld war und ist die europäische/westliche Kultur.

Wie soll sich „außereuropäische Kultur“ in der Fassade widerspiegeln? Ist das überhaupt möglich bei der Vielfalt?
Ich sage NEIN. Es sei denn, man betrachtet Kulturen oberflächlich und setzt „außereuropäisch“ verallgemeinernd mit „exotisch“ gleich. Kultur modern zu interpretieren ist übrigens typisch für die westliche Welt und hat genauso wenig mit den fremden alten Kulturen zu tun wie die hier mehrfach gerügten Barockfassaden.

Inwiefern sich die außereuropäischen Kulturen selbstbewusst präsentieren wenn, wenn man das Humboldtforum „modern“ baut, müssen Sie mir erklären.

„(was wäre das für ein politisches Signal?)“

Die 500 Jahre Stadtschloss zu übergehen wäre ein Signal der Verlogenheit. Ein Signal, dass man Kultur im Grunde nicht wertschätzt und dass das Humboldtforum nur den Zweck erfüllt, sich als weltoffene und politisch korrekte Nation zu präsentieren.

Ich denke, bei dem Humboldtforum geht es nicht ausschließlich um das respektvolle Darstellen außereuropäischer Kultur, sondern eben um den respektvollen Umgang mit Kultur allgemein und dazu zählt auch die Deutsche.

Mich würde mal interessieren, was man außerhalb Europas über dieses Projekt denkt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich z.B. die Asiaten respektlos behandelt bzw. übergangen fühlen, weil das Museum Barockfassaden erhält.


(1841) nachdenklich
Sat, 4 July 2009 13:38:17 +0000

@Lars, ich verstehe dass Sie nicht alles lesen wollen. Was heißt für Sie eigentlich Ernsthaftigkeit? Ich meine das in Bezug auf den Stil hier im Gästebuch.

***
Eigentlich ist Ihre Frage ein positives Zeichen,

und wie schon S. Hartmann bemerkte, kann die Antwort am Rechner sitzend nicht erfolgen.
(Darin steckt überdies etwas Elementares unserer derzeitigen Situation, nämlich die Meinung, dass Probleme durch den Bildschirm erkannt würden, und auch so zu lösen seien. Unsere virtuelle Welt hat nämlich schon lange begonnen sich zu verselbständigen. Die tatsächliche Realität wird aber so leicht verzerrt und ausgeblendet werden.)

Der Schluss Ihrer Frage wäre, wo und wie verständigt man sich.
In so einem unpersönlichen Kreis wie hier funktioniert es, wie gesehen, nicht. (Schlammschlacht)
Betreffende würden es z.B. nicht wagen so zu sprechen, wie sie es hier tun, würden sie erst in einem Kreis gegenüber sitzen.

Was „lang“ und „breit“ geschildert wurde war nicht d a s s es den Kritikern gegen den Strich ginge, sondern w a r u m es gute Gründe gibt einen Entwurf zu überdenken.

Gab es denn überhaupt öffentliche Diskussionen? Oder nur Podiumsgespräche?
Ich bin mir auch sicher, dass argumentativ nicht weit genug ausgeholt wurde.

Es lohnt sich einmal genau zu erinnern!

Dem Verein kam es lange Zeit massiv zu pass, dass ja Rekonstruktionskritikern Sympathie zum DDR-Regime vorgeworfen werden konnte, da diese ja eine Möglichkeit in einer Umnutzung des P.d.R. sahen. Das war natürlich öffentlichkeitswirksam, ließ sich leicht einbauen. Der Leser braucht doch nur hier im Forum schauen. Logisch auch, dass die Parteien wider besseres Wissen keinen Standpunkt halten wollten, der Stimmen gekostet hätte.

Vor allem wäre es wichtig sich einmal umfassend mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das Gesagte der Kritiker wird man kaum gelten lassen, solange die Befürworter durch Verbindlichkeiten im Hintergrund motiviert, hier immerfort wiederholen, was ja schon leicht, und mehrfach widerlegt werden konnte.

Warum setzt man sich nicht einmal fair mit diesem Beitrag, hier im Archiv, vom 25.06.09 („Omas gute Stube“) von Grumbkow auseinander?

Dem Leser soll einmal auffallen, dass viel mehr darin steckt, als nur Architektur. Die Menschen unserer Gesellschaft sind satt, sie alle kennen Zahlen von Wahlbeteiligungen.
Die Menschen haben Angst vor Veränderungen, und da eine unvertraute Architektur keine Gewissheit mehr bietet, muss das traute Schloss wieder her. Nur keine Auseinandersetzung, ist das, was man leider beobachten muss.

(1840) Kreuzberger
Sat, 4 July 2009 11:28:01 +0000

@Schloßzwerg: Da ich ein sehr ernsthafter Mensch bin, bevorzuge ich doch eher die beschlossene Lösung.
Ihren Vorschlag würde ich aber allen anderen Alternativen vorziehen.
Wie wär´s mit dem Sockel des Nationaldenkmals als Standort?
Um die notwendige Seriosität zu gewährleisten, müßte der Zwerg allerdings die Fackel der Freiheit hochhalten und mit seiner Linken das Grundgesetz umklammern.

(1839) S.Hartmann
Sat, 4 July 2009 08:52:15 +0000

"nicht in der Lage ERNSTHAFT zu formulieren, wie das Areal stattdessen bebaut werden soll."
- was verlangen Sie denn? Wir können doch keinen ausgereiften Architekturvorschlag machen, der normalerweise durch professionelle Architektenteams innerhalb von Monaten erstellt wird.

Das was ich mir nur wünsche ist ein konkretes Konzept für die Nutzung. Wenn man sich nun für ein Museum für außereurpäische Kulturen entschieden hat, dann soll das neue Gebäude auch darauf Bezug nehmen. Somit würde es dann in guter Tradition zu den anderen Museen auf der Museumsinsel stehen, bei denen die Architektur auf die Ausstellungsstücke aussgerichtet ist.
Eine Fassade die auf diese Kulturen Bezug nimmt, würde sie auch optisch nach außen selbstbewusster präsentieren und nicht hinter zwanghaft kopierten europäischen Barock verstecken (was wäre das für ein politisches Signal?).


(1838) LARS
Sat, 4 July 2009 01:39:52 +0000

Hallo!
Ich habe ehrlich gesagt keine Lust mir alle Diskussionsbeiträge genau durchzulesen, dennoch möchte ich hier ein paar Zeilen schreiben.

Beim Querlesen ist mir aber aufgefallen, dass die Kritiker des Humboldtforums lang und breit schildern, wie sehr ihnen das Projekt gegen den Strich geht, auf der anderen Seite sind sie aber auch nicht in der Lage ERNSTHAFT zu formulieren, wie das Areal stattdessen bebaut werden soll.

@nachdenklich
Wenn man das Gästebuch nutzt, um mal zu äußern, dass einem das Projekt missfällt, ist das vollkommen in Ordnung. Wenn man sich aber auf eine Diskussion einlässt und ständig seine Fachkompetenz hervorhebt, dann müssen auch konkrete Gegenvorschläge auf den Tisch gelegt werden! Zu Recht nimmt man Sie nicht ernst.

LARS


(1837) Isidor
Sat, 4 July 2009 01:09:50 +0000

Ich muss sagen, dieser Vorschlag ist durchaus diskussionswürdig, denn mancher hier würde ihn sicher der Rekonstruktion des Schlosses vorziehen. Sicher zurecht, denn wie könnte man dem Geist unserer Zeit ein besseres Denkmal setzen?

(1836) Schlosszwerg
Sat, 4 July 2009 00:19:55 +0000

Meine Lösung des Problems bitte hier einsehen:
www.berlin-stadtschloss.com

(1835) Kreuzberger
Fri, 3 July 2009 21:44:54 +0000

@nachdenklich: Danke für Ihre werte Kenntnisnahme! Ich muß mich wohl wieder einmal dafür entschuldigen, das verschrobene Geschwafel ihres Alter Ego nicht als genial erkannt zu haben!
Etwas anderes: Die Mimosenhaftigkeit Ihres Auftretens scheint Sie nicht davon abzuhalten, die Diskussion Ihrerseits in eine Schlammschlacht verwandeln zu wollen. Meinetwegen. Solange die Sache einen gewissen Unterhaltungswert besitzt - warum nicht?
Wir können die Angelegenheit aber auch wieder auf eine zivilisierte Ebene zurückführen, wenn Sie und Ihr Kollege bereit sind, solche abgenutzten Kampfbegriffe wie "Gelsenkirchener Barock" oder "Zuckerbäckerstil" künftig zu vermeiden. Sie haben es hier nicht mit Stilmöbelliebhabern zu tun!



(1834) Isidor
Fri, 3 July 2009 21:42:42 +0000

@nachdenklich: Um Gottes Willen man, was Sie auch nehmen, setzten Sie es sofort ab, es bekommt Ihnen nicht! :-)

Und jetzt reißen Sie sich gefälligtst ein bisschen zusammen!!!

(1833) nachdenklich
Fri, 3 July 2009 20:35:09 +0000

@Kreuzberger, können Sie eigentlich nichts anderes als persönlich zu diffamieren? Sie haben ja noch nicht einmal den Anstand angemessen zu reagieren. Sie sind nicht in der Lage Zusammenhänge zu durchschauen. Ihre beißend ätzenden Kommentare, häufig unter der Gürtellinie reichen geistig scheinbar nicht zu mehr. Sie können nichts anderes als unverschämt sein. Man kann nur hoffen, dass Sie hier einmal erkannt werden.

Auf Sie trifft zu, was Paul Valery bemerkt:
''Wer das Denken nicht angreifen kann, greift den Denkenden an.''

***
Ich kann mir durchaus vorstellen, wie man sich mit einer gewissen Naivität in einer Art „Schlossromantik“ verrennt, und als „Schöngeist“ die Idee eines Nostalgieprojektes umsetzen möchte.
Das ist wohl menschlich.

Offenbart sich aber jemand so wie Sie, hier an dieser Stelle, sind diese „hehren“ Ziele wohl kaum mehr glaubhaft. Waren Sie eigentlich je in der Lage dem Leser Gedanken mit Niveau zu unterbreiten?
(Den Louvre hatten Sie ja schon mehrfach bemüht. –
Wiederholung, Ihr Vergleich hinkt: Louvre als Original steht noch, Berliner Schloss nicht mehr.)

Ihr Verhalten hier steht in keinem Verhältnis zu dem Gedanken des Projektes.

Ironie: „Mit „Anspruch“ Berlin eine Fassade geben wollen, letztendlich auf der Kunst des griechischen Tempelkanons aufbauend, eine Barockfassade, der zeitgenössischen ach so „unmenschlichen“ Architektur zum Trotz.

Der Leser soll Ihre Kommentare nur einmal richtig zur Kenntnis nehmen, die können wohl kaum mehr dem Kampf für Voluten und Pilastern eines „schöngeistigen“ Projektes geschuldet sein.

Man kann ja nur fragen:

Mit wie viel Geld „hängen“ Sie denn mit drinn?
Oder lastet auf Ihnen der große Druck der Spender, denen mehr als Fassaden versprochen wurden?

Sitzen Sie aus Langeweile an dieser „Front“, oder müssen die fehlenden Millionen hereinkommen damit es überhaupt noch etwas wird.

Sie sind ein „wertvoller“ Zeitgenosse.


(1832) Kreuzberger
Thu, 2 July 2009 22:02:56 +0000

Ein kleiner Lesetip noch: Herrn Grumbkows Assoziationen zu "Omas guter Stube", in welchen er sein notorisches Kulturbanausentum noch einmal nachdrücklich unterstreicht ("Gelsenkirchener Barock").

(1831) Kreuzberger
Thu, 2 July 2009 21:27:38 +0000

Stellas Konzept funktioniert nicht! Er geht denselben Weg wie die Schöpfer des Nikolaiviertels. Er ergänzt rekonstruierte Bausubstanz mit gängiger Mainstream-Architektur, die sich dann aber doch irgendwie anpaßt in Geschoßhöhe, Material, Fassadenaufteilung usw. Das kann nur eine grobe Karikatur des Barock werden, ebenso wie die gotisierenden DDR-Plattenbauten des Nikolaiviertels die Nikolaikirche nicht etwa hervorheben, sondern entwerten.
Wenn schon moderne Elemente, dann großflächige spiegelnde Glasfassaden ohne irgendwelche Unterteilungen, die nicht in Konkurrenz zu diesem historischen Bau treten.
Was sich hier anbahnt ist ein zweiter Pariser Platz! Gruselig!

(1830) IchBinEin...
Wed, 1 July 2009 17:51:00 +0000

"Und was halten Sie von der Innenraumgestaltung von Stella."

Wurden bereits Pläne und Ansichten veröffentlicht????
Die Wiederherstellung der historischen Innenraumsequenzen ist ein Muss!!


(1829) S.Hartmann
Wed, 1 July 2009 17:22:08 +0000

Welch Anhimmelung und Verehrung ;)

Wie wäre es wenn man mal wieder konstruktive Beiträge in dieses Forum schreiben könnte.
"Nachdenklich" versucht dies ja ab und zu, auch in Bezug auf andere Dinge ausser der Fassade.

Kommen wir doch mal auf die Nutzung zurück:
Sind Sie denn alle für die angedachte Nutzung als Museum für Außereurop. Kulturen und Bibliothek? Oder bevorzugen Sie eine andere Variante. Und was halten Sie von der Innenraumgestaltung von Stella.
Dazu kam bisher wenig Kritik, wenn wurde immer nur über seine Ostfasade gestritten.

Ich wünsche mir mal wieder eine schwungvolle sachliche Diskussion.

(1828) Kreuzberger
Tue, 30 June 2009 17:54:31 +0000

Die Breite Straße, die zur Südfassade des geplanten Schlosses führt, ist ja inzwischen nicht mehr ganz so breit und unwirtlich.
Ich könnte sie mir künftig als Wilhelm-von-Boddien-Straße vorstellen.

(1827) Langenberg aus Hessen
Tue, 30 June 2009 05:53:57 +0000

Statt dummes Geschwätz von wichtigtuerischen Politikern sollte endlich einmal von höchster Stelle dem Förderverein ein großes Dankeschön für seinen jahrelangen Einsatz gegeben werden.
Wir alle wissen, daß dieser Einsatz gegen die große Pressemehrheit und Architektenfunktionäre und anfangs auch gegen die Mehrheit der öffentliche Meinung unbeirrt vertreten wurde.
Ludwig Güttler, der große Förderer der Dresdner Frauenkirche, sagte einmal, anfangs hätten 90% der Leute gesagt, dies sei ein unsinniges Projekt; heute wollen alle schon immer dafür gewesen sein.
Beim Schloß stand der Förderverein zunächst auch ziemlich allein auf weiter Flur, aber eine Schar unerschütterlicher Leute mit einer Vision hat durchgesetzt, daß wir jetzt realistisch die Einweihung des Barockschlosses - im Äußeren wenigstens - erwarten dürfen. Vielen Dank dem Förderverein.

(1826) Klaus
Mon, 29 June 2009 22:55:30 +0000

Ohne Herrn von Bodding gäbe es kein Berliner Schloss. Danke für alle Mühen und Anfeindungen.

(1825) Südberlin
Mon, 22 June 2009 18:10:31 +0000

Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter. Man sollte sich nicht über alles aufregen, so ärgerlich die Äußerungen von Kampeter auch sein mögen.


(1824) Ernst Ludwig
Sat, 20 June 2009 07:53:32 +0000

Da erdreistet sich der haushaltspolitische Sprecher der CDU/ CSu-Bundestagsfraktion Steffen Kampeter vom "umstrittenen Förderverein" zu reden, und erst durch die nun gegründete Stiftung könne man "seriös" Spenden sammeln. Also ist der Förderverein unseriös und umstritten? Eine solche Formulierung finde ich unerhört und in jeder Hinsicht ungerecht. Ohne den Förderverein könnte dieser Herr (wer kennt den überhaupt?) weder von einem Schloß reden geschweige davon träumen.
Soll man sich das gefallen lassen?

(1823) Isidor
Thu, 18 June 2009 12:27:34 +0000

In der Tat: Ein Gegner oder Kritiker moderner Rekonstruktionen historischer Gebäude zu sein ist das Eine. Aber die ganze Architektur der letzten 500 Jahre als "schwulstig" oder "überkommen" zu verurteilen und die Moderne zum einzig Wahren zu erklären ist eine ganz andere Dimension. Solche Aussagen zeugen nicht gerade von viel Weitblick oder Vorausschauungsvermögen. Denn der moderne Baustil hat schon heute nur wenig Anhänger. Wer weiß, wie man in hundert Jahren über ihn richten wird!?

(1822) Kreuzberger
Tue, 16 June 2009 20:31:02 +0000

@Isidor
Auf die Gefahr hin, hier als Ihr Echo zu erscheinen, möchte ich dennoch Ihren netten Kommentar (1821) dick unterstreichen!
Ansonsten werde ich künftig dem leuchtenden Beispiel Herrn Grumbkows und des Nachdenklichen folgen und jedes meiner Worte auf die Goldwaage legen, bevor ich sie einer breiteren Öffentlichkeit zumute! :-)
Aber zurück zur Diskussion:
Nachdenklich hat wieder die "Schnörkel" im Visier. Aha!

(1821) Karl
Tue, 16 June 2009 18:49:31 +0000

"Mit diesem Beschluss werden ja sogar Ausbildungsinhalte konterkariert!
Auf das angeeignete Wissen, von der Allgemeinheit mitfinanziert, möchte man scheinbar nicht zurückgreifen. Eigentlich ist eine Zeit vor den Wahlen günstig, um auf Mißstände hinzuweisen."

Das sehe ich genauso. An den Hochschulen hat sich ein höchst bedenklicher, realitätsferner Mikrokosmos entwickelt und das auf dem Rücken der Allgemeinheit (Nachwuchsarchitekten mit eingeschlossen).


(1820) nachdenklich
Tue, 16 June 2009 16:55:29 +0000

Liest man einmal die letzten Abschnitte, und vor allem das Material (ua. in Nr.1811), gewinnt man eigentlich einen ganz guten Überblick, aber bekommt auch Hintergründe aufgezeigt, die einen Anreiz bilden können, sich nicht nur oberflächlich mit diesem Schlossfassadenprojekt auseinanderzusetzen.

Eigentlich wäre es wichtig, dass die Debatte zügig wieder auf den Tisch kommt, aber nicht nur wegen der finanziellen Situation, sondern hauptsächlich um über Alternativen nachzudenken.

All jene, die sich für unsere Hauptstadt mehr wünschen als diesen Nachbau, welcher obendrein Zweifel aufkommen lassen würde, welchen Geist unsere Gesellschaft tragen möchte, müssten eine Form finden, wie sie gemeinschaftlich diesem Wunsch eine Richtung geben könnten.

Diese Seite ist sicher ein sehr gutes Beispiel: http://www.kein-schloss-in-meinem-namen.de/
Gibt es eigentlich weitere Schritte?

Im Moment erleben wir, wie Studenten demonstrieren, um die Situation an den Hochschulen zu verbessern. U.a. das Bachelor-Master-System gerät in die Kritik, aber mehr noch die knappen Studienzeiten, die keine Möglichkeiten mehr lassen, sich mit seinem Wissen für gesellschaftliche Aufgaben einzusetzen. Man spricht von einer „Verschulung“ des Studiums. Geisteswissenschaftliche Studiengänge sollen z.T. von Hochschulplänen gestrichen werden.

Ich sehe da eigentlich einen direkten Zusammenhang zur Schlossdebatte.
Ein verschultes Studium, und eine einseitig technologieorientierte Sichtweise auf unsere Umgebung, sind vermutlich mitverantwortlich für die eingetretene Situation, die in dem Beschluss des Bundestages kulminiert, die alten Schlossfassaden nachbauen zu lassen.
(„Schnörkel“ = schön = Kunst)

Mit diesem Beschluss werden ja sogar Ausbildungsinhalte konterkariert!
Auf das angeeignete Wissen, von der Allgemeinheit mitfinanziert, möchte man scheinbar nicht zurückgreifen. Eigentlich ist eine Zeit vor den Wahlen günstig, um auf Mißstände hinzuweisen.

(1819) Isidor
Tue, 16 June 2009 10:31:54 +0000

Die Höflichkeit sollte immer gewahrt werden, aber wie Sie selbst sagen, ein gewisses Maß an Polemik muss erlaubt sein und das wurde mit dieser harmlosen Bemerkung auch nicht überschritten. Etwas anderes ist es mit persönlichen Angriffen oder unverschämten Behauptungen, wie ich sie mir einige Male von nachdenklich anhören musste, wenn ihm die Argumente ausgingen. Vielleicht lesen Sie sich nochmal einige Kommentare durch und entscheiden dann, ob Ihr Schützling wirklich Ihrer Hilfe bedarf.

Mich zum Echo von irgendjemandem zu degradieren ist übrigens so ein persönlicher Angriff.

(1818) Grumbkow
Tue, 16 June 2009 06:01:23 +0000

Schön, dass Sie beide sich so einig sind. Glauben Sie, das gibt Ihnen das Recht, sich hier öffentlich über die Beiträge anderer Gästebuch-Autoren lustig zu machen? Was meinen Sie, was ich mir alles verkneife an Kommentaren? Und wie lange schon! Der eine versucht, seinen Standpunkt deutlich zu machen, der andere kapiert es nicht. Diese Erfahrung machen nicht nur Sie allein. Wenn dieses Gästebuch oder einzelne Autoren Ihre Geduld überstrapazieren sollten, will ich Ihnen empfehlen, sich einfach mal zwei Tage zurückzuhalten. Aber bemängeln Sie nicht dauernd die Toleranz der anderen.
Jetzt dürfen Sie was sagen. Von mir aus auch beide, Kreuzberger und sein Echo.

(1817) Isidor
Mon, 15 June 2009 21:30:59 +0000

Sie sprechen mir aus der Seele :-) Außerdem: Wer keine Kritik verträgt, sollte nicht andauernd provozieren.

(1816) Kreuzberger
Mon, 15 June 2009 21:17:09 +0000

Grumbkow:
Es ist nicht so, daß ich Ihre Verärgerung nicht nachvollziehen könnte.
Ihr Vorwurf ist im Falle des "Nachdenklichen" jedoch vollkommen unangebracht.
Was meinen Sie, welches Maß an Contenance ich seit geraumer Zeit aufbringen musste, um mir das garstige Wort "Klugscheisser" nicht entschlüpfen zu lassen?

(1815) Grumbkow
Mon, 15 June 2009 20:38:38 +0000

Nichts gegen eine ordentliche Portion Polemik. Aber diese Art von Häme ist unwürdig und feige, Kreuzberger.

(1814) Kreuzberger
Mon, 15 June 2009 20:34:22 +0000

Er versucht es ja schon ganz verzweifelt, aber keiner versteht ihn! Zu dumm! Nicht die Situation, sondern wir! :-(

(1813) Karl
Mon, 15 June 2009 17:33:50 +0000

"nicht gedacht hätte, dass sie den Menschen damit keinen Gefallen tun.
Jeder, selbst ich, muss doch zugeben, dass ich über Dinge, mit denen ich mich nur wenig oder nicht auseinandergesetzt habe, auch nur unzureichend Bescheid weiß."

Lassen Sie uns teilhaben an Ihrem Wissen!

(1812) nachdenklich
Mon, 15 June 2009 17:05:24 +0000

Hallo Melanie, der bildhafte Ausdruck „schwülstige Fassade“ ist nur eine Reaktion, auf die weiter unten gemachten Äußerungen hinsichtlich einer „architektonischen Entwicklung“ in der Zukunft, so als ob mittels Barockfassaden die Probleme gelöst werden könnten, die sich der Architektur stellen.

Wenn Sie das Interview gehört haben (Link), dann erkennen Sie, dass auch Sie wie dort dargelegt argumentieren, so in etwa, - weil man moderne Architektur kennt, die scheinbar schlecht ankommt, ist es besser eine Schlossfassade zu wiederholen. Gibt es keine Alternativen? Wie sensibel wäre eine Schlossfassade?

Wenn Sie den Links einmal nachgehen, in Nr.1811, gibt es Informationen darüber, was Städtebau eigentlich ist.

Warum sagen denn die hier Anwesenden nicht wer sie sind, oder wer sie nicht sind?
Es fällt doch sofort auf, dass diese von bestimmten Dingen nichts wissen, die Sie aber in jedem Buch zum Thema nachlesen könnten, dass Sie in einer guten Bibliothek finden würden, erst recht in einer Hochschulbibliothek. Das meine ich mit Bildung, diese ist aber nicht nur in Büchern zu finden, wäre aber eine Grundlage. Mit jedem Wort offenbaren sich jene doch, dass sie sich nie mit Fragen der Baukultur auseinander gesetzt haben.

Vermutlich hat man schon eine Menge Spenden investiert, bzw. hat Verpflichtungen gegenüber Spendern, die sich aber nicht erfüllen lassen, weil man vorher nicht gefragt hatte, oder nicht gedacht hätte, dass sie den Menschen damit keinen Gefallen tun.

Jeder, selbst ich, muss doch zugeben, dass ich über Dinge, mit denen ich mich nur wenig oder nicht auseinandergesetzt habe, auch nur unzureichend Bescheid weiß. Wenn ich aber nichts weiß, muss ich alles glauben. Auch das, was man den Menschen hier einreden möchte.

(1811) Melanie
Mon, 15 June 2009 13:38:41 +0000

"Im Übrigen werden sich allein aus finanziellen Gründen, und der politischen Wirklichkeit, mit Schwulst überzogene Fassaden nicht etablieren."
Lieber "Schwulst überzogene Fassaden" als schwülstige Augen (vom Glitzerfassaden gucken) :)

Wieso glauben Sie eigentlich, dass es uns darum geht "Schwulst überzogene Fassaden" zu etablieren? Es geht vielmehr darum, dass man allgemein (an)erkennt, dass verschiedene Orte und städtebauliche Situationen auch verschiedene Herangehensweisen erfordern und dass die architektonische Sprache Bezug nehmen soll auf den jeweiligen (hochsensiblen) Ort.


(1810) Isidor
Mon, 15 June 2009 12:22:24 +0000

"Im Übrigen werden sich allein aus finanziellen Gründen, und der politischen Wirklichkeit, mit Schwulst überzogene Fassaden nicht etablieren."

Reißen Sie sich doch bitte etwas zusammen, lieber nachdenklich, denn Sie wissen ja: Das Thema sollte erst einmal entemotionalisiert werden! ;-)
Zudem sollten Sie sich endlich mal eine neue Masche einfallen lassen, anstatt alle Rekonstruktionsbefürworter weiterhin als dumm und ungebildet darzustellen ("Wie in dem Beitrag erkannt, ist es eben so, dass eine bestimmte Bildung in gewisse Kreise nicht vorgedrungen ist."). Wollen Sie uns im Übrigen diese Links tatsächlich als objektive Quellen verkaufen? Dass ein Architekt, zudem ehemaliger Chipperfield-Mitarbeiter und Mittäter beim "Masterplan Museumsinsel", gegen eine Rekonstruktion des Stadtschlosses ist, wird wohl niemanden aus den Socken hauen. Auch Philipp Oswalt, der sich seit Jahren mit fanatischem Eifer gegen dieses Wiederaufbauvorhaben wendet, hat nichts vorzubringen als schmierige Verleumdungen und unhaltbare Vorwürfe gegen den Schlossverein. Dieser Architekt, der alles tut für ein wenig mediale Aufmerksamkeit, schreckt auch vor juristischen Anklagen, für die er keinerlei Beweise hat, und persönlichen Angriffen gegen Herrn von Boddien nicht zurück, um das ganze Projekt irgendwie zu diffamieren und sich selbst zu profilieren. Dieser Mann ist, meiner Meinung nach, überhaupt nicht ernst zu nehmen.

Hier haben Sie einen kurzen, aber treffenden Artikel aus dem hiesigen Archiv:

http://berliner-schloss.de/de/Pressespiegel/Destruktive_Kritik.htm


(1809) nachdenklich
Mon, 15 June 2009 10:35:25 +0000

Für den Leser ist es sicher besser, dass gesamte Interview selbst zu hören, als durch unneutrale Brillen gefiltert.

Hier ist noch einmal der Podcastlink zu dem Interview von Deutschlandradio Kultur:
(Kopieren Sie Links in Ihre Adressleiste.)
http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2009/06/11/drk_20090611_1109_1e66f760.mp3

Wie in dem Beitrag erkannt, ist es eben so, dass eine bestimmte Bildung in gewisse Kreise nicht vorgedrungen ist. (Im Übrigen werden sich allein aus finanziellen Gründen, und der politischen Wirklichkeit, mit Schwulst überzogene Fassaden nicht etablieren.)

Es ist sicher einmal hilfreich Zugang zu Informationen, wie das Interview, zu schaffen, die aus diesem engen Kreis herausführen.

Auch kann der Leser einmal darüber nachdenken, inwieweit die Angst vor Wählerverlust seitens der Volksvertreter schon zu Fehlentscheidungen geführt hatte, und hat.

Ein weiteres Interview in der FAZ:

http://www.faz.net/s/RubCC21B04EE95145B3AC877C874FB1B611/Doc~
E3F97EAE99BAD4C26907BC3A70E641AD2~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Etwas zur Arbeitsweise des Fördervereins:

http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen_Gerichtsurteil_gegen_Berliner_Schloss-Verein_665943.html

http://www.urbancatalyst.net/downloads/KritikFoerdervereinSchloss.pdf

http://schlossdebatte.de/?p=79


***
Einmal darüber nachdenken sollten auch die Vertreter der Fakultäten, besonders natürlich die der Architektur, Geschichtswissenschaften, und all jener, die sich mit unserer Gesellschaft auseinandersetzen. Tangierung gibt es in vielerlei Hinsicht.

Studenten sollten sich angesprochen fühlen, um einmal gut organisierte Aufklärung zu leisten, damit das, was allgemeiner Stand bezügl. Forschung, Wissenschaft, und damit reflektiert in Kunst und Kultur auch in unserem Land zum Tragen kommt. Diese Gegenwartsangst, wie sie auch hier im Gästebuch zum Ausdruck kommt, behindert in vielen Bereichen.

(1808) Kreuzberger
Mon, 15 June 2009 00:34:26 +0000

@Rainer S.:
Geschichte ist die Summe des Geschehenen, unabhängig davon, was an zeugenden Artefakten erhalten ist. Der Palast der Republik ist deshalb nicht weniger Geschichte als das zukünftige Schloßgebäude. Wer sich wirklich für Geschichte interessiert, liest deswegen Bücher und verläßt sich nicht auf den rein visuellen Eindruck seiner Umgebung.

(Ich werde jetzt mal versuchen, nicht schon wieder doppelt zu posten. Diesmal klappt´s!)

(1807) Edelmann
Sun, 14 June 2009 20:29:19 +0000

" Eine Grünfläche! So etwas ist immer mehr Wert für die Erholung gestresster Großstädter und Urlauber (bei der Nähe zu den gerade noch besuchten Museum neben an)als jedes "Schloss" oder "Lampenladen" oder "..." "

Bei Sonnenschein auf einer Wiese zu liegen ist toll und sehr entspannend, aber diese Möglichkeit habe ich auch im Lustgarten oder im Monbijoupark. Wenn ich spazieren gehen möchte, fahre ich mit der neuen U5 ein paar Stationen Richtung Westen und bin innerhalb kürzester Zeit im Tiergarten, ein Steinwurf entfernt sind noch der Platz der Republik und der Spreebogenpark. Es gibt also genügend Orte in der Nähe, wo man die Art Entspannung findet, die Sie sich vorstellen.
Ich hingegen empfinde z.B. auch einen Museums- oder Bibliotheksbesuch als entspannend. Das Humboldtforum ist somit kein Verlust an Erholungsfläche, sondern viel mehr eine Veredelung dieser...und zwar eine sehr schöne... ;)

(1806) Rainer S.
Sun, 14 June 2009 18:09:05 +0000

Geschichte wird gemacht! ...

Ich finde, dies ist die Frage! Wird Geschichte gemacht? Oder versucht man hier Geschichte zu etablieren wobei man einen anderen Teil der Geschichte ignoriert.

Mir ist das Hauptargument durch aus bekannt. Dasist für mich auch der Grund wenn ein Schloss dann eines mit "originaler" Fassade!
Ich finde aber auch das hier die Frage stellt: Wo bleibt die Stadtentwicklung die der Geschichte würdig wird? Berlin "arm aber sexy" wie Stadtväter behaupten sollte mutig genug sein über echte Alternativen nach zu denken.

(1805) Kreuzberger
Sun, 14 June 2009 11:41:08 +0000

@Restitutor:

Keine Atempause. Geschichte wird gemacht! Es geht voran! :-)

(1804) Kreuzberger
Sun, 14 June 2009 11:40:52 +0000

@Restitutor:

Keine Atempause. Geschichte wird gemacht! Es geht voran! :-)

(1803) Kreuzberger
Sun, 14 June 2009 11:38:08 +0000

Eine Grünfläche wird ja demnächst zu bewundern sein.
Das wichtigste Argument für den Wiederaufbau, das du wohl übersehen hast, ist aber die Wiederherstellung des Stadtbildes.
Die Straße Unter den Linden und die Museumsinsel brauchen dieses Gebäude, um wieder zu dem historisch gewachsenen Ensemble zu werden, das es seit Jahrhunderten war.
Auf der östlichen Spreeseite gibt es genügend Grün, um alle zufriedenzustellen, die im Zentrum einer Großstadt unbedingt ländliche Idylle geboten haben möchten. Zudem ist der Tiergarten nicht weit.
Was das Argument mit der "glorreichen & glanzvollen" Zeit betrifft, wird das Schloß niemanden dazu verführen, Herrn v. Boddien zum Kaiser auszurufen, ebensowenig wie es die Pyramiden von Gizeh vermögen, die Ägypter für die Wiedereinführung der untergegangene Pharaonendespotie zu begeistern.

(1802) Restitutor
Sun, 14 June 2009 11:29:38 +0000

"Es ist nun mal Teil der Geschichte, dass es ein Schloss an bekannter Stelle gab. Es ist nun mal aber auch die Geschichte die Deutschland und Berlin nach einem schrecklichen Krieg geteilt hat."

Und jetzt ist es *Teil der Geschichte*, dass es wieder aufgebaut wird.

So what?

(1801) Rainer S.
Sun, 14 June 2009 10:23:09 +0000

Hallo Berliner-Stadtschloss-Gemeinde,
ich bin persönlich nicht für den Wiederaufbau ... nicht weil ich kein Schloss in Berlin stehen sehn will, sondern vielmehr weil ich der Meinung bin das eine Metropole der Welt sich nicht gegen die weiterlaufende Zeit sperren sollte.
Es ist nun mal Teil der Geschichte, dass es ein Schloss an bekannter Stelle gab. Es ist nun mal aber auch die Geschichte die Deutschland und Berlin nach einem schrecklichen Krieg geteilt hat. Womit die DDR-Diktatur die Möglichkeit hatte das Schloss zu sprengen und "Erichs-Lampenladen" zu errichten um sich und den "Bauernstaat" zu feiern und sein technisches Können der Welt zu beweisen.
Diesen "Schandfleck" und Abschnitt der Geschichte will man nun mit einem Wiederaufbau ausradieren und an eine "glorreiche" & "glanzvolle" Zeit anknüpfen. Das halte ich persönlich für den falschen Weg ... Berlin hätte (und sollte immer noch) für die nun entstandene Freifläche ein neues Nutzungskonzept finden - mein Vorschlag: Eine Grünfläche! So etwas ist immer mehr Wert für die Erholung gestresster Großstädter und Urlauber (bei der Nähe zu den gerade noch besuchten Museum neben an)als jedes "Schloss" oder "Lampenladen" oder "..." - Ein anders Nutzungskonzept zollt der Geschichte der Stadt und der Geschichte diese besonderen Flecken Erde den Respekt den jeder Abschnitt der Geschichte gebührt.
Wir reisen ja auch nicht das Berliner Olympiastadion oder den Alex samt Fernsehturm ein, nur weil sie in diktatorischen Zeiten entstanden sind, oder?



(1800) Tristan
Sat, 13 June 2009 21:04:00 +0000

Ja, wirklich ein wunderbares Projekt!
Ich würde mich über weitere Rekonstruktionen in der Zukunft in den deutschen Großstädten freuen.

Viele Grüße



(1799) Kreuzberger
Sat, 13 June 2009 19:50:11 +0000

Für einen Architektursoziologen und Unidozenten waren Sewings Äußerungen tatsächlich mehr als fragwürdig.
Seltsam, daß unser nachdenklicher Befürworter einer weiteren Zerstörung des Berliner Stadtbildes ausgerechnet dieses Interview empfohlen hat. Was aus seiner Sicht wohl überzeugend zu sein scheint, sehe ich jedoch als Eingeständnis der Orientierungslosigkeit eines großen Teils unserer architektonischen Elite.
Wem es noch immer nicht zu peinlich ist, Disneyland als Schreckgespenst an die Wand zu malen, scheint wirklich größte Probleme zu haben, seinen Standpunkt weiterhin überzeugend rechtfertigen zu können.


(1798) Edelmann
Sat, 13 June 2009 11:48:14 +0000

Großartiges Wiederaufbauprojekt!


(1797) Restitutor
Sat, 13 June 2009 09:00:46 +0000

Interview mit einem Architektursoziologen... diesem Link folgen und anhören:

http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2009/06/11/drk_20090611_1109_1e66f760.mp3

Vorher eine Quizfrage.... welcher Begriff fällt wohl im Verlauf dieses Interviews:

a) Respekt vor dem Bürgerwillen
b) Disneyland

Quizfrage 2... wie steht der Experte zur Dresdner Frauenkirche?

a) ein gutes Vorbild für weitere Rekonstruktionen
b) löblich, muss aber Ausnahme bleiben

Auf die Frage hin, was hinter dem Wunsch nach Rekonstruktionen steht: "So richtig wissen wir das noch nicht, bisher haben sich die Psychoanalytiker zum Thema noch nicht geäußert." Mal wieder der Rundumschlag, wonach Rekobefürworter spinnen.... auweia!

Und da liegt der Hund für den "Experten" begraben: "Da glaube ich, dass es eine extreme konservative Wendung in den gebildeten Kreisen gegeben hat. [...] Sogar die Denkmalpflege, die früher sehr kritisch war, hat mittlerweile diesen Schwenk vollzogen. [...] Ich glaube, vor allem die offizielle Kulturpolitik ist erheblich konservativer geworden, als sie es schon mal war."

Und dann noch dieser schöne Widerspruch... der "Experte" sagt bei 6.22:
"Und deswegen sieht alles das, was wir heute aufbauen, als Geschichte, das sieht einfach so aus wie Disneyland [...]."
Seltsamerweise sagt er bei 8.14 das Gegenteil:
"In vielen Städten stehen längst rekonstruierte Gebäude, und der Laie erkennt sie nicht. Sogar der Fachmann erkennt sie manchmal nicht auf der ersten Blick. Und es ist ja schon in den 50er, 60er, 70er Jahren einiges rekonstruiert worden, was man heute nicht mehr erkennt. Die Innenstädte von Breslau, von Warschau, von Danzig sind Rekonstruktionen und haben schon wieder Patina angesetzt. Ich glaube tatsächlich, dass das sehr schnell geht, dass man nicht mehr weiß, aus welcher Zeit ein Gebäude stammt."

Was denn nun? Sind die Rekos alle so schlecht, dass sie nach Disneyland aussehen, oder so perfekt, dass sie sogar Experten täuschen?

Und krönender Abschluss die Formulierung "einem Vertreter Kaiser Wilhelms, Herr Boddien also..." :augenrollen:

(1796) Isidor
Fri, 12 June 2009 14:06:08 +0000

Sie wiederholen sich, ist Ihnen das noch nicht aufgefallen?

(1795) nachdenklich
Fri, 12 June 2009 12:34:28 +0000

Worum es geht, erkennt der Leser sicher recht deutlich.

Hier ist übrigens das Interview von Werner Sewing im Deutschlandradio Kultur.

Den Link einfach in die Adressleiste kopieren:

Titel:

„Rekonstrukions-Wahn als architektonische Bankrotterklärung an eine ganze Epoche“

http://www.dradio.de/rss/podcast/sendungen/thema/


@Kreuzberger, @Isidor, @Karl: Text- und Gesprächsanalyse gehört zum Unterrichtsstoff!

(1794) Karl
Fri, 12 June 2009 11:07:59 +0000

"Sind diese Repliken auch noch symbolisch aufgeladen, gibt es Gruppierungen die das ausnutzen, aufspringen, wie auch im Falle eines Berliner Schlosses. – Zumindest folgt eine Stärkung rechter Ansichten, die in der Mitte ankommen."

Das ist genauso unsinnig wie die Forderung des Herrn Wiehler das historische Pflaster in Berlin durch Asphalt zu ersetzen, im Glauben, Autonome hätten am 1. Mai keine Wurfgeschosse mehr.


(1793) Isidor
Fri, 12 June 2009 10:54:47 +0000

Ich sehe das ähnlich wie Kreuzberger. Die Bauhaus-Moderne verabschiedet sich langsam und macht Platz für eine neue Stilrichtung, die sich wieder mehr an gediegene Konventionen hält. Das ist ein natürlicher Vorgang, der niemanden verwundern sollte, denn die Architektur entwickelt sich nun mal weiter und Weiterentwicklung kann auch heißen, dass man wieder einen Schritt zurück geht. Schließlich gab es in den vergangenen Jahrtausenden in Kunst und Architektur immer wieder Rückbesinnungen auf vorangegangene Zeiten. Ich würde den Beginn dieser neuen Bewegung allerdings eher an den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche ansetzen. Die Rekonstruktion des Berliner Schlosses ist wohl nur eine Folge davon.

Dass wir uns aber am Anfang eines Wandels befinden, lässt sich wohl nicht bestreiten. Davon zeugt nicht nur die hohe Zahl an Rekonstruktionen, sondern auch eine Vielzahl moderner Gebäude, die, obwohl schlicht, doch deutlich ästhetischer und konservativer gehalten sind, als es noch vor 10 oder 20 Jahren möglich gewesen wäre.

(1792) Kreuzberger
Fri, 12 June 2009 10:38:42 +0000

@nachdenklich:
Spielen Sie sich hier nicht als Oberlehrer auf.

(1791) nachdenklich
Fri, 12 June 2009 10:10:03 +0000

Worum es geht, erkennt der Leser sicher recht deutlich.

Hier ist übrigens das Interview von Werner Sewing im Deutschlandradio Kultur.

Den Link einfach in die Adressleiste kopieren:

Titel:

„Rekonstrukions-Wahn als architektonische Bankrotterklärung an eine ganze Epoche“

http://www.dradio.de/rss/podcast/sendungen/thema/


@Kreuzberger: Text- und Gesprächsanalyse gehört zum Unterrichtsstoff!

(1790) Kreuzberger
Fri, 12 June 2009 09:28:31 +0000

Doppelt gepostet, sorry! Kann man das wieder löschen? :-)

(1789) Kreuzberger
Fri, 12 June 2009 09:00:47 +0000

@ Grumbkow
"Lustig" ist vor allem Ihr Beitrag. Ist Ihnen noch nicht aufgefallen,daß diese Grundsatzdiskussion durch das permanente Nachtreten der Rekonstruktionsgegner erst so richtig angefacht wurde?
Von souveräner Gelassenheit ist doch auf Ihrer Seite kaum noch etwas wahrzunehmen. Stattdessen wird Gift verspritzt und in einer Weise polemisiert und diffamiert, als ginge es hier tatsächlich primär um eine komplette Neuausrichtung der Architektursprache zur Behebung der gegenwärtigen Orientierungslosigkeit.

Eine Gebäuderekonstruktion ist übrigens alles andere als ein langweiliger Vorgang. Das ist eine hochinteressante Angelegenheit, zumal in dieser Dimension.
Vielleicht gründen Sie ja irgendwann einmal einen Verein zur Wiedererrichtung des Palastes der Republik, dann werden Sie das auch mit anderen Augen sehen.


(1788) Kreuzberger
Fri, 12 June 2009 09:00:37 +0000

@ Grumbkow
"Lustig" ist vor allem Ihr Beitrag. Ist Ihnen noch nicht aufgefallen,daß diese Grundsatzdiskussion durch das permanente Nachtreten der Rekonstruktionsgegner erst so richtig angefacht wurde?
Von souveräner Gelassenheit ist doch auf Ihrer Seite kaum noch etwas wahrzunehmen. Stattdessen wird Gift verspritzt und in einer Weise polemisiert und diffamiert, als ginge es hier tatsächlich primär um eine komplette Neuausrichtung der Architektursprache zur Behebung der gegenwärtigen Orientierungslosigkeit.

Eine Gebäuderekonstruktion ist übrigens alles andere als ein langweiliger Vorgang. Das ist eine hochinteressante Angelegenheit, zumal in dieser Dimension.
Vielleicht gründen Sie ja irgendwann einmal einen Verein zur Wiedererrichtung des Palastes der Republik, dann werden Sie das auch mit anderen Augen sehen.


(1787) Grumbkow
Fri, 12 June 2009 07:30:13 +0000

Das ist lustig: Den technischen und kulturhistorisch doch eher langweiligen Vorgang einer Rekonstruktion (von drei Fassaden) auf Krampf zur Avantgarde eines epochalen kreativen Stilwandels zu erklären! Wenn man mit im breiten Fahrwasser schwimmt, ist es leicht, als Rebell gegen das Establishment zu posieren. Haben wir da in unserer Jugend irgendwas versäumt und wollen es auf unsere alten Tage noch mal nachholen? Dass sich das späte Revoluzzer-Getue – „Wir läuten eine neue Epoche ein, durch Rückbesinnung!“ – ausgerechnet am Imitat dreier barocker Schlossfassaden festmacht, ist am Ende allerdings weniger lustig als traurig.

(1786) Kreuzberger
Thu, 11 June 2009 22:54:31 +0000

@nachdenklich: Ihren ersten Satz kann sicherlich jeder unterstreichen. Ansonsten wage ich einmal zu vermuten, daß Sie vor 550 Jahren die Renaissance und vor 220 Jahren den Klassizismus mit der selben Vehemenz und mit den selben Argumenten bekämpft hätten, wie sie heute jedes Aufflammen einer architektonischen Neubesinnung bekämpfen.
Sie sollten sich endlich eingestehen, daß Sie der eigentliche Beharrende auf Ewiggestrigem sind. Ihnen geht es nicht um das Schloß, sondern um das Umdenken, das sein Wiedererstehen bewirken könnte.
Ihre Ideale der 20er Jahre, die anfangs berechtigt, später unumgänglich, in ihrer Pervertiertheit und Abgestumpftheit inzwischen aber unerträglich geworden sind, haben sich endgültig überlebt.
Die menschlichen Grundbedürfnisse haben sich seit Jahrtausenden nicht geändert, deshalb sollten Sie nicht so tun, als könnte man sie beliebig strapazieren und Ihren Vorstellungen eines abgehobenen architektonischen Mainstream unterordnen!

(1785) nachdenklic
Thu, 11 June 2009 22:01:13 +0000

Ich finde man muß immer genau Obacht geben, auf das, was man formuliert.
Geschichtliche und Kunstgeschichtliche Kenntnisse gehen Hand in Hand, so auch das Nichtwissen darüber.

Wie schon ausgeführt, wenn heute das hässlichste Gebäude in einem Dorf die Sparkasse ist, lag das nicht immer am Architekten, sofern dieser überhaupt beteiligt wurde. Es wäre wohl zu leicht, so Schuldige zu suchen. Die Menschen haben ihre Möbel von sich aus weggeworfen, oder weiß gestrichen, da hat niemand über ihre Köpfe hinweg entschieden. Man muss ihr Verhalten auch aus der Zeit heraus beurteilen.

Was ja eine wesentliche Aussage war, ist dass wir nicht zurückkehren können, und dass Geschichte erst recht nicht mehr lesbar wird, wenn wir überall Repliken aufstellen.

Sind diese Repliken auch noch symbolisch aufgeladen, gibt es Gruppierungen die das ausnutzen, aufspringen, wie auch im Falle eines Berliner Schlosses. – Zumindest folgt eine Stärkung rechter Ansichten, die in der Mitte ankommen.

Um den Faden des Interviews weiterzuspinnen, wenn unsere zukünftige Realität eine virtuelle ist, wird alles andere überflüssig. Das Gefährliche an virtuellen Welten ist aber, dass sie die Menschen durch sie leichter manipulieren lassen.

(1784) Isidor
Thu, 11 June 2009 14:11:11 +0000

Ein interessanter Radiobeitrag, wenn er auch keine neuen Erkenntnisse bringt. Die Quintessenz, wie Sie schon erwähnten, ist, dass man Geschichte nicht nachbauen kann, also das Standardargument der fehlenden Authentizität (wer hätte gedacht, dass er das Wort "Disneyland" gebrauchen würde?!).

Ansonsten erkennt Herr Sewing aber ganz richtig den Grund für die neue Lust am Rekonstruieren, der in dem "Misstrauen", wie er es nennt, der Bevölkerung gegen die moderne Architektur liegt. Ich persönlich halte Abneigung oder Verdrossenheit für ein zutreffenderes Wort, denn sie entsteht immer da, wo etwas über den Kopf des Volkes hinweg und gegen seinen Willen durchgesetzt wird.

Die Rekonstruktionen sind also in der Tat in erster Linie eine Antwort auf die Architektur unserer Zeit und der letzten 60 Jahre. Würden die Architekten nun darauf reagieren und sich etwas an die Bedürfnisse der Menschen anpassen, so könnte moderne Architektur tatsächlich wieder eine Alternative zur Rekonstruktion werden. Es gibt Architekten, die das bereits erkannt haben (Hans Kollhoff, Patzschke & Partner), doch ihre Zahl ist leider noch sehr gering. Es bleibt zu hoffen, dass zukünftig mehr Architekten diesem Beispiel folgen werden.

(1783) Karl
Thu, 11 June 2009 14:00:00 +0000

"Die Aussage stimmt, dass geschichtliche Kenntnisse immer weniger werden, dass merkt man ja auch deutlich daran, was hier im Gästebuch zum Vorschein kommt."

Dass viele Mitmenschen den Unterschied zwischen Barock und Klassizismus oder Rekonstruktion und Original nicht (er)kennen, ist eher auf ein oberflächliches Interesse für Architektur zurückzuführen.
Man kann auch nicht auf der einen Seite Sensibilität für Architekturstile erwarten und auf der anderen Seite jahrzehntelang erfolgreich alles "Nichtpuristische" verurteilen und als überholt oder gar als wertlos bezeichnen.
Schon gar nicht sollte man auf die Idee kommen, Architekten allgemein ein größeres Geschichtsbewusstsein zuzusprechen, als dem Normalbürger!




(1782) nachdenklich
Thu, 11 June 2009 13:08:38 +0000

In den 60er und 70er Jahren gab es diese Tendenzen, zu einem architektonischen Kahlschlag. Allerdings beschränkte sich das nicht nur auf die Architektur, mit ihren Architekten. Unfair wäre auch, die heutige Generation für Entwicklungen verantwortlich zu machen, die sich vor 40 Jahren vollzogen hatten. Wenn man etwas tiefer geht, erkennt man auch, dass die Nachkriegsgeneration mit dem „altdeutschen“ Geist der Väter und Großväter, der letztendlich in der Katastrophe endete abschließen wollte.

Eine wesentliche Aussage ist auch, dass das Bürgertum in unserer Gesellschaft die Moderne nicht verinnerlicht hatte, und hat. Das resultiert auch sehr stark aus unserer Geschichte. Ein Beispiel ist die kunstgewerbliche Kitschwelle in der gleichen Zeit.
Die Aussage stimmt, dass geschichtliche Kenntnisse immer weniger werden, dass merkt man ja auch deutlich daran, was hier im Gästebuch zum Vorschein kommt.

Sei es drum, die Quintessenz, die auch Werner Sewing zum Ausdruck bringt ist, dass man die Geschichte nicht nachbauen kann.

An den Leser gerichtet hieße das ua. auch, aus dieser virtuellen Welt zurückzukehren, und sich mit der realen Welt auseinanderzusetzen. ;-)


Wenn Sie den unten angegebenen Link in Ihre Adressleiste kopieren, öffnet sich eine Seite des Deutschlandradio Kultur. In der rechten Spalte unter „AUDIO ON DEMAND“ auf „Flash“ klicken.
In dem sich öffnenden Fenster, könne Sie die Sendung auswählen.

Die Sendung wurde heute, dem 11.Juni, um 11.09 Uhr im Radiofeuilleton, dieses Senders ausgestrahlt, mit dem Titel:

„Rekonstrukions-Wahn als architektonische Bankrotterklärung an eine ganze Epoche“

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/

Das Thema erfährt auch heute um 23.05 Uhr auf dem gleichen Sender seine Fortsetzung, in einem Bericht zum 5.Kulturpolitischer Bundeskongress

"kultur.macht.geschichte - geschichte.macht.kultur"

(1781) Karl
Thu, 11 June 2009 12:06:13 +0000

„Rekonstrukions-Wahn als architektonische Bankrotterklärung an eine ganze Epoche“

Immer dann, wenn sich eine Entwicklung festgefahren hat, gab es einen Rückgriff, um zu gesunden oder sich neu zu erfinden. Den "Rekonstruktions-Wahn" haben die Architekten und Kritiker des ästhetischen Bauens selbst verschuldet. :)
Zugeben werden sie das nicht (wie man hört), nur immer lauter lamentieren.


(1780) Karl
Thu, 11 June 2009 11:25:57 +0000

"Sie sollten sich einmal in persönlichen Gesprächen äußern dürfen, das könnte Ihnen helfen."

Bei bestimmten Charakteren führt auch das persönliche Gespräch zu keinem Erkenntnisgewinn ... ach, wem erzähl' ich das?!

(1779) nachdenklich
Thu, 11 June 2009 10:34:34 +0000

Für den interessierten Leser des Gästebuches.
Heute gab es im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, im Deutschlandradio Kultur um 11:09 Uhr, im Radiofeuilleton, einen sehr interessanten Beitrag zum Thema:

„Rekonstrukions-Wahn als architektonische Bankrotterklärung an eine ganze Epoche“

Man kann das Interview nachhören, indem man die Seite von Deutschlandradio Kultur aufsucht.
(Dort ist der Link z.Z. noch sichtbar, in der rechten Spalte unter „AUDIO ON DEMAND“ / THEMA.
Klicken Sie wahlweise auf „Flash“, oder „MP3“ unter der Überschrift, wie hier oben bezeichnet)

Kopieren Sie dazu diesen Link in Ihre Adressleiste:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/


Später kann man Sendungen auch hier nachhören:
http://www.dradio.de/podcast/

Grüße

(1778) nachdenklich
Thu, 11 June 2009 06:44:40 +0000

@Isidor, @Kreuzberger:

Vielleicht sollten Sie ein paar Tage warten, und dann unten Aufgezeigtes noch einmal lesen. (?)

Sie sollten sich einmal in persönlichen Gesprächen äußern dürfen, das könnte Ihnen helfen.
Es tut mir wirklich Leid.

Grüße


(1777) Kreuzberger
Wed, 10 June 2009 20:46:03 +0000

Der Diskussionsstil des Nachdenklichen ist mir nur zu gut aus vielen Gesprächen mit religiösen Fanatikern bekannt. So "argumentieren" Fundamentalisten, Kreationisten und Sektenanhänger aller Art.
Ich finde die Parallelen erstaunlich. Wer es wagt, die Reine Lehre in Frage zu stellen, wird diffamiert und als unzurechnungsfähig hingestellt. Argumente werden nicht sachlich widerlegt, sondern einfach ignoriert. Fragen werden mit Gegenfragen beantwortet.
Als seriöser Gesprächspartner läßt sich dieser Nachdenkliche jedenfalls nicht oder nicht mehr bezeichnen.

(1776) Isidor
Wed, 10 June 2009 10:20:32 +0000

Lieber nachdenklich,

ich möchte nicht, dass diese ernsthafte Thematik zu einer Farce verkommt, aber vielleicht sollten Sie sich doch einfach mal an die eigene Nase fassen, statt mir immer wieder nur meinen furchtbar polemischen Stil vorzuwerfen, der für Sie scheinbar nicht zu ertragen ist.

Ich möchte nicht reflektieren, was ich hier vorbringe? Im Prinzip möchte ich nichts anderes, das heißt: Ich möchte, dass andere es reflektieren, damit eine Diskussion stattfinden kann. Leider machen Sie sich nicht die Mühe, irgendeines meiner Argumente, die gewiss nicht so töricht sind, wie Sie sie darstellen, zu widerlegen oder auch nur darauf einzugehen. Wie gerne würde ich erfahren, was denn nun so unbedingt gegen eine Rekonstruktion oder einen allgemein konservativeren Baustil spräche. Doch ich bekomme darauf, vermutlich in Ermangelung triftiger Argumente, keine Antwort von Ihnen. Statt nur über den Stil des Gesprächspartners zu disputieren, würde ich viel lieber über das eigentliche Thema reden, dem sie jedoch konstant ausweichen, weil es ja vermutlich doch keinen Sinn hat, mit mir darüber zu diskutieren, nicht wahr?

Sie nennen meine Aussagen manipulativ. Dabei sind Sie derjenige, der mich die ganze Zeit als den kleinen unwissenden Schuljungen hinzustellen versucht, der von nichts eine Ahnung hat und im brodelnden Zorn seine emotionsüberladenen Texte schreibt. Alles, was ich schreibe, unterziehe ich einer reiflichen Überlegung und versuche es möglichst sachlich darzustellen. Aber etwas Polemik wird wohl noch erlaubt sein, das hat nichts mit Emotionalität zu tun. Und wenn ich Sie daran erinnern darf, sind Sie derjenige, der mit ungehörigen und aggressiven persönlichen Angriffen gegen mich reagiert, die so eines Forums nicht würdig sind. Wie können Sie es sich anmaßen, zu behaupten, dass ich nichts wisse und dass ich Ihnen leid tue? Das ist ganz einfach unverschämt und trägt zu keinem seriösen Dialog bei. Vielleicht sollten Sie einmal versuchen, Ihre Gefühle besser zu kontrollieren!

Ansonsten begnügen Sie sich in Ihrem Beitrag (1777) einmal mehr mit Zitaten und feindseligen Aussagen.

"Sie erkennen nicht, dass hier die gleichen Mechanismen wirken, wie sie auch durch eine Politikverdrossenheit hervorgerufen werden, nämlich, dass sich „Entscheidungsfindung“ dann logischerweise auf anderen Ebenen, und mitunter nicht ganz reell vollzieht. "

Vielleicht können Sie mir diese Passage etwas genauer erläutern. Sind Sie der Meinung, dass, wenn man das Volk über Bauprojekte entscheiden ließe, es von extremistischen Kräften gesteuert werden würde?

(1775) nachdenklich
Wed, 10 June 2009 08:29:25 +0000

@Isidor: Schauen Sie, die Diskussion kann man so nicht weiterführen.
Sie möchten wahrscheinlich gar nicht reflektieren, was Sie hier vorbringen.

Wenn Sie den Artikel in der FAZ gelesen haben, so kam am Anfang zum Ausdruck, dass das Thema einmal entemotionalisiert werden sollte.


Darf ich die Worte noch einmal vorbringen, die Sie verwenden?

Nr.1767:

„Es wird ja immer wieder von modernistischen Architekten in Rekonstruktionsdebatten das Argument der fehlenden Authentizität herangezogen. Dabei fallen dann jedes Mal die gleichen Phrasenwörter von "Disneyland" bis "Geschichtsverfälschung"

„Sicherlich spricht diese aggressive Verteidigung und Anfeindung gegen Andersdenkende nicht gerade von einem starken Selbstbewusstsein.“

„Aber ist das wirklich der Sinn der Sache? Sollte Architektur nicht versuchen, möglichst vielen zu gefallen und zur Verschönerung der Stadt beizutragen? Scheinbar nicht nach Auffassung der meisten modernen Architekten.“

„So ist das eben. Jede Diktatur [meint die Architekten] muss sich mit aller Härte und Gewalt gegen ihre Gegner richten, weil sie sonst ganz schnell untergehen wird.“

Nr.1773

„und die Architekten können sich ganz daran austoben“

„Meiner Meinung nach stecken Komplexe dahinter, die Angst, dass die gelernten Vorstellungen von Architektur, die in der Bevölkerung hauptsächlich Missfallen erregen, bald ausgedient haben könnten.“

Es ist ein ganz natürliches Bedürfnis, dass jede Nation sich von den anderen zu unterscheiden versucht, darin besteht keine Gefahr.

„Die Erinnerung an diesen bedeutenden Teil der deutschen Geschichte wird durch die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses, in welchem die preußischen Könige und (ab 1871) deutschen Kaiser über Jahrhunderte ihre Residenz hatten, wieder lebendig werden“


***
Hier unten, in Nr.1776 sagen Sie dann über meinen Beitrag aus, dass dieser so unglaublich arrogant sei.

***
Ich wiederhole noch einmal eine Grundaussage, aus meinem letzten Beitrag:

„Deshalb ist es wichtig dass jeder Einzelne sich mit einem Thema auseinandersetzt.“

„Bilden kann man sich nicht nur durch Bücher, sondern auch in der Auseinandersetzung mit einem Thema, in der Auseinandersetzung mit Meinungen. Wichtig ist es viele Meinungen zu hören, und dazu ist es auch mitunter wichtig sein Umfeld einmal zu verlassen, um Menschen zu sehen, und kennenzulernen. (Der Sonnenstuhl reicht nicht)
Die Mehrheit, von der Sie sprechen schaut am Abend häufig fern, es gibt Quotenrenner (Die schaut doch die Mehrheit, oder?), sie nehmen dadurch sogar Einfluss auf das Medienangebot. Sie wissen welche Sender mit welchen Inhalten gefördert werden? Welche Zeitungen?“

***
@Isidor: Sie haben Recht, Sie haben nicht richtig gelesen, weil Sie meine Aussagen nun benutzen, um den Leser wieder zu manipulieren.

Überdies sagen Sie aber selbst:

„Nun, auch ich glaube nicht daran, dass die Mehrheit der Bevölkerung in irgendeinem Land dieser Welt besonders klug ist.“

Diese Worte habe ich nicht, wie man nachlesen kann, und möchte ich auch nicht gebrauchen. Ich habe versucht zu zeigen, dass Entscheidungen wie diese, und erst recht politische Entscheidungen, eine gewisse Auseinandersetzung mit einem Thema erfordern. Sie erkennen nicht, dass hier die gleichen Mechanismen wirken, wie sie auch durch eine Politikverdrossenheit hervorgerufen werden, nämlich, dass sich „Entscheidungsfindung“ dann logischerweise auf anderen Ebenen, und mitunter nicht ganz reell vollzieht.

Eigentlich tun Sie mir Leid. Mit solchen Haltungen werden Sie in Ihrem Leben nichts dazulernen. Vielleicht versuchen Sie einmal ein persönliches Gespräch in einem Architekturbüro, oder mit verschiedenen Menschen überhaupt, vieles ist Suggestion was Sie äußern.
Versuchen Sie einmal mit Menschen zu sprechen, die aus einem anderen Umfeld, wie dem Ihren kommen. Das wäre sehr wichtig.

Übrigens, ich bin kein Architekt. „Normale“ Menschen tun mir auch etwas Leid.


Wenn Sie weiterhin eine Antwort erhalten möchten, müssen Sie Ihren Stil ändern, und Ihre Emotionen beiseite lassen.

Grüße


(1774) Isidor
Wed, 10 June 2009 00:17:50 +0000

@nachdenklich: Sie haben ganz Recht - meine Meinung steht für die Meinung vieler Menschen in unserer Zeit. Und auch Sie repräsentieren offensichtlich einen speziellen Typus, nämlich den der selbsternannten Elite, der glaubt, den Leuten vorschreiben zu können, wie Architektur, Kunst usw. heutzutage zu sein habe.

Ihr Beitrag (1774) ist so unglaublich arrogant und anmaßend, dass ich zunächst glaubte, nicht richtig gelesen zu haben. Sie sind also der Meinung, dass, weil die Mehrheit der Bevölkerung dumm und leicht zu manipulieren ist, sie sich aus öffentlichen Fragen heraushalten sollte, ganz gleich, wie sehr sie davon betroffen ist. Wir normalen Bürger, die wir in der Regel nicht Architektur studiert haben, müssen also alles, was die Architekten in unsere Städte setzen stumm erdulden, denn wir haben ja schließlich keine Ahnung und dürfen uns daher keine Meinung erlauben. Das überlassen wir lieber den Fachleuten. Nach dem Motto: Nur der Künstler weiß, was gute Kunst ist und was nicht. Und nur der Müllmann weiß, wie man eine Tonne richtig leert. Und selbstverständlich kann nur ein Schriftsteller beurteilen, ob ein Buch gut ist oder schlecht. Ich muss Ihnen für Ihren Beitrag danken, denn die Frage, wer Architektur diktiert, haben Sie damit viel besser beantwortet als ich! Ich hoffe, dass diese groteske Ansicht nicht unkommentiert bleibt.

Nun, auch ich glaube nicht daran, dass die Mehrheit der Bevölkerung in irgendeinem Land dieser Welt besonders klug ist. Aber ich bin doch davon überzeugt, dass die meisten Menschen über einen gesunden Menschenverstand und vor allem ein natürliches Schönheitsempfinden, einen natürlichen Geschmack verfügen, der im krassen Gegensatz zu den abstrakten und abgehobenen Architekturvorstellungen der jeweiligen Hochschulabsolventen steht, die scheinbar nicht mehr den eigenen Verstand benutzen, sondern nur noch ihre Lehrmeinungen anwenden. Alle, die das kritisieren, einfach für zu einfältig zu erklären, als dass sie es verstehen könnten, ist sicherlich der einfachste und ignoranteste Weg, sich aus der Affäre zu ziehen.

Natürlich sind es Architekten, die die Gebäude entwerfen und konstruieren müssen. Aber sie haben die Verpflichtung, dass die Stadt durch ihre Bauten ästhetisch aufgewertet wird und dass die Menschen, die dort leben und arbeiten, sich wohlfühlen können. Eine Stadt ist kein lebloses Modell, mit dem man experimentieren kann. Darum kann man ihre Einwohner nicht einfach für dumm und unmündig erklären und über ihre Köpfe hinweg entscheiden. Genau das ist die Diktatur, von der ich in meinem Beitrag (1767) sprach.

Ansonsten finde ich keines meiner Argumente in Ihrem Artikel sinnvoll widerlegt, sondern sehe mich nur mit unverschämten Behauptungen konfrontiert. Dass viele schützenswerte Denkmale abgerissen werden, weiß ich nur zu gut. Verantwortlich dafür sind aber die Entscheidungsträger in den Kommunen, die wohl kaum die Bevölkerungsmehrheit repräsentieren.

Auch ist mir klar, dass es den Rekonstruktionsgegnern nicht um das Gleichgewicht zwischen Rekonstruktionen und Neuentwürfen gehen kann. Aber erklärt das wirklich den Fanatismus, mit dem sich diese Leute alle paar Jahre auf jedes Wiederaufbauvorhaben stürzen? Und ist Ihr aussagekräftigstes Argument tatsächlich, dass es schon immer verschwindend wenig Rekonstruktionen gab? Das wäre allerdings typisch für Ihre Gilde: Traditionalismus nur da, wo es einem gerade passt.


(1773) Kreuzberger
Tue, 9 June 2009 20:48:20 +0000

Das Karussell dreht sich weiter: Schloßbefürworter sind einfach zu naiv, die Kompliziertheit der Zusammenhänge zu verstehen.
Solche herablassenden Statements hatten wir doch schon mehr als genug.

(1772) nachdenklich
Tue, 9 June 2009 17:28:37 +0000

@Isidor, entschuldigen Sie bitte, aber Sie wissen eigentlich nichts. Es tut mir Leid. Natürlich ist das Ihre Meinung. Alle Zusammenhänge zu erläutern, die für sich genommen eigentlich einleuchtend sind, sprengt wohl den Raum hier. Aber Sie stehen exemplarisch für eine ganze Reihe von Menschen in unserer Zeit.

Bezogen auf Ihr vorheriges Posting kann ich nur sagen, dass es müßig ist auf Ausführungen zu antworten, die aus einer Emotionalität heraus entstanden sind. Die Gegenfragen sollten Ihnen zeigen, dass Sie sich bewusst, oder unbewusst manipulativ äußern, indem Sie von Sachverhalten ausgehen, die Sie vermutlich nur vom Hörensagen kennen, sicher auch allgemeine Meinung sind (populistisch), aber eher fragwürdig bleiben.

Also zu Ihrem letzten Beitrag:
Sie meinen, weil generell doch nur so wenig rekonstruiert wird, solle man nicht bekunden müssen, dass dieser Nachbau nicht sinnvoll ist?

Sie müssen erst einmal die Argumente derer hören, denen es wichtig wäre, dass es hier keinen Nachbau in dieser Form gibt. Jenen kann es nicht um ein quantitatives Gleichgewicht an Rekonstruktion und Neuentwurf in unserem Land gehen. Der Grund für die vorgebrachten Stellungnahmen ist so flach eigentlich nicht angelegt. Die Zeitspanne können wir auch getrost ausdehnen, sagen wir, schon immer wurde verschwindend wenig rekonstruiert, ich meine Totalrekonstruktionen, keine ergänzenden Reparaturen.

Was die große Masse als schön oder hässlich empfindet, was ihr missfällt oder nicht, können Sie nicht wissen. Man baut auch nicht aus „Angst“ zeitgemäß, ich möchte einmal das klischeehafte Wort „modern“ hier nicht verwenden, da es scheinbar auch eine klischeehafte Vorstellung davon gibt.

Schauen Sie, in einer Demokratie werden normalerweise Entscheidungen zu Gunsten einer Mehrheit getroffen. Wenn Sie nun die Mehrheit zu einem Punkt befragen, mit dem sie sich eigentlich noch nicht auseinandergesetzt hat, dann haben sie schnell falsche Entscheidungen. Aber auch falsche Entscheidungen werden dann umgesetzt.

Deshalb ist es wichtig dass jeder Einzelne sich mit einem Thema auseinandersetzt.
Und nun? Glauben Sie im ernst, dass über eine Schlossrekonstruktion die „großen Masse“ richtig nachgedacht hatte? Lesen Sie doch einmal das Gästebuch.
Nur ein Exempel, weil die Bauten, bspw. am Potsdamer Platz nicht gefallen, meint man dass zeitgemäße Architektur generell „modernistisch“, im negativen Sinne sei. Sie selber bringen diese Sichtweise zum Ausdruck, und sie war ein Hauptargument der Schlossbefürworter. Finden Sie das reell?

Bilden kann man sich nicht nur durch Bücher, sondern auch in der Auseinandersetzung mit einem Thema, in der Auseinandersetzung mit Meinungen. Wichtig ist es viele Meinungen zu hören, und dazu ist es auch mitunter wichtig sein Umfeld einmal zu verlassen, um Menschen zu sehen, und kennenzulernen. (Der Sonnenstuhl reicht nicht)
Die Mehrheit, von der Sie sprechen schaut am Abend häufig fern, es gibt Quotenrenner (Die schaut doch die Mehrheit, oder?), sie nehmen dadurch sogar Einfluss auf das Medienangebot. Sie wissen welche Sender mit welchen Inhalten gefördert werden? Welche Zeitungen?

Diese Masse schreitet dann zur Abstimmung, auch zu politischen Abstimmungen, ja sie ist sogar nicht einmal fähig zu erkennen, dass Sie durch die dümmlichsten Versprechungen kleiner extremistischer Gruppierungen manipuliert wird.

Sie sprechen von Identifikation, ein Wort das heute so inflationär gebraucht wird, sodass es nicht mehr glaubwürdig sein kann. Jahrzehntelang wurde wertvolle Bausubstanz vernichtet, sie wissen nichts, Denkmalpflege wird in den Kommunen als der große „Verhinderer“ angesehen, weil die wirtschaftlichen Interessen vor den kulturellen stehen. Da wird oft Schützenswertes weggerissen, weil genau diese Mehrheit nicht versteht, warum dieser oder jener Raum wichtig wäre. (Ich meine da Originalbausubstanz, die ua. für ein bestimmtes Umfeld wichtig ist.)

Die letzten 3 Absätze Ihres Artikels der Nr.1773 soll sich der Leser einmal auf der Zunge zergehen lassen. Dieser soll auch noch Gelegenheit haben das zu kommentieren, ich spare mir den Platz an dieser Stelle.

@Wasser
Wenn Sie Architektur studieren ist es wichtig die richtigen Vergleiche zu finden, aber auch gut zu beobachten. Es wird nicht wenige geben, die fragen werden, w a s Sie eigentlich „reparieren“ wollen?
(Werde erst später antworten können.)

(1771) Isidor
Mon, 8 June 2009 20:24:48 +0000

@nachdenklich: Leider gehen Sie auf meinen Text (1767) nicht ein, sondern stellen nur Gegenfragen, die ich aber gerne beantworten möchte.

"Wurde wenig rekonstruiert? Worin liegt der Vorteil einer Rekonstruktion?"

Natürlich ist der Anteil von Rekonstruktionen an der Gesamtzahl der Gebäude, die in den letzten 50 Jahren gebaut wurden, verschwindend gering. Daher verwundern mich auch die völlig überzogenen Reaktionen, mit denen viele Architekten auf ein Rekonstruktionsvorhaben antworten. Wann immer etwas gebaut wird, wird es modern gebaut und die Architekten können sich ganz daran austoben; wenn nun alle paar Jahre ein altes Gebäude rekonstruiert werden soll - warum muss dieses Vorhaben dann jedes Mal mit aller Schärfe verurteilt werden? Meiner Meinung nach stecken Komplexe dahinter, die Angst, dass die gelernten Vorstellungen von Architektur, die in der Bevölkerung hauptsächlich Missfallen erregen, bald ausgedient haben könnten.
Den Vorteil einer Rekonstruktion kann man vielleicht nur verstehen, wenn die Globalisierung nicht schon komplett im eigenen Kopf Einzug gehalten hat. Die heutige Architektur ist global, sie sieht überall auf der Welt gleich aus, weil ihr jegliche regionale, nationale oder kulturelle Eigenheiten fehlen. Wozu es führt, wenn ganze Städte in diesem Stil aufgebaut werden, lasst sich gerade in Deutschland wunderbar erkennen. Alte Städte, die zuvor ihren ganz eigenen und unverwechselbaren Charakter hatten, wurden zu eintönigen und völlig uniformen Gebilden, denen jeder Reiz, jede Individualität völlig abgeht. Wie kann man es den Menschen verdenken, wenn sie irgendwann der einfallslosen Hässlichkeit der Moderne überdrüssig sind und sich wieder auf ihre eigene Kultur besinnen? Es ist ein ganz natürliches Bedürfnis, dass jede Nation sich von den anderen zu unterscheiden versucht, darin besteht keine Gefahr. Darum müssen wir heute Gebäude wiederaufbauen, die aus einer Zeit stammen, als es noch kulturelle Unterschiede zwischen den Ländern und sogar zwischen den Regionen innerhalb der Länder gab. Denn die moderne Architektur kann uns gegenwärtig keine Idividualität geben, nichts, womit wir uns identifizieren können, denn die Wenigsten identifizieren sich nun mal mit dieser globalisierten Weltkultur, wie wir sie heutzutage haben.

"Was ist schön?"

Spielen Sie mit dieser Frage etwa darauf an, dass beispielsweise das Jüdische Museum in Berlin doch auch durchaus als schön empfunden werden kann? Wenn dem so ist, gehen Sie doch einmal auf die Straße und machen Sie eine Umfrage, was die Menschen schöner finden: moderne abstrakte Architektur oder zum Beispiel ein Barockpalais. Was glauben Sie wohl, wie das Ergebnis ausfallen wird? Die Frage, was schön ist, ist eigentlich relativ einfach zu beantworten: alles, was sich an gewisse Grundregeln der Ästhetik wie z.B. Symmetrie hält und nicht schockieren, sondern gefallen, nicht mit der Umgebung brechen, sondern sich darin integrieren will, kann grundsätzlich nicht hässlich sein. Würden sich mehr moderne Architekten an diese simplen und eigentlich selbstverständlichen Regeln halten, gäbe es all diese Diskussionen nicht.

"Was passiert wenn Sie immer etwas tun müssen um anderen zu gefallen?"

Was dann passiert? Vermutlich wird dabei etwas herauskommen, das tatsächlich vielen Menschen gefällt, was für viele Architekten heutzutage wohl eine Horrorvorstellung ist. Das bedeutet nicht, dass sie sich verkaufen müssen, im Gegenteil - ein Architekt sollte doch eigentlich den Wunsch haben, dass das, was er baut, auch möglichst vielen Leuten gefällt! Warum ist das heute nicht mehr so? Architekten bauen niemals nur für sich (außer ihr eigenes Haus), sondern immer für andere. Sie haben eine große Verantwortung dem Ort gegenüber, an welchem sie bauen, die in der Gegenwart fast immer vernachlässigt wird. Wie sehr sich ihr Bau möglicherweise negativ auf das gesamte Stadtbild ausübt, ist den Meisten egal; egoistisch und profilierungssüchtig nenne ich dieses Verhalten, das entsteht, wenn man eben nichts tut, um anderen zu gefallen.

"Wer diktiert Architektur?"

All jene, die, unbeeindruckt von Protesten und gegen den Willen und Geschmack der Mehrheit, ihre Chimären aus Glas und Stahlbeton in die Welt setzen, ohne dass es sie kümmert, was andere davon halten. Und all jene, die nicht bereit sind, die Wünsche vieler Menschen nach ästhetisch anspruchsvoller Architektur zu berücksichtigen und weiterhin mit ihren pseudoavantgardistischen Bauwerken unsere Stadtbilder zerschneiden. Alle, die meinen, bestimmen zu können, wie Architektur heute zu sein habe, ohne sich dabei auf den Geschmack der Bevölkerungsmehrheit zu stützen.

"Was verbinden Sie mit neu erbauten Fassaden des Berliner Schlosses? Warum glauben Sie, dass in Wirklichkeit die Mehrheit den Bau in dieser Form, mit 3 Schlossfassaden eigentlich nicht haben will?"

Mit den neu erbauten Barockfassaden des Berliner Schlosses verbinde ich ein wichtiges und glanzvolles Stück preußisch-deutscher Geschichte, das jetzt im Herzen der Hauptstadt wieder seinen verdienten Ausdruck bekommt, ganz gleich, wann die Steine dafür gebrochen wurden. Die Erinnerung an diesen bedeutenden Teil der deutschen Geschichte wird durch die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses, in welchem die preußischen Könige und (ab 1871) deutschen Kaiser über Jahrhunderte ihre Residenz hatten, wieder lebendig werden. Daran, dass nur drei Seiten rekonstruiert werden, habe ich niemals wirklich Kritik geäußert, auch wenn mir eine Totalrekonstruktion natürlich lieber gewesen wäre. Doch wenn ich die Wahl zwischen einer modernen Seite und vier davon habe, nehme ich doch lieber das kleine Übel in Kauf.

Der Palast der Republik wurde übrigens nicht willkürlich, sondern nach langer reiflicher Überlegung abgerissen. Nicht alles mit historischem Wert hat eben ein Daseinsrecht oder verurteilen Sie den Abriss der Neuen Reichskanzlei nach dem Krieg auch?

Wie kommen Sie denn darauf, dass die Bevölkerung häufig gegen Denkmalschutz ist? Jedes Jahr bekommt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz viele Millionen Euro aus der Bevölkerung heraus gespendet und wann immer ein bedeutendes Denkmal verfällt und abgerissen werden soll, gibt es Proteste und es gründen sich oft Bürgervereine zur Bewahrung dieses Kulturgutes. Die Zeiten, da alle nur das Moderne hoch hielten, sind glücklicherweise vorbei und allerorts werden die historischen Gebäude und Innenstädte wieder geschätzt und als schützenswert angesehen.

(1770) Wasser
Mon, 8 June 2009 18:18:24 +0000

//Eigentlich beantworten Sie immer noch nicht, warum Sie die Barockfassaden brauchen, für den hist. Bezug. Der Begriff „Membran“ wird niemals nachvollziehbar sein nicht im übertragenen, und schon gar nicht im baulichen Sinne.//

Bei dem Bild der Membran und den verschiedenen Milieus war ich gedanklich im Bereich der Biologie:

„Membranen trennen Stoffe, sodass verschiedene Milieus entstehen können.
Die Membran kann die Durchlässigkeit für bestimmte Stoffe steuern. Die Informationen hierfür erhält sie von den Bedürfnissen des einen Raumes. Ist in dem anderen Raum dieser Stoff vorhanden (=Konzentrationsgefälle) wird die Membran hierfür durchlässig.“

Der Hauptgrund für die Rekonstruktion der Barockfassaden ist der Wunsch das Stadtbild wenigstens im Sichtbereich der Linden und der Weltkulturerbestätte zu reparieren.

2015 wird also eine barocke Fassade errichtet, die auf das äußere Milieu (historisches Umfeld) Bezug nimmt und es vom inneren Milieu (moderne Nutzung und Innenraumgestaltung) abtrennt. Das sichtbare Konzentrationsgefälle ist gewollt und somit (zu der Zeit) weitgehend akzeptiert. Das Bedürfnis das Innere des Humboldtforums dem äußeren Milieu anzugleichen, wird aber durch die Fassadenrekonstruktion aufrecht erhalten und mit den Jahren von alleine zunehmen.

//Der Bau könnte viele Gesichter haben, sofern diese unserer Zeit entspringen. Von „anlehnend“, was ich mir durch Material vorstellen könnte, bis hin zu einem solitären Zeichen, kann der Ausdruck reichen, je nach dem, welche Nutzung, oder Nutzungen er haben mag, dass schlösse eine Flexibilität mit ein, wenn es Modelle dafür gibt!//

Für mich sind die krampfhaften „kritischen Rekonstruktionen“ und „Transformationen der Geschichte“ ein zum Himmel schreiender Anachronismus, weil sich hier tiefste Mutlosigkeit offenbart.
Ich begeistere mich sehr stark für „zeitgemäße“ qualitätvolle Architektur und für spannungsvolle Kontraste. Am Schlossplatz sehe ich aber schon alleine wegen der enormen Baumasse des Humboldtforums einen mutigen Kontrast zur Umgebung bzw. ein „solitäres Zeichen“ nicht als spannend an, sondern, als zerstörerisch.

Eine Fassade, die das Schloss lediglich zitiert, lässt die weiter oben beschriebene Entwicklung nicht zu. Ein solches Gebäude wäre bei Lichte betrachtet nur noch: mieß!


(1769) Grumbkow
Mon, 8 June 2009 16:18:10 +0000

Klang das so, als wäre ich ein enttäuschter Verfechter der Totalrekonstruktion? Die wäre wenigstens konsequent gewesen. Aber mindestens genauso unsinnig wie der halbherzige Hybride, der demnächst an die Stelle des alten Schlosses treten soll.
Nein, ich hätte mir gewünscht, dass dort auf dem Schlossplatz ein völlig neuartiges Gebäude entsteht, beispiellos, sensibel, aufregend, inspirierend, integrativ - ein Highlight der Architektur. So besonders und zukunftsweisend und charakteristisch für unsere Zeit, dass es mindestens genauso viel Bewunderung erfährt wie das Schloss.

(1768) nachdenklich
Mon, 8 June 2009 15:25:26 +0000

Zunächst einmal möchte ich vorausschicken, dass es hier im Wesentlichen nicht darum ging, ob es sich bei der Nutzung um ein Humboldt-Forum handeln sollte oder nicht. Wenn ich noch einmal wiederholen darf, wäre es sehr naiv das an dieser Stelle erörtern zu wollen. Man nimmt das hier einmal als eine mögliche Idee an, die ja im Gespräch ist, mittlerweile umgesetzt werden soll, und hier als Diskussionsmodell hilft. Auch ist es ja erst einmal unerheblich, denn die Debatte hat ja eher eine prinzipielle Facette.

@Wasser, @Isidor, mit Schwarz-Weiß-Malerei und Pauschalunterstellungen wird man sich als seriöser Diskussionsteilnehmer disqualifizieren. Da wären Sie hier nicht die ersten.
Architekten sind Menschen, und es gibt sicher die unterschiedlichsten Qualifikationen. In der Regel sind sie gezwungen sich ein umfassendes Bild vom Leben zu machen, da sie ja für Menschen entwerfen müssen. Wenn diese Architekten ein aufrichtiges Interesse an guter Arbeit haben, wird man das ihren Ergebnissen anmerken.

@Wasser, in dem Interview aus der FAZ wurde mit dem Wort „Geschichte“ die Baugeschichte mit eingeschlossen. Eine Antwort gab es hier auch schon in einem Zitat von Friedrich Schinkel, und zwar 3 Absätze über der Stelle, auf die sie Bezug nehmen, in dem Interview in der FAZ.
Das der Gesamtentwurf keine Repetierung des alten Schlosses ist, steht außer Frage, gerade deswegen wird er hier von den Schlossnachbaubefürwortern kritisiert.
Dass er voller Widersprüche steckt haben Sie schon erkannt, und das lag an den Auflagen zu einem Wettbewerb. Ein erstes Posting von mir war Nr.1693, vieles wurde schon angesprochen, wenn man ernsthaft diskutieren möchte, müsste man einmal nachlesen… Dann könnte man zu einem aktuellen Standpunkt einsteigen.

Es gibt ja noch die Frage des Symbolwertes!
Von Mangel an Selbstbewusstsein zu sprechen ist dabei wieder absurd, genauso die Vorhaltung mangelnden Geschichtsbewusstseins.

Sie müssen sich wundern, meine Hauptinteressen sind ua. Gesellschaft und Geschichte, hatte selber schon in Barockschlössern gearbeitet, restauriert, und bewundere überkommene Architektur, bin mit der Kamera unterwegs. s.u.

Eigentlich beantworten Sie immer noch nicht, warum Sie die Barockfassaden brauchen, für den hist. Bezug. Der Begriff „Membran“ wird niemals nachvollziehbar sein nicht im übertragenen, und schon gar nicht im baulichen Sinne.
Der Bau könnte viele Gesichter haben, sofern diese unserer Zeit entspringen. Von „anlehnend“, was ich mir durch Material vorstellen könnte, bis hin zu einem solitären Zeichen, kann der Ausdruck reichen, je nach dem, welche Nutzung, oder Nutzungen er haben mag, dass schlösse eine Flexibilität mit ein, wenn es Modelle dafür gibt!

Die Milieus, von denen Sie sprechen, wie sind die? Was wird sich angleichen? Das ergibt keinen Sinn für mich. Sie können ja nur Milieus, im Sinne von verschiedener Architektur meinen?! Als öffentlicher Bau, werden innen wie außen die gleichen Personen zu finden sein. Oder, innen wissenschaftlich interessierte Menschen, einfach Besucher eben. Und außen?

Wenn sich die Menschen einmal selbstkritisch betrachten, werden sie erkennen, dass für sie die bequemsten „Wahrheiten“, die richtigen „Wahrheiten“ sind. Bequem ist, wenn jemand alleine die Entscheidung trifft. Mitdenken ist unbequem, ein Grund warum Politkern in ihren Parteien machen können was sie wollen.

@Isidor: Phrasen sind in dem Zusammenhang Worte wie:

„modernistisch“,
„Identifikationspunkte“,
„Geschichtsverfälschung“, usw.

„Willkürlich vernichtet“ wurde jüngst der P.d.Republik, als ein Zeugnis von Geschichte, da gebe ich Ihnen Recht.

Wurde wenig rekonstruiert? Worin liegt der Vorteil einer Rekonstruktion?

Wenn Mittel für Denkmalpflege aufgewendet werden sollen ist häufig die Bevölkerung dagegen. Weil es teuer ist, nicht dem techn. Komfortansprüchen genügt, man in der Regel nicht weiß worin der Wert solcher schützenswerter Objekte liegt. Eine komplette Rekonstruktion ist keine Denkmalpflege.

Was ist schön?

Was passiert wenn Sie immer etwas tun müssen um anderen zu gefallen?

Wer diktiert Architektur?

Eine kleine Aufgabe zum Schluss. Was verbinden Sie mit neu erbauten Fassaden des Berliner Schlosses? Warum glauben Sie, dass in Wirklichkeit die Mehrheit den Bau in dieser Form, mit 3 Schlossfassaden eigentlich nicht haben will?

(1767) Grumbkow
Mon, 8 June 2009 07:41:23 +0000

„Wir bauen das Schloss wieder auf, aber anders.“ Die Versuche, sich das „Humboldt-Forum“ schönzureden, sind jetzt schon kläglich. Wie wird sich das wohl in ein paar Jahren anhören? Übrigens, glaubt hier eigentlich einer, dass dieses „Humboldt-Forum“ ernsthaft das Zeug hätte, mal in einem Standardwerk der Architekturgeschichte zu landen? Ja, klar, Ihnen ist das vielleicht egal. Mir nicht. Aber die Chance auf ein Bauwerk, um das uns die Welt beneidet, wurde gründlich verstolpert. Um ein Schloss würde man uns beneiden, aber nicht um das, was da ab 2010 auf dem Schlossplatz zusammengenagelt wird.

(1766) Kreuzberger
Sun, 7 June 2009 23:05:06 +0000

Ich freue mich über Beiträge wie den von Thomas (1765).:-)
Er wird es noch erleben, wie dieser ganze Modernistenhype in sich zusammenfallen wird wie vor 20 Jahren der Sozialismus.
Irgendwann rennt auch die revolutionärste Avantgarde der Entwicklung nur noch hinterher.

(1765) Isidor
Sun, 7 June 2009 17:57:02 +0000

Ja, es stimmt, dieses Vorhaben in Paris wurde durch die Wiederaufbaubestrebungen des Berliner Schlosses motiviert, ich weiß jedoch nicht, wie weit die Planungen da sind. Dass es in Frankreich einen ähnlichen Dissens über dieses Projekt gibt, wage ich ebenfalls zu bezweifeln.
Es wird ja immer wieder von modernistischen Architekten in Rekonstruktionsdebatten das Argument der fehlenden Authentizität herangezogen. Dabei fallen dann jedes Mal die gleichen Phrasenwörter von "Disneyland" bis "Geschichtsverfälschung". Dass es dabei aber in erster Linie um die Wiedergewinnung von wichtigen Identifikationspunkten geht, deren willkürliche Vernichtung die eigentliche Geschichtsverfälschung darstellt, wird nicht bedacht. Auch kann ich nicht nachvollziehen, was der Wiederaufbau eines Hauses, das über Jahrhunderte hinweg an dieser Stelle stand und dass die Kultur und Geschichte des Landes und der Stadt widerspiegelt, mit Disneyland zu tun haben soll. Diesen Namen würde ich doch eher einer tausend Jahre alten deutschen Fachwerkstadt geben, die sich nach ihrer Zerstörung auf einmal entschließt, das Imitat einer amerikanischen Metropole zu sein und sich dann liebevoll "Mainhattan" nennt.
Doch so sind die meisten Architekten von heute nun einmal. Mit aller Macht stemmen sie sich gegen jedes Rekonstruktionsvorhaben und versuchen die Bevölkerung verzweifelt davon zu überzeugen, dass man auf keinen Fall "rückwärtsgewandt" sein darf; auch wer Kritik an einem modernen Bauwerk äußert, sieht sich schnell mit solch furchtbaren Vorwürfen konfrontiert. Was steckt dahinter? Sicherlich spricht diese aggressive Verteidigung und Anfeindung gegen Andersdenkende nicht gerade von einem starken Selbstbewusstsein. Wären die modernen Architekten tatsächlich ernsthaft davon überzeugt, dass ihre Architektur der anderen überlegen ist - sie würden wohl kaum jedes Mal so ein Spektakel veranstalten. Die martialischen Deklarationen der Jurymitglieder im Vorfeld des Schlosswettbewerbs sind dafür charakteristisch. Wer nicht uneingeschränkt für einen modernen Entwurf sei, verrate seinen Beruf, hieß es da sinngemäß von einer Architektin. Was offenbart so eine Aussage doch für Komplexe! Denn ich denke, dass sich die Architekten durchaus des allgemein fehlenden Verständnisses für ihre Arbeiten bewusst sind. Doch statt die Kritik aus der Bevölkerung anzunehmen, wird der eigene Standpunkt eisern verteidigt, ohne auch nur ein Stück davon abzuweichen. Schließlich sieht man sich als Künstler und baut nicht für die anderen, sondern in erster Linie für sich selbst! So kann es einem auch egal sein, was die anderen denken.
Aber ist das wirklich der Sinn der Sache? Sollte Architektur nicht versuchen, möglichst vielen zu gefallen und zur Verschönerung der Stadt beizutragen? Scheinbar nicht nach Auffassung der meisten modernen Architekten. Nach ihrer Meinung muss Architektur provozieren und darf alles sein, nur nicht schön und damit rückwärtsgewandt. Nein, keine bauliche Reminiszenz darf an die kulturgeschichtliche Vergangenheit erinnern und wer Naturstein- statt Glas- oder Betonfassaden verwendet, gilt unter seinen Kollegen bereits als höchst verdächtig und muss mit Anfeindungen rechnen.
So ist das eben. Jede Diktatur muss sich mit aller Härte und Gewalt gegen ihre Gegner richten, weil sie sonst ganz schnell untergehen wird. Und auch die modernistische Achitektur (man sehe mir diesen, meiner Meinung nach sehr treffenden Vergleich nach), die uns diktiert, was wir schön zu finden haben und was nicht, muss zu diesen rabbiaten Mitteln greifen. Denn das weiß sie: Wenn allzu viele Menschen Gefallen an ästhetischer und "historisierender" Architektur finden, wird das ihr Ende bedeuten.

(1764) Wasser
Sun, 7 June 2009 15:14:25 +0000

Eine Frage am Rande:

Gab es nicht mal die Idee das Palais des Tuileries unweit des Louvre zu rekonstruieren?

Vielleich gewinnt dieses Projekt durch das Berliner Stadtschloss wieder an fahrt. Wäre interessant mitzuerleben, ob die Franzosen ebenso hitzige und langwierige Diskussionen führen, wie die Deutschen.

Das ist aber eher unwahrscheinlich, denn...

..."Frankreich hat ja eine ganz andere politische Kultur. Der Präsident entscheidet einfach, was passiert." (FAZ)

Und vor allem ist das französische Volk sich irgendwie selbst bewusster.



(1763) Thomas
Sun, 7 June 2009 14:52:22 +0000

Ich (25 Jhare alt/jung) finde den historischen Schloßaufbau wunderbar!!! Ich denke meine Generation hat da nicht so viel Probleme mit. Wir sind in der Welt rumgekommen und sehen "meckern" als nicht unsere Profession an! Ich freu mich durch Mitte zu spazieren und diesen wunderbaren Raumeindruck den das Schloß dann bieten wird zu genießen! Es wird dazu beitragen, dass Berlin nicht genauso gesichtslos wird wie viele andere Stadte "all over the world".

(1762) Wasser
Sun, 7 June 2009 14:42:16 +0000

//Haben Sie eigentlich den Artikel der FAZ gelesen?//

„Was wäre Ihr Vorschlag?
Dass der Prozess genau dort fortgesetzt wird, wo er geendet hat. Dass nun mit zeitgenössischer Architektur fortgefahren wird. Das ist, glaube ich, das Wesentliche. Jeder verantwortungsvolle Architekt wird das Gedächtnis dieses Ortes auch miteinbeziehen. Aber die Geschichte sollte transformiert werden und nicht wiederholt.“

Vorab möchte ich auf den letzen Satz eingehen, da heute weiterhin so argumentiert wird:
Es sollte eher „Baugeschichte“ heißen, ansonsten erschließt sich mir der Sinn der Forderung/Behauptung nicht, denn Geschichte lässt sich nicht transformieren oder wiederholen; nur weiterschreiben. Das Humboldtforum und der Stella-Entwurf im Kontext mit den Rekonstruktionen sind nun wirklich keine Geschichtsrepetitionen.
Ich behaupte mal frech, dass in diesem Satz auch das Selbstverständnis vieler Architekten offenbart wird, Geschichtsschreiber zu sein.
Das restliche Zitat beschreibt quasi den Entwurf des verantwortungsvollen und mir sehr sympathischen Herrn Stella!

//Sie gehen ja schon von Anfang an davon aus, dass ein Bezug zw. Vergangenheit und Zukunft nur über neu zu errichtende Barockfassaden herzustellen sei.//

Irgendwie muss - meinem Erachten nach - der Bezug zum Stadtschloss hergestellt werden. Das Konzept der Barockfassaden überzeugt mich einfach. Ich war und bin aber weiterhin offen mich mit anderen Vorschlägen und Konzepten auseinander zusetzten.

Auch wenn diese Diskussion hier nicht dazu beiträgt, den anderen von seiner eigenen Position zu überzeugen (Karussell), interessiert mich dennoch weiterhin, wie das Gebäude – ihrer Meinung nach - in etwa außen aussehen soll (Centre Pompidou, Musée du quai Branly oder eine klassische Formensprache etc.)

//Sie sagen: „Die äußere Form der inneren Funktion unterzuordnen ist generell OK, hier aber nicht.“

Folgen wird man Ihnen nur können, wenn Sie plausibel machen, warum Sie dieser Ansicht sind.//

Wenn es nur darum ginge, ein Gebäude zu errichten in dem die ethnologischen Sammlungen optimal ausgestellt werden können und zur Geltung kommen und in dem die Bibliothek optimale Räumlichkeiten und Entfaltungsmöglichkeiten erhält, dann kann und sollte die äußere Form der inneren Funktion folgen.
Bei dem Humboldtforum handelt es sich aber nicht um einen reinen Zweckbau, maßgeschneidert für zwei, drei bestimmte Nutzungen (im Inneren). Ebenso wichtig, wie den Ansprüchen der Nutzer nachzukommen, ist es, die Ansprüche zu berücksichtigen, die von (im doppelten Sinn) Außenstehenden kommen.

//Aber um Sie beim Wort zu nehmen, eine Fassade trennt immer Außen und Innen. In welcher Weise verschmilzt Ihrer Ansicht nach dieses Außen, mit dem Inneren? Eine Fassade die nicht zu einem Gebäude gehört „verschmilzt“ höchstens durch Mauerfugen, nicht aber gedanklich mit dem was sich dahinter verbirgt.

Ein Gedankenmodell das besser zutrifft ist eine Fassade die für sich als ein Hüllenkörper oder gleich einer Maske, oder einem Überzug auf dem Bau sitzt, und im Inneren nicht das ermöglicht, was nötig wäre. Und wozu?//

Das Humboldtforum ist auch für mich nicht aller Tage Abend (siehe #1761).
Um bei dem Bild der „Membran“ zu bleiben: Beidseitig der Barockfassaden sind verschiedene „Milieus“ (Anspruch/Erwartung und Nutzung), die sich mehr und mehr angleichen werden, irgendwann... :)
Die Barockfassade nimmt eine Schlüsselfunktion ein.


(1761) Kreuzberger
Sun, 7 June 2009 09:36:39 +0000

@nachdenklich:

Das ist eine lustige Frage, die Sie da stellen. Ich muß sie aber nicht wirklich beantworten?

Es freut mich, daß Sie die Eignung des wiedererstehenden Schlosses für eine Funktion wie sie der Louvre hat, generell
nachvollziehen können.
Nur: Daß der Louvre nicht zwischenzeitlich einmal versehentlich abgerissen und dann wiederaufgebaut wurde, ist in diesem Zusammenhang nicht das wichtigste, wie Sie meinen, sondern ein unbedeutender Nebenaspekt.

Wird Ihnen auf Karussells auch immer so schwindelig? :-)

(1760) nachdenklich
Sun, 7 June 2009 08:23:23 +0000

@Wasser
Der Begriff „Gästebuchkarussell“ ist wohl zutreffend. Haben Sie eigentlich den Artikel der FAZ gelesen?
Sie gehen ja schon von Anfang an davon aus, dass ein Bezug zw. Vergangenheit und Zukunft nur über neu zu errichtende Barockfassaden herzustellen sei.

Sie sagen: „Die äußere Form der inneren Funktion unterzuordnen ist generell OK, hier aber nicht.“

Folgen wird man Ihnen nur können, wenn Sie plausibel machen, warum Sie dieser Ansicht sind.

Aber um Sie beim Wort zu nehmen, eine Fassade trennt immer Außen und Innen. In welcher Weise verschmilzt Ihrer Ansicht nach dieses Außen, mit dem Inneren? Eine Fassade die nicht zu einem Gebäude gehört „verschmilzt“ höchstens durch Mauerfugen, nicht aber gedanklich mit dem was sich dahinter verbirgt.

Ein Gedankenmodell das besser zutrifft ist eine Fassade die für sich als ein Hüllenkörper oder gleich einer Maske, oder einem Überzug auf dem Bau sitzt, und im Inneren nicht das ermöglicht, was nötig wäre. Und wozu?

@Kreuzberger
Das Karussell dreht sich weiter. ;-)
Wenn sich ein Barockschloss so gut für eine Gemäldegalerie eignet, warum baut man dann generell für Gemäldegalerien keine Barockschlösser?

Wiederholung (Karussell): Der Louvre in Paris war als Schloss entworfen, und auch so genutzt worden. Schon recht früh wurden hier Kunstsammlungen eingebracht, und während einer Fase der Vernachlässigung wohnten sogar Künstler dort.
Was aber das wichtigste ist, der Louvre war nicht verschwunden, sondern wurde umgenutzt!
Der Leser mag diesen Link einmal in seine Adressleiste kopieren: http://de.wikipedia.org/wiki/Louvre


Berlin hat kein Schloss mehr, das sich umnutzen ließe!

(1759) Kreuzberger
Sat, 6 June 2009 21:47:47 +0000

Ich möchte wetten, daß das Schloß in 100 Jahren ganz nach Art des Pariser Louvre die Glanzstücke der Berliner Gemälde- und Skulpturensammlungen aufnehmen wird. Dafür sind die räumlichen Gegebenheiten jedenfalls besser geeignet, als für teils sperrige, teils barockinkompatible Exponate exotischer Kulturen. Für die ethnologischen Sammlungen wird sich bis dahin eine adäquate Ausstellungsmöglichkeit gefunden haben, vielleicht auch ein zentral gelegener Neubau.

(1758) volker
Sat, 6 June 2009 20:40:21 +0000

mich überzeugt die nutzung des schlosses als ethnologisches museum nicht so recht. wenn aber zu den außenfassaden auch die wichtigsten säle in ihren abmessungen hergestellt werden, kann ich mit der übergangsnutzung ethnologisches museum gut auskommen.

(1757) Wasser
Sat, 6 June 2009 19:07:45 +0000

//Es wäre naiv mit einem Bild (von Außen) anzufangen. Vielleicht kann man sich zuerst fragen, was könnte hier passieren? Und dann überlegen, wo gibt es Gebäude (und städtischen Raum) in denen/dem heute Ähnliches, oder Gleiches passiert.//

Ich bezweifle, dass es überhaupt ein vergleichbares Projekt gibt, das eine derart große Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft und Nutzung und Anspruch schlägt. Dass ein solches Bauwerk in fast allen Bereichen widersprüchlich ist, lässt sich nicht vermeiden. Aus diesem Grund kann/sollte man durchaus das äußere Bild gesondert zu betrachten.

Die Schlossfassade ist in meinen Augen wie eine semipermeable Membran, die Innen und Außen trennt und das Verschmelzen trotzdem zulässt.
Die äußere Form der inneren Funktion unterzuordnen ist generell OK, hier aber nicht.

(1756) nachdenklich
Sat, 6 June 2009 13:19:41 +0000

Ihre Frage überrascht nicht, und an der Art wie Sie sie stellen erkennt man, dass Sie vermutlich so etwas wie einen anderen „Farbvorschlag“ erwarten, um dann sagen zu können, dieser Ton passt hier, und dieser dort nicht, weil ja „Ton in Ton“ so gut gefällt.

D.h., ich unterstelle einmal, da Sie ja von „hinpassen“ sprechen, dass Sie nach einem formalen Bild fragen. Sie möchten ja ein Beispielgebäude genannt bekommen, das Sie dann sicher von außen erkennen. (Ich möchte damit aber nicht sagen, dass das Äußere nicht wichtig wäre.)

Es könnte aber auch sein, dass Sie meinen, was für ein Gebäude passt inhaltlich hierher. Dann hätten Sie schon wie ein Architekt gefragt! (Eigentlich sollten aber nicht nur Architekten so fragen!)

Es wäre naiv mit einem Bild (von Außen) anzufangen. Vielleicht kann man sich zuerst fragen, was könnte hier passieren? Und dann überlegen, wo gibt es Gebäude (und städtischen Raum) in denen/dem heute Ähnliches, oder Gleiches passiert.

Dann hat man schon so etwas wie ein Bild.
Ein Humboldtforum sagt ja schon in etwa, was passieren soll, und schließe dabei weitere Nutzungen mit ein, die ein bestimmtes Geschehnis an diesem Ort zur Folge haben werden.

Später, während eines Entwurfes für eben diese Nutzungen, kommt es dann immer zu einem Prozess, bei dem das Innere, das Äußere ergibt, und umgekehrt, alles bedingt sich, hier brauche ich Licht, hier nicht, hier kommen viele Menschen, hier braucht man Ruhe (z.B. eine Ausstellung)

Da ja das alte Schloss gar nicht so funktionierte, sondern ein Ort der Repräsentation war, auch ein Ergebnis eines festgelegten Protokolls der Lebensführung einer Fürstenfamilie, hat es natürlich auch andere Anforderungen an seine Form, andere Bedürfnisse an Zugängen, andere Erfordernisse an Licht usw., und damit natürlich eine andere Fassade. Auch dem Schloss sah man deshalb damals an, dass es ein Schloss war.

Nun haben wir noch nicht einmal ein Schloss!
Wir bauen also eine Fassade, die Lichtverhältnisse und Zugänge schafft, die wir gar nicht brauchen, ja, die ein bestimmtes Leben, nicht, oder nur schwer zulassen!

Natürlich gibt es welche, die wollen das Schloss, so wie es war. (Dann stimmen die Lichtverhältnisse ;-) )
Und was passiert dann? Dann wählen wir den König! – Oder wir laufen mit Filzpantoffeln durch die Säle, mit dem Gedanken, wie toll die Könige vor 300 Jahren, ähem, ich meine vor 3 Jahren gebaut haben.

Hier ist noch einmal ein Link, den man sich in die Adressleiste kopieren kann, zu einer interessanten Sendung des DLF: http://www.faz.net/s/RubCC21B04EE95145B3AC877C874FB1B611/Doc~E3F97EAE99BAD4C26907BC3A70E641AD2~ATpl~Ecommon~Scontent.html

(1755) Wasser
Sat, 6 June 2009 08:18:14 +0000

at: http://www.urbancatalyst.net/downloads/KritikFoerdervereinSchloss.pdf

Seltsam, dass Herr Oswalt auf der anderen Seite die Rekonstruktion der Bauhaus Meisterhäuser in Dessau quasi durchwinkt.

(1754) Wasser
Sat, 6 June 2009 07:58:01 +0000

at: Grumbkow, nachdenklich
Mit welcher Art Bebauung des Schlossplatzes hätten Sie sich mehr anfreunden können als mit der Rekonstruktion des Stadtschlosses und inwieweit passt dieser Bau besser in unsere Zeit? Nennen Sie mir bitte konkret ein irgendwo in der Welt existierendes Gebäude, das hier besser hingepasst hätte.


(1753) nachdenklich
Fri, 5 June 2009 13:24:49 +0000

...perdone, bezog den folgenden Eintrag natürlich auf Nr.1752

(1752) nachdenklich
Fri, 5 June 2009 13:21:51 +0000

zu Nr.1750: „Die unsinnige Diskussion um die politisch korrekte Bezeichnung der Mitgliederschaft der Bundesrepublik Deutschland dient nur ein weiteres Mal dazu, das geplante Schloß als Fanal eines wiedererstarkenden Nationalismus zu diskreditieren.“

Nun, um bewusst zu diskreditieren dient es sicher nicht, und es geht auch nicht um die Wortwahl an sich, sondern um das, was damit gemeint ist, und was für ein Eindruck erweckt werden soll.
Denn wie man an Nr.1746 erkennen kann, kommen diese Personenkreise von ganz alleine darauf, was ich übrigens schon unten, bei Nr.1689, als Befürchtung äußerte. (Wenn man den Urheber des Beitrages nicht kennt, sollte man sich einmal schlau machen)

Wenn schon weitaus früher Spenden für eine Wiedererrichtung gesammelt wurden, früher, als es jegliche Kenntnis über ein Dürfen hätte geben können, oder überhaupt ein Wollen seitens der Öffentlichkeit bekundet hätte, und diese Spenden schon unwiederbringlich umgesetzt wurden, dann versteht man heute, warum man sich „Argumente“ für ein „Dafür“ nur noch aus den Fingern saugen kann, und deren ständiges absurdes Wiederholen ist auch der Grund für dieses Gästebuchkarussell.

Wenn der Leser möchte, kann er einmal diese Links in seine Adressleiste kopieren:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/948536/
http://www.urbancatalyst.net/downloads/KritikFoerdervereinSchloss.pdf

(1751) Grumbkow
Fri, 5 June 2009 07:53:59 +0000

Erster Satz auf der Startseite dieser Homepage: Das Schloss wird nicht wieder aufgebaut. Jedenfalls nicht einfach so, sondern mit ein paar pfiffigen Zutaten (moderne natürlich, von Herrn Stella), damit es in unsere Zeit passt. Das ist schön. Es soll ja auch passen! Aber heißt das, es hätte ohne den modernen Hinterbau nicht in unsere Zeit gepasst?
Ach was, keine Sorge! Die Schlossplatzbebauung wird auf jeden Fall in unsere Zeit passen! Sie wird sogar sehr viel mehr über die Befindlichkeit der Deutschen verraten als die meisten anderen Gebäude, die in diesen Tagen entstehen. Sie wird zum Beispiel unsere enthusiastische Fixierung auf die gefällige Oberfläche bezeugen, auf die Verpackung mit dem größten Kaufanreiz, auf die Simulation von Wunschrealitäten, auf Fassaden als Fotomotiv für Touristen – das alles passt ganz sicher hundertprozentig in unsere Zeit! Auf dieser Ebene werden die Fassaden auch garantiert funktionieren. Ich bezweifle aber, dass ich auf eine neue „Wetten, dass ...?“-Kulisse stolz sein kann.

(1750) Kreuzberger
Thu, 4 June 2009 22:53:23 +0000

Isidor (1749) hat zurecht auf die Austauschbarkeit moderner Großstadtarchitektur aufmerksam gemacht und dabei auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen, die wenigen Spuren von Unverwechselbarkeit zu sichern, die unsere kahlgebombten und rabiat "sanierten" Städte heute noch aufzuweisen haben.

Die unsinnige Diskussion um die politisch korrekte Bezeichnung der Mitgliederschaft der Bundesrepublik Deutschland dient nur ein weiteres Mal dazu, das geplante Schloß als Fanal eines wiedererstarkenden Nationalismus zu diskreditieren.
Mögen sich die krampfhaft Nachdenkenden in dieser Angelegenheit doch bitte einmal an VW in Wolfsburg wenden. Auch dort ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten!

(1749) nachdenklich
Thu, 4 June 2009 15:40:54 +0000

@Isidor: Nun, mir wäre es am liebsten, wenn es denn Wortklauberei wäre.
(Übrigens sehe ich mich nicht als die Linke Seite an, für die Sie mich evtl. halten)
Sehen Sie, mit Ihren Ausführungen lenken Sie das Thema in eine Richtung, in die ich eigentlich nicht dachte.

Natürlich sehe ich keine Gefahr in kulturellen Unterschieden, und zweifellos sind diese eine Bereicherung. Sie führen etwas aus, was ich in meinem Beitrag eigentlich nicht in Zweifel gezogen hatte. (Nur am Rande: Wenn mit der Angst vor kultureller Vielfalt innerhalb unserer Landesgrenzen gespielt wird, kommt das übrigens immer aus einem rechten Lager.)
Die Art und Weise wie man den Menschen ihre eigene Kultur unter die Nase hält, wurde in der Vergangenheit bewusst gewählt, um sie zu mobilisieren gegen das Andere vorzugehen. Dazu gehört auch die Benutzung des Wortes „Volk“ in einem best. Zusammenhang.
In Berlin wird mit den Schlossfassaden auch ein Zeichen errichtet.

Zur Anregung für ein Nachdenken: Wenn Sie wüssten, dass die Architektur der Kulturen, die Sie sich anschauen möchten, erst vorgestern fertiggestellt wurde, und dass sie obendrein etwas zeigt, was sie gar nicht ist, wie können Sie dann etwas über diese Kultur erfahren?

Sie haben leider auch nicht, vielleicht aus Zeitgründen, das gelesen, was ich in meinem letzten Beitrag vorgeschlagen hatte (nämlich einmal bei Nr. 1693 zu beginnen). Ich gebe zu, dass ist auch der Nachteil einer linearen Struktur, das Gästebuch ist eigentlich ungeeignet für Erörterungen und Diskussionen. Ob stichhaltig, oder nicht, alles verschwindet weiter unten. Je nach Beitrag sieht man das auch gern. Somit kommt es bald zu 2000 Einträgen, und Fragen und Antworten sind immer noch wie vor Jahren!

Das mit der Vokabel „Volk“ versteht man nur, wenn man etwas über diese Begriffe nachdenkt, oder liest. Es kommt hier auf den Zusammenhang an. Meine Reaktion auf Nr.1746, Johannes Schwefel kommt nicht von ungefähr.
Eine gleichnamige Person ist nicht unbekannt, und wahrscheinlich sind Zeichen wie ein wiedererrichtetes „Schloss“ sie eben auch setzt nicht unwillkommen.

(1748) Uwe Kaden
Wed, 3 June 2009 23:50:36 +0000

Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Seiten heute irgendwie anders aussehen. Auf den schönen neuen Groß-Bildern auf diesen Seiten kann man ganz hervorragend die AufStella des Italieners an der Spree und im Schlüterhof sehen. Einfach toll gemacht! Die Welt bekommt etwas zum Lachen. Das Saarbrücker Schloss lässt grüßen. Und mir wird einfach nur schlecht. Welch eine Blamage...

(1747) Isidor
Wed, 3 June 2009 19:18:48 +0000

Ob "Volk" oder "Die Menschen in unserem Land" halte ich persönlich für eine ideologische Wortklauberei, die besonders für die linke Seite typisch ist. Fest steht jedenfalls, dass es Unterschiede zwischen den Völkern wie zwischen einzelnen Menschen gibt, die man nicht gewaltsam ausradieren kann. Und warum auch? Es sind schließlich die Unterschiede zwischen den vielen Kulturen, die ganz bestimmte individuelle Prägung, die jedes Volk und damit jedes Land so einzigartig und reizvoll macht. Unterschiede zwischen den Nationen stellen daher keine Gefahr, sondern in erster Linie eine Bereicherung für die kulturelle Vielfalt der Welt dar. Denn wie langweilig wäre diese Welt, wenn die Menschen und die Kultur überall gleich wären und in Rom die gleichen Häuser wie in Berlin und in Berlin die gleichen Häuser wie in New York usw. stehen würden? Nein, das Schloss ist wichtig! Es gibt Berlin und damit auch Deutschland, Europa und der Welt ein Stück Individualität, ein Stück Einzigartigkeit zurück. Oder erfreuen wir uns etwa nicht daran, dass Paris einen ganz anderen Charme hat als London? Oder dass man Amsterdam auf den ersten Blick von Venedig unterscheiden kann? Wäre die Welt wirklich schöner, wenn es nur noch globalisierte Hochhausmetropolen ohne nenneswerte individuelle Merkmale gäbe? Nun, das bezweifle ich stark.

(1746) Kreuzberger
Mon, 1 June 2009 23:50:54 +0000

Wir sind das Volk!

(1745) nachdenklich
Mon, 1 June 2009 18:43:17 +0000

Lesen Sie einmal dieses Architektengespräch aus der FAZ!
Interessant ua. die Antwort auf diese Frage:

„Wie stehen Sie nun zum formalen Aspekt des Schlossbaus?“:

(Kopieren Sie die folgende URL in Ihre Adressleiste):
http://www.faz.net/s/RubCC21B04EE95145B3AC877C874FB1B611/Doc~E3F97EAE99BAD4C26907BC3A70E641AD2~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Bedenken zu diesem Eintrag, Nr.1746:
„…Ein Volk spiegelt sich in so vielen Bereichen wieder. Ob Kunst, Bauten, Kultur, Sprache, Traditionen. Sie erhalten ein Volk am Leben. Ohne sie geht ein Volk zugrunde…“

Nun, so argumentierte man verstärkt aber erst seit der zweiten Hälfte des 19.Jh., bis in eine Zeit vor etwa 60 Jahren, ich meine dabei auch speziell den Gebrauch der Vokabel „Volk“ in diesem Zusammenhang, und das „Zugrundegehen“.

Damals wollte man den Menschen weismachen, sie wären auf Grund ihrer Eigenart, ihrer Kultur etwas ganz besonderes, um sie dann leichter für Ziele gegen die „anderen“ gewinnen zu können. Deshalb versuchte man damals an jeder Stelle die Unterschiedlichkeiten herauszukehren.

(Umso verständlicher, dass man im heutigen gesellschaftlichen und politischen Sprachgebrauch in ähnlichen Zusammenhängen nicht mehr auf das „Volk“, sondern auf die „Menschen in unserem Land“ abhebt.)

Und schon zerfällt die Suggestion, dass hinter aller Kultur (und Architektur) ein „Volk“ steht. Denn es sind vielmehr die Menschen in unserem Land, und die haben eher eine eigene Meinung, bzw. verschiedene Meinungen, als es dies die Vokabel „Volk“ vermuten ließe.

An Traditionen anknüpfen - ja, aber an welche? Wenn Sie, werter Leser, das Zitat von Friedrich Schinkel oben im Artikel der ZEIT gelesen haben, verstehen Sie sicher was ich meine.
Die weitaus längste Zeit unserer Geschichte war viel universeller, das ist doch eine Tradition, mit der man viel besser aufeinander zugehen kann! Vor allem verschließt diese nicht vorm Lernen.
Grüße

(PS: Interessant ist es einmal die Argumentationskette ab Nr.1693 zu lesen)

(1744) Johannes Schwefel
Sun, 31 May 2009 18:37:56 +0000

Eine großartige Idee, das Stadtschloß wieder aufzubauen. Ein Volk spiegelt sich in so vielen Bereichen wieder. Ob Kunst, Bauten, Kultur, Sprache, Traditionen. Sie erhalten ein Volk am Leben. Ohne sie geht ein Volk zugrunde. Massenmensch und Individualist zu sein, ist mir persönlich zu wenig. Trotz und gerade wegen unserer geschichtlichen Vergangenheit, wird es zeit, das wir wieder zu unseren eigenen Wurzeln zurückfinden. Es bedarf keines Sozialismus, ob rot oder braun, um sich seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bewußt zu sein. Unser Stadtschloß ist hierfür ein gutes Omen.

(1743) Kreuzberger
Wed, 27 May 2009 20:54:00 +0000

Max: Mit etwas Eigeninitiative könnten Sie selbst einiges für Ihre Bildung tun. Wozu gibt es Volkshochschulen? Daß die Schloßrekonstruktion und die anschließende Verwendung vor allem ein Bildungsprojekt sein wird, ist Ihnen wohl entgangen?