Neues von der Baustelle

Hans-Dieter Hegner, Vorstand Bau der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, besuchte den Berliner Freundeskreis und gab zum Baustand neue und wichtige Informationen:

Allgemein

Nach wie vor liegt der Bau im Zeitplan, der Generalablaufplan ist nicht gefährdet. Die auch in der Presse kommentierten gerichtlichen Nachprüfverfahren bei Vergaben sind beendet. Die notwendigen Vergaben konnten nunmehr rechtssicher durchgeführt werden. Etwaige terminliche Verzögerungen, die sich daraus ergaben, konnten zu einem großen Teil durch den Umbau des Bauablaufs kompensiert werden. Nunmehr müssen vor allem die Kapazitäten auf der Baustelle erhöht werden.

Das Projekt liegt weiter im Kosten- bzw. im Budgetrahmen.

Die Gründungsintendanz hat sich mit allen Flächen des Hauses intensiv befasst und mit allen Akteuren diskutiert. Ziel ist es, dass Haus in einem inhaltlichen Guss im Sinne der Humboldt-Brüder zu präsentieren.

Foyer/Eingangshalle

Für das Foyer konnte das Glasdach fertiggestellt werden. Die Entscheidung über den Einbau und die Beschaffung des Medienturms ist gefallen. Die Weißbetonelemente der Galerien sind noch geschützt, werden aber demnächst sichtbar sein. Zu den diesjährigen „Tagen der offenen Baustelle“ wird das Innenportal 3 fertiggestellt, aber noch ohne Götterstandbilder gezeigt. Damit kann erstmals ein Eindruck dieses imposanten Raumes vermittelt werden.

Nutzungsveränderungen auf Wunsch der Gründungsintendanz

Statt der geplanten Kunst-Bibliothek wird es jetzt im 1. Obergeschoss auf 730 qm die „Humboldt-Akademie“ geben. Diese Akademie ist ein Vermittlungszentrum für das gesamte Haus, sozusagen das „Basislager“ (so die Beschreibung durch die Gründungsintendanten). Die Besucher sollen hier viel Interessantes zum inhaltlichen Einstieg in das Haus finden.

Erdgeschoss

Das „Museum des Ortes“ wird mit Projektionen und Ausstellungsstücken die Geschichte des Ortes erzählen. Es wird zwischen Portal 1 und 2 auf 360 qm mit einem sog. „Zeitraum“ seinen Platz finden. Mit zwei Eingängen soll der Raum für große Besuchergruppen besser zugänglich gemacht werden. Weitere Räume dieses Museums sind der archäologische Keller (mit dem Eingang nahe Portal 3) und der Skulpturensaal (Portal 6).

Ausgehend vom „Museum des Ortes“ sollen im ganzen Haus Gegenstände aus der Geschichte des Ortes, also vom Schloss wie auch vom Palast der Republik, zu sehen sein. Die Gründungsintendanz beschreibt das als ein „Interventionskonzept“. Einzelheiten dazu werden bis zum Juni 2017 erarbeitet, kuratorisch begutachtet und in die Planungen eingepflegt.

Neu ist auch ein eigener Museumsshop für die Sonderausstellungsflächen mit Ausgang zum Portal 3.

2./3. Obergeschoss

Die Gründungsintendanz will die bisher erarbeiteten Ausstellungsmodule noch szenografisch überarbeiten lassen. Die Herkunft und das Umfeld, aus denen die Ausstellungsobjekte kommen, müssen für den Besucher erlebbar und nachvollziehbar sein. Dazu kann auch die Einbeziehung botanischer Exponate dienen.

Ein Teil der Ausstellungsflächen sind für Wechselausstellungen vorgesehen und werden dafür entsprechend variabel gestaltet.

Innenausbau

Das ganze Gebäude ist seit Dezember 2016 wettergeschützt. Noch fehlende Fenster sind mit Holztafeln abgedichtet, sodass auch bei kälterem Wetter die Arbeiten unvermindert weitergehen konnten und der Innenausbau planmäßig vorankommt. Die Baustelle wird seit November 2016 über Fernwärme beheizt.

Die Montage der technischen Gebäudeausrüstung ist in vollem Gange. Beim technischen Innenausbau ist man beim Leitungssystem jetzt in der Horizontalen angekommen, d.h. die aufsteigenden Stränge für Lüftung, Wasser, Heizung sind alle belegt. Die Decken und Wände sind bereits weitgehend geputzt.

Mittlerweile werden bereits Decken und Böden hergestellt. Im Trockenbauverfahren werden bereits an den Decken die Abkofferungen hergestellt, die Beleuchtung, Audiosysteme und Entlüftungsleitungen aufnehmen. Am Boden werden die Zuluftkonvektoren montiert und angeschlossen. Die Verkabelung für Strom, Medien- und Sicherheitstechnik wird durchgeführt und der Hohlraumboden gestellt.

Der Innenausbau wurde im 2. und 3. Obergeschoss begonnen und wird dann im 1. OG und im Erdgeschoss fortgesetzt.

Energiekonzept

Das gesamte Gebäude wurde nach der Energieeinsparverordnung 2009 berechnet. Der Wert für den Primärenergiebedarf unterschreitet den zulässigen Wert um mehr als 30 %. Das war Vorgabe des Bundesbauministeriums. Dies wird einerseits erreicht durch einen baulichen Wärmeschutz, der deutlich besser als die Werte des Referenzgebäudes der EnEV 2009 ist. Andererseits wird das Gebäude im Wesentlichen durch Fernwärme versorgt. Dabei nutzt das Gebäude das in der Nähe gelegene Kraftwerk Mitte, das eines der modernsten Kraftwerke Europas ist.

Zusätzlich zur Fernwärme ist die Nutzung der oberflächennahen Geothermie zur Wärme- und Kälteversorgung geplant. So kann der Aufwand an Kompressionskälte für die Dauerverbraucher, wie die Kühlung von Elektro- und Serverräumen, durch den Einsatz der Geothermie reduziert werden. Es werden nördlich des Gebäudes zwei Erdsondenfelder (Erdwärmesonden mit einer Tiefe von ca. 100 m) erschlossen und 92 Gründungspfähle aktiviert. Zur weiteren Absicherung der Kälteversorgung der Museumsflächen und zur Reduzierung der elektrischen Leistungsspitze des Humboldt Forums wird ein Eisspeicher installiert. Die gesamte Kälteleistung beträgt fast 3000 kW (mit Eisspeicher 5300 kW).

Bekanntlich geben die Konservatoren der Museen sehr strenge Vorgaben für die Raumlufttechnik von Ausstellungsräumen vor, die gewähren müssen, dass die hochempfindlichen Exponate der beiden Hauptnutzer, des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst, dauerhaft erhalten bleiben. So darf die Temperatur in den Ausstellungssälen nicht über 25° C steigen bei einer mittleren relativen Luftfeuchtigkeit von max. 52 % mit einer maximalen Toleranz von +/- 3 % bzw. mit einer Toleranz bei der Innentemperatur von nur +/- 1 K.

Fenster

Die großen historischen Portalfenster in den Portalen 1 und 2 wurden mit sehr guter Qualität montiert. Im März/April folgen auch die Portalfenster auf der Lustgartenseite.

Alle Fenster sind Spezial-Kastenfenster mit je zwei „Behängen“: Sie können automatisch für Veranstaltungen oder bei ungünstigem Sonnenstand heruntergefahren werden, um die Räume zu verdunkeln.

Fassaden

Für die Portaldurchgänge sind die Planungen abgeschlossen. Diese werden nun auch ausgeschrieben. Ab Ende April werden die ersten Fassadenabschnitte verputzt. Es gibt einen Unter- und einen Oberputz, der einen hellgelb-ockerfarbenen Anstrich erhält (in den Putzspiegeln dunkler, außerhalb davon heller).

Ein „Vergoldungskonzept“ für die Fassadenkunstwerke wurde auf Basis der historischen Vergoldungen erstellt. Gold wird nur ganz sparsam eingesetzt, so werden nicht ganze Figuren vergoldet, sondern nur einzelne ihrer Attribute (z.B. Palmwedel).

Kultureller Betrieb in der Humboldt-Box, 2. und 3. Etage

Die Ausstellung in der 2. und 3. Etage der Humboldt-Box, die von der Kultur GmbH verantwortet wird, verläuft sehr gut und wurde deswegen bis zum 2. Mai 2017 verlängert. Ab dem 7. Juni bis 3. Oktober 2017 zieht eine neue Ausstellung zum Thema „Vorsicht Kinder“ (Arbeitstitel) ein.

Restaurants

Die Ausschreibungen für die Cafés und Restaurants im Humboldt Forum werden gegenwärtig mit einem Gastronomieberater erörtert. Bis zum Herbst 2017 wird ein entsprechendes Konzept erstellt. Es werden konzeptionelle Vorgaben für die Ausstattung, Speisenangebote und Optik erarbeitet. Für das Dachrestaurant werden gegenwärtig die Planungen erarbeitet. Der Stiftungsrat soll ihnen im Juni 2017 zustimmen.

Schloss-Umfeld

Der Vorstand der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss ist in intensiven Gesprächen mit dem Berliner Senat. Dabei ist wiederholt die Wiederherstellung des Schlossbrunnens auf dem Schlossplatz angesprochen worden. Darüber hinaus sind aber auch Fragen des Leit- und Orientierungssystems, der Bewältigung von Reisebussen, die fußgängerfreundliche Ausgestaltung der Straße Unter den Linden und die U-Bahn-Baustelle angesprochen worden. Die U-Bahn-Baustelle wird wohl noch bis Ende 2021 benötigt. Damit ist die rechtzeitige Fertigstellung des ganzen Schlossumfeldes bis zur Einweihung des Humboldt Forums Ende 2019 nicht gesichert. Die Bemühungen gehen dahin, die U-Bahn-Baustelle auf das Notwendigste zu beschränken.

© Stiftung HF-BS, Berlin

Auch der Innenausbau schreitet zügig voran.