Residenz / Schloß + Walhalla

Worin liegt der Unterschied zwischen einem Schloß und einer Residenz?

Beispiel: In Würzburg spricht man von der Würzburger Residenz, so auch in Bamberg oder München. In Karlsruhe, Berlin, Bonn oder Münster vom Schloß bzw. Stadtschloß.

Gibt es da einen besonderen Unterschied oder ist es einfach nur eine andere Bezeichnung?

Lieber Herr Schlüter, ich bin in den letzten Tagen im schönen Regensburg gewesen und habe diese deutsche Städteperle genossen. Ein Besuch in der deutschen Ruhmeshalle – der Walhalla bei Regensburg – stand natürlich auch auf dem Programm. Sehr interessant. Es fehlt leider – oder ich habe sie übersehen – eine Büste für Karl-Friedrich Schinkel und Andreas Schlüter (also den Baumeister; obwohl von uns könnte man natürlich auch eine Büste aufstellen 😉 ).

  • Andreas Schlüter

    Grüße Sie , Füxlein.
    Regensburg ist ein Traum, nicht wahr?
    Wenn man spät abends durch die Stadt streift und der Mond durch die uralten Gassen scheint, glaubt man sich in einem alten deutschen Märchen.
    Und die Farbigkeit der Häuser ist herrlich, man könnte sich an jeden beliebigen Fleck stellen und schon allein das Zusammenspiel der verschiedenen Farben auf sich wirken lassen, allein daraus ließe sich für die moderne Stadtplanung so viel draus lernen.
    Am verwunschensten ist jedoch der Blick von jenseits der steinernen Brücke auf die Altstadt und den erleuchteten Dom, dessen Türme einem mächtigen Schäfer gleich über seiner Häuserherde zu wachen scheinen.
    Um die Bauform der Walhalla mußte Klenze bei Ludwig lange kämpfen, sein Entwurf blieb erst einmal aufgrund einer unentschlossenen Jury beim König liegen (1814).
    1819 legte Klenze zwei neue Entwürfe vor, eine Rundbau mit Pantheonkuppel und vier Portiken sowie einen Tholos mit dorischer Ringhalle. Abgelehnt.
    1821 legte Klenze wieder Entwürfe vor, eine modifizierten Rundbau udn einen achtsäulingen dorischen Peripteros nach dem Vorbild des Parthenon , für welchen sich Ludwig entschied.
    Der König aber wollte keine Treppenanlage, welche die Fernwirkung so beeindruckend steigert. Erst als es Klenze gelang, dem König die Treppenanlage als dessen eigene Idee zu vermitteln, ging der Bau, wie wir ihn heute kennen, in Auftrag.
    Baugeschichten sind oftmals so spannend wie Kriminalromane…

  • Füxlein

    Es ist natürlich ein wenig fraglich, ob die griechisch-antike Architektur der germanischen Walhalla gerecht wird. Aber es sieht klasse aus.

    Regensburg bietet ja zahlreiche katholische Kirchen aus der Romanik, die fast alle im 17. und 18. Jhd.(außer der Schottenkirche) prachtvoll barock ausgestattet wurden. Meine Lieblingskirche wäre da die St. Emmeranskirche.

    Eigentlich ist Regensburg ja traditionell eine evangelische Stadt, man mag es kaum glauben, aber im 17. Jhd. gab es bloß noch 2 katholische Patrizier-Familien in der Reichsstadt. Die Reichsabteien in Regensburg blieben jedoch katholische Exklaven innerhalb der prot. Reichsstadt.

    Erst 1805 (mit Anschluß an Bayern) durften sich offiziell wieder Katholiken in Regensburg ansiedeln. Seit circa der Mitte des 19. Jhd. war die Stadt durch Zuzüge aus der kath. Umgebung wieder eher katholisch geworden.

    Doch noch heute zeugen die fünf alten evgl. Stadtkirchen von der einsitgen prot. Macht in der alten Reichsstadt.

  • Andreas Schlüter

    Guten Abend,
    wie die Germanen gebaut haben, davon wissen wir ja leider recht wenig, aber da die griechische Klassik zeitlos ist, wollen wir Herrn Klenze den Ruhm lassen.
    Die bekanntesten Baumeister des Klassizismus und Zeitgenossen von Klenze waren bekanntermaßen Schinkel in Berlin/Preußen, Möller in Darmstadt, Weinbrenner in Karlsruhe.
    Kennen Sie auch Laves aus Hannover?
    Er hat der Stadt ähnlich seinen Stempel aufgedrückt, wie Klenze/Gärtner München, leider ist infolge von Krieg und Nachkriegszeit einiges verlorengegangen, doch lohnt es sich immer noch, seinen Bauten in Hannover und Niedersachsen zu folgen. In der Straße Friedrichswall stehen noch sein ehemaliges eigenes Wohnhaus (beherbergt mittlerweile die Niedersächsiche Architektenkammer), 50 Meter weiter das Wangenheimpalais, im Stadtteil Limmer die atemberaubende Villa Rosa; der Portikus des Stadtschlosses stammt von ihm (beherbergt heute die Landesregierung).
    Das leider kriegszerstörte Schloß im Herrenhäuser Garten wurde letztmalig von Georg Laves umgebaut und m.E. nach war das die beste Fassung und ich hoffe eines Tages auch hier den Wiederaufbau zu erleben.
    Sein bekanntestes Gebäude dürfte das Opernhaus in Hannover sein. Leider fällt es innen aufgrund der gnadenlosen Modernisierung stark ab, auch ist die geniale Platzgestaltung rechts und links der Oper durch dumme, dilettantische Eingriffe einer amusischen Nachkriegsstadtgestaltung leider kaum noch nachzuvollziehen.

  • Füxlein

    Hallo Andreas Schlüter,

    bei Hannover bin ich mir auch manchmal nicht sicher ob mir die Stadt nun gefällt. Das alte Renaissance-Rathaus, die Fachwerkbauten, das neue Rathaus, die Marktkirche, das kgl. Schloß usw. auf der einen Seite, die grauenvolle Passarelle, die Betonhochhäuser und die lärmenden Autostraßen (autogerechte Stadt) auf der anderen Seite. Alles in allem ist die Leine-Stadt sicherlich doch schön.

    Südlich von Hannover liegt die Marienburg, ein auf einem Berg stehendes neogotisches Schloß der Welfen. Es ist sehr schön, es erinnert ein wenig an Schloß Stolzenfels bei Koblenz.

    Die Herrenhäuser Gärten sind natürlich eine unschlagbar schöne Parkanlage. Vor allem die hohe Fontäne läßt mein Herz immer höher schlagen.

    Kennen Sie denn auch Bückeburg, die Hauptstadt von Schaumburg-Lippe, mit seiner prachtvollen Renaissance-Kirche und seinem wunderschönen Barockschloß?

  • Andreas Schlüter

    Sie haben recht, Hannover zerreißt einen, wie die meisten nachkriegsverwürgten Städte.
    Man muß das nehmen , was noch da ist, in die Geschichte abtauchen und sich vor dem geistigen Auge das Bild zusammenfügen.
    Im "Neuen Rathaus", dem riesigen eklektizistischen Gebäude gegenüber vom Laves_Haus, stehen in der großen Eingangshalle vier Modelle zur Stadtgeschichte, eines aus dem Mittelalter, eines aus den 30ger Jahren, eines aus dem Jahre 45 und eines aus der Jetztzeit, das ständig an die aktuelle Bausituation angepaßt wird.
    Diese Modelle sind sehr aufschlußreich und wenn man das von 1939 sieht , die Stadt war noch wundervoll anzusehen (die Altstadt war gerade, wie in Kassel, durchlüftet und an moderne Hygieneverhältnisse angepaßt worden) und dann das von heute, kann man eigentlich nur noch dehydrieren, weil gar keine Tränen mehr übrig sind.
    Apropos Stadtmodelle, das schönste dieser Art steht am Marktplatz im alten Rathaus von H. Lotter. Es zeigt Leipzig aus der Zeit von ca. 1800, ist sehr liebevoll und detailreich aus Holz verfertigt und war zur Entstehungszeit ein kleines Wunder, es hat seinerzeit eine Tournee durch mehrere deutsche Städte unternommen und ist gebührend bewundert worden.
    Auch hier ist, trotz aller Hoch-Rufe auf Leipzig, ein Vergleich mit heute nur nach vorheriger Seelenstärkung anzuraten…
    Bückeburg, natürlich, allein der herrliche Schloßpark war immer wieder ein nettes Ausflugsziel; man kann sich einen Vormittag im Kurpark von Bad Eilsen ergehen, der Baumbestand ist herrlich, das Kurgebäude gut erträglich und dann über den Höhenkamm nach Bückeburg hinüberwandern und im Villenviertel herauskommen, man wird so aufs angenehmste empfangen.
    Unweit befinden sich übrigens die Steinbrüche von Obernkirchen, wo der berühmte Sandstein gebrochen wird und wurde.

  • Füxlein

    Ja, es ist wirklich schön über den Kamm der Bückeberge zu wandern. Von Bückeburg über den Idaturm, Bad Eilsen, Süße Mutter nach Stadthagen bin ich einmal gegangen. In Stadthagen lohnt die Besichtigung der gotischen Stadtkirche, die in ihrem Inneren ein barockes Kuppel-Mausoleum der Fürsten von Schaumburg-Lippe zeigt.

    Das Weserbergland und die niedersächsische Landschaft können einen schon verzaubern. Hinzu kommen die prachtvollen Fachwerkstädte wie Celle, Lüneburg, Nienburg, Hannoversch-Münden usw. Lüneburg habe ich besonders gerne.

  • Andreas Schlüter

    Da haben Sie einige Städte aufgezählt, die wunderbarerweise von Phophor- und Stabbrandbomben verschont blieben.
    Insofern stellt sich nebenbei die Frage, was uns daran hindert, die weniger vom Glück betroffenen Städte wenigstens großteils in ihren alten Zustand zu versetzen?
    Beim morgigen Tag des offenen Denkmals, der unter dem Motto "Krieg und Frieden" steht, könnte man darüber philosophieren.