Gästebuch

Hinweis: Dieses Gästebuch steht Ihnen für Ihre Chats, Diskussionen und Mitteilungen gerne zur Verfügung. Es wird von uns nur verwaltet, aber nicht befeuert. Immer wiederkehrende Fragen werden von uns einmal beantwortet und in einer besonderen Rubrik im Internet gespeichert. Bitte geben Sie in der Vollwortsuche dafür an: “Öfter gestellte Fragen“. Sollten Sie mit diesen Auskünften nicht zufrieden sein, werden wir selbstverständlich eine entsprechende Anregung von Ihnen aufnehmen.

Wenn Sie eine schnelle, direkte Bearbeitung Ihrer Frage haben wollen, nutzen Sie den „Kontakt“ im Internet, damit mir Ihre Fragen und Anregungen sofort vorgelegt werden können. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass ich derartig mit Terminen eingedeckt bin und in der Spendenverwaltung ein riesiges Arbeitspensum erledigen muss, dass ich selbst nur auf diese Weise mit Ihnen kommunizieren kann.

Wilhelm von Boddien


 Name *
 E-Mail
 Webseite
 Text *
* Eingabe erforderlich

Antispam Massnahme
Vor dem Absenden des Gästebucheintrags bitte die Buchstaben- und Zahlenkombination in das Textfeld eintragen.
5 + 7=

(2743)
(1943) Was Ur-Opa noch wußte ...
Thu, 1 October 2009 15:52:28 +0000

"WIR WOLLEN UNSER`N ALTEN KAISER WILHELM WIEDER HAM`"

...uff-tata!,- uff-tata!,- uff-tata!

(1942) salsero
Thu, 1 October 2009 12:31:46 +0000

Richtig! Wenn schon das Schloss neu aufgebaut wird, dann auch vollständig, nicht nur mit einer Hauptkuppel sondern auch mit den beiden kleineren Kuppeln an den Seiten. Ohne den hässlichen Betonklotz und mit allen Innenräumen in den Maßen/Ausmaßen, wie es vorher war.

Man darf um himmelswillen eine solch einmalige Gelegenheit, das Schloss in seiner Gänze und möglichst originalgetreu wiederherzustellen, nicht wegen Sparsamkeit oder zeitweiligem Geldmangel versäumen. Bei der Dresdner Frauenkirche war das auch anfangs das Argument der Gottlosen und Kulturlosen; und wie reich wurde und wird heute noch gespendet und wie glänzend steht Dresden heute weltweit da mit seiner neuen alten Frauenkirche. Das Kuppelkreuz sogar aus dem Englischen Königshaus.

Wenn unbedingt anfangs gespart werden muss, dann können ja die Innenräume zunächst zwar in den historisch getreuen Ausmaßen wiederhergestellt werden, allerdings erst einmal ohne die Innenauskleidung. Jedenfalls erhält man sich so die Möglichkeit, zu späterer Zeit auch innen alles wieder möglichst originalgetreu herstellen zu können, wenn die Grundrisse wieder stimmen. (siehe Bernsteinzimmer)

Aber ich bin fest überzeugt, dass auch dem Neuaufbau des Berliner Schlosses ausreichend Gelder zufließen werden.

Und stellen wir uns in Wort und Tat denen entgegen, die da herumposaunen, es sei gut, Altes mit neuen Elementen zu verbinden und das Schloss mit einer Stahlbetonseite abzuschliessen. Welcher Unfug ist denn das? Stahlbeton hat ganz andere Baummöglichkeiten als die seinerzeit beim Schloss verwandten Materialien: Stein, Eisen und Ziegel. Stahlbeton kann ganz andere Weiten überspannen und passt vom Material von seiner Struktur nicht als fassadengestaltendes Element hierhin. Also, nichts weglassen, alles so wieder wie es war, damit auch spätere Generationen die Schönheit dieses einmaligen städtebaulichen Ensembles von Stadtschloss, Berliner Dom, Werderscher Kirche, Kronprinzenpalais, Zeughaus und Museeumsinsel ungestört geniessen können

Das war das Wort.
Meine Tat:
ich bin dabei einen Vesammlung zu organisieren mit einem Vortrag eines Professors für Bauhistorie um Spendengelder für das Berliner Schloss zu sammeln.




(1941) MitteinsHerz
Thu, 1 October 2009 10:30:56 +0000

Hilfe, allein die grausame Vorstellung dessen torpediert augenscheinlich meine Fingerfertigkeit. :-/

Es sollte natürliche heißen:
"Hier vertut man die große Chance, eine "Filetseite" des Schlosses angemessen zu präsentieren, anstatt diese mit grober Baukastenarchitektur zu verstellen.

(1940) MitteinsHerz
Thu, 1 October 2009 08:46:43 +0000


...ups, zu früh geschickt!
@Kreuzberger
Fortführen der Fassadenstruktur an der Spreeseite samt einer prächtigen Freitreppe als Anlegestelle. Das ist ein fantastischer Vorschlag. Jedem halbwegs funktionierenden Empfinden für baugeschichtlich, architektonische Schönheit, muss im "Umschiffen" der Museumsinsel der Anblick des Betonklotzes der geplanten Ostseite wie eine visuelle Watschen entgegenschlagen. Hier vertut man die große Chance, eine "Filetseite" des Schlosses mit grober Baukastenarchitektur zu verstellen.

(1939) MitteinsHerz
Thu, 1 October 2009 08:30:37 +0000

@ratlos

Der Nick scheint bei Ihnen Programm zu sein.
Ich empfehle in allen drei Punkten die Konsultation eines Augenfacharztes. :-)

(1938) Kreuzberger
Wed, 30 September 2009 17:46:44 +0000

Noch glänzt da nichts. Kommt aber noch. Nur Geduld!

MitteinsHerz hat recht. Man sollte jetzt, da die Querelen um Stella eventuell zu zeitlichen Verzögerungen führen, nochmal überlegen, ob es überhaupt eines Architektenwettbewerbs bedarf. Gefragt sind vor allem Rekonstrukteure, Kunstgeschichtler und Architekturhistoriker und keine Kreativen, die hier irgendwelche Duftmarken hinterlassen wollen.
Überraschenderweise ist man ja nun vollkommen von den aufgefundenen Fundamenten überrascht und schon geht die Diskussion wieder los, was deren Erhalt wieder an Mehrkosten verursachen würde. Man sollte froh sein, diese zur baulichen Orientierung heranziehen zu können, man sollte sie soweit möglich erhalten und man sollte sie dort dokumentieren und überbauen, wo alles andere zu teuer würde. Aber Pragmatismus ist hier anscheinend nicht gefragt.
Falls sich herausstellen sollte, daß der Kostenrahmen durch die Menge an Steinmetzarbeiten gesprengt würde, ließe sich die Fassade erst einmal schlichter gestalten, um die Ornamentik nach und nach einzufügen. Es muß doch möglich sein, Interims-Steinquader so zu verbauen, daß sie später herauszunehmen und durch skulpturierte Steine zu ersetzen sind.
Die Spreefassade originalgetreu wiederaufzubauen wäre ja schön. Es gibt dazu, wie ich finde, nur eine einzige Alternative: Die Fortführung der Fassadenstruktur. Das wäre historisch nicht korrekt, aber authentischer als jede Neuinterpretation. Daß gerade die Wasserseite als öde Allerweltsfassade gestaltet werden soll, ist mir jedenfalls absolut schleierhaft. Warum wird hier nicht ein prachtvolle Schiffsanlegestelle mit breiter Freitreppe geplant?
Fragen über Fragen...

(1937) ratlos
Wed, 30 September 2009 14:56:16 +0000

... Wessen wunderbarer Glanz? ...
... Was glänzt?

... Augen kuller ...





(1936) MitteinsHerz
Wed, 30 September 2009 10:13:32 +0000

Die ganze Diskussion pro/contra Wiederaufbau ist doch völlig sinnentleert, da keine Seite in der Lage sein wird, die andere vom vermeintlich "Besseren" zu überzeugen. Wir haben in unseren ehemals wunderschönen Städten schon derart viel Nachkriegsarchitekturfrevel und moderne, visuelle "Zangengeburten" ertragen müssen, daß ich es für meinen Teil leid bin, mich über den Sinn oder angeblichen Unsinn von Rekonstruktionen und Wiederaufbauten mit verbohrten Befürwortern der Moderne endlos, enervierend zu streiten; schon garnicht HIER, auf der Seite der Befürworter einer Wiederherstellung dieses wunderbaren Bauwerkes. Wir sollten vielmehr hier unsere Energie dafür verwenden, was man unternehmen kann, um den Wiederaufbau unbedingt möglichst nahe dem Original zu bringen; sprich Verhinderung dieses unsäglichen Spreeanbaus, dafür Rekonstruktion des Apothekerflügels, notfalls in einem späteren Bauabschnitt und darüber hinaus die Chance auf späteren Innenausbau gewisser Leiträume/sääle und Treppenhäuser nach Originalvorlagen. DAS sollte und MUSS ein Hauptaspekt der hier investierten Energie sein, denn glücklicher und dankenswerterweise unabwendbarer Fakt ist doch wohl, daß das Schloß zum Status Quo in mindestens seiner angekündigten, historisierenden Form GEBAUT WIRD! Punkt Ende Aus! Ich weiß nicht, warum es dann hier noch den einen oder anderen Andersdenkenden gibt, der diese Seite mit seinen haltlosen Forderungen nach moderner Architektur oder gar jetzt noch mit seinem sinnlosen Klagen über den "Verlust" des PdR zuschüttet. Also, HIER BITTE MIT ALLER KRAFT FÜR EIN WIEDERERSTEHEN DES WUNDERBAREN GLANZES IM HERZEN DIESER EINMALIGEN STADT!

(1935) Kreuzberger
Mon, 28 September 2009 19:21:22 +0000

Voll korrekt, bis auf die scheiß Fäkalausdrücke ;-)

(1934) Carsten
Mon, 28 September 2009 12:57:08 +0000

Mit Interesse verfolge ich die Diskussionen über den Neuaufbau des Schloßes. Vom ersten Moment an, seit die Installation der Leinwände, hat mich die schönheit des Schloßes faßziniert. Geschockt war ich, das mal wieder das alte mit dem vermeindlich Modernen verbunden werden soll. Der Würfel sieht einfach nur scheiße aus und verschandelt jetzt schon vor Baubeginn das zukünftige Schloß. Baut doch einfach 1 zu 1 wieder auf und scheißt auf den modernen Zeitgeist.Das Schloß hat mehrere hundert Jahre überdauert und war bis zum Abriß achiktektonisch wunderschön, da muß man keine Experte ein. Die Architekten die den Würfel da hinstellen wollen hätte ich mal sehen wollen, gleiches bei der Frauenkirche in Dresden anzuwenden. Der Aufschrei wäre riesig gewesen. Und was ist mit der Postmodernen Kirche am Kuh-damm? sieht auch scheiße aus oder? Es wäre besser gewesen die Alte wieder aufzubauen, somit würde der Kuh-damm nicht so glanzlos wie heute dastehen. Aber das haben ja, zum Glück, ehemalige Westberliner Politiker zu verantworten, ich hoffe Sie sind heute mit Ihrer Entscheidung von Damals glücklich. Ich bin es nicht und viele andere auch nicht

(1933) Kreuzberger
Tue, 22 September 2009 22:25:23 +0000

Die Schönheit in der Kunst ist leider so wenig definierbar wie die Wahrheit in der Politik. Deswegen sind beide Begriffe ja auch eher verpönt. Einigermaßen eingrenzen lassen sie sich allerdings schon. Es genügt, das verbindende Schönheitsideal der östlichen Straße Unter den Linden und der Museumsinsel als Maßstab zu setzen, um Baustilen, die nicht in der Tradition der griechisch-römischen Antike stehen, nahezulegen, sich doch bitte woanders zu manifestieren.

(1932) salsero
Tue, 22 September 2009 13:26:47 +0000

Bravo Isidor! (Dein Text Nr.1925)

Endlich jemand, der weiss, wie wichtig der Begriff "Schönheit" in der Architektur ist. Und Gott sei Dank haben gescheite Leut den Abriss des Palzzo Prozzo entschieden, der als Sinnbild eines diktatorischen Unrechtregimes keine Brechtigung hat, zu bestehen sondern hoffentlich bald dem Vergessen anheim fallen wird und wieder der besseren und wertvolleren Architektur den Platz freimacht.

Es sind dieselben schlimmen Kleingeister und Gewalttäter, die seinerzeit das Stadtschloss in Berlin gesprengt haben und jetzt noch einem hässlichen, einfaltslosen, naiven Würfelbaukasten nachtrauern. Genau Wie die Taliban, die eine Buddastatue aus einer Bergnische sprengen, weil sie eine jahrtausendealte friedliche Religion wie den Buddismus fürchten. Schnell abreissen und sprengen das können sie, aber an die Stelle etwas kulturell Gleichwertiges und Schöners hinzustellen, das vermochten sie nicht.

In Dresden fühlen sich Tausende Touristen aus aller Welt jeden Tag sehr wohl in der überragenden Architektur einer Semperoper, eines Zwingers, der Trinitatiskirche oder der Frauenkirche, die ebenfalls rekonstruiert wurde und die anstürmenden Zuschauermassen fast nicht bewältigen kann.

Als Spende für die Frauenkirche habe ich bereits die 6. Uhr gekauft - für das Berliner Stadtschloss habe ich heute für einen Balluster gespendet und bin fest davon überzeugt, dass das neue Stadtschloss der Stadt Berlin und seinen Besuchern wieder Schönheit und Einheit in der Architektur zurückgeben wird, in der sie sich sehr wohlfühlen.

Grüßle








(1931) Maus
Mon, 21 September 2009 14:12:18 +0000

Als Kunsthistoriker würde man die Sprengung der Schlossruine verurteilen, so wie ich auch. Ist auch ein Stück weit den zeitlichen Umständen geschuldet. Darum geht es aber nicht mehr.

Allerdings wird kein seriöser Kunsthistoriker auf die Idee kommen alles wieder neu hinzubauen. (Begriff: "historisch")
"Wiedergutmachen" läßt sich so wirklich nichts.

(1930) Kreuzberger
Sun, 20 September 2009 10:14:10 +0000

@Maus:
Was hatte Ulbricht damals doch gleich gesagt?
Mit der Kritik der Kunsthistoriker würde er schon fertig werden.
Offensichtlich hat er sich da getäuscht, obwohl er das nun leider nicht mehr erleben kann.

Ja, wir arbeiten auch sonntags :-)

(1929) Maus
Sun, 20 September 2009 09:31:14 +0000

@Kreuzberger
"Das hört sich an, als ginge es hier noch einmal um die Sprengung des Stadtschlosses durch Ulbricht. Dieser barbarische Akt war tatsächlich ein Verbrechen an unserer Kultur, dessen Wiedergutmachung uns nun viele Hundert Millionen € kosten wird!"

Der Ideologe bei der Arbeit ;-)

(1928) Kreuzberger
Sat, 19 September 2009 21:09:50 +0000

"...wer sich den Werdegang einmal anschaut, gelangt einfach zu der Erkenntnis, daß ein Stück Zeitgeschichte mit sehr populistischen ideologischen Argumenten beseitigt wurde. Möglichkeiten, Geschichte zu verarbeiten wurden uns dadurch quasi genommen..."

Das hört sich an, als ginge es hier noch einmal um die Sprengung des Stadtschlosses durch Ulbricht. Dieser barbarische Akt war tatsächlich ein Verbrechen an unserer Kultur, dessen Wiedergutmachung uns nun viele Hundert Millionen € kosten wird!

(1927) Richtigsteller
Sat, 19 September 2009 19:32:01 +0000

Was “shade of architecture ruskin” (1927) bemerkt, schildert mit knappen Worten was wir gerade in Berlin beobachten können. Das muss man einfach ernst nehmen.

Das Wort „Fake“ trifft es wohl, man kann auch gerne jeden anderen vergleichbaren deutschen Begriff dafür einsetzen. Es ist unverkennbar, und wer sich den Werdegang einmal anschaut gelangt einfach zu der Erkenntnis, dass ein Stück Zeitgeschichte mit sehr populistischen ideologischen Argumenten beseitigt wurde. Möglichkeiten Geschichte zu verarbeiten wurden uns dadurch quasi genommen ...

Kulissen können wir im Theater beobachten. Schneidet man diese durch, oder besieht sie sich von der Seite, erkennt man die „flache“ Täuschung, genau wie bei einer Fassadendekoration.

Denkt man aber weiter, so wäre eine vollständige Rekonstruktion doch auch nicht mehr als Theater …

(1926) Kreuzberger
Fri, 18 September 2009 19:20:52 +0000

@ shade : Hätten Sie es mal bei Ihrem ersten Satz belassen, dann könnte man Sie ernstnehmen.

(1925) shade of architecture ruskin
Fri, 18 September 2009 09:04:40 +0000

Eine nicht konsequent durchgezogene Rekonstruktion wird stets nur ein fragwürdiger Fake bleiben. Der Palast der Republik wäre zumindest ein Denkmal der Bedeutung gewesen.
Intellektuelle Revanchisten konnten dies nicht ertragen und haben in Siegermentalität und eventuell auch einer möglichen "Post-NS-Gesinnungssyndrom" bzw. Traumatisierung dieses geschichtliche Zeugnis einer anderen Zeit ausradiert und ausgemerzt um sie einfach nicht wahrhaben zu müssen.

Denkmalpflegerisch ist eine nur teilweise durchgebildete Rekonstruktion halt "Fassade", Kulisse, genau das was die oben angeführte Gesinnung dokumentiert und entlarvt.

Es ist nicht so, dass mir der Palast der Republik "gefallen" hätte, aber er hat nun mal eben existiert und ist ein Manifest, auch wenn es das Ensemble "stört". Gerade durch die Irritation wirkt der über seine bloße physische Existenz hinaus.

Die seinerzeit aufgestellte Kulisse hätte Anlass genug geboten sich mit dem Themenkreis eingehend und kritisch abseits der Ideologie auseinander zu setzen, genau das hat aber nicht stattgefunden. Der nun geplanten Form eine sehr fragwürdige Angelegenheit.

(1924) heike weis
Wed, 16 September 2009 14:22:12 +0000

hallo, ich habe gehört, dass Kellerreste bei Grabungen gefunden wurden.Ich fände es schade wenn sie der Rekonstruktion geopfert würden.Was wird mit ihnen geschehen und kann man sie besichtigen.Meine Schwester sagte sie hätte schon vor 10 Jahren Gewölbereste besichtigt.
Kann man mich da aufklären?
Viele Grüße
Heike Weis

(1923) Isidor
Wed, 16 September 2009 09:55:42 +0000

"Diese Aussage versteht niemand, und bedarf der Erläuterung."

Also ich verstehe sie sehr gut. Gebäude waren früher nicht nur Architekturgebilde, sie waren auch Kunstwerke. Überall - sei es bei Stuckverzierungen, Ornamenten, Schnitzereien, Wand- und Deckenmalereien - überall arbeiteten Künstler und fähige Handwerker mit und genau das macht diese Häuser so einmalig und schön. Dieser Aspekt fällt heutzutage leider komplett weg. Daher versuchen sich die Architekten selbst als Künstler darzustellen, indem sie groteske, unförmige und exzentrische Gebäude entwerfen, die sie uns gerne als Kunstwerke verkaufen würden. Oder sie geben sich gleich geschlagen und quälen unsere Augen mit ihren einfalls- und trostlosen Nutzbauten, die sie in die Welt setzen. Ich weiß nicht einmal, was schlimmer ist...

Dass der Spendenverein es nicht schaffen wird, die für die Fassadenrekonstruktion nötigen Mittel aufzubringen, ist nichts weiter als eine unbegründbare Mutmaßung Ihrerseits. Aber wer weiß, vielleicht haben Sie Recht und Sie werden tatsächlich 1,50 Euro Ihres Steuergeldes ungefragt für das Schloss spenden. Das wäre sicherlich ein schwerer Schlag.

Bei Fassaden geht es nicht darum, den Menschen die Möglichkeit zur Begegnung zu geben. Das ergibt sich daraus von selbst. Sie sollen der Stadt ein schönes, einmaliges Gepräge geben, damit sich die Menschen darin wohlfühlen. Sie sollten auch ein Spiegel der Kultur sein. Moderne Glas- und Betonfassaden spiegeln nur eine hässliche und ungeliebte Globalisierung wider.

(1922) TKKG
Wed, 16 September 2009 08:47:28 +0000

Kreuzberger schrieb:

"Kunst und Handwerk sind hier auf der Strecke geblieben. Überlebt hat allein die Architektur,..."

???
Diese Aussage versteht niemand, und bedarf der Erläuterung.

Bezahlbar ist Handwerk nicht mehr. Die Summe für die Barockfassaden werden durch Spenden nie eingenommen werden.
(Was die Aussage unterstreicht.)

Wenn der Entwurf, so wie er sich uns im Moment darstellt verwirklicht werden sollte, dann werden am Ende Steuermittel, und somit das Geld der Allgemeinheit aufgewendet werden müssen.

Damit geben auch jene Geld, die die Fassaden eigentlich nicht mochten, und mit dem Ergebnis, dass "Kleinteilgkeit" nur in eine Fassadenstruktur investiert würde.

Sie verwechseln "Fassadenoberfläche" mit "Stadträumlichkeit".
Abgesehen davon, steht der Begriff des "kleinteiligen Stadtraumes" nicht im Zusammenhang mit diesem Projekt.

Sprechen wir lieber von den Möglichkeiten, die die Rekonstruktion der Fassaden hinsichtlich ihrer Reaktion auf Stadtraum n i c h t bieten kann. (Die Barockfassaden lassen auch im Inneren nicht das zu, was optimal wäre.)

Die gemeinten maßstäblichen Räume, die Menschen mehr Gelegenheit zur Begegnung bieten, werden nicht durch Fassaden, und auch nicht durch bestimmte handwerklichen Techniken erreicht werden, sondern durch den Städtebau, und die Nutzungen der Gebäude.


"... verkitschten Beton- und Wohncontainer-Massengeschmacks."

Wie ist der Geschmack der Masse?

Die alten Schloßfassaden waren ua. strukturiert durch das Ornament (Fassadenplastik).
Das Schloß selbst war nach außen hin jedoch ein monumental zu nennender rechteckiger Block.
Stadträumlich gesehen war dieser das Gegenteil von "kleinteilig".

Grüße an alle

(1921) Kreuzberger
Tue, 15 September 2009 22:49:23 +0000

Ich war neulich mal wieder in Lübeck. Die Stadt ist nicht gerade der Nabel der Welt, obwohl sie nach Köln einmal die größte auf deutschem Boden war. Trotzdem ist Lübeck noch immer imposant und faszinierend mit seiner dominierenden backsteingotischen Bausubstanz. Erstaunlich ist aber auch die harmonische, teils pittoreske Koexistenz von Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko, Klassizismus, Historismus und selbst noch 20er-Jahre Bauten. All diese Stile haben einen gemeinsamen Nenner, der aus einer idealen Ergänzung von Kunst, Handwerk und Architektur besteht.
Wer Lübeck besucht, dem wird aber auch schmerzhaft klar, was der 2. Weltkrieg an direkten und indirekten Folgeschäden in dieser Stadt angerichtet hat. Man wird im Stadtkern kein einziges Gebäude der Nachkriegszeit finden, das nicht deplaziert, primitiv und peinlich wirkt im Kontrast zur traditionellen Bebauung.
Kunst und Handwerk sind hier auf der Strecke geblieben. Überlebt hat allein die Architektur, nun als Erfüllungsgehilfin eines verkitschten Beton- und Wohncontainer-Massengeschmacks.
Das nur nebenbei zum angesprochenen Thema der kleinteiligen Bebauung.

(1920) muffel
Sun, 13 September 2009 12:18:23 +0000

ich finde es unglaublich, das steuergelder für so etwas veschwendet werden...es gibt ja sogar eine privatorganisation, die das finanziert hätte. ich mein wir brauchen eh keine museen mehr!

(1919) QCSE
Sat, 12 September 2009 16:28:36 +0000

Auf 80 Mio Deutsche macht das 6 Euro pro Nase...
Oder lassen wir es 10 Euro sein, dann wäre das Resultat vernünftig....


(1918) färuleinsozial
Sat, 12 September 2009 15:12:50 +0000

ich muss mich entschuldigen, kommastelle falsch, aber es geht ja nur ums prinzip...dass wir grad in der krise hängen die menschen keine arbeit haben somit kein geld verdienen und hartz4 ist und bleibt knausrig..


(1917) färuleinsozial
Sat, 12 September 2009 12:43:28 +0000

Wenn wir kein Stadtschloss in Berlin bauen und das Geld jedem der ca 80 Mio Bürger Deutschlands gerecht zur Verfügung stellen würden, erhielte jeder ca 6,25 Millionen.


(1916) VonWegen
Sat, 12 September 2009 12:21:04 +0000

"Dieses Land kotzt mich nur noch an !"

Mit Sicherheit ästhetischer als die umgekehrte Variante.

(1915) ela
Sat, 12 September 2009 09:51:42 +0000

Für "Richie":

Was für ein blödsinniger Kommentar ohne geringste Substanz!

Nicht bloß für "sowas", sondern auch für sowas wie Sie hat dieses Land Geld übrig, denn Sie werden sich sicher nicht scheuen, in und von diesem Land möglichst bequem zu leben!
Allerdings hoffe ich für Sie, daß Sie schnellstens den Weg aus diesem Land raus finden, bevor Sie von ihm ganz vollgekotzt sind!

(1914) Bildzeitungsleser
Sat, 12 September 2009 09:29:38 +0000

an Richie:
zwei U-Boote weniger für die Bundeswehr und wir haben ein Super-Schloß dafür. In Afghanistan braucht die Bundeswehr ja keine U-Boote. Oder die SED (jetzt LINKE) gibt die dem Volk geraubten Millionen zurück.


(1913) Richie
Fri, 11 September 2009 20:47:54 +0000

Für so was haben wir Geld, wieviel Schulkindern könnte man damit eine Mittagsmahlzeit bezahlen ! Dieses Land kotzt mich nur noch an !

(1912) Karl
Mon, 7 September 2009 16:02:46 +0000

@hm
"Was aber den Menschen unterbewusst eigentlich gefällt ist der Maßstab dieser Städte. Den allerdings, könnte man auch mit zeitgemäßer Architektur erreichen."
Vielleicht. Schauen Sie sich aber mal die enttäuschenden(obwohl kleinteilig) Entwürfe moderner Architekten für die Frankfurter Altstadt an.
Kleinteiligkeit und zeitgemäße Architektur findet man heute übrigens auch in jeder spießigen, geranienverhangenen Reihenhaussiedlung.

Unterbewusst gefällt den Menschen an historischen Stadtkernen hingegen das traditionelle Handwerk und dass das Lesen der Fassadengestaltung mehr Zeit erfordert als einen flüchtigen Blick und dass es sich lohnt genauer hinzuschauen.

"Die große Zeit des Handwerks ist allerdings vorbei"
Eben darum bin ich für die Rekonstruktion des Stadtschlosses.


(1911) hm
Mon, 7 September 2009 10:45:21 +0000

@MacGeiler
Also erst einmal können Sie davon ausgehen, dass wir ein Stück weit einer Meinung sind. Ein Forum, wenn ich das hier einmal so nennen darf, in dem es nur auf die Wortwahl ankommt, lässt leicht Missverständnisse zu. Genau zu lesen ist deshalb wichtig.

Prinzipiell können wir Bauwerke nicht getrennt von den Menschen und ihrem Verhalten beurteilen, deswegen gibt es auch Zusammenhänge zu deren Verhalten, welches sich u.U. auch durch Innovationen zeigen kann. Ich hatte das Beispiel angeführt, weil rasante Entwicklungen ja auch so etwas wie ein „Barometer“ sind, das Beispiel China kennt zudem jeder, ist präsent.

Ich weiß dass dort in eklatantem Maße kulturell wertvolle Bausubstanz vernichtet wird. Das ist zu bedauern. Allerdings urteilen wir auch hier schon wieder mit unserer west-, und mitteleuropäischen Sichtweise. Die Bewegungen der Menschen dort sind ungeheuer. Sie strömen von sich aus in die Metropolen in Ostchina, die Städte können so schnell gar nicht wachsen, sodass sich informelle Siedlungen mit katastrophalen Lebensverhältnissen wie ein Gürtel um die Zentren legen. Ich möchte hier nicht weiter darauf eingehen. Sicher spielt auch das Selbstverständnis der Chinesen eine Rolle. (Sie werden sich dort fragen, wozu ein Kultbau, wenn ich doch nicht gläubig bin usw.)

Das Wort Betrug hätte ich unten auch in Anführungsstriche setzen können. Aus dem Text kann man aber eigentlich darauf schließen was ich meine. Es kommt auf die kulturhistorische Bedeutung an, was, wie rekonstruiert, oder restauriert wird. Die Vorgehensweise ist so etwas wie ein „Roter Faden“, bei dem ich mich einmal ein kleines Stück darüber oder darunter befinde.

Die Thematik ist ähnlich wie beim Berliner Schloss, die Symbolfrage stellt sich allerdings in der Regel nicht. Ihr Eindruck dass ich alles verfallen lassen wollte steht sogar konträr zu meiner Intension.
Ich komme übrigens aus der Denkmalpflege, interessiere mich für Geschichte. (allerdings nicht aus „Geschichtsmagazinen“, und auch nicht aus „Geschichts-Doku-Shows“ des Fernsehens, mit ihren Schaustellern. Hierin steckt übrigens der gleiche Sachverhalt. Tatsache kontra Rekonstruktion)

Warum man mit Rekonstruktion in der Denkmalpflege vorsichtig ist, ist der Tatsache geschuldet, dass u.U. Geschichtsverfälschung betrieben werden kann, bzw. ist es ja nicht Aufgabe zu täuschen, es wird sich auch genau überlegt, was nur konserviert wird, und was restauriert. Nicht selten wird deshalb versucht Rekonstruktion kenntlich zu machen, um Originalsubstanz von neuen Zutaten unterscheiden zu können, und somit dem Betrachter, aber auch dem Wissenschaftler zu zeigen was eben nicht sein kann.
(Bitte keine Gegenbeispiele suchen, was den Unterschied ausmachen kann ist nicht immer gleich, und auch stark vom Objekt abhängig.) Diese Suche nach einem Weg ist eben wie eine „Schlangenlinie“ um diesen Roten Faden. Die Wiedererrichtung des Schlosses hingegen, um es bildlich zu machen, ist wie eine Parallele zu diesem Faden, allerdings mit einem gewaltigen Abstand, egal ob oben oder unten, hat mit Denkmalpflege also absolut nichts zu tun.

Wir brauchen uns auch nicht über Differenz von Burg und Stadtschloss unterhalten. Das Berliner Schloss hatte nicht die Aufgabe Rücksicht auf Besucherströme zu nehmen, bzw. auf Passanten zu reagieren. Es war nur für eine „Elite“ vorgesehen, die dort unter sich blieb.

Bitte sagen Sie nicht: „Ihr“ Architekten. Die Bausünden der 60er und 70er Jahre sind unverkennbar, werden aber von der Masse, wenn überhaupt, erst heute angeprangert.
Was sollten aber diese Architekten tun, wenn in diesem Land in der Regel 2 Autos pro Familie angeschafft wurden? Hat man die 80er und 90er schon vergessen, und heute?

Die Themen im Bekanntenkreis, das erkennen Sie sicher selbst, waren doch nicht etwa die Gebäude der Innenstadt, die Möglichkeit, die in kleinräumigen Strukturen steckten (Raum für soziale Kontakte), und schon gar nicht was diese Strukturen uns erzählen konnten.
Das Thema hingegen war Ski-Urlaub, Reisemöglichkeiten ohne Stau, der Arbeitsweg mittels Auto, und wo finde ich bitte einen Parkplatz, zu dem ich nicht so weit laufen muss, und wo kann ich einkaufen, wo ich alles gleich in den Kofferraum bekomme. Ich glaube das wäre ehrlicher.

Was folgte daraus? Natürlich der Druck auf die Politik! Sofern kein kommerzielles Interesse zusätzlich zu denkmalpflegerischen Fragen kommt, werden Sie bis heute selten Mehrheiten für Kultur bekommen. (siehe Dresden, Waldschlösschenbrücke)

Das Förderte über Jahrzehnte hinweg, bis heute, in der Masse, Architekten oder mehr noch Bauingenieure, welche diese Erwartungen an die autogerechte Stadt oder das Dorf erfüllten, auf Kosten des Kommunikationsraumes, sprich Plätze, oder Straßen, welche für das Gespräch, für den Fußgänger immer unattraktiver wurden.

Beim Beispiel Rothenburg ob der Tauber, kommt natürlich auch der kommerzielle Aspekt hinzu, man hat die Einnahmemöglichkeiten erkannt. Aber auch das arbeitet dem kulturellen Aspekt ein Stück weit entgegen, da „Mittelalter“ nur vorgegaukelt wird, eine Art „Schaustadt“ für Touristen.
Die Menschen möchten keinesfalls wie im Mittelalter leben. Wenn sich diese zu Rothenburg bspw. äußern, wiederholen sie eigentlich nur die Zeilen der Werbegemeinschaften (in welchen Hotelbesitzer, und Gastronomen vertreten sind), die ein Bild von einer „mittelalterlichen“ Stadt den Menschen erst suggerieren.
Was aber den Menschen unterbewusst eigentlich gefällt ist der Maßstab dieser Städte. Den allerdings, könnte man auch mit zeitgemäßer Architektur erreichen.

Deshalb war das meinerseits kein Plädoyer dafür, nicht zeitgemäß zu bauen. Was Sie, wie so viele vermengen ist, und was die Schlossbefürworter immer wieder wiederholen, war, dass als einzige Antwort auf „hässliche“ moderne Architektur nur „schönes“ „altes“ Barock sein kann.

„Schönes altes Berlin“ wird nie wieder erreicht werden, höchstens „schönes neues Berlin“.
Lassen wir „Verschwörung“ beiseite, die brauchen wir auch nicht bemühen, selbst wenn Sie sich nicht mit Geschichte auseinandersetzen wollen, und es von Anfang an um nicht mehr ging als Oberfläche, innen wie außen, das Zeichen bleibt, und wer sich für mehr interessiert, der stellt Fragen.

Was aber noch schlimmer ist, wer sich nicht dafür interessiert, zieht die oberflächliche Schlussfolgerung, das was sich einmal zugetragen hat, Entwicklungen die sich einmal vollzogen hatten, und was für Konsequenzen sich am Ende daraus ergaben, dass kann so schlimm nicht gewesen sein, man baut ja heute sogar, im Gedenken daran alles wieder hin. Diese Unkenntnis können Sie beobachten, Sie brauchen nur die entsprechenden Foren aufsuchen.

Es ist übrigens bezeichnend, dass die Schlossbefürworter (wie bspw. Ihr Vorgänger hier) die Gegner der Scham ihrer Kultur bezichtigen, was natürlich Unsinn ist.

Das Bauhaus war nicht prinzipiell gegen das Ornament, in viele Richtungen wurde dort experimentiert, von vielen Künstlern. Auch in den Ideen Le Corbusiers steckt Ästhetik, der Baukörper selbst bildet den Bestandteil.

Es gibt zudem etwas Fundamentales, was uns von allen Epochen zuvor unterscheidet, und das ist die Industrialisierung.
Das Ornament industriell gefertigt zu wiederholen wurde bereits versucht, und ist auch heute noch möglich, mit allen Folgen für das Stadtbild. Die große Zeit des Handwerks ist allerdings vorbei, davon könnte ich ein Lied singen. Individualanfertigungen bezahlt niemand so, dass man davon leben könnte, jedenfalls nur die wenigsten.

Hinsichtlich der Römer sprach ich auch von Architektur, erkunden Sie weiterhin das, was hinter den Fassaden liegt.

Wenn Sie sich umschauen, können „die“ Architekten eben nicht das machen was sie wollen. Oben habe ich geschildert w e r Einfluss auf die Architektur hatte und hat. Denken Sie doch einmal an den Wettbewerb zum Schloss.

Wir sind am Ende wieder beim Thema: “Was kann ich mir vorstellen, was, daraus folgend, gibt mir „Sicherheit“, was macht mir Angst.

Viele Grüße


(1910) MacGeiler
Mon, 7 September 2009 00:01:55 +0000

@ HM

Sie Bewundern die Chinesen für ihre Innovationskraft? Ich gehe davon aus das wir immer noch über Bauwerke sprechen.
Ich denke Sie wissen in welchem extremen Maße alte chinesische Tempel und Städte zerstört werden um Hochhäuser zu bauen.
Praktisches für den Moment über das uralte Erbe was dann für immer verloren geht.
In 50 Jahren, wenn die Hochhäuser längst bröckeln und der Wirtschaftsboom sich normalisiert hat werden sie sich in den Arsch beißen was ihre Eltern damals gemacht haben.
Wußten Sie das Quedlinburg in den 80ern abgerissen werden sollte um dort „innovative“ Plattenbauten hinzubauen? Das Geld zur Demolierung und Enttrümmerung hat gefehlt.

Wußten Sie das in den 60ern die Altstadt von Regensburg durch eine vielspurige Schnellstraße zerstört werden sollte? Zum Glück kam es zum Gesinnungswandel.

Es gibt viele solcher Beispiele wo mit Mut zum Neuen, den Sie ja bewundern und befürworten, vieles zerstört oder beinahe zerstört wurde.

Zitat: „… am Ende argumentieren Sie, dass alles Geschmackssache ist. Also dann eigentlich auch die Harmonie, wie immer diese in Ihren Augen aussehen mag, und mit was auch immer harmoniert werden soll. Damit wären wir bei Ihren Gewohnheiten, die daraus resultieren was Sie sich vorstellen können, und was Sie sich nicht vorstellen können.“

Wieder ein Konstrukt was auf etwas Fußt was ich nichtmal gesagt habe.
Ich habe gesagt das es Geschmackssache ist ob man eine Fassade mag oder nicht.
Das also Harmonie auch eine Frage des Geschmacks sei ist Ihre Schlußfolgerung, nicht unbedingt meine.
Wer biegt hier Sachen zurecht?
Gucken Sie sich mal den Karstadt in Lübeck, Regensburg und Goslar an und Sie verstehen vielleicht was ich mit Harmonie meine und womit diese Klötze harmonieren könnten.

Zitat: „Der Betrug, den Sie selber feststellen (Substanz von Fachwerkhäusern) ist wahr.“

Das der Erhalt von Bausubstanz Betrug sei ist Ihre Aussage, nicht meine.
Wer biegt hier Sachen zurecht?
Für mich ist es eine Notwendigkeit weil sonst alles verfallen würde.
Ich habe den Eindruck Sie würden gerne alles verfallen lassen um Platz für Neues zu haben.
Dabei ist doch gerade in Deutschland das Groß der Bausunstanz neu.
Was wollt Ihr Architekten eigentlich mehr?
Wie gesagt, erfreuen Sie sich an Kiel, Essen, Mannheim, Braunschweig…, das sind die Ergebnisse Ihres Mutes Neues zu probieren.

Zitat: „Das Berliner Schloss lässt sich nicht ergänzen, es ist weg.“

Ich bin für Rekonstruktionen wie ich am Beispiel Rothenburg klargemacht habe, aber das ist ja hier das große Streitthema.

Zitat: „Seine Künstlerische Bedeutung (das Schloß) wird nur hier überbewertet. Schauen Sie sich die Fotos an, ein monumentaler unnahbarer Bau, der relativ wenige Möglichkeiten bot, Interaktionen mit der Stadt zuzulassen. Das war auch nicht seine Aufgabe. Schloss – „Verschließen“
Wie soll das mit dem Stadtleben harmonieren, vor allem mit einer anderen Funktion?“

Naja, eigentlich haben sich eine Menge Gebäude und Sichtachsen an das Schloß orientiert, aber ich will das Thema Harmonie jetzt meiden weil es uns nicht weiterbringt.
Übrigens geht die Etymologie von Schloß auf eine Zeit zurück als Burgen und Schlösser fast Synonym waren und eine Wehrfunktion hatten. Und Sie übertragen das einfach auf ein viel moderneres Schloß und daraus schliessen Sie das es unmöglich harmonieren kann.
Wer biegt sich hier Sachen zurecht?

Zitat: „Hinzu kommt aber noch das Wesentlichste . Das Schloß ist gleichzeitig ein Zeichen, und wesentlicher noch, das Wiedererrichten ist ein weiteres Symbol. Welches?“

Für mich wird der vernarbten und großenteils häßlichen deutschen Hauptstadt ein Stück ihrer alten Schönheit zurückgegeben. Verschwörungstheorien, wenn Sie das denken was ich denke, interessieren mich nicht.

Zitat: „Noch kurz, Sie schreiben:

„[die Römer] haben ja fast alles von den Griechen übernommen und nachgebaut.“

Stichwort „verbiegen“, - „fast alles“?
Was wir heute aber als ihre größten Errungenschaften schätzen sind andere Dinge.“

Wenn ich sage die Römer hätten fast alles von den Griechen übernommen dann verbiege ich gar nichts. Es geht selbstverständlich um Architektur, nur davon rede ich hier.
Architekten haben immer auf vergangene Epochen geschaut und haben sich von ihnen inspirieren lassen und vieles abgeguckt. Stilistische Elemente wurden dabei immer wieder verwendet, auch in abgewandelter Form.
Das die Gebäude an die jeweilige Zeit angepasst wurden und natürlich keine Klone waren ist klar.
Seitdem das Ornament zum Verbrechen erklärt wurde ist es aus mit dieser Jahrtausende alten Tradition.
Seitdem sehe ich nur noch würfelförmige Häuser mit glatten Fassaden aus Beton, Glas oder Backstein. Ich weiß…für Sie sind diese Häuser schön weil Sie hinter die Fassaden schauen und keine Zukunftsangst haben.
Seit fast 100 Jahren haben moderne Architekten ihre Chance. Was wollen sie und Sie mehr?
Wegen 3 Barrockfassaden ist die Architektenzunft bedroht. Für Sie geht gar das Abendland unter.
Aber WIR haben Zukunftsangst.

So, jetzt gehe ich aber schlafen. Diese Tipperei nimmt ja unerhörte Ausmaße an.

(1909) Ernst Ludwig
Sun, 6 September 2009 09:03:19 +0000

Hm hat es erkannt: abseits aller kunsthistorischer oder ästhetischer Fragen -, das Schloß und sein Wiederaufbau ist ein deutliches Zeichen. Genauso ist es.
Erstens: Das Schloß steht für einen Teil preußischer und deutscher Geschichte, dessen wir uns nicht zu schämen brauchen, ganz besonders im Vergleich mit anderen europäischen Ländern.
Zweitens: Der Wiederaufbau setzt den sichtbaren Schlußstrich unter Kommunismus, DDR, deutsche Teilung und alles, was damit zusammenhängt. Die Untat Ulbrichts ist revidiert. Die Sprengung des Schlosses war 1950 ein sichtbares Zeichen, der PdR hat dieses für alle Zukunft mit Tonnen Stahlbeton und Asbest festschreiben sollen. All das ist verschwunden. Alles Mühen der Genossen war vergeblich. Das Schloß als Zeichen der vorkommunistischen Zeit steht - wenigstens äußerlich - wieder. Berlin ist wieder die Hauptstadt aller Deutschen. Und deshalb freue ich mich nicht nur auf das dann großartige Stadtbild, sondern genieße auch den Sieg über den Kommunismus und alle DDR-Nostalgiker.


(1908) hm
Sun, 6 September 2009 08:13:55 +0000

Hallo Nina, ich habe keine Angst vor der Zukunft! :-)
Ich bewundere die Menschen die Veränderungen nicht scheuen, … auch Chinesen, und auch wenn es Widersprüche gibt …

Beobachte einmal die Reaktionen hier, die meisten Äußerungen geschehen aus der Motivation heraus, weil man gerne etwas Bestimmtes so hätte. Widersprüche, auch wenn sie offensichtlich sind, werden dann meist so hingebogen dass es passt, redet man sich sogar selber ein.

@Mac Geiler, ok, habe ich unterlassen…

… am Ende argumentieren Sie, dass alles Geschmackssache ist. Also dann eigentlich auch die Harmonie, wie immer diese in Ihren Augen aussehen mag, und mit was auch immer harmoniert werden soll. Damit wären wir bei Ihren Gewohnheiten, die daraus resultieren was Sie sich vorstellen können, und was Sie sich nicht vorstellen können.

Das Betrachten von außen, geschieht auch häufig durch Reisende, denken Sie an Städtereisen. (Das Verhalten nicht zu eng auslegen) Also, in den Bus rein, in den Bus raus usw. Ich verwende das einmal der Anschaulichkeit wegen. Darauf bezogen sind Schaufassaden sogar funktional. ;-)

Aber was nun folgt, wie der Gedankengang zu Ende geht, möchte ich hier gar nicht mehr sagen. Fragen zu dem Denken der Menschen, und dem Sinn tauchen ja unweigerlich auf. Das kann sich jeder einmal ausmalen.

Trotzdem sehr interessant! Fachwerk in Quedlinburg, Barock in Bamberg.

Der Betrug, den Sie selber feststellen (Substanz von Fachwerkhäusern) ist wahr. Denkmalpflegerisch rechtfertigt der kulturhistorische Wert Ergänzungen. Mit anderen Worten, Fachwerkbauten aus der Gotik lohnt es mit mehr Substanz zu ergänzen um sie zu erhalten, als Fachwerk eines Neubauernhofes des 20. Jahrhunderts.

Das Berliner Schloss lässt sich nicht ergänzen, es ist weg.

Seine Künstlerische Bedeutung wird nur hier überbewertet. Schauen Sie sich die Fotos an, ein monumentaler unnahbarer Bau, der relativ wenige Möglichkeiten bot, Interaktionen mit der Stadt zuzulassen. Das war auch nicht seine Aufgabe. Schloss – „Verschließen“
Wie soll das mit dem Stadtleben harmonieren, vor allem mit einer anderen Funktion?

Hinzu kommt aber noch das Wesentlichste . Das Schloß ist gleichzeitig ein Zeichen, und wesentlicher noch, das Wiedererrichten ist ein weiteres Symbol. Welches?


Noch kurz, Sie schreiben:

„[die Römer] haben ja fast alles von den Griechen übernommen und nachgebaut.“

Stichwort „verbiegen“, - „fast alles“?
Was wir heute aber als ihre größten Errungenschaften schätzen sind andere Dinge.

Auf Wikipedia finden Sie Renaissancebauten.
Differenzen zwischen den einzelnen Epochen können Sie sich selber einmal erarbeiten. Es ist dabei aber auch Notwendig sich für Grundrisse zu interessieren, d.h. Sie müssen in die Gebäude hineingehen, müssen sich also für Dinge, die hinter der Fassade liegen interessieren.

Gruß

(1907) Kreuzberger
Thu, 3 September 2009 22:49:55 +0000

@ MacGeiler :-)!

(1906) MacGeiler
Thu, 3 September 2009 22:41:58 +0000

@HM
An wen richtet sich Ihr Beitrag?
Ich rede zwar von Betonklötzen, aber nicht von Kindergärten, also bitte keine Beiträge vermengen.
Trotzdem fühle ich mich angesprochen.
Eine sehr dürftige Antwort auf meinen Text.
Meine Erklärungen zur Harmonie, zum Stadtbild, zur Originalsubstanz, zum Recht etwas zu mögen oder nicht etc. lassen Sie völlig unkommentiert. Ich bin mir sicher Sie haben Angst darauf einzugehen. Ja, daran liegt es.

Statdessen klammern Sie sich an einen Begriff.
Da benutze ich also das Wort Betonklotz und Sie erstellen daraufbasierend gleich ein psychologisches Profil:
„Betonklotz“ ergo er kennt nichts anderes, ist also ein Ignorant.
Daraus folgt er hat nicht den Mut etwas anderes kennenzulernen, hat also Angst.
Daraus folgt er wird wirtschaftlich von anderen (Ländern) übertrumpft weil diese mehr Mut haben, wissbegieriger sind und nicht nur auf die Fassaden schauen.
Ihr psychologisches Konstrukt scheitert u.a. schon daran, das ich Betonklotz als Metapher benutze für alle gebäude die ich häßlich finde.
Und das ist ja, wie ich schon (offenbar umsonst) sagte, reine Geschmackssache.
Nach Ihren Thesen waren die Römer Angsthasen und Ignoranten, haben ja fast alles von den Griechen übernommen und nachgebaut.
Und die Renaissance erst…mannomann hatten die Angst vor der Zukunft und kannten nur Betonklotz.
Klassizismus, Historismus.
All diese Architekten waren auch noch Verräter an ihrer Zunft. Gott sei Dank sage ich, sonst gäbe es heute nur Betonklötze.


(1905) Kreuzberger
Thu, 3 September 2009 18:50:31 +0000

hm: Plakative Sprache ist okay, plakatives Denken nicht. Weshalb Sie unsere Reaktionen auf Ihre absurden brachialpsychologischen Thesen als Erfolg verbuchen, ist ebensowenig nachvollziehbar, wie Ihr manisches Bedürfnis, allein schon die Kenntnisnahme und Bewahrung unserer Kulturgeschichte als Ausdruck tiefsitzender Zukunftsangst zu definieren. Das ist wirklich lächerlich :-)

(1904) NINA
Thu, 3 September 2009 15:26:54 +0000

"Wenn auch Sie den Mut hätten, hinter Fassaden zu schauen, bräuchten Sie aber keine Angst mehr zu haben."

Schön gesagt :)
Mir scheint aber, Sie haben Ihre eigene Zukunftsangst nicht im Griff.


(1903) hm
Thu, 3 September 2009 12:48:58 +0000

Meine plakative Sprache mögen Sie mir nachsehen. Doch der Erfolg gibt mir wohl Recht, da ich verstanden wurde.

Sie wollten dem Leser ja verkaufen, dass die 3 Fassaden nachhaltiger seien, als Kindertagesstätten und Schulen, davon haben Sie nun etwas abgelenkt, und deshalb führe ich es nun hier wieder an.

Da Sie ja nicht mehr interessiert als Fassade (Motto: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“), verwundert es auch nicht, dass Sie alternativ nichts weiter kennen als „Betonklotz“.

Menschen die Angst haben, haben selten die Kraft sich mit der Umwelt auseinanderzusetzen. Hätten Sie das getan, wüssten Sie mehr als „Betonklotz“.

Angst hat man aber vor dem Unbekannten, und je mehr man um sich herum das Allbekannte, Vertraute nachbildet (oder das Unbekannte hinter Geranien versteckt), umso größer wird diese Angst, da man ja eines Tages doch mit der Welt konfrontiert werden würde.
Aber dann kann man eben nichts, weil man ja nichts lernen konnte, bzw. wollte.

(Falls Sie es noch nicht entdecken konnten, es gibt Menschen ganzer Kontinente, die sehr wissbegierig sind, sie sind noch nicht satt. Auf diesen Kontinenten boomt ein unglaubliches Wirtschaftswachstum, das nunmehr jene übertrumpft, die nichts mehr zu interessieren scheint als Fassaden.)


Wenn auch Sie den Mut hätten, hinter Fassaden zu schauen, bräuchten Sie aber keine Angst mehr zu haben.

(1902) Arno Nyme
Mon, 31 August 2009 18:34:29 +0000

@ HM:
"Angst vor der Zukunft" weil ein Bauwerk rekonstruiert wird? Sehr schön auch der philosophische Geranien Ansatz. Rentner die verklärt sind weil sie sich für unser noch verbliebenes kulturelles Erbe interessieren? Oh man, dass ist in der Tat harter Tobak.
Aber ich möchte nicht in philosophischen Höhen schweben und Sie nicht aburteilen für Ihre Sicht auf die Rentner (irgendwann kommen auch wir in das Alter ;-) ). Das ist doch alles nur Polemik und daher kommt mir nur ein müdes Lächeln über die Lippen.
Ich wäre auch gern auf Ihren Artikel eingegangen aber zum Einen möchte bei der Frage der Nachhaltigkeit (Touristen, Einnahmen, Steuern, etc) auf meinen Bericht (1895) verweisen und zum Anderen bin ich nicht der Meinung, dass es Zielführend ist mich mit Ihnen über die Stellung von Rentnern in unserer Gesellschafft zu streiten.
Mit freundlichem Gruß
Arno


(1901) MacGeiler
Mon, 31 August 2009 15:56:41 +0000

@HM

Angst vor der Zukunft?
In Spanien würde man sagen „das fünfte Bein der Katze suchen“. Etwas sehen wollen was nicht da ist.

Die drei „Hüllfassaden„ nützen Ihnen vielleicht nichts, aber weil Sie sie offenbar sowieso nicht mögen.

Für mich und die meisten Befürworter solcher Fassaden zählt das Stadtbild, das Äußere.
Wenn ich eine Stadt besuche dann geniesse ich das Stadtbild. Was hinter den Fassaden steckt ist normalerweise wurscht weil man es eh nicht sieht.
In Quedlinburg genieße ich das Fachwerkensemble.
In Bamberg das Barrocke, in Lüneburg die Norddeutsche Backsteingothik, fertig.
Ob die Häuser komplett entkernt wurden, wie oft geschehen, ist mir nicht so wichtig. Die Bewohner haben ja auch schließlich andere Bedürfnisse als vor 300 Jahren.
Steht aber ein Betonklotz mittendrinn das ist die Harmonie futsch.
Was spricht also gegen einen Fassadenaufbau um Harmonie wiederherzustellen?
Natürlich wäre mir ein Schloß mit seiner alten Pracht viel lieber, aber vor der Wahl Schloß ohne Interieur oder kein Schloß ist meine Wahl eindeutig.
Und das Thema original ist sowieso so eine Sache:
Von den meisten alten Häusern wird die Bausubstanz im Laufe der Jahrhunderte sowieso peu a peu ausgewechselt, so daß von Original strenggenommen nie die Rede sein kann.
Kein Haus ist wirklich 500 Jahre alt, höchstens einige Steine unter dem modernen Putz.

Was soll also das Gerede von wegen nicht original also Unsinn?
Rothenburg ob der Tauber wurde, was viele nicht wissen, von den Amis zu 40 % kaputtgebombt.
Alle Fassaden der zerstörten Viertel wurden wieder rekonstruiert und heute atmet man wieder Geschichte wie eh und jeh.
Dabei nehme ich es gerne in Kauf auf die originalen Steinmetzmarkierungen von 1400 zu verzichten.
Ginge es nach Leuten wie Ihnen würden jetzt lauter Betonklötze dort die Lücke füllen.

Verklärte Rentner laufen durch Touristenstädte?
Ich verstehe gar nicht was Sie gegen „Touristenstädte“ haben.
Ohne Tourismus wären uns diese Schätze verlorengegangen.
Ja, Geld regiert die Welt.
Und überhaupt, verklärte Rentner? Wie Arrogant Sie sind!

Sie als „Zukunfstsfreund“ mögen ja wahrscheinlich „Altstädte“ wie die von Kiel, Essen, Mannheim usw.
Dort gibt es schließlich auch viel Harmonie, allerdings nicht in meinem Sinne.
Das akzeptiere ich, aber Akzeptieren auch Sie das es ebenso große Freunde der Stilarchitektur gibt, die ja leider sei dem Jugendstil nicht mehr existiert.

Grüße


(1900) Isidor
Sun, 30 August 2009 23:45:23 +0000

zu 1900, erste Zeile: statt Vergangenheit natürlich Zukunft - pardon!

(1899) Kreuzberger
Sun, 30 August 2009 21:22:59 +0000

Rentner sind natürlich nicht per se Herdentiere. Insofern habe ich dieser Daseinsform wahrscheinlich Unrecht getan. Im Nikolaiviertel treffen sich auch genügend andere Altersklassen, die das dortige Ambiente zu genießen scheinen.
Mir ist aber ein noch viel schlimmerer Fauxpas unterlaufen: Das Nikolaiviertel, wie es sich in seiner haarsträubenden Symbiose aus originaler Bausubstanz und gedankenlos hingeklotztem Plattenbau-Pseudohistorismus präsentiert, ist ja gerade ein Paradebeispiel für die Unentschlossenheit, die sich immer dann breit macht, wenn es darum geht, Altes mit Neuem zu verbinden.
Es funktioniert einfach nicht, unser verwässertes Bauhausverständnis mit ein paar Stufengiebeln zu garnieren, um nahtlos zur Gotik überzuleiten. Damit wird entweder die Architekturgeschichte verhöhnt, oder aber man selbst stellt sich ein Armutszeugnis aus. Letzteres wird von unseren Architekten aus Unwissenheit ja geradezu eingefordert.
Die Umbauung des Nikolaiviertels ist eine einzige ästhetische Katastrophe. Wir sollten wirklich alles versuchen, solche Bausünden nicht auch bei unserem Stadtschloß wiedererleben zu müssen.
Ein solches Gebäude muß aus einem Guß sein! Ohne Abstriche, ohne Zugeständnisse und ohne faule Kompromisse!

(1898) Isidor
Sun, 30 August 2009 18:58:53 +0000

@ Hm: Angst vor der Vergangenheit? Sind es nicht gerade die Rekonstruktionsgegener, die sich fanatisch gegen jede neue Ausrichtung in der Architektur, die nicht in ihr festgefahrenes Bild passt, stemmen und verzweifelt versuchen, den Status Quo beizubehalten? Und ist Ihnen denn wirklich nicht klar, dass Ihr steifer Blick nach vorne nichts anderes ist, als ebenfalls eine Angst und zwar vor der Vergangenheit? Die Menschen haben immer zurückgeblickt und Traditionen fortgeführt. Es ist wichtig für eine Gesellschaft, dass sie ein gesundes Verhältnis zu ihrer eigenen Vergangenheit hat, welches sich eben in einem respektvollen Umgang mit ihr äußert. Wenn ich lese, wie Sie von "„Touristenstädte[n]“ [...], durch die das Heer der verklärt blickenden Rentner irrt" schreiben und damit die wenigen uns erhalten gebliebenen historischen Altstädte meinen, erkenne ich leicht, dass Sie keinerlei Achtung vor den künstlerischen und handwerklichen Erzeugnissen unserer Vorfahren zu haben scheinen, denen unsere Zeit beschämenderweise nichts entgegenzusetzen hat.

(1897) Kreuzberger
Sat, 29 August 2009 21:44:48 +0000

Hm! Wir sind also alle Angsthasen? Das ist eine originelle Sichtweise :-)
Angst haben wir tatsächlich: Vor banaler, rücksichtsloser oder schlichtweg häßlicher Architektur. Und wir hätten gerne ein paar wenige Freiräume, in denen Leute wie Sie mal nicht tonangebend sondern leidend sind. Leidend an Sandstein und Voluten,haha!
Mein Mitgefühl haben sie aber bezüglich notorischer Rentnermagnete wie dem Nikolaiviertel.
Um solche schrägen städtebaulichen Inszenierungen künftig zu vermeiden, bedarf es aber der Schulung unserer stilentwöhnten Architektenzunft!

(1896) gilbert grübler
Sat, 29 August 2009 18:20:30 +0000

halo zusammen....
als steinmetz/-bildhauermeister i. d.denkmalpflege sehe ich dem wiederaufbau mit grossser spannung entgegen und würde mich gerne als mit-arbeiter vormerken lassen...
gilbert grübler


(1895) Hm
Sat, 29 August 2009 14:50:27 +0000

Arno Nym aus HH (1895) hatte folgendes geschrieben:
„Viele verkennen heutzutage den Wert einer Investition in die Zukunft. "Puschen" mag zwar auf den ersten Blick mit "Kein Geld für Kitas und Schulen" recht haben aber eben nur auf den ersten Blick. Man könnte das Geld (Anteil der öffentlichen Hand)natürlich in soziale Einrichtungen stecken, aber was passiert wenn das Geld ausgegeben ist? Der Wiederaufbau des Stadtschlosses hat dem gegenüber einen entscheidenden Vorteil: es ist eine nachhaltige Investition!“

Entschuldigen Sie bitte, darüber lacht die Welt :

Und Ihre Begründung: „…es werden Umsätze generiert und daraus ergeben sich Einnahmen (Steuer, Abgaben, etc). Von dem Mehr an Touristen möchte ich hier gar nicht reden…“


Die drei Hüllfassaden werden eher für eine kulturelle Irritation sorgen, denn sie nützen zu nichts. Sie würden ein Denkmal für die Angst vor der Zukunft sein, und für die Sehnsucht nach hinten.

Mit Ängstlichkeit vor der Zukunft ist man aber nicht handlungsfähig, und kann diese nicht selbst gestalten.

Diese Angst überwindet man nur durch den Umgang mit den Problemen die die Gegenwart stellt, und um dafür fit zu sein braucht man eben auch so etwas wie Kindertagesstätten, Schulen, usw., eben die Dinge, die das „Rüstzeug“ dafür geben, dass man sich in der Zukunft zurechtfindet.

Die Gelder die durch ein so ein Schauobjekt eingenommen werden würden, müssten wohl um ein Vielfaches überboten werden, um die „Köpfe“ von dieser Angst vor der Zukunft freizubekommen.

Die Denkweise ist ja nicht neu, die Kultur für den Kommerz zu opfern (Dekofassaden sind ein Opfer an Kultur) Wenn Sie unsere „Touristenstädte“ ansehen, durch die das Heer der verklärt blickenden Rentner irrt, brauchen Sie nur Eins und Eins zusammenzählen, und wissen mit welcher Einstellung „Kultur“ an die Wand gefahren wird.

Der Ernst der Vergangenheit, und damit der Ernst von Architektur - unserer eigenen Kultur, wird z.B. auch hinter kitschigen Geranien-Balkontöpfen verborgen, - weil sie eben schee´ sind, wer kennt sie nicht? Man sieht sie schon in den Heimatfilmen der 50er un 60er Jahre.

So wie mit den Geranien der wahre Kern verdeckt wird, so würden das auch die Schaufassaden tun, sind eben nur Oberfläche, und was sie keinesfalls sind, - ernstzunehmen.

Für „Boni“ für Bänker bin ich auch nicht, aber es ist mir zu populistisch, und zu einfach, um mit einer anderen Alternative dagegenzuhalten.

In aller Freundlichkeit 

(1894) Dominik Dietz
Thu, 27 August 2009 06:46:01 +0000

Hallo zusammen,
im Tagesspiegel steht heute etwas, dass mich sehr beunruhigt:
"Was aus den Bauplänen für die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses, auch Humboldt-Forum genannt, wird, ist wieder unklar. Nach Informationen des Tagesspiegels hat die Vergabekammer in Bonn große Bedenken, ob die Erteilung der Aufträge an die ausführenden Architekten rechtmäßig war. Eine mündliche Anhörung fand an diesem Montag statt – ihren „Beschluss“ wird die Kammer in einer Woche schriftlich begründen."

Ist das Projekt ernsthaft gefährdet???

(1893) Arno Nym aus HH
Tue, 25 August 2009 20:11:29 +0000

Viele verkennen heutzutage den Wert einer Investition in die Zukunft. "Puschen" mag zwar auf den ersten Blick mit "Kein Geld für Kitas und Schulen" recht haben aber eben nur auf den ersten Blick. Man könnte das Geld (Anteil der öffentlichen Hand)natürlich in soziale Einrichtungen stecken, aber was passiert wenn das Geld ausgegeben ist? Der Wiederaufbau des Stadtschlosses hat dem gegenüber einen entscheidenden Vorteil: es ist eine nachhaltige Investition! Ganz gleich wie die Nutzung in den nächsten Jahren aussieht, es werden Umsätze generiert und daraus ergeben sich Einnahmen (Steuer, Abgaben,etc). Von dem Mehr an Touristen möchte ich hier gar nicht reden. Das ist nur der Teil nach der "Indienststellung" des Gebäudes. Die Investition selbst in die Baumaßnahmen generieren schon Rückflüsse in die öffentlichen Kassen (Umsatzsteuern auf die Materialien, Gewerbesteuern der Bauunternehmer, Einkommenssteuern der Bauarbeiter, usw.). Es ist ein Trugschluß zu glauben das Geld wäre weg. Es befindet sich nur in einem Umlauf mit dem Ziel der Nachhaltigkeit in der Einnahmengenerierung.Es ist löblich und in der Tat selten das aus solchen Investitionen auch ein kultureller Zugewinn entsteht und ist es nicht die Kultur die die Menschen in diese Stadt zieht? Man sollte stehts das große Ganze betrachten und nicht nur seperate Aspekte der Meinungsmache. Der Wiederaufbau des Stadtschlosses ist ein klarer Gewinn für Berlin und wenn man mich fragt wofür ich meine Steuergelder lieber hergebe Boni für Banker oder Wiederaufbau des Schlosses, tja da bin ich doch für den kulturellen Aspekt ;-)

(1892) Kreuzberger
Sat, 22 August 2009 23:53:11 +0000

Besten Willens, aber uninformiert. So sollte man nicht kritisieren.
Puschen verkennt vollkommen, daß hier gerade Kindern und Jugendlichen eine Erweiterung ihres engen Klingeltonhorizonts angeboten werden wird, die durch keine virtuellen Belehrungen zu ersetzen sind. Zudem sind Investitionen in Kitas und Schulen vom Steueraufkommen abhängig. Was spricht dagegen, noch mehr Touristen in die Stadt zu locken, um sie an der Finanzierung von Kitas und Schulen zu beteiligen?

(1891) Puschen
Sat, 22 August 2009 11:03:14 +0000

Kein Geld für Kitas und Schulen, aber die Monarchie wieder auflleben lassen!?
Sowas kann man machen wenn GELD da ist, lieber Denkmäler
bauen , als sich um die Kinder und Jugend kümmern.
Für mich unverständlich.

(1890) Bernd E. Ludwig
Fri, 21 August 2009 23:27:36 +0000

Der Wiederaufbau dieses exellenten Bauwerks ist sicher für uns alle identitätstiftend und darüber hinaus kunsthistorisch
bedeutsam. Die städtebauliche Aufwertung in diesem exponierten
Stadtraum steht ganz außer Zweifel. Unbedingt wird das Berliner Stadtschloß nicht nur für zahlreiche Touristen etwas
ganz Eindrucksvolles. Hoffen wir, dass es bald vorwärtsgehen möge ! Sicher wäre es sinnvoll, die Strukturierung der wenig
gelungenen, neuen Ostfassade der Schloßanlage neu zu durchdenken.
Am Dresdner Residenzschloß gehen die Arbeiten zügig voran.
Der teilweise historisierende Innenausbau ist in vollem Gange.
Erste, bemerkenswerte Resultate ( u.a. sog.Englische Treppe )können schon betrachtet werden.
Viele Grüße aus Sachsen. B. E. L.

(1889) C. Bruder
Wed, 19 August 2009 15:41:25 +0000

DIESE WEBSITE VERGRAULT POTENTIELL INTERESSIERTE!
-------------------------------------------------
Die Infotafeln auf der Berliner Schlossplatz weckten meine Neugier. Und zwar in dem Maße, dass ich mich im Internet über das "Berliner Stadtschloss" weiter informieren wollte. Doch man fühlt sich erst einmal von der Informationsflut erschlagen. Ohne Präferenzen der Verantwortlichen wird man mit allen möglichen Informationen zugeschüttet. Jegliches Interese an diesem Thema war für mich erst einmal begraben!

Ich habe mich mit diesem Fakt bereits an die Verantwortlichen gewandt, doch da sah man keine Notwendigkeit darin, auf meine Kritik zu reagieren oder etwas verändern zu wollen.

Man muss doch erst einmal dem Laien die Chance geben eine Brücke zwischen der eigenen Verständniswelt und dieser Website aufbauen zu können. Diese Website scheint sich nur an Historiker, Archäologen und Architekten wenden zu wollen; daran, die breite Öffentlichkeit zu erreichen, scheint man kein Interesse zu haben!

Ich versuchte es später noch ein zweites Mal und da entdeckte ich die Information, dass die spätere Ästhetik der Fassade des Stadtschlosses von Spendengeldern abhängig ist!

Wieso versteckt man solche essentiellen Informationen in Sachtexten? Warum klärt man den Laien nicht in einem INTRO (welches die Experten durch den Click eines Buttons überspringen können) darüber auf, um was es genau geht und warum ersetzt man den nichts aussagenen Slogan "Mach Geschichte!" durch einen Slogan, der ein Gefühl für die Bedeutung des Berliner Stadtschlosses für die "historische Mitte" Berlins vermittelt?

Anscheinend fließen die Spendengelder dermaßen in den Spendentopf, dass es sich die verantwortlichen Professoren leisten können, sich der Realität zu verweigern.

Jetzt mal im ernst, dem Eintreiben von Spendengeldern würde ein halbwegs kompetenter Werbegrafiker (der die kleinen Tricks kennt, wie Sachverhalte für die Augen potentiell Interessierter aufbereitet werden müssen) mehr entgegen kommen, als realitätsfremde Archäologen und Historiker, die zwar viel Fachkompetenz auf ihrem Interessensgebiet besitzen, aber zu arrogant dazu sind, um die Richtigkeit der eigenen Vorgehensweisen zu hinterfragen, wenn es um die Vermittlung von Sachverhalten geht!

Was nützt es ein großer Archäologe, Architekt und Historiker zu sein, wenn man nicht in der Lage ist, sein Anliegen so vermarkten zu können, dass sich davon auch eine breite Öffentlichkeit angesprochen fühlen kann???


Mit empörten Grüßen

C. Bruder


(1888) Kreuzberger schon wieder, sorry!
Tue, 18 August 2009 23:44:51 +0000

In Japan ist man bemüht, alte Handwerke gegebenenfalls durch staatliche Aufträge am Leben zu erhalten.
Kenntnisse, die sich über Jahrhunderte perfektionierten, können innerhalb einer Generation aussterben und ihre Wiederbelebung von heute auf morgen ist nahezu unmöglich.
Das haben die Japaner erkannt. Sie sind ebenso fortschrittsbesessen wie traditionsbewußt und für sie ist es kein Widerspruch, Neues zu wagen und gleichzeitig Altes zu bewahren. Wir könnten einiges von ihnen lernen.

(1887) Lars Winkelmann
Tue, 18 August 2009 17:14:01 +0000

Anhang: die baluster sind für die fassade( an welcher seite weis ich leider nicht, aber ich denke diese sind für die frontfassade)! lg

(1886) Lars Winkelmann
Tue, 18 August 2009 17:11:14 +0000

hallo alle miteinander!

ich finde es sehr imposant und beeindruckend, dass das berliner schloss wieder in neuem glanz erscheinen kann/darf!

als damaliger lehrling im steinmetzzentrum in königslutter am elm, durfte ich, einer von 3 lehrlingen, mich schon mal am bau des beliner schlosses beteiligen! ich durfte ( als einer der talentiertesten lehrlinge) 7 von 15 bis dahin angefangen und beendeten baluster anfertigen! darauf bin ich sehr stolz, denn welcher lehrling darf schon, an so einem bauwerk, stücke dafür anfertigen??? lediglich durften bis jetzt nur meister und gesellen ihre prüfungsstücke dafür herstellen! wie gesagt, ich finde es sehr schön da in der heutigen zeit, wieder so ein kunstwerk erstehen kann (auch wenn es heist, deutschland hat kein geld und der betrag knapp an die milliarde gehen wird) ! viele liebe grüsse und vielleicht werde ich auch mein meisterstück für das berliner schloss anfertigen!
liebe grüsse lars winkelmann

(1885) Kreuzberger
Mon, 17 August 2009 20:12:51 +0000

Sind Sie wirklich dermaßen pessimistisch, was die kulturelle Entwicklung Berlins angeht?

(1884) Wilhelm die Erste
Mon, 17 August 2009 15:25:44 +0000

In 50 Jahren wird man sich ärgern den Palast der Republik abgerissen zu haben.
Das Stadtschloss ist Geschichte und jeder Versuch eines Neuaufbaus eine Farce.

(1883) Kreuzberger
Sun, 16 August 2009 23:50:33 +0000

Wie wahr, obwohl Wowereit wegen des CSD wohl nicht in die Pflicht genommen werden kann. Freuen wir uns, daß er dem Schloß wohlwollend entgegensieht!

(1882) Student in Berlin
Sun, 16 August 2009 09:45:09 +0000

Es ist wiedrmal eine Schande für Berlin das man ein historisches Gebäude nicht wieder orginalgetreu aufbauen kann.
Jede andere Stadt bekommt das hin, siehe Dresden!!!
Und die Raumaufteilung muss vorher feststehen das man wieder die bedeutende historische Räume einsetzen kann auch wenn bis dahin einige Jahrzehnte vergehen.
Und die Museen haben keinen Raummangel wenn sie nicht nur drei Ausstellungstücke pro Saal stellen, wie es in vielen Museen zu sehen ist sondern halt einpaar mehr.

Und zur Frage des Geldmangels:
1. Für jeden anderen Sch... ist Geld da warum mal nicht für
was Sinnvolles
2. Wenn Wowereit auf seinen geliebten "Christopher street
day" verzichten würde, währe genug Geld für einen Teil
der Fassade da.

Deutschland hat in den letzten 80 Jahren, insbesondere mit den Nazis soviel Identität verloren, langsam wird es Zeit das diese zurückkehrt.
Und hierzu sind die ORGINALEN historischen Gebäude das wichtigste.

(1881) Pro Bodendenkmal
Sat, 15 August 2009 18:32:08 +0000

Warum setzt sich der Schlossverein nicht für den Schutz der sehr gut erhaltenen Schlossfundamente ein, die kürzlich freigelegt wurden? Eine Diskussion und einen klaren Standpunkt ihrerseits vermisse ich!

Es wäre eine Schande, wenn dieses Bodendenkmal einfach weggebaggert wird (wie beim Stadtschloss in Potsdam schon geschehen). Unverständlich ist für mich demgegenüber die Freude über Kleinstfunde der Originalfassaden.

(1880) S.Hartmann
Sat, 15 August 2009 12:26:03 +0000

Leider ist diese Praxis mit den Eintrittspreisen bei den meisten Sonderausstellungen der Fall.
Lassen Sie Ihre Verschwörungstheorien im Schubfach.

(1879) Insapa
Fri, 14 August 2009 18:49:20 +0000

Kürzlich war ich bei der Eröffnung der wunderbaren Ausstellung zum "Humboldt-Forum im Schloss". Ich habe alles gründlich studiert und war von der Austellungskonzeption und dem Detail-Reichtum sehr beeindruckt, um nicht zu sagen: begeistert. Nun wollte ich an einem Donnerstag einige auswärtige Freunde (auf Berlin-Besuch) in die Ausstellung ausführen, um ihnen dieses Projekt nahezubringen, denn am Donnerstag sind ja die letzten 4 Stunden FREI... Dachte ich zumindest, aber nix da, irgendwelche Bürokraten (Schloss-Gegner??) haben verfügt, dass das zwar generell weitergilt, DIESE Austellung aber von der Regelung ausgenommen wird. Ich finde das richtig kleinkariert, besucher- und vor allem projekt-feindlich. Lässt sich das nicht schleunigst ändern, um möglichst vielen Menschen, die nicht so begütert sind, auch diesen Besuch wenigstens am Donnerstagabend zu ermöglichen??? Zumal die Humboldt-Box ja offenbar weiter auf sich warten lässt!!! Bitte, sehr geehrter Herr von Boddien, machen Sie Ihren Einfluss geltend. Wir brauchen jeden Unterstützer, und kluge Unterstützung setzt Kenntnis und gute Informiertheit voraus. DANKE

(1878) Ernst Ludwig
Thu, 13 August 2009 14:58:17 +0000

Habe mich erst vor einer Woche im Alten Museum (Schloßausstellung) mit Mitgliedern des Fördervereins unterhalten. Sie meinten, für das nötige Raumprogramm sei Stellas Entwurf zu klein; besonders die moderenen Anbauten sollten anders gestaltet werden. Ein Wegfallen der Kuppel ist schon aus Platznöten undenkbar.
Was das im einzelnen heißt und woher die das wissen, weiß ich nicht. Man erfährt ja über die laufende Detailplanung leider rein gar nichts. Schlimm wäre es jedenfalls, wenn die geplanten historischen Raumeinteilungen völlig geopfert würden.

(1877) Isidor
Wed, 12 August 2009 22:38:26 +0000

Doch ich habe es seinerzeit irgendwo gelesen. Es war sogar davon die Rede, aus Kostengründen auf die Kuppel zu verzichten, was mich sehr beunruhigte. Daher frage ich mich, wo nun die Einsparungen vorgenommen werden sollen.

(1876) Karl
Wed, 12 August 2009 12:48:43 +0000

@ Isidor

Gelesen haben Sie das aber nicht?

(1875) Karl
Wed, 12 August 2009 12:42:56 +0000

Eosanderhof

(1874) Isidor
Wed, 12 August 2009 10:37:12 +0000

Stella musste doch seinen Entwurf umarbeiten, um die Kosten zu drücken. Weiß jemand, worin nun die Veränderungen bestehen? Ich hörte, dass sogar auf die Rekonstruktion des Schlüterhofs verzichtet werden sollte.

(1873) S.Hartmann
Tue, 11 August 2009 19:45:01 +0000

Zu schade das ich dann Berlin verlassen habe. Aber ich werde auch aus Paris das Geschehen weiter verfolgen. Spätestens 2020 wird schon irgendwas fertig werden.

(1872) Schlosser
Fri, 7 August 2009 12:07:10 +0000

Am 29.2. soll es bereits losgehen

(1871) S.Hartmann
Fri, 7 August 2009 09:31:40 +0000

Noch 1 Tag bis Baubeginn, noch 2 Tage bis Baubeginn, noch 3 Tage bis Baubeginn... ;)


(1870) Karl
Thu, 6 August 2009 23:58:35 +0000

Wann ist Baubeginn?

(1869) Erika Mustermann
Thu, 6 August 2009 18:51:11 +0000

Danke für Ihr Mitleid! Ach ja, der Rasen... Ist dat allet schön jrün hier!
Der Neue Marstall ist aber wirklich beeindruckend. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was hier entstehen wird.
Ich zähle schon die Tage bis Baubeginn! :-)

(1868) S.Hartmann
Wed, 5 August 2009 21:43:07 +0000

Damit Kreuzberger nicht ganz vereinsamt:
Des Ex-Schloss-PdR-Areal ist jetzt richtig schön anzuschauen. Statt Volkspalast oder Volksschloss nun eine Volkswiese, etwas abseits der Touris im Lustgarten kann man dort entspannen. Der Neue Marstall und das Staatsratsgebäude kommt somit auch wunderbar zur Geltung.

P.S. Für alle die sich für Gartenschauen interessieren: Oranienburg ist leider enttäuschend. Gute Ansätze durch zu viel Deko und Spielereien vertan.
Einziger Pluspunkt, ich habe nun auch endlich die Preußischen Kronjuwelen sehen können.

(1867) Kreuzberger
Sun, 2 August 2009 23:12:58 +0000

Hm! Ich könnte mich jetzt als Erika Mustermann ausgeben und die Wiedererrichtung unseres Stadtschlosses auf das Außerordentlichste begrüßen oder ich könnte als Rodins Denker getarnt die sinistren Facetten dieses tollkühnen Unterfangens in düsterstem Kolorit an die Wand menetekeln.
Vielleicht findet sich ja noch jemand, der seine Meinung kundtun möchte...

(1866) Kreuzberger
Tue, 28 July 2009 23:22:50 +0000

Der Disneyland-Vorwurf kommt ja üblicherweise von der gegnerischen Seite. Tatsächlich sind sie es aber, die alles daran setzen, die Wiederherstellung dieses Gebäudes durch modernistische Verfremdungen zu unterminieren.


(1865) Phaidon
Mon, 27 July 2009 23:54:15 +0000


Der Wiederaufbau des Stadtschlosses ist an sich ja eine wunderbare Sache. allerdings ist es als kunsthistorischer Unfug zu bewerten, Kompromisse einzugehen, denn es war eines der bedeutensten Barockschlösser Deutschlands und es ist keine Experimentierlandschaft für Architekten.
Der moderne Fassadenteil ist einfach eine Geschmacklosigkeit die bitte unterlassen werden sollte. Und wenn man schon das Schloss aufbauen will, sollte man es auch richtig tun. wir sind schließlich nicht in Disneyland.

(1864) Kreuzberger
Sun, 19 July 2009 00:35:30 +0000

"Idiot" ist in diesem Zusammenhang einigermaßen unangebracht. Daß die Spreeseite von einem durchschnittlichen 12jährigen Legosteinebesitzer und -anwender nicht desaströser hätte gestaltet werden können, ist allerdings nicht zu übersehen.
Wir hoffen ja alle, daß hier kompetentere Architekten mit besseren Vorschlägen zum Zuge kommen!

(1863) Jo Moonen
Sun, 19 July 2009 00:13:28 +0000

Ich dachte man wollte das Schloss wieder aufbauen. Die Spreeseite sieht dann aber wie eine Parkgarage aus. Wie kann man so viel Geld ausgeben für so eine Idee. Darauf hätte "Otto Normalverbraucher auch kommen können. Da hätte man sich das Geld für diesen italienischen Idioten sparen können. Das Geld hätte man dann besser für andere Sachen im Schloss gebrauchen können.
Jo Moonen, Hoensbroek/Niederlande

(1862) Kreuzberger
Tue, 14 July 2009 20:03:16 +0000

@Deutscher

Für seinen verschwenderischen Asbesteinsatz? Dem kann ich mich nur anschließen.
Kein Happyend ohne vorhergehende Dramatik! Danke Heinz!

(1861) Deutscher
Sun, 12 July 2009 23:21:00 +0000

@ Ostdeutscher
Wenn der PdR nicht in Gänze asbestverseucht gewesen wäre, stünde er wahrscheinlich heute noch?!

Mein Dank gilt Heinz Graffunder!!!

(1860) Ostdeutscher
Sun, 12 July 2009 22:49:06 +0000

Für die moderne Kunst hätte man auch den Palast der Republik stehen lassen können! Die Siegerwillkür der Revanchisten scheint sich da selbst in eine Sackgasse gefahren zu haben!

(1859) Kreuzberger
Thu, 9 July 2009 17:37:29 +0000

Ich meinte die geniale Nutzung des Louvre zur Präsentation von Werken der Malerei und Bildhauerei der letzten Jahrhunderte. Dafür wäre auch unser Schloß besser geeignet. Selbst moderne Kunst könnte ich mir hier vorstellen, auch auf die Gefahr hin, daß Wilhelm Zwo in seiner Gruft rotieren würde. Daß der Hamburger Bahnhof so gut funktioniert, liegt denke ich vor allem am Kontrast von zeitgenössischen Exponaten und historischem Ambiente.

(1858) S.Hartmann
Thu, 9 July 2009 13:20:14 +0000

@ Kreuzberger

Was meinten Sie nun mit dem Louvre???
"Anders als Sie würde ich dann jedoch längerfristig eine andere Nutzung anvisieren (Stichwort Louvre)"


(1857) zweifelnd
Wed, 8 July 2009 23:40:41 +0000

"Mir kommt es daher so vor als ob wir über zwei verschiedene Beschlüsse diskutieren."

Auf dieser HP:
"Nach den Vorschlägen der "Internationalen Kommission Historische Mitte Berlin", die Grundlage des Beschlusses des Deutschen Bundestages sind, sollen die kunsthistorisch wertvollen Innenräume, wo immer mit dem Museumskonzept des Inneren vereinbar, im Schloss wieder eingebaut werden. Das heißt nicht, dass sie sofort mit ihrer gesamten künstlerischen oder auch in schlichter Ausstattung gebaut werden, sondern zunächst wohl nur in den originalen Abmessungen. Ein späterer Weiterbau könnte damit möglich werden. Dies wird zunächst keine Mehrkosten verursachen."

Ich bin vollkommen mit der Dauernutzung als Humboldtforum einverstanden. Mir kommt es mehr darauf an, dass nicht w i r entscheiden sollten wie spätere Generationen mit unserem Fassadenschloss umzugehen haben, indem wir kurzsichtig Tatsachen schaffen.
Geschosshöhe, Treppenhäuser und Raumabmessungen sind Eckpfeiler, die immer noch genügend Spielraum für eine moderne Nutzung zulassen.

Mir ist z.B. wichtig, dass die Statik von vorneherein so berechnet ist, dass nur dort tragende Wände hinkommen, wo auch früher Wände waren. D.h. keine tragende Wand mitten im Weißen Saal.
Auf die Wiederherstellung der ursprünglichen Raumfolge lege ich keinen Wert.

Die einzige Rekonstruktion im Inneren des Schlosses, die ich miterleben möchte, ist die der Gigantentreppe: http://berliner-schloss.de/userfilesupload/image/20030105133232.jpg
Die anderen Treppen können modern werden, müssen aber an ihren ursprünglichen Ort.

Die Geschosshöhen sind alleine schon wegen der Fenster und Balkone wieder aufzugreifen.

Es kann noch so viel schiefgehen. :(

(1856) Kreuzberger
Wed, 8 July 2009 22:27:29 +0000

@S.Hartmann: Sagen wir´s mal so: Die Idee des Humboldtforums war das Vehikel, das die Idee des Wiederaufbaus des Schlosses erst beschlußfähig machte. Meines Erachtens ist das Projekt inzwischen so weit in trockenen Tüchern, daß ich mich persönlich von dieser Intention wieder verabschieden kann, um in Jahrhunderten und nicht in Legislaturperioden zu denken.

(1855) S.Hartmann
Wed, 8 July 2009 22:13:21 +0000

"Stichwort Louvre"- in welchem Zusammenhang?

Das interessante ist, Sie haben beide selbst fundamentale Kritik an der jetzigen "Schloss"-Neubau-Idee. Sie packen Wunschdenken ("längerfristig eine andere Nutzung anvisieren"; "Beides stellt FÜR SICH betrachtet eine enorme Bereicherung für Berlin dar") in das beschlossene Konzept. Mir kommt es daher so vor als ob wir über zwei verschiedene Beschlüsse diskutieren.
Denn gerade langfristig die Sammlungen an dem Ort unterzubringen ist gewünscht und es soll eben nicht jedes für sich stehen. Das Gebäude soll nach Wunsch der Politik alles auf einmal erfüllen: Barockschloss, Bibliothek, ethnolog. Museum und Veranstaltungsort; Moderne und Vergangenheit(das schaft nicht einmal der Louvre überzeugend; die Ägyptensammlung z.B. geht dort leider in den beengten Räumen unter).
Wenn denn Beschlossen worden wäre alles nachzubauen, inkl. Innendekor hätte ich viel weniger Angriffspunkte; aber so.

Dies ist was die meisten Kritiker und ich bemängeln.

(1854) zweifelnd
Wed, 8 July 2009 20:36:48 +0000

Ich bin sehr angetan von der Idee des Humboldtforums und der Entscheidung drei Barockfassaden + den Schlüterhof zu rekonstruieren.
Beides stellt für sich betrachtet eine enorme Bereicherung für Berlin dar, dennoch befürchte ich, dass dieses Bauwerk nicht überzeugen wird, wenn die Nutzer ausschließlich ihre eigenen Interessen verfolgen und der Blick für das gesamte Gebäude fehlt.
Der Schlossverein sollte nun öffentlich verstärkt darauf hinweisen, dass das Projekt nur dann stimmig und vor allem nachhaltig sein wird, wenn sich auch das Innenraumkonzept am Schloss orientiert. Das Wiederaufgreifen der Geschoßhöhen, der Standorte der Treppenhäuser und der Abmessungen der früheren Paradekammern ist z w i n g e n d notwendig.


(1853) Kreuzberger
Wed, 8 July 2009 19:59:39 +0000

Als Sammler besitze ich natürlich auch lieber ein bescheidenes Original, als zehn herausragende Kopien. Daß Authentizität nicht beliebig reproduziert werden kann, ist uns ja allen klar.
Ich schätze mal, daß auf tausend künftige Wahrnehmungsvorgänge des Schlosses seitens unserer Besucher gerade einmal ein Dutzend auch das Innere mit einbeziehen werden. Dieses Schloß wird vor allem eine Außenwirkung haben, die auch noch vom Tiergarten aus registriert werden wird.
Daß es nicht gerade wie geschaffen für die Funktion des Humboldtforums sein wird, liegt auf der Hand. Anders als Sie würde ich dann jedoch längerfristig eine andere Nutzung anvisieren (Stichwort Louvre) und mir schon mal ein geeignetes Grundstück am Humboldthafen für ein ethnologisches Museum reservieren.

(1852) S.Hartmann
Wed, 8 July 2009 17:00:50 +0000

@Ernst Ludwig
„Mir gefällt das Barockschloß, und ich finde es schön.“
- ist ja gut. Ich auch. Und niemand kritisiert, dass man den Barock als schön empfindet.
Viele Menschen empfinden aber auch „moderne“ Architektur schön. Hier beziehe ich mich auf Prachtbauten der Neuzeit, nicht auf die Alltagsbauten, die auch schon in der Geschichte meist nur mittelklassig waren. Wem jetzt also den Vorrang geben? ->
Wir stehen vor der Situation, dass wir momentan die Kellerreste des PdRs und des Schlosses vor Ort haben. Wir haben auch die Baupläne und Fotos beider Gebäude. Was nun aber von der Politik als neues Gebäude konzipiert wurde ist das „Humboldt-Forum“, welches Museum für außereurop. Kulturen, Bibliothek und Veranstaltungsort werden soll. Für diese Funktionen ist aber keines der zerstörten Gebäude mehr geeignet, ohne viele Abstriche zu machen.
Daher sollte man wohl eine neue Form finden.

Die geschichtliche Dimension des Schlosses mit Preußen und Kaiserzeit kritisiere ich nicht. Sie ist in Aufzeichnungen vorhanden, nicht real erlebbar und kann auch durch eine Kopie nicht mehr hergestellt werden.

@Kreuzberger
„Was unterscheidet nun die wiederaufgebaute Frauenkirche vom wiederaufzubauenden Stadtschloß?“
Kirche blieb Kirche- Innen wie Außen- nach dem Original wo es nur ging

Das „Schloss“ mit den selektierten Fassaden soll eine ganz andere Funktion und Innenraumgestaltung erfahren. Man möchte nur den schönen Schein nach außen waren und das nicht einmal konsequent(Ostfasade etc.).

P.S. Besuchen Sie mal Prötzel (Nähe S-Bhf Strausberg), dort steht ein schönes Barockschloss das angeblich von Schlüter oder einem seiner Schüler gebaut worden ist. Eine schöne Barockkirche mit Dokumentation zum Schloss und Schlossherren gibt es auch, sowie die Reste des Parks.
Und nicht enttäuscht sein, es ist leer stehend und in schlechtem Zustand. Dieses Schloss zeigt aber wenigstens seine Geschichte und ist daher für mich schöner als es das „Berliner Schloss“ möglicherweise je wird.
Ach ja, Schloss Wilkendorf und der riesige Golfplatz sind gleich um die Ecke.


(1851) Ernst Ludwig
Wed, 8 July 2009 14:05:58 +0000

Ich habe den Eindruck, daß hier viele Kritiker am Schloßneubau diesen ideologisch überfrachten. Nun könnte ich in die gleiche Kerbe hauen, und dagegenhalten, daß das Kaiserreich und das Königreich Preußen zu dem Teil unserer Geschichte zählt, dessen wir uns nicht zu schämen haben, trotz allem, was dagegen eingewendet werden mag.
Aber, das alles einmal beiseite, warum kann man seitens der Kritiker nicht gelten lassen, daß Leute ein Barockschloß schlicht und einfach als schön empfinden? Ich freue mich schon jetzt darauf, in einigen Jahren die Linden entlang zu laufen und dabei die großartige Barockarchitektur vor Augen zu haben, und dabei ist mir die ganze Dikussion um Identität, um Rückwärtsgewandheit so etwas von wurscht, wie es nicht größer sein könnte.
Diese ganzen oberschlauen Mahner von den Architektenkammern, in den Feuilletons u.a., sie können mir alle gestohlen bleiben. Mir gefällt das Barockschloß, und ich finde es schön.




(1850) Kreuzberger
Tue, 7 July 2009 21:37:29 +0000

@Hartmann: Als ich das Schloß Oranienburg nach Abschluß der Restaurierungsarbeiten zum ersten Mal besuchte, war ich vom Inneren des Gebäudes einigermaßen schockiert. Nur weiße(Rigips?) Wände, neue Holzböden, keine Spur vom Charme alter Gemäuer.
Da war wohl nichts mehr zu retten, aber wenn auch das Wissen um diesen Zustand die Gesamtwahrnehmung trübte, erschien mit die äußere Hülle doch einigermaßen gelungen. Lieber ein Kompromiß als gar nichts.

Was unterscheidet nun die wiederaufgebaute Frauenkirche vom wiederaufzubauenden Stadtschloß? Welcher Prozentsatz an Originalsubstanz ist notwendig, um Authentizität bzw. Scheinauthentizität zu erzeugen? Ein Schutthaufen, der in Situ über die Jahrzehnte an einen ehemaligen Prachtbau gemahnte ist meines Erachtens nicht authentischer als die in diversen Depots untergebrachten Reste dieses Schlosses, das ja nun wirklich auch umfassend dokumentiert ist.

Mit Fließbandarchitektur meine ich die Bauelemente der industriellen Massenproduktion, die immer wieder neu kombiniert und variiert doch nichts anderes als gepflegte und normierte Langeweile vermitteln.
Ein handbehauener Sandstein ist für mich aussagekräftiger als eine ganze sandsteinfurnierte Betonfassade.

Mit "Brüchen" habe ich übrigens keine so große Probleme, wie Sie vermuten. Man kann sie heilen oder akzentuieren. Nur habe ich oft den Verdacht, daß sie gerade dort herausgehoben werden, wo sie besser rückgängig gemacht werden sollten.

(1849) S.Hartmann
Tue, 7 July 2009 10:48:35 +0000

@ Lars
„Wenn also „modernes“ Bauen unsere Denkmalkultur fördert, warum interessiert sich die breite Masse nicht dafür, dass im ganzen Land Denkmale von Rang bedroht sind?“
-Besser: nicht gefährdet. Ein Nachbau trägt die Gefahr in sich zu suggerieren: Alles ist kopierbar- auch Geschichte. Und das kann zu Vernachlässigung von echten historischen Zeugnissen führen.
Hier auf der Homepage wird der Eindruck erweckt, man kann die Fassade originalgetreu nachbauen. Das ist aber falsch. Das Schloss ist zwar sehr gut dokumentiert und im Vergleich zu vielen anderen Anlagen wird man dem Original recht nahe kommen, doch Details, vielleicht von den Steinmetzen hinterlassen (wie an fast allen historischen Gebäuden zu finden), sind nicht dokumentiert. Doch sind es gerade diese Details die uns Geschichte nachfühlen lassen und uns Einblicke in die damaligen Lebens- und Arbeitsweisen geben.
Und das sich die breite Masse nicht dafür interessiert liegt wohl eher am Bildungsgrad und daran das die Politik versäumt den Menschen den Wert der Anlagen aufzuzeigen.
Meist sind es ja gerade Architekten und Künstler die sich für solche Anlagen einsetzen.

„Wer als Architekt nicht für einen kompletten modernen Neubau an dieser Stelle ist, verrät seinen Beruf.“ (Weinmiller)
Ein sehr richtiges Zitat.
Übrigens, Architekten verdienen das meiste Geld mit Umbauten, nicht mit Neubauten.

@ Kreuzberger
„Bauten des Barocks etc. durchaus schätzen. Mit der Einschränkung aber, daß sie im Falle einer Zerstörung keinesfalls wiederbelebbar wären.“
Das würde ich nicht so sehen. Ich sehe viele Beispiele wo es funktioniert hat, speziell in Dresden, bei denen aber ein hoher Prozentsatz vom Original erhalten war.
Wenn man aber von Wiederbelebung spricht gehört nun einmal die Einheit von Innen und Außen dazu, die im Barock so wichtig war.
Sie wollen immer wieder Brüche in der Stadt und ein „befremdliches“ neues Haus inmitten weitestgehend historischer Substanz verhindern. Doch verlagern Sie diesen Bruch nur in das Gebäude selbst und haben am Ende nicht viel gewonnen.

„Die Fließbandarchitektur ist hier einmal nicht zum Zuge gekommen“
Ich glaube Sie wissen genauso gut wie ich, dass dies niemals ein Entwurf von der Stange geworden wäre.

@Isidor
1. Ihren ersten Absatz lass ich mal links liegen, da ich selbst nicht solche Punkte angeführt habe
2. „Zeugt es nicht allein schon von Weltoffenheit, dass man den außereuropäischen Kulturen dieses prestigeträchtige Projekt im Herzen des historischen Zentrums der Hauptstadt widmet? Wo sonst hat man eigens für die nichteuropäischen Kulturen ein so prächtiges Podium errichtet?“
Gerade diesen Punkt finde ich sehr kritikwürdig.Das gerade das eine Auszeichnung für die anderen Kulturen sein soll in neu-barocken Fassaden gepresst zu werden halte ich für grundfalsch. Ein eigenständiges Museum wie bisher in Dahlem oder Paris ist angebracht.

„Sind wir also unbelehrbar, nur weil wir versuchen, ein Stück unserer Identität zurückzugewinnen?“
Wie kann etwas Imaginäres (denn das ist es ja noch) zu einem Teil Ihrer Identität werden? Haben Sie das Schloss noch erlebt?


(1848) Kreuzberger
Mon, 6 July 2009 00:06:29 +0000

Die Skeptiker, die hier maßgeblich die Diskussion bestimmen, haben ja schon wiederholt betont, daß sie historische Bauten des Barocks etc. durchaus schätzen. Mit der Einschränkung aber, daß sie im Falle einer Zerstörung keinesfalls wiederbelebbar wären. Das eigentlich Perfide an ihrer Argumentation ist eben diese Behauptung, die durch nichts belegt ist und nur durch vollkommen unzulässige Vergleiche mit tatsächlichen "Zuckerbäckerbauten" am Leben erhalten werden kann. Man kann solche Argumentationen deswegen auch nicht ernstnehmen und muß vermuten, daß es sich hier ausschließlich um politische oder kommerziell bedingte Vorbehalte handelt, die mit Kunst und Kultur eher indirekt zu tun haben.
Die Fließbandarchitektur ist hier einmal nicht zum Zuge gekommen und schon wird das Menetekel von Oma´s Guter Stube an die Wand geworfen.

@nachdenklicher: Sie sind auf der falschen Fährte. Ich verdiene nicht mehr als ein Fassadenanstreicher, weil ich mich dem arbeitsintensiven und unterbezahlten Beruf des Faßmalers und Vergolders verschrieben habe. Immerhin habe ich Ihnen eine zigjährige Praxis in angewandter Stilkunde voraus. Theorie ist nun mal nicht alles.


(1847) Isidor
Sun, 5 July 2009 20:49:06 +0000

Pardon. Letzter Satz: aufgeben statt aufgegeben

(1846) Isidor
Sun, 5 July 2009 20:37:15 +0000

Meiner Meinung nach, sehen vor allem die Schlosskritiker die ganze Thematik zu abstrakt und theoretisch. Warum versuchen Sie, alle möglichen Symbole und Deutungen in diese Rekonstruktion zu legen? Sind Sie wirklich der Meinung, dass man mit dem Hohenzollern-Schloss gezielt ein Symbol der Monarchie und des Absolutismus wiedererrichten will? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass unsere Politiker diese Ambition verfolgen. Und ich glaube auch nicht, dass die Mehrheit im In- und Ausland ähnlich konspirativ wie Sie denkt und in dem Wiederaufbau eine sich anbahnende Rückkehr zum Faschismus, Nationalismus oder was auch immer sieht. Vielmehr wird dieses Projekt überall weitesgehend positiv aufgenommen, entweder, weil man ein GUTES Symbol darin sieht, nämlich, dass Deutschland langsam wieder zu seiner eigenen Identität zurückfindet. Oder weil man die Politik ganz aus dem Spiel lässt und es nur vom ästhetischen Standpunkt aus betrachtet.

Ich finde alle ideologischen Argumente, die man gegen die Rekonstruktion zu Felde führt, mehr oder weniger absurd. Weltoffenheit ist schön, mindestens genauso wichtig ist doch aber die Offenheit gegenüber der eigenen Kultur und Geschichte. Warum kann denn eigentlich nicht beides möglich sein? Warum kann man nicht weltoffen sein, zumindest für alle nützlichen Dinge, und auch offen für die eigene Kultur? Die meisten anderen Länder schaffen es, diesen schmalen Grat zu gehen, nur wir scheinbar nicht. Denn wer konservativ ist, kann bekanntlich nicht weltoffen sein. Und wer weltoffen ist, muss alles Nationale verurteilen.

"Was ist denn Kultur? Zu kulturellen Leistungen gehört eben auch Weltoffenheit. Und bloß weil man das Schloss nicht nachbaut bedeutet dies nicht, dass man die Kultur nicht schätzt." S.Hartmann (1846)

Dieses Zitat ist, wie ich finde, ein gutes Beispiel für die besagte Einseitigkeit. Mit "Weltoffenheit" wird hier ein moderner Neubau gerechtfertigt, denn das Schloss spiegelt äußerlich die deutsche, oder sagen wir europäische, Kultur wider und ist daher nicht weltoffen. Zeugt es nicht allein schon von Weltoffenheit, dass man den außereuropäischen Kulturen dieses prestigeträchtige Projekt im Herzen des historischen Zentrums der Hauptstadt widmet? Wo sonst hat man eigens für die nichteuropäischen Kulturen ein so prächtiges Podium errichtet? Man könnte den oben stehenden Satz also auch umstellen und sagen:

Bloß weil man das Schloss nachbaut, bedeutet dies nicht, dass man die Kultur anderer Länder nicht schätzt.

Sind wir also unbelehrbar, nur weil wir versuchen, ein Stück unserer Identität zurückzugewinnen? Sind wir fremdenfeindlich und nicht weltoffen, weil wir unsere eigene Kultur nicht ganz aufgegeben wollen?


(1845) LARS
Sun, 5 July 2009 18:23:16 +0000

Der „Nachbau“ ist eine Abkehr von der als sakrosankt erklärten „modernen“
Stadtentwicklung und Architektursprache bei Neubauten. Diese „Baukultur“ hat sich gerade wegen ihres weltweiten Erfolges heute in einer gewissen Weise totgelaufen und bedarf Reformen.

"Aus meiner Sicht ist gerade der Nicht-Nachbau ein kulturelles Statement, ein Pluspunkt für unsere Denkmalkultur und Geschichtskultur und eine Förderung unserer bildenden Künste/ Architektur durch einen „modernen“ Neubau."

Wenn also „modernes“ Bauen unsere Denkmalkultur fördert, warum interessiert sich die breite Masse nicht dafür, dass im ganzen Land Denkmale von Rang bedroht sind? Weil uns Generationen von Architekten in diesem Bereich desensibilisiert haben, mit der Lehre, dass das Bewahren des alten Stadtbildes ein fortschrittsfeindliches, anachronistisches Verhalten ist.

Ein „moderner“ Neubau würde rein gar nichts verändern, fördern oder Pluspunkte verteilen!

Keine Frage, vielen käme dies sehr zupass: „Wer als Architekt nicht für einen kompletten modernen Neubau an dieser Stelle ist, verrät seinen Beruf.“ (Weinmiller)

In diesem Sinn,

LARS


(1844) S.Hartmann
Sun, 5 July 2009 14:57:59 +0000

„Die 500 Jahre Stadtschloss zu übergehen wäre ein Signal der Verlogenheit. Ein Signal, dass man Kultur im Grunde nicht wertschätzt und dass das Humboldtforum nur den Zweck erfüllt, sich als weltoffene und politisch korrekte Nation zu präsentieren.“
- und was ist mit den fast 60 Jahren ohne Stadtschloss? Die Form der Fassade die nachgebaut werden soll ist im Übrigen keine 500 Jahre alt. Wenn man dann von ca. 1700 ausgeht gibt es das Schloss in der Form schon 17%, der seit dem vergangenen Zeit, nicht mehr.
Diese Zahl ist natürlich sehr abstrakt und spiegeln nicht den Wert des verloren gegangenen Schlosses wieder; aber sie zeigt gut das die letzten Jahrzehnte schon viel an neuer Geschichte für diesen Ort geschrieben haben und dies jetzt einfach übergangen wird.

Was ist denn Kultur? Zu kulturellen Leistungen gehört eben auch Weltoffenheit. Und bloß weil man das Schloss nicht nachbaut bedeutet dies nicht, dass man die Kultur nicht schätzt. Aus meiner Sicht ist gerade der Nicht-Nachbau ein kulturelles Statement, ein Pluspunkt für unsere Denkmalkultur und Geschichtskultur und eine Förderung unserer bildenden Künste/ Architektur durch einen „modernen“ Neubau.

„Inwiefern hat das alte Museum in Dahlem optisch auf die außereuropäischen Kulturen Bezug genommen?“ – ich spreche von den Bauten aus den 60iger und 70iger Jahren und ich beziehe mich auf die Konzeption des Museums. Dort gibt es weniger natürliches Licht als in anderen Museen (Pigmentschutz), die großen Hallen sind geeignet, um die Boote auszustellen und spektakulär in Szene zu setzen.

"Selbstbewusst nach außen darstellen": moderne Ausstellungsformen und Klassifizierungen der Gegenstände bringen eine moderne Raumform im Inneren eines Museums mit sich (siehe Musée du quai Branly/ Paris; auch wenn es jetzt Aussen nicht gerade gelungen ist). Somit ergeben sich automatisch bestimmte Fassadenöffnungen und eine Fassade die das Innere in gewisser Form nach außen bringt.