„Kultursenator Lederer: Neustart bei Einheitsdenkmal nötig“

08.04.2017   B.Z. Berlin

 

Alles auf Null? Selten hat es um ein Denkmal ein solches Hin und Her gegeben wie beim geplanten Einheitsdenkmal. Berlins neuer Kultursenator will jetzt nochmal ganz von vorne anfangen.

Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer hat einen völligen Neustart beim geplanten Freiheits- und Einheitsdenkmal gefordert. „Das jahrelange Hin und Her um das Projekt hat dem Denkmal schon so geschadet, dass es Zeit ist für ein Innehalten”, sagte der Linken-Politiker in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Wir sollten das Areal vor dem Schloss freilassen, die Sache beerdigen und die Diskussion noch einmal ganz neu führen.”

Denkmal bereits 2007 beschlossen

Der Bundestag hatte das Denkmal zur Erinnerung an die friedliche Revolution in der DDR und die Wiedergewinnung der Deutschen Einheit schon 2007 beschlossen. Vor einem Jahr stoppte der Haushaltsausschuss des Bundestags das Projekt wegen einer Kostensteigerung von zehn auf fünfzehn Millionen Euro, im Februar einigten sich Union und SPD dann doch auf eine Fortsetzung.

„Ich glaube, es gibt kaum noch Leute, die wirklich mit Enthusiasmus auf dieses Projekt schauen. Jeder will es nur noch irgendwie hinter sich bringen”, sagte Lederer, der schon lange zu den Kritikern gehört.

Seiner Ansicht nach wird die mit dem Denkmal gedachte Verbindung von Freiheit und Einheit der historischen Entwicklung von 1989/90 nicht gerecht. Zudem löse der Standort auf dem Sockel des einstigen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals neben dem rekonstruierten Berliner Schloss falsche Assoziationen aus.

Absenkbare Waage als Symbol sei nicht angemessen

Und schließlich symbolisiere die von dem Stuttgarter Designer Johannes Milla vorgeschlagene Form einer begehbaren, absenkbaren Waage nicht angemessen den demokratischen Gedanken. „Demokratie hat mehr mit Freiheit, mit Eigensinnigkeit und Widerspruchsgeist zu tun als mit dem behäbigen Hin- und Herschwenken eines durch Massen bewegten Pendels”, so Lederer.

Der Linken-Politiker warf den Koalitionsspitzen vor, die neuerliche Kehrtwende nach „Basta-Manier” zu betreiben: „Das ist das genaue Gegenteil von dem, wie man so einen Prozess hinbekommen sollte, wenn man mehr will als irgendein Stadtmöbel”, sagte er.

In dem Zusammenhang griff er den früheren Vorschlag von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wieder auf, das Brandenburger Tor zum Symbol der Deutschen Einheit zu erklären. „Mit Berlin und dem Mauerfall wird weltweit die Mauer selbst oder das Brandenburger Tor als Wahrzeichen identifiziert – wechselvolle Geschichte hin oder her. Dem kann man nur beipflichten.”

 

Quelle: B.Z. Berlin, 08.04.2017

 

 

 

  • Praetorius, Arn

    Es spricht einiges dafür, das umstrittene Denkmal der friedlichen Revolution und der Einheit noch einmal auf Null zu setzen. Damit können einige Fehler im Prozess, in der
    Getaltung und in der Symbolik eingestanden und revidiert werden:

    Zur städtebaulichen Ästhetik: Die modern gestaltete Waage oder Wippe passt in der ausladenden Dimension nicht in das barock-klassizistische Umfeld. Sie stellt keine Bezüge her, weder zum Schlossportal, noch zum Alten Museum, noch zur Bauakademie. Die rekonstruierten Kollonaden würden den Platz gegenüber dem Eosander-Portal sehr viel passender ausfüllen.
    Zur Platz-Symbolik: Der westliche Schlossplatz hat nichts mit den Ereignissen von 1989 zu tun. Dieser Platz ist für das Thema falsch gewählt. Besser wäre die große
    Freifläche vor dem Reichstag, wo wenigstens die Einheit mit der Geburtsfeier
    vollendet wurde.
    Zur Geschichte: An diesem Platz stehen noch die sanierten Fundamente des Einheitsdenkmals von 1871. Diese einfach dem Zweck zu entfremden und umzudeuten ist unanständig und verletzt unser historisches Gedächtnis. Nach Napoleon, Restauration, Hambacher Fest und Paulskirche verdient auch die damals endlich gewonnene deutsche Einheit wieder eine Erinnerung. Die Kolonnaden, ohne Reiterdenkmal von W I, bedeuten weder Preußennostalgie noch Kaiserromantik.

  • Martin Treder

    Ja, das Brandenburger Tor ist bereits heute das Symbol der deutschen Geschichte zwischen Einheit und Trennung. Alles andere wäre nur künstlich aufgesetzt.

  • Derek Hohmann

    Kultursenator Lederer hat recht. Das Freiheits- und Einheitsdenkmal gehört nicht vor das Schloss. Der Vorschlag von Frau Monika Grütters ist auch richtig.
    Und es gibt auch noch einen erfreuliche Nebenwirkung – es kostet kein Geld.

  • Heiko Großer

    Momentmal, wenn ich mich recht erinnere wird das Humboldtforum in Form und Größe des Berliner Stadtschlosses gebaut. Ich kann mich nicht erinnern, das es um den Wiederaufbau des Schlosses geht. Somit ist es doch absurd den Aufbau der Kollonaden, die Verlegung des Neptun-Brunnen und andere historisierende Elemente rund um das Humboldtforum wieder zum Leben zu erwecken. Der stilistische Bruch des geplanten Denkmals in Form, einer Wippe, ist die richtige Antwort auf das Humboldforum und legitimer Teil in der Gestaltung seines Umfeldes. Nur zur Erinnerung, die friedliche Revolution in der DDR war ja sozusagen auch ein stilistischer Bruch mit dem vorhandenen Herrschaftssystem. Und die Initiative des Kultursenators Klaus Lederer verstehe ich nicht als ein Signal des Berliner Senats das „potemkische Dorf“ Schloßumfeld weiter zu bauen.

  • Thomas Trueffel

    Stellt die Wippe, wenn sie denn sein muss, auf die riesige Brache zwischen Reichstag und Kanzleramt.

  • monsoonspirit

    Stellt den Neptunsbrunnen wieder an die alte Stelle vor das Schloss und baut die Kolonaden wieder auf, wo sie ursprünglich gewesen sind, den freigewordenen Platz vor dem roten Rathaus könnte man dann ohne Gewissensbisse mit dem „Einheitsdenkmal“ zupflastern. Da stört’s keinen der Platz ist eh schon hässlich!