„Das Berliner Schloss wird schön verkuppelt“

09.05.2017 – Berliner Morgenpost

 

Einzelspenden ermöglichen nun die Rekonstruktion von „Laterne“ und Kreuz im Berliner Schloss. Doch noch immer fehlen 32 Millionen Euro.

Von Isabell Jürgens

Es sieht ganz so aus, als könnte Wilhelm von Boddien das einst für unmöglich Gehaltene tatsächlich schaffen. Vor 25 Jahren gründete der heute 75-Jährige den Förderverein Berliner Schloss und initiierte ein Jahr später die spektakulärste Aktion des Vereins, die Errichtung einer Schloss-Simulation aus Baugerüsten und Planen im Maßstab 1:1. Ein Vierteljahrhundert später steht der fertige Rohbau des Schlosses unübersehbar auf dem Schloßplatz in Mitte.

Und statt der einstmals lediglich vorgesehenen vereinfachten Kuppel über dem Westportal „ist es uns nun gelungen, auch noch die Spenden für die Rekon­struktion der historischen Kuppel einzusammeln“, verkündete der Geschäftsführer des Fördervereins am Dienstag stolz. Dank großzügiger Einzelspenden könne die bereits im Rohbau fertige Kuppel nun in der Form entstehen, die ab 1854 das Schloss geziert hatte.

Lange war unsicher, ob die Schlosskuppel bis zur Eröffnung des Humboldt Forums im Jahr 2019 überhaupt in ihrer ursprünglichen Form entstehen würde. Denn der Bundestag hatte 2007 lediglich Mittel für eine vereinfachte Verkleidung der 36 Meter hohen Kuppel im Baubudget vorgesehen. Doch dazu wird es nun nicht kommen.

Inzwischen fanden sich anonyme Spender, die insgesamt 15 Millionen Euro bereitstellten, damit die Kuppel unter anderem mit Kupferblech verkleidet werden kann. Und für das goldene, fünf Meter hohe Kreuz auf dem Kuppeldach fand sich mit Inga Maren Otto, der Witwe des 2011 verstorbenen Versandhauskönigs Werner Otto, eine großzügige Spenderin, die die dafür erforderliche eine Million Euro beisteuerte.

Was noch fehlte, waren bislang die Mittel, um auch die sieben Meter hohe „Laterne“, die das Verbindungsstück zwischen Kuppel und Kreuz darstellt, ebenfalls nach historischem Vorbild zu errichten. „Wir haben durch mehrere Einzelspenden 2,6 Millionen Euro eingeworben, um die Laterne zu errichten“, sagt Wilhelm von Boddien.

Die Laterne werde nun in Einzelteilen gefertigt, dann vor Ort montiert und in einem Stück auf die Kuppelspitze aufgesetzt. Lediglich die acht dreieinhalb Meter hohen Skulpturen auf der Balustrade des Kuppelunterbaus sind derzeit noch nicht finanziert. „Es ist aber kein Pro­blem, diese mit einem Lkw-Kran nachträglich noch auf das Schlossdach zu heben“, sagt von Boddien.

Im Moment gebe es, zwei Jahre vor der Eröffnung, jedoch noch dringlichere Prioritäten, so von Boddien weiter. „Es liegt noch eine große Herausforderung vor uns, das Spendenziel von insgesamt 105 Millionen Euro zu erreichen“, sagte von Boddien. Denn für den Bau hatte der Bundestag die Kostenobergrenze auf 590 Millionen Euro festgesetzt. 32 Millionen Euro davon übernimmt das Land Berlin, 478 Millionen Euro der Bund.

80 Millionen für die historische Fassade sollen aus Spenden finanziert werden. Weil aber zu den Ursprungskosten noch Wünsche nach der Rekonstruktion weiterer Bauteile, wie der Kuppel und den Innenportalen I, II und III kamen, stieg der Spendenanteil auf die von Boddien genannten 105 Millionen Euro. Derzeit sind nach Auskunft der Stiftung bereits 62 Millionen Euro an Barspenden zusammengekommen. Zuzüglich Sachspenden und Spendenversprechen, deren Wert von Boddien auf rund elf Millionen Euro beziffert, fehlen noch 32 Millionen Euro.

Das 35 Meter hohe Gebäude mit der 70 Meter hoch aufragenden Kuppel, mit seiner Länge von 184 Metern und Breite von 117 Metern ist als Betontorso bereits fertig. Auch die Arbeiten an dem aus 3,5 Millionen Ziegelsteinen errichteten Mauerwerk, das auf drei Seiten des Gebäudes die historische Barockfassade aus Putz und Sandstein tragen soll, sind weit fortgeschritten.

Werbeplanen versperren den Blick auf das Schloss

Doch leider ist davon so gut wie nichts zu sehen: Großflächige Werbeplanen versperren den Blick. Sehr zum Ärger von Boddiens. „Es behindert das Einwerben von Spenden, wenn die Bürger nicht sehen, wie die Fassade Gestalt annimmt“, kritisiert er. Im Gegenteil: „Wir bekommen sogar zu hören, wir seien doch bestimmt inzwischen reich, bei der vielen Werbung am Schloss“, sagt der Spendensammler. Das sei jedoch nicht der Fall: „Von den Werbeerlösen haben wir rein gar nichts, die fließen allein dem privaten Betreiber der Humboldt-Box zu“, betont von Boddien.

Die 28 Meter hohe Humboldt-Box informiert über das Bauvorhaben und das, was später im Schloss gezeigt werden soll. Allerdings scheute sich der Bundestag damals, die rund fünf Millionen Euro für die Info-Box zu bewilligen. Stattdessen wurde entschieden, sie über einen privaten Investor finanzieren zu lassen. Um die Baukosten wieder einzuspielen, wurde diesem erlaubt, Werbung an den Baugerüsten anzubringen.

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 09.05.2017