Wichtige Fragen zum Neubau des Berliner Schlosses / Humboldtforum.
Hier beantworten wir allgemeine Fragen zur Architektur und zum Bau des Schlosses, sofern hier dafür nicht ein besonderer Menüpunkt eingerichtet wurde. Scrollen Sie bitte!
Mit welchem Zeitplan ist nun für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses zu rechnen?
Im Sommer 2010 hatte die Bundesregierung im Zuge der Sparmaßnahmen den Bau des Berliner Schlosses / Humboldtforum zunächst auf 2014 verschoben. Inzwischen sieht es wieder anders aus:
Jetzt, 2011, wird die Entwurfsplanung des Architekten Stella fertiggestellt. In diesem Jahr soll nun das Baugenehmigungsverfahren eingeleitet werden, man rechnet mit der Baugenehmigung für den Winter 2011/12. Danach folgen die europaweiten Ausschreibungen für den Bau, die etwa ein 3/4 Jahr dauern werden. Erste Baumaßnahmen / Erdarbeiten erfolgen auch im Zusammenhang mit den Bau der U-Bahnlinie U5 ab Sommer 2012. Wegen des unsicheren Baugrunds müssen die Baumaßnahmen für den U-Bahntunnel wie auch für das Schloss gemeinsam erfolgen, da sonst allein im Fundamentbereich Mehrkosten von 30 Mio. Euro entstehen würden: Der Tunnel läuft diagonal unter dem Schloss hindurch. Bei zeitversetztem Bau müsste zum Schutz des Tunnels zusätzlich ein Brückenbauwerk zur Ableitung der Last des Schlosses errichtet werden.
Die Gundsteinlegung soll dann im Frühjahr 2013 erfolgen. Die Bauarbeiten dauern bis 2018, dann soll der Bau bezugsfertig sein.
Nach dem Einziug der Museen könnte dann der gesamte Komplex aus Museumsinsel und Schloss im 2019 der Öffentlichkeit übergeben werden.
Das Ganze wird doch nur ein “Disneyland”?
Auf keinen Fall! “Disneyland” steht vor allem die interpretierende, kitschige Veränderung des Äußeren, etwa auf der Schiene: Burg Rheinfels – Schloss Neuschwanstein – Burg im Disneyland. Sonst hätte Berlin schon lange ein historisches, viel bewundertes “Disneyland”, was aber keiner so sieht:
Das Brandenburger Tor!
Es sollte eine Interpretation der Propyläen von Athen auf der Akropolis sein, ein Tor zur Burg, in Berlin also zum Schloss. Im Zeitalter des Klassizismus beauftragte Friedrich Wilhelm II. Langhans mit einer Nachbildung dieses antiken Gebäudes als Brandenburger Tor. Es entspricht deswegen in den Proportionen den Propyläen, ist aber viel größer, statt des originalen Satteldachs der Propyläen hat es nur zwei dachförmig verlaufende Schrägtraversen unter der Quadriga, die das fehlende Dach andeuten. Um die Quadriga sinnvoll aufzustellen, hat man auf die historische Dachform verzichtet. Da die Propyläen aus weißem Marmor sind, Preußen aber zu arm für dieses Material, wählte man damals den Sandstein- und malte ihn weiß an. So sah das Tor über 80 Jahre aus!
Im Inneren jedoch werden Gebäude immer wieder verändert, besonders die Schlösser. Im Berliner Schloss baute sich jeder König seine Wohnung nach seinem Geschmack ein, so wie er es schön fand – unter Vernichtung von wertvollen Räumen seiner Vorgänger. Dennoch kam niemand auf die Idee, dieses schlimm zu finden. Früher war man da eben unkomplizierter – und baute sich das,was gerade als schön empfunden wurde.
Auch das Berliner Schloss ist eine Interpretation fremder Architektur, nämlich der des römischen Barock. Der Palazzo Madama in Rom, heute Sitz des Senats des italienischen Parlaments, entspricht in seinen Fensterachsen weitestgehend denen des Berliner Schlosses, für das dieses Bauwerk Vorbild war. In dieser Tradition rekonstruieren wir das Berliner Schloss, in einer archäologisch exakten, dem Vorbild genau entsprechenden Weise. Gerade solch eine Rekonstruktion ist eben kein Disneyland, da sie nicht interpretiert, sondern rekonstruiert. Wir halten uns streng an das Vorbild.
Merke: “Disneyland” im Zusammenhang mit dem Berliner Schloss ist deswegen nicht mehr als ein jede Diskussion verhindern wollendes Totschlagsargument derjenigen Architekten und Zeitungsredakteure, denen nichts besseres in ihrer Gegnerschaft zum Projekt mehr einfällt, um die emotional begründete Sehnsucht nach der Schönheit historischer Bauten abzuwürgen.
Es ist eigentlich doch seltsam, dass dennoch bei der Frage der Rekonstruktion oder Neuinterpretation wichtiger, zerstörter Bauten überall in der Welt die Rekonstruktionsidee gewinnt: Bei der Oper in Venedig ebenso wie bei der Frauenkirche in Dresden und unzähligen anderen Bauwerken, von denen wir eine Auswahl hier auf der Homepage zeigen. Sie alle eint eines: Es sind Gebäude von ausnahmslos epochal herausragend guter Architektur. Sie stifteten Identität für die Stadt oder gar das Land und lebten trotz der Zerstörung so verankert im Gedächtnis der Menschen weiter, dass diese deutliche Mehrheiten für den Wiederaufbau fanden. Wie wir für das Berliner Schloss!
Warum müssen die Fassadenteile schon vor Baubeginn weitgehend fertiggestellt sein? Kann man sie nicht später applizieren?
Viele der Fassadenteile sind tragende Teile, so alle Säulen und Pilaster. Zwischen der für die Fenster vorgesehenen Maueröffnung und dem Holzfenster befanden sich die plastisch reich gegliederten Sandsteingewände und Fensterbedachungen. Wie sollen wir die Fenster einbauen können, ohne diese rahmenden Sandsteineinfassungen? Ohne diese paßt doch nichts mehr!
Die Gesimse aus Sandstein, die die Fassaden horizontal gliederten, waren zu 50 % ihres Tiefenmaßes in die Mauern eingelassen, da sie, tonnenschwer, sonst nicht festzukriegen wären und bei der kleinsten Erschütterung herunterfallen würden. Das Hauptgesims in der Dachzone mit Balustrade überkragte die Mauern um mehr als eineinhalb Meter. Entsprechend tief gegliederte Widerlager im Hauptmauerwerk brauchte es, da es ja auch noch die Balustrade und deren Pfeiler trug. Die Allerwenigsten der Fassadenelemente können so nachträglich “appliziert” werden!
Nachdem der Förderverein hierzu erhebliche Vorleistungen erbracht hat, etwa 35 % der Fassadeelemente wurden von ihm hauptsächlich als 1:1 Gipsmodelle oder einige wenige auch schon als Prototypen in Sandstein hergestelt. Ebenso hat das Architektenbüro Stuhlemmer in seinem Auftrag die Baupläne der Schlossfassaden weitgehend rekonstruiert.
Baupläne und Fassadenmodelle wurden 2010 dem künftigen Bauherrn, der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum, Berlin, unter Anerkennung von kompetenten Fachleuten übergeben. Der Architekt Stuhlemmer wurde als Beauftragter für die Fassadenrekonstruktion mit einigen Mitarbeitern in das Team des Chefarchitekten Franco Stella aufgenommen.
Nun kommt es darauf an, dass die Planungsarbeiten und die Modellanfertigung für die Schmuckelemente der Fassaden mit Hochdruck fortgesetzt werden. Hierzu wird die Stiftung im Sommer 2011 eine Bildhauerwerkstatt in Berlin-Spandau einrichten.
Da die historischen Schlossfassaden ausschließlich spendenfinanziert werden sollen, muss jetzt das Spendenaufkommen weiter gesteigert werden, kurz: dazu brauchen wir deutlich mehr kleine und größere Spenden, denn: ohne Geld gibt es kein Schloss, da der Staat jede Bezahlung der Schlossfassaden aus Steuergeldern ausschließt!
Wie wird das Schloss gebaut?
Das Tragwerk des Gebäudes wird wahrscheinlich als Stahlbeton-Fachwerk ausgebildetet.
Holzbalkendecken haben eine zu geringe Tragkraft und entsprechen bei öffentlich genutzten Gebäuden nicht mehr den feuerpolizeilichen Vorschriften. Die alten Deckenbalken des Schlosses waren im Dachbereich, dort, wo sie in die Mauer eingelassen waren, schon bald abgefault und mussten, mit U-Eisen geklammert, neu im Mauerwerk verankert werden. Dies ist bei Beton auszuschließen, der auch höhere Traglasten ermöglicht.
Das Tragwerk wird im Bereich der Außenmauern mit Ziegeln kraftschlüssig ummauert. So entstehen die Aufnahmen für die Sandstein-Fassadenelemente und die notwendigen Schächte für die Infrastruktur, also für Heizung, Klima, elektrische Anlagen und Kommunikationstechnik. Die Außenmauern werden voraussichtlich konventionell, wie früher, in Ziegelbauweise ausgeführt.
Der Vorteil dieser Bauweise liegt darin, dass die schweren Sandstein-Fassadenelemente in die Mauer organisch eingelassen werden können und absolut fest mit dem Mauerwerk verbunden sind. Außerdem erfüllt die gut einen Meter dicke Mauer alle Vorschriften der Wärmedämmung und leitet aber auch die Wärme im Mauerwerk so ab, dass es nicht zu Rissbildungen kommen kann.
Bei einer zweischaligen Bauweise der Außenmauer, innen ein Warmhaus, dann Wärmedämmschicht und kalte Außenmauer, käme es zu statischen Schwierigkeiten:
Da das Innenhaus ganzjährig immer eine Temperatur von ungefähr 20 Grad hat, das Außenmauerwerk aber je nach Frost und im Sommer nach Sonneneinstrahlung eine Temperaturamplitude von bis zu -30 Grad und bis zu +70 Grad, also eine Amplitude von 100 Grad, kompensieren muss, ist eine Rissbildung nicht auszuschliessen, weil beide Schalen ja doch mit einander verzahnt werden müssen.
Eine konventioneller Maueraufbau aus Ziegeln wäre sehr lohnintensiv und brächte Schwierigkeiten bei der Wärmedämmung mit sich. Er scheidet deswegen wohl ebenso aus.
Soll man wirklich bei der Rekonstruktion Beton einsetzen? Die Frauenkirche ist doch auch so wiederaufgebaut worden wie vor 250 Jahren!
Gemach, gemach, bitte erst einmal nachdenken, bevor puristischer Kram verzapft wird! Das Ganze klingt wie ein Streit
um des Kaisers Bart. Niemand kann eine 1:1 Rekonstruktion des Schlosses auch im Inneren ernstlich befürworten, z.B. mit Holzbalkendecken. Hierfür würde es nicht einmal eine Baugenehmigung geben, schon aus Gründen der Feuersicherheit.
Bei der Frauenkirche handelt sich um einen Bau, der von vorneherein nur eine Nutzung hatte, nämlich eine Kirche zu sein,
die deswegen auch nur einen Hauptraum hatte, der 90 % des nutzbaren Volumens beanspruchte. Eine solche
Rekonstruktionsweise wäre beim Schloss im Gegensatz zur Frauenkirche einfach Unsinn:
Mehr als 2/3 des Raumvolumens des Schlosses oder 1140 von 1200 Räumen waren Räume der Staatsverwaltung, des
Personals oder der Logistik für den Betrieb des Hauses. Zum großen Teil nicht einmal bildlich dokumentiert, allenfalls im Grundriss. Wie sollen diese z.T. sehr kleinen, schlichten und banalen Räume denn bei bestem Willen als “Humboldt-Forum” genutzt werden?
Zum Innenausbau: natürlich kommt da auch aus Kostengründen Beton zum Einsatz. Aber wer regt sich darüber auf, dass im Hamburger Michel nach seinem Brand die Turmkonstruktion nicht mehr aus Holz sondern aus Stahl und Bimsbeton gebaut wurde? Dass der Kölner Dom einen stählernen, unbrennbaren Dachstuhl aus dem 19. Jahrhundert hat, der ihn bei den schweren Bombenangriffen 1943 vor der Zerstörung rettete, weil die vielen auch auf ihn geworfenen Brandbomben keinen Schaden anrichten konnten, während um ihn herum das alte Köln in Flammen aufging?
Wer regt sich darüber auf, dass alle wiederaufgebauten, kriegszerstörten Gebäude schon aus Gründen des Brandschutzes “unter der Haut” völlig anders konzipiert wurden als die Originale? Wer regt sich darüber auf, das die Frauenkirche am Kuppelanlauf im Gegensatz zur Bährschen Konstruktion einen Betonstahl-Ringanker erhielt, der nun die Kräfte der Kuppel, statt wie früher auf die Innenpfeiler, nun verstärkt auf die Außenwände ableitet und damit der nachgewiesene Fehler der Bährschen Statik aufgehoben wird, der letztlich zum Einsturz der Kirche 1945 führte?
Schlüter hätte mit Sicherheit Beton genommen, wenn er den Werkstoff schon gekannt hätte, weil das Schloss immer unter
Geldknappheit litt. Beweis: Seine Außenmauern waren auch nur außen und innnen sauber gemauert, der Zwischenraum jedoch mit einer Mischung aus Bruchziegeln, Bruchsteinen und Mörtel verfüllt. Sah ja keiner – und die alten Römer haben es auch schon so gemacht!
Was passiert mit dem im Staatsratsgebäude eingebauten Portal IV (DDR-Bezeichnung: “Liebknecht-Portal”)?
Das Portal im Staatsratsgebäude ist eine weitgehende Kopie des Originals, wie man an den unversehrten Sandsteinmauern erkennt. Das alte Portal war durch die Kampfhandlungen bei der Eroberung Berlins am 29. April 1945 von MG-Garben und Gewehrfeuer schwer beschädigt worden. Es hatte viele Einschusslöcher, die man im Staatsratsgebäude als Flicken hätte sehen müssen. Aber die skulpturalen Teile des Portals sind dem Original entnommen worden, sie zeigen viele Reparaturstellen.
Wir denken, dass wir für das Schloss eine weitere Kopie anfertigen sollten, da die Entnahme des Portals aus dem Staatsratsgebäude dieses völlig entstellen und seiner Originalität berauben würde. Lediglich die Skulpturen sollte man entnehmen und durch schlichte Steine ersetzen, damit die alte Originalsubstanz wieder an den alten Ort zurückkehren kann.
Was soll das Gerede vom “zu kleinen Schloss”?
Manche Leute meinen, das Schloss wäre für ein dem Louvre vergleichbares Museum zu klein.
Das stimmt, wenn man das Humboldt-Forum nur auf das Schloss beschränken würde. Dieses umfasst jedoch die bisherigen Bauten auf der Museumsinsel, die die Sammlungen der europäischen Kunstgeschichte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts aufnehmen werden, und das Schloss, das der außereuropäischen Kunst gewidmet wird. Die so zur Verfügung stehenden Flächen gehen weit über die Fläche des Louvre hinaus.
Der Louvre hat eine BGF von “nur” ca. 60.000 m² – und gilt als DAS Museum schlechthin, das man mindestens zwei Mal besuchen muss, um alles nur oberflächlich gesehen zu haben!
Diese Argumente wirken krampfhaft fast wie ein Wettkampf “Wer hat das größte Museums-Schloss!?” und sind unserer Meinung nach albern!
Was ist denn BGF und HNF?
BGF= Bruttogeschossfläche steht für die Gesamtfläche des Gebäudes, HNF= Hauptnutzfläche für die Netto-Nutzfläche, die unmittelbar der Nutzung des Gebäudes zugute kommt. Die HNF des geplanten Schlossbaus beträgt 150.000 m².
Das Verhältnis HNF : BGF wurde ursprünglich von der “Kommission Historische Mitte Berlin” mit 1:2 festgelegt, man gewinnt also eine Hauptnutzfläche von 75.000 m².
Bei der weiteren Schlossplanung im Arbeitskreis Schloss-Areal wurde die Verkehrsfläche weiter erhöht und das Verhältnis nun mit 1: 2,4 festgelegt, so dass im Schloss jetzt noch eine HNF von 62500 m² zur Verfügung steht. Davon geht die Agora mit 13.000 m² ab, so dass von den Museen noch rund 50.000. m² genutzt werden können.
Wie gross war das Schloss?
Es hatte die Grundmaße von ca. 190 x 120 x 31 Meter, also eine Grundfläche von rund 22800 m². Die Kuppel war bis zur Kreuzspitze 74 m hoch. Da es im Bereich der Ostfassade und der Hofapotheke unregelmäßig gebaut war, sind dies nur ungefähre Maße! Innerhalb der Mauern befanden sich der Große Schlosshof im Westteil mit ungefähr 6000 m², der Schlüterhof im Ostteil mit rund 4000 m², sowie im Ostflügel die beiden kleinen Höfe, der Kapellenhof und der Eishof. Der Letztere hieß so, weil sich in ihm die Zugänge zu den Eiskellern befanden, in denen die im Winter östlich vom Schloss gesägte Eisbarren aus der Spree zur Kühlung der Lebensmittelvorräte gelagert wurden.
Es war in allen Bereichen unterkellert. Es verfügte über vier Hauptgeschosse, mit z.T. beträchtlichen Raumhöhen. In einigen Bereichen, z.B. der Westfassade Eosanders waren sog. Entresols eingefügt, bis zu drei Zwischengeschosse, die zumeist Dienerwohnungen über den jeweiligen Fürstenwohnungen aufnahmen.
Das Schloss war im wesentlichen ein Ziegelbau, mit zum Teil meterdicken Wänden, im Bereich des Grünen Huts, eines alten Wehrturms der Cöllnischen Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert, sogar bis zu 4 Meter!
Lediglich die Gesimse und Balustraden und seine großen Portalrisalite bestanden aus künstlerisch bearbeitetetm Sandstein aus Sachsen.



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