@ Müller D.

„Die historische Mitte, die Identität stiftet (wo ein moderner Klotz versagen würde – kalt und unpersönlich), soll nun wieder geschaffen werden und diese Mitte kann nur das historische Schloß sein !“ – Gästebucheintrag 20.02.08

Wie soll bitte ein Schloss welches sicher 90% der Berliner Bevölkerung nie zu Gesicht bekam mehr Identität stiften als ein Neuer Bau? Das Schloss wird für alle gleichermaßen ungewohnt und neu sein und muß erst wieder in die Stadt hineinwachsen, nur wird es optisch, aufgrund seiner Formensprache sicher schneller gehen.
Ich bin es leid ständig gegen dieses Vorurteil „kalt und unpersönlich“ zu argumentieren, aber jeder Architekturinteressierte weiß das dies nicht wahr ist(einige Beispiele meinerseits: Leibnitzkollonaden, HdKdW, Quartier 206, Neubau Gedächtniskirche etc.).

Ich würde Ihren Standpunkt zur Vollrekonstruktion fast teilen, doch Ihre Argumente sind falsch oder der Sache nicht dienlich, da sie Neue Architektur schlechtreden.

  • Müller,D.

    Sehr geehrter Herr Hartmann,
    man darf hier im Kontext zwei Dinge nicht vergessen: Die architektonisch im Laufe der Zeit immer mehr verhunzte Hauptstadt Berlin und die Geschichte des Platzes,wo noch bis 1950 das Schloss stand und wo nun noch immer eine grosse Wunde klafft. In einer Stadt mit nicht gelungener Moderne (ich bleibe dabei, auch die neue Gedächtniskirche kann ich nicht toll finden,aber das ist meine individuelle Meinung) und noch immer riesigen Brachen gilt es ausserdem,
    hier einmal einen Gegenakzent zu setzen.
    Sie selbst räumen ein, dass ein rekonstruiertes Schloss aufgrund seiner Formensprache sicherlich schneller angenommen wird – da sind wir aber wieder bei der Frage der Ästhetik, die doch offenbar auch nach ihrer Meinung durch dieses Barockbauwerk besser vertreten wird,oder?
    Was heisst nun falsche oder nicht dienliche Argumente? Ich persönlich verurteile auch niemanden, der für moderne Kunst und Architektur ist. Ich habe es übrigens wiederholt versucht, mich damit anzufreunden, aber finde keinen Zugang dazu. Wenn Sie das anders sehen, ist das eine Meinung die ich zu respektieren habe, aber umgekehrt eben auch, es besteht also kein Grund,mich abzustrafen ;-).
    MfG
    D.Müller

  • Claus B.

    "Ich bin es leid ständig gegen dieses Vorurteil "kalt und unpersönlich" zu argumentieren, aber jeder Architekturinteressierte weiß das dies nicht wahr ist(einige Beispiele meinerseits: Neubau Gedächtniskirche etc.). "

    Guter Witz!
    Die Gedächtniskirche wurde nur aufgrund der Proteste der Berliner Bevölkerung nicht vollständig abgeräumt. Ein Wiederaufbau war für den Senat damals wohl unvorstellbar (warum auch immer).Dafür bekamen die Berliner dann zwei Glaskörper neben eine Ruine gestellt und sogenannte Architekturinteressierte erklärten ihnen die innovative Idee eines solchen Gebildes.

  • S.Hartmann

    Gut, sie mögen den Neubau nicht, ist Ihr gutes Recht.

    Ich stelle den Neubau gestalterisch auf eine Ebene wie die Frauenkirche in Dresden oder jeder anderen tollen Sakralarchitektur.

    Mich, als Atheisten, berührt dieser Bau sogar mehr als die meisten barocken Kirchen mit ihren "überladenen" Altären.
    Gerade die Schlichtheit im Inneren, das ruhige alles einnehmende Blau, der "schwebende" goldene Christus sind es die eine herrliche Stimmung erziehlen.

    Es heißt doch Gott wäre das Licht und im Neubau der Gedächtniskirche wird dieses fantastisch gefeiert.

    Für mich und sicher viele andere Menschen auch, ist es also kein Witz!

  • Claus B.

    Man muß wohl wirklich Atheist sein um in diesem Gebilde eine erhebende Erfahrung zu verspüren.
    Aber um diese Glaskörper auf eine Stufe mit der Frauenkirche zu stellen, muss man wohl vorher ein eindimensional verlaufenes Architekturstudium absolviert haben.
    Das Beispiel finde ich so absurd wie eine Gleichsetzung der gläsernen Reichstagskuppel von Foster mit der Kuppel des Petersdoms.

  • Müller,D.

    Nein, die Berliner Gedächtniskirche kann man nun wirklich nicht mit der Dresdener Frauenkirche auf eine Stufe stellen.Die Frauenkirche zeigt grosse Vielfalt von Formen,man kann immer wieder etwas Neues,Schönes entdecken, es gibt von anderen Blickpunkten aus überraschende neue Wirkungen und doch ist das Ganze ein harmonisches Gebilde.
    Auch und gerade die Vielfalt der Formen macht historische Architektur so anziehend. Auge und Seele erfreuen sich nicht nur an Raumwirkungen, sondern auch an den Details – ein schönes Gemälde, eine Kartusche, Rocaillen, ein schönes Kapitell, eine Statue…Es ist die Kunst der alten Baumeister und Künstler und diese ist nicht zu übertreffen.In unserer ach so nüchternen,rationalistischen und geldgeilen Zeit brauchen wir soetwas mehr denn je, sonst verarmen wir auch innerlich. Wenn Sie, Herr Hartmann, der kühl- rationalistischen Gedächtniskirche etwas Positives abgewinnen können, ist das für Sie o.k., aber mir ist das zu nüchtern und im Gegensatz zur alten Architektur auch nicht kreativ genug.
    Bleibt nur zu hoffen, dass nicht Teile des Schlosses auf diese Weise entstellt werden…

  • S.Hartmann

    Ich habe erst letzten Freitag Dresden besucht und mir bei dieser Gelegenheit auch nicht die Mittagsandacht mit Orgelmusik in der Frauenkirche entgehen lassen. Ich war natürlich beeindruckt von der Architektur (auch wenn ich nicht gerade ein Freund von gemaltem Marmor bin) und trotzdem bleibe ich dabei, die Gedächtniskirche mit ihrem zauberhaftem Lichtspiel bietet genausoviel Abwechslung wie der Barocke Altar oder die netten Deckengemälde in der Frauenkirche.
    Aber die Orgel/ Raumklang der Frauenkirche ist wirklich toll, da hat sie was voraus.

    Thema: "eindimensional verlaufenes Architekturstudium"- ich sehe nur die Qualitäten in jeder Epoche. Dem Barock bin ich in meinem Jahr in Paris erst richtig Nahe gekommen und habe ihn dort auch lieben gelernt. Den Klassizismus und die Neogotik hab ich ganz gut in Berlin und Umgebung kennengelernt(aber auch in London). Schinkel und Lenné sind schon lange meine Leidenschaft. Und obwohl ich all diese schönen weltberühmten Beispiele(oder auch kleinen unscheinbaren Anlagen) kenne, sehe ich die gleiche gestalterische Qualität in heutigen Projekten. Es gibt nicht viele wirklich gute, doch die gab es damals auch nicht, die Masse ist immer mittelwertig oder noch schlechter.

    P.S. Haben sie schon gegen die Waldschlößchenbrücke in Dresden unterschrieben und für die Tunnelalternative? Denn dort wird gerade ein einmaliges Landschaftsbild zerstört(bin bei der Gelegenheit gleich mal die ganzen Elbwiesen entlang, diese Brücke würde viel zerstören).

  • Claus B.

    Nachdem ich schon in Berlin gegen Chipperfield und seine Entstellung der Museumsinsel unterschrieben habe, werde ich natürlich auch in Dresden meine Pflicht tun.

    Ansonsten bleibt zu sagen, daß die modernen "Stararchitekten" uns gerne ausgefallene Solitärbauten entwerfen dürfen, wo es Sinn macht. Ich denke da zum Beispiel an Fußballstadien oder die Konzipierung völlig neuer Außenbezirke. Aber lasst diese Leute nicht in unsere vom Krieg sowieso schon vernarbten Innenstädte, denn dort hat die Rettung vorhandener Geschichte und die Wiederherstellung verlorener Bauten von nationaler Bedeutung absoluten Vorrang.Zudem geben die Bauten, die über Jahrhunderte prägend für eine Stadt waren, auch nach 60-jähriger Auszeit den Menschen mehr Identität als die austauschbaren Gebilde der Moderne.
    Gerade nach Studium dieser Seite (schauen Sie mal unter der Rubrik "Rekonstruktionen") müßten auch Sie zu der Einsicht gelangen, daß Rekos wie die Frauenkirche oder das Stadtschloß im Europa nach den Weltkriegen keine Ausnahmen darstellen. Ich glaube nicht, daß z.B. die Polen da nur etwas nicht verstanden haben und die deutschen Denkmalpflegerpuristen (weg ist weg und kommt nicht wieder) die Wahrheit mit Löffeln gefressen haben.

  • S.Hartmann

    Man muss zwar immer wieder Vergleiche heranziehen um dieses Thema zu diskutieren, doch kann man den Campanile(Marcusplatz) Venedig oder die Frauenkirche nicht mit dem Stadtschlossprojekt gleichsetzen.

    Der Turm wurde sofort wieder aufgebaut. Die Frauenkirche zu über 90 % nach dem Original. Desweiteren haben beide heute die gleiche Funktion wie vor ihrer Zerstörung.

    ""Stararchitekten" uns gerne ausgefallene Solitärbauten entwerfen dürfen"- ich weiß unsere Städte stehen voll mit neuer Architektur, warum nicht wieder was "Altes" an dieser Stelle?
    Diese Frage hätte sich vor 200 Jahren gar nicht gestellt. Erst die Romantik und das aufkommende Nationalbewusstsein führte in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu denkmalpflegerischen Gedanken. Vorher hat man recht skrupellos frühere Werke umgestaltet und dem Zeitgeist angepasst(auch an der Stadtschlossgeschichte gut zu studieren). So sind uns sicher viele gute Anlagen verloren gegangen, es sind aber auch genauso viele gute hervorgetreten oder durch den Umbau entstanden.

    Wie wir uns sicher alle einig sind ist das Humboldtforum vielleicht "DAS" Projekt deutschlandweit. Gerade hier könnte aktuelle Architektur glänzen oder neue Wege gehen. Wenn man sich zu diesem Schritt nicht traut, dann sollte man auch so konsequent sein und das Stadtschloss weitgehend original aufbauen und ein passendes Nutzungskonzept finden(denn eine Sammlung außereuropäischer Kulturen und Veranstaltungssäle passen dann nicht mehr).

    Aber ich warte erst einmal bis März, dann sind die Ausschreibungstexte öffentlich zugänglich.

  • Claus B.

    Ihrem letzten Absatz kann ich bis auf die Hoffnung auf den Glanz moderner Architektur uneingeschränkt zustimmen. Ich bin auch der Meinung, daß eine Reko nur zu 100 Prozent Sinn macht und glaube desweiteren auch, daß ausgerechnet außereuropäische Kunst in diesem Rahmen unpassend wirkt. Im gegenteil, da müßte eigenlich europäische Kunst der Renaissance rein.
    Aber greift ja heutzutage nach jedem Strohhalm, wenn die Chance auf die Rekonstruktion eines bedeutenden Bauwerkes besteht (siehe auch Braunschweiger Schloß).

  • Müller, D.

    Ich schiele da immer neidisch nach Polen/Warschau, wo völlig kompromisslos rekonstruiert wurde, wo die Rekonstruktion allerdings eine Herzensangelegenheit fast aller Polen war.
    Das fehlt bei dem schwierigen Verhältnis der Deutschen zu ihrer Geschichte und einer immer noch stärker ausgeprägten Kleinstaatenmentalität leider hier. Da kommen dann diese Krämpfe mit moderner Ostfassade und aussereuropäischen Sammlungen und diese kleinkrämerische Nutzungsdebatte.
    Die wichtigsten Räume und Treppenhäuser
    sollten ohnehin rekonstruiert werden und mit dem recht zahlreich geretteten Inventar wieder ausgestattet werden. Für zahlreiche andere Räume liesse sich durchaus auch eine verträgliche Nutzung finden (vor der Zerstörung hatten z.B. Institute und Verkaufsausstellungen hier ihren Sitz) , die aussereuropäischen Sammlungen sind da, wo sie sich befinden, sicherlich besser aufgehoben.

  • Contra

    Herr Hartmann, wann geben sie endlich auf? Ihre Argumente sind doch ebenfalls der Sache nicht dienlich und falsch. Monderne Architektur kann keine ansprechenden Fassaden hervorbringen und will es auch gar nicht. Das ist nun mal so. Und ein Gebäude, das Geschichte nicht negiert, sondern vielmehr erinnert und vielleicht sogar mahnt ist sicherlich Identität stiftender, als ein gesichtsloser bzw. geschichtsloser Neubau. Werden sie eigentlich von einer bestimmten Lobbyisten-Gruppe bezahlt um hier krampfhaft Stimmung gegen die Rekonstruktion des Schlosses zu machen? Das nimmt doch mittlerweile lächerliche Züge an. Suchen sie sich doch endlich ein anderes Hobby. 🙂 Um das Für und Wider wurde über zehn Jahre lang gestritten. Und es wurden viele moderne Entwürfe von diversen Architekten eingereicht und kein Entwurf konnte überzeugen und auch nicht annährend die Sehnsucht nach dem Alten und Schönen an dieser Stelle stillen.

  • berlinfreund

    Sie haben recht. Man kann die ewig gleichen Argumente nicht mehr hören. Seit Jahren wird nur im Kreise diskutiert, und viele Leute fallen darauf herein und drehen die unendliche Diskussion im Kreise weiter. Bei Wikipedia habe ich gelesen, daß man solche Leute "Trolle" nennt, die längst Gesagtes, längst Entschiedenes, gar nicht mehr Relevantes immer und immer wieder hervorkramen und dadurch Energien binden. Man kann von der Schloßrekonstruktion in Form der Fassaden halten was man will. Die Sache ist außerhalb der Diskussion. Sie ist entschieden. Es kann jetzt nur noch darum gehen, daß man in diesem äußeren Bild soviel vom alten Schloß durchsetzt, wie überhaupt geht, also auch historische Kuppel und Ostfassade und im Idealfall auch einige Innenräume und Treppenhäuser. Alles wird nicht zu erreichen sein – befürchte ich -, aber man kann darum kämpfen, daß soviel wie möglich rekonstruiert wird. Darum und nur darum sollten sich alle Aktivitäten und Diskussionen mühen.

  • Claus B.

    Ich finde es immer noch erstaunlich, wieso der Förderverein überhaupt nur die Reko der drei Fassaden gefordert und warum der Bundestag auch nur den Aufbau dieser drei Seiten beschlossen hatte.
    Für mich ist es irgendwie nicht nachvollziehbar, wieso die Kuppel und die Ostfassade nicht von Anfang an selbstverständliche Teile des Gebäudes sein sollten.
    Bei der Frauenkirche in Dresden wäre niemand auf die Idee gekommen, nur den Aufbau der Fassaden ohne Kuppel zu fordern um dann die Gestaltung derjenigen den Modernisten zu überlassen (hätte ja ein "schickes" transparentes Glasdach werden können).

  • Contra

    Ganz einfach. Weil wir in einer repräsentativen und nicht in einer direkten Demokratie leben, die nicht mehr richtig funktioniert. Unsere sogenannten Repräsentaten sind mitterweile ziemlich selbsherrlich und haben völlig die Bodenhaftung verloren. Für die meisten Politiker sind wir (das Volk) doch nur der dumme Mopp, den man vor sich selbst schützen muss. Denn wie ist es ansonsten zu erklären, dass wichtige Entscheidungen, wie die Einführung des Euro in anderen Ländern (z.B. Frankreich) durch Volksabstimmungen entschieden werden, während man hier gar nicht gefragt wird. In diesem Kontext reiht sich doch auch die Schlossentscheidung ein. Es sollen 500 000 Millionen an Steuergeldern ausgegeben werden und das Volk (der Steuerzahler) wird nicht gefragt. Durch den Bundestag fühlt man sich doch schon lange nicht mehr richtig repräsentiert, wenn da nur Lehrer, Rechtsanwälte und Vertreter einflußreicher Lobbyisten-Gruppen sitzen. Also muß man sich auch nicht wundern, wenn da so komische Entscheidungen getroffen werden. Warum ist es wohl zu einem Volkssport geworden, Steuern zu hinterziehen, wieso sinkt stätig die Wahlbeteiligung, warum werden immer mehr verfassungswidrige Gesetze erlassen, so dass sich die Beschwerden beim Bundesverfassungsgericht stapeln, usw…
    Der Bürger hat immer weniger das Gefühl der Staat zu sein, sondern vielmehr spricht man von denen da Oben und zeigt auf unsere gewählten Repräsentanten, die meinen der eigentliche Staat zu sein. Das führt zu einer fatalen Divergenz. Die staatlichen Behörden werden als Kontrahenten und nicht mehr als Partner wahrgenommen.

  • Bartholdy

    Am Geld liegt es nicht, dass nur drei Fassaden und der Schlüterhof rekonstruiert werden sollen.
    In Polen hat man schließlich zu einer Zeit, als es Polen finanziell sehr schlecht ging ganze Stadtzentren mit allen Kirchen und Schlössern komplett (von innen und außen) rekonstruiert.

    In Deutschland ist und war so etwas schon immer undenkbar.
    Ich habe fast den Eindruck, als muss in Deutschland krampfhaft jedes historische oder rekonstruierte Bauwerk mit einer modernen Zutat verhunzt werden.
    Das Reichstagsgebäude wurde mit einem Ei als Kuppel verhunzt.
    Das neue Museum , welches das schönste klassizistische Treppenhaus Deutschlands besaß, wurde von Chipperfield total entstellt, von innen und außen! Dann hätte er es gleich abreißen und durch einen Glas- oder Betonkubus ersetzen können.

    Die Kommandantur wurde an der Rückseite verhunzt.

    Die Staatsbibliothek, welche den Größten Lesesaal der Welt besaß (der Kuppeldurchmesser übertraf deutlich den Durchmesser der Domkuppel) bekommt nun (wie kann es auch anders sein) einen Glaskubus als Lesesaal, der wie die Faust auf’s Auge zu dem historischen Prachtbau passt.

    Das Stadtschloß wird, wie ich unsere Politiker und Architekten inzwischen einschätze auch verhunzt. Sicher wird eine moderne Kuppel auf das Eosanderportal gesetzt. Die originalgetreu rekonstruierte Stülerkuppel wird nicht kommen, da bin ich mir sicher.

    Die Ostfassade wird, wie auch der große Schloßhof, mit hundertprozentiger Sicherheit ein Alptraum aus Stahl und Glas.
    Spätestens 2015 werden, bis auf die Politiker und Architekten, alle Menschen entsetzt den Kopf schütteln!

  • berlinfreund

    Ich sehe das nicht ganz so schwarz. Warten wir doch erst einmal die Wettbewerbsbeiträge ab. Vielleicht sind einige dabei, die rundum eine historisch getreue Rekonstruktion vorsehen. Sollte das nicht so sein und ein modernistisches Stahl-Glas-Kuppel-Ei wie beim Reichstag drohen, dann lieber gar keine Kuppel, denn die ersten 100 Jahre hatte das Schloß ja auch keine.

  • webmaster

    Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir uns das Schloss mit allen Fassaden, der Kuppel, den historisch bedeutenden Innenräumen und und und ….. gewünscht. Kosten insgesamt (geschätzt fast 1,5 Milliarden Euro, in Zahlen 1.500.000.000,-. Nutzung: äußerst unklar, da eben ausschließlich wertvolles, kopiertes Schloss.

    Leider gibt es keine Mehrheit im Bundestag und schon gar nicht beim Berliner Senat dafür, es sei denn alles würde privat bezahlt – und natürlich würde aussschließlich eine kulturelle Nutzung vorgeschrieben. Also kein Einkaufszentrum, Hotel usw, Gott sei Dank. Dafür ist der Ort historisch zu beladen und eben nicht beliebig.

    Also haben wir seit Jahren um einen Kompromiss gerungen, der so weit wie möglich geht, der finanzierbar ist und der vor allem aber späteren Generationen einen Weiterbau ermöglicht – wenn man es denn will.

    Wir haben also einen unumkehrbaren Prozess angestoßen, der zunächst einmal das Stadtbild Berlins repariert und die Schönheit der Mitte der Stadt wieder herstellt.

    Alles weitere: abwarten, Tee trinken, in der Ruhe liegt die Kraft.
    Und vergessen Sie bitte nicht: nur weil wir versprochen haben, mit einer groß angelegten Spendensammlung die historischen Fassaden zu finanzieren, gab es diesen Kompromiss. Wenn Sie mehr wollen, bitten wir Sie herzlich, dass Sie zunächst einmal die jetzt laufende Spendensammlung unterstützen, sie erfolgreich machen. Mit Ihrem Geld!

    Wenn wir dann erfolgreich sind, gerade auch mit Ihrer Hilfe, dann erst macht es Sinn, über mehr nachzudenken, denn dafür brauchen wir neue politische Mehrheiten. Diese sind aber nur über großzügige Spenden zu erreichen. Siehe Hasso Plattner und das Potsdamer Schloss. Weil er dafür 20 Millionen konditioniert hinlegen will, kommt auf einmal Bewegung in die Sache.

    Merke: Wer anschafft, hat das Sagen. Wie wär`s mit einer Spende? Bis zu 20% Ihres Einkommens können Sie dafür steuerfrei aufwenden. Jedes Jahr!

    Wir freuen uns darauf – vielen Dank im Voraus!

  • webmaster

    Warum Sind Sie bloss so pessimistisch?

    Ist es nicht einfach toll, dass eine Bürgerinitiative es geschafft hat, den Schlossbau durchzusetzen? Haben das Parlament und die Bundesregierung nicht wunderbar den Ball aufgenommen – und spielen ihn jetzt? So etwas ist nur in einer Demokratie möglich! Wir sind stolz auf unser Land!

    Kennen Sie schon den Unterschied zwischen Optimist und Pessimist?

    Der Mist ist immer derselbe, – es liegt an Dir, welche Vorsilbe Du nimmst!

  • Claus B.

    Ihre Ausführungen sind zum Teil nachvollziehbar, aber zu einem anderen Teil eben nicht.
    Der Förderverein hat sich von Anfang an für den Wiederaufbau von drei Fassaden ausgesprochen und die vierte Fassade und die Kuppel völlig offen gelassen.
    Jetzt haben wir aber das Problem, daß es eben nur für diese drei Fassaden auch eine Satzungsvorgabe gibt und die Gestaltung der fehlenden Bestandteile über einen Architektenwettbewerb gefunden werden soll.
    Etwas anderes wäre es gewesen, wenn der Förderverein und der Bundestag die komplette Rekonstruktion zwar beschlossen, sich aber aufgrund von Geldmangel vorläufig nur auf eine Rekonstruktion der drei Fassaden als erste Maßnahme geinigt hätten.
    Wenn also das Schloß nun aufgrund der Wettbewerbsideen der Architekten eine moderne Ostfassade und irgendeine Glaskuppel bekommen sollte, dann sind diese Bestandteile auf Jahrzehnte festgeschrieben und man kann nicht von einem Weiterbau folgender Generationen reden.
    Ich bin ja nun wahrlich kein Gegner des Schloßes, ganz im Gegenteil. Zudem habe ich im kleinen Maßstab auch schon gespendet und werde dies im Rahmen meiner Möglichkeiten auch noch etwas üppiger nachholen. Aber leider bin ich kein SAP-Mitbegründer o.ä., der durch eine Millionenspende die ganze Entwicklung in eine andere Richtung stossen kann. Allerdings werde ich für eine Kombination a là Reichstag auch keine drei- oder vierstelligen Beträge spenden.

  • Schlosshund

    "Also haben wir seit Jahren um einen Kompromiss gerungen, der so weit wie möglich geht, der finanzierbar ist und der vor allem aber späteren Generationen einen Weiterbau ermöglicht – wenn man es denn will."

    Ich bin auch ein absoluter Schlossfreund und habe schon häufiger Bekannten und Verwandten versucht das Projekt schmackhaft zu machen, damit auch sie spenden. Aber immer stockt die Diskussion bei dem oben zitierten Aspekt.
    Wird wirklich bei dem Wiederaufbau berücksichtigt, dass spätere Generationen das Schloss weiterbauen können? Meine Bedenken beziehen sich nicht primär auf die Ostfassade oder auf die Schlosskuppel, sondern auf das, was sich hinter den drei Barockfassaden befindet:

    Erhalten die 60 bedeutenden Säle ihre ursprünglichen Abmessungen wieder, sodass ein Umbau ohne große Abbrucharbeiten (statisch) möglich wäre?

  • Bartholdy

    Tja, Sie haben schon Recht.
    Es wäre einfach wundervoll, wenn das Humboldtforum auch noch die Stülerkuppel und eine harmonische Ostfassaden – und Hoffassadengestaltung bekäme.
    Sehr wichtig sind auch die originalgetreuen Fensterrahmen und Sprossen an den historischen Fassaden und an den Portalen.

    Vielleicht lasse ich mich immer zu leicht schocken, wenn ich mir die modernen Zutaten benachbarter historischer Bauwerke ansehe.

    Die Fenster des Reichstags beispielsweise sehen aus, als wären gar keine Scheiben drin. Viel zu groß sind die Glasflächen geraten und die waagerechten Balken in den Rundbogenfenstern geben der eigentlich imposanten Fassade den Rest!
    Die Fenster gefielen mir vor dem Umbau deutlich besser!
    Die Eikuppel war, nach all den anderen Fehlern, sozusagen nur noch der finale Todesstoß für das gesamte Gebäude.

    Aber vielleicht lernen ja auch unsere Politiker und Architekten aus den massenhaften Fehlern der vergangenen Jahre.

  • Preuße

    Ich stimme Ihnen voll und ganz zu der Reichstag wurde so entstellt,dass kaum noch von dem einstigen Glanze geblieben ist!

  • Schlosshund

    @ webmaster
    Schade, dass sie meine Frage ignorieren.

  • S.Hartmann

    Einige von ihnen verlieren sich zu gern in dem Hass auf neue Architektur und scheinen ein Klichee von der Architektenschaft zu haben welches so nicht stimmt. Lesen sie einfach mal Fachzeitschriften, wie die Bauwelt oder das Architektenblatt, die Frage wie Bauten bei der Bevölkerung ankommen und ob/wie man Ornamente verwendet werden permanent dikutiert.

    Es gibt genug schlechte Bauten und auch Umbauten(wie angesprochen: wenn Fenster ihre ursprünglichen Unterteilungen verlieren). Doch wo Schatten ist gibt es auch Licht.

    Warten wir den Wettbewerb ab und ziehen dann über die "scheußlichen" Ideen der Architekten her.

    P.S. dies ist ein Diskussionsforum, wäre doch langweilig wenn nicht jemand gegen das Projekt ist.
    Übrigens muss man getroffene Entscheidungen nicht akzeptieren,siehe Volksinitiative "Pro Tempelhof"- auch wenn diese nichts bewirken wird/ bzw. keinen Erfolg haben wird 😉

  • Benni

    Pessimisten werden eben seltener enttäuscht, weil sie von vorne herein davon ausgehen, dass etwas nicht klappt. Macht das Leben vielleicht nicht grad einfacher, aber wenn man dann am Schluss Recht behielt, bleibt einem immer noch das "Ich hab’s doch gleich gesagt", was einem vielleicht auch wieder mit einem Bisschen Selbstvertrauen stärkt. Und wenn es doch hinhaut, dann kann man sich umso mehr darüber freuen. Nur mal ein kleiner psycho-philosophischer Exkurs ;).

  • S.Dickmann

    "wäre doch langweilig wenn nicht jemand gegen das Projekt ist."
    Trotzdem nervt Ihr "Heutige-Architekten-können-auch-etwas-und-sollten-eine-Chance-erhalten"-Gerede.

  • webmaster

    Weil auch der webmaster mal verreist, antwortet er manchmal nicht sofort! Aber Ihre Frage kann ich auch jetzt bei bestem Willen nicht anders als zuvor beantworten, denn schließlich wird im Wettbewerb auch darüber entschieden. Und der endet nun mal erst Ende November. Vorher wäre alles Spekulation – und an so etwas beteiligen wir uns nicht!

  • Füxlein

    Die K-W-Gedächtniskirche finde ich auch sehr schön. Sie ist eben eine moderne Kirche aber mit einer unheimlichen Ausstrahlung und von schlichter Elleganz. Auch das Zusammenspiel von altem Turm und modernen Bauten ist durchaus sehr gelungen. Ich würde sie tatsächlich auch auf eine Stufe mit der Frauenkirche stellen, natürlich als Vertreter der Moderne.