Schloß

Nach dem ersten Freudenschock über diesen unerwarteten Erfolg denke ich, daß man nun wirklich auf´s Ganze gehen sollte.
Ich hätte bitteschön das Gebäude zurück, das von modernistischen Vandalen in die Luft gesprengt wurde und das von ebensolchen Ignoranten bekämpft wird als würde sein Wiederaufbau die gesamte zeitgenössische Architektur in ein neugründerzeitliches Chaos stürzen.
Ich denke dabei an die Dresdener Frauenkirche. Gab es in Dresden eine solche penetrante Lobby, die partout auf einer Symbiose aus alt und modern bestand? Einer Art Gedächtniskirche, halb neoromanisch, halb Eiermann-Beton? Diejenigen, die sich immer so angeekelt gegen jedwede Retrotendenzen verwahren, führen sich im Gegenzug auf wie Wilhelm Zwo, der den Jugendstil am liebsten verboten hätte.
Verspielten, fein austarierten Barock mit brachialen, an NS-Architektur erinnernden Elementen verbinden zu wollen, übertrifft alles, was unbedarfte Zuckerbäckerarchitekten an Entgleisungen hätten anstellen können.

Dancing… äh Kreuzberger (panta rhei)

  • kreuzberger

    Impulsiv, wie ich bin, hatte ich den Beitrag Zerberus des nicht Höllen- sondern Schloßhundes nur en passant registriert.
    Nach intensiverer Lektüre freue ich mich nun, nicht der Einzige zu sein, der nicht das Appeasement sondern die Konfrontation als allein gangbare Strategie ansieht, um dieses bedeutende Bauwerk, das nun wiedererstehen wird, soweit wie möglich vor irreparablen Deformationen zu schützen.
    Es darf doch einfach nicht wahr sein, daß hier eine abgehobene Architektenschickeria ihren Triumph über die größten Baumeister unserer Geschichte zelebrieren darf, eine Schickeria übrigens, die in modischen Kategorien mit kurzen Verfallsdaten denkt und nicht in baugeschichtlichen Dimensionen.

  • Müller, Hr.

    Ich kann den Jubel um den Entwurf des Humboldtforums nicht verstehen, wurde doch immer der Wiederaufbau des Stadtschlosses kommuniziert.
    Doch davon kann keine Rede sein, real wird nun ein nach Stand der Technik seelenloser Stahlbetonbau mit Vorhangfassade als Interpretation des Stadtschlossfassade.

    Die Rekonstruktion der Frauenkirche in Dresden habe ich mit 500 Arbeitsstunden unterstützt, diese Farce in meiner Heimatstadt ist typisch Berlin, konzeptlos, nichts halbes und nicht ganzes.
    Ich würde mir sehr wünschen, das aus der 75% Fassade eine 100% Fassade wird, und auch die Treppenhäuser originalgetreu rekonstruiert werden.
    Und was keiner der Beteiligten hören möchte, ich werde mich dafür einsetzen das die Architekturgeschichte dieses Ortes sichtbar wird, dazu gehört die abgerissene Domkirche, wechselhafte Geschichte des Stadtschlosses, des Palastes der Republik bis zum Humboldtforum.
    Ich möchte Herrn von Boddin kein Unrecht tun, aber er vermittelt mir zu sehr Monarchieromantik und stellt sich damit auf die gleiche Stufe wie die unverbesserlichen SED-Anhänger. Mit dieser Haltung führt er die deutsche Geschichte ad absurdum, wer im Kreis läuft, kommt nicht voran.

  • Grumbkow

    Auf die Gefahr hin, als penetrant zu gelten – Bitte erklärt mir mal in einfachen Worten, wozu wir für einen Neubau eine altertümliche Fassade brauchen! Dafür muss es gute Gründe geben, aber ich habe in all dem Hin und Her noch keine gefunden. Klärt mich auf!