„Schwimmen in der Spree – Abgeordnetenhaus will ein Flussbad in der Innenstadt“

30.11.2017   Berliner Zeitung

Von Sabine Rennefanz

Während die meisten Berliner Handschuhe und Mützen herausholen, packten die Landesparlamentarier am Donnerstag schon mal die Badehose ein – und träumten vom geplanten Flussbad im Spreekanal zwischen Humboldt-Forum und Bode-Museum.

Das Projekt finden fast alle Fraktionen toll. „Ich will, dass wir alle in der Zukunft in der Spree baden können. Das Projekt Flussbad schafft einen Raum für alle in der Mitte von Berlin, und es knüpft an eine alte Tradition an“, sagte die Grünen-Politikerin Silke Gebel.

Früher gab es fünfzehn Badeanstalten an der Spree, die letzte wurde 1925 geschlossen. Auch CDU und FDP unterstützen das Projekt mit einem Enthusiasmus, den man eher selten im Plenum erlebt. „Die verrücktesten und spannendsten Ideen finden in Berlin statt, das wollen wir auch hier zeigen“, sagte der CDU-Politiker Gottfried Ludewig. Nur die AfD störte die Harmonie. Der Abgeordnete Frank Scholtysek argumentierte mit möglichen Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Grund der Spree gegen das Bad. „Die sollen erstmal den eigenen Laden nach Blindgängern durchsuchen“, schrieb der Linken-Politiker Tobias Schulze dazu auf Twitter.

Mit großer Mehrheit forderten die Parlamentarier den Senat auf, das Flussbad zu unterstützen. Eine Initiative will den Kanal mit einem ökologischen Pflanzenfilter säubern und mit Treppen am Ufer zugänglich machen. Eine Eröffnung wird für 2025 anvisiert. Die Umsetzung gestaltet sich allerdings schwierig, weil Kompetenzen des Bundes, des Landes und des Bezirks berührt sind. Nach dem Willen des Parlaments soll der Senat dem Vorhaben „Flussbad Berlin“ nun etwa bei den erforderlichen Genehmigungen und der Klärung von Eigentumsfragen benötigter Flächen helfen. Ziel ist es, die Planungen zu beschleunigen.

Der Bund unterstützt das Projekt bis Ende 2018 bereits mit vier Millionen Euro. Um die Finanzierung auch darüber hinaus abzusichern, haben die Koalitionsfraktionen im Landeshaushalt 250.000 Euro für das Jahr 2019 vorgesehen. (mit dpa)

Quelle: Berliner Zeitung, 30.11.2017