Leserbrief von Dr. Jürgen Wessel zur Kuppel-Diskussion

 

Den Förderverein Berliner Schloss e.V. erreichte zur aktuellen Kuppel-Diskussion ein Leserbrief, den wir hier zur Kenntnis veröffentlichen:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich möchte mein ganz persönliches Votum zu der seit wenigen Tagen ausgetragenen Debatte um das Kreuz auf der mit privaten Mitteln zu errichtenden Kuppel des Berliner Schlosses/Humboldtforum abgeben:

Der Architekturgeschichte Europas fällt es sicherlich leicht, nachzuweisen, dass nicht nur Sakral – sondern auch Profanbauetn zu allen Zeiten mit dem Kreuz und anderen kirchlichen Symbolen geschmückt wurden (sponat fällt mit dazu c+m+b, Caspar, Melcoir,Balhasar ein!)

Es ist doch wohl mehr als nur befremdlich, dass Rote und Grüne, die fortlaufend das Christentum denunzieren, die sich dagegen jederzeit zu Beschützern des Islam zu profilieren suchen, einer Religion, dessen Gründer nachweislich mindestens zehn Jahre als War Lord systematisch benachbarte Volksgruppen – nicht anders als heute „Boko Haram“, „Al Kaida“ oder „Al Schabab“ in Somalia – namens eines autokratischen Monotheismus mit Krieg überzog. Versprochene Segnungen des Friedens und der Harmonie kann und konnte nur der erwarten , der sich unterworfen hatte, wie auch Unterwerfung die Übersetzung des Wortes „Islam“ ist und somit als die höchste Tugend dieses Glaubens zu gelten hat!

Insbesondere gilt das Prinzip bedingungsloser Unterwerfung in dieser Religion dem Verhältnis von Mann und Frau, das ausschließlich die Überlegenheit des Mannes reklamiert und absichert! Religionsgeschichtlich sind Jesus und der Prophet der Mohammedaner gleichermaßen in den Himmel aufgestiegen – das ist aber auch die einzige Parallele! Der Prophet ist auf einem Schimmel reitend von Jerusalem, das Schwert schwingend, aufgestiegen, der Begründer des christlichen Glaubens ist nach einem Leben, das ausschließlich der Nächstenliebe und der Seelsorge gewidmat war, durch Kreuzigung, der zu allen Zeiten erniedrigensten Strafe für Schwerstverbrecher, getötet worden, bevor auch er in den Himmel aufsteigen konnte! Seitdem ist das Kreuz, das Marterinstrument des Begründers des christlichen Glaubens, mit dem um Demut, Vergebung, Versöhnung und der Liebe zum Nächsten geworben wird.

Es sind diese Glaubenssätze, mit denen das Kreuz allein gewollt ist. Das Christentum und die Welt haben keine Veranlassung, auch nur ein „Jota“ davon zu streichen oder gar in Abrede zu stellen. Das Humboldtforum wird auch die Kultur der Atzteken würdigen, die Jahrhunderte lang mit bestialischen Menschenopfern ihre Nachbarvölker mit Krieg überzogen. Ist, um diese Kultur der Atzteken für uns Menschen von heute zu erklären und zu deuten, das Kreuz als Verheißung von Menschlichkeit, dann nicht allein als erlösende Hoffnung zu verstehen? Gleiches gilt sebstverständlich auch für die Konquistadoren, die mit vergleichbarer Schändlichkeit dann die kultur der Atzteken und anderer Völker auslöschten, wie aber auch für alle anderen fremden Kulturen in Nah und Fern, die ja – nur weil sie nicht europäisch sind -etwa friedfertig waren.

Das Kreuz ist ein Symbol, das die Kulturen versöhnt und damit bleibt es unverzichtbarer Bestandteil des Berliner Schlosses und Museums – das sollten auch die Atheisten von heute – wenigstens – verstehen!

 

Mit freundlichen Grüßen
Dr.-Ing. Jürgen Wessel

 

 

 

  • Sylvia Ringleb

    DANKE !

  • hirnbatzl

    Man sollte sich vor bloßer Ideologie hüten: Ein Christ sollte sich vor allem Barmherzigkeit und Nächstenliebe zu
    eigen machen. Dem Anspruch werden viele, die sich selber als Christen
    bezeichnen, vor allem heutzutage im alltäglichen Leben nicht gerecht. Gerade in der heutigen Zeit könnten sich viele Christen z. B. gerade und vor allem bei der Flüchtlingsthematik postitiv hervortun, in dem sie Barmherzigkeit und Nächstenliebe den Flüchtlingen angedeihen lassen. So mag sich jeder, der sich als Christ bezeichnet selber fragen, ob er tatsächlich auch dem Anspruch gerecht wird.

    Im Übrigen: Gerade auch die „Kirche“ als solche hat sich in der langen Geschichte einiges zu Schulden kommen lassen. Das sollte man nicht vergessen oder gar
    verschweigen. Schon allein daher ist es müßig, darüber zu spekulieren, ob und inwieweit das Christentum moralisch über dem Islam steht. Mitnichten. Ganz davon abgesehen, dass längst nicht alle Christen sich mit den (Un-)Taten der sie vertretenden Kirchen identifizieren, ist ja auch beim Islam nicht der Islam per se das Böse, sondern einzelne bzw. einzelne Gruppierungen, die gewissermaßen zu „Übertreibungen“ neigen. Die Mehrzahl der hier lebenden Muslime (und die gibt es bereits seit den 60igern des vorigen Jahrhunderts, als u. a. auch Türken als Arbeitskräfte ins Land geholt wurden), fiel und fällt im alltäglichen Leben in keinster Weise negativ auf. Pauschale Vorurteile helfen auch hier (wie sonst so oft) also nicht weiter.

    Zum Humboldforum selber sei angemerkt: die komplette Rekonstruktion war nie beabsichtigt, was insbesondere durch die neue Ostfassade, der fehlenden Rekonstruktion der Innenräume sowie auch der Innenhöfe durchaus zum Ausdruck kommt. Insofern kann man natürlich auch unter rein architektonischen Aspekten über eine Wiederherstellung der Kuppel mit Kreuz streiten.

    • Martintre

      Wenn ich nun im Namen der britischen Königin Schandtaten begehen würde, dann würde wohl niemand deswegen schlecht denken über die Königin. Genauso weit hergeholt ist es, das Christentum zu beurteilen nach dem, was selbst ernannte „Christen“ tun. Das gilt für die selbst ernannten Christen der Kreuzzüge genauso wie für den Papst und die religiösen Humanisten auf heutigen Kirchentagen. Diesen allen fehlt die Rechtfertigung aus der Bibel – sie haben einfach Dinge verändert oder hinzu erfunden.

      • hirnbatzl

        Das ist letztlich eine Frage, die Sie an diejenigen richten müssen, die unter z. B. der britischen Krone (egal wer König/Königin ist oder war) richten müssen. Zig tausende Menschen (wenn nicht Millionen), die z. B. unter der britischen Kolonialherrschaft zu leiden hatten, aber auch die Briten der unteren sozialen Schichten würden (und werden) dies auch heute noch anders sehen. Ebenso verhält es sich mit den Menschen, die im Rahmen der Kolonisierung und der meistens damit verbundenen (nicht selten gewaltsamen) Christianisierung das damit meistens verbundene Kreuz nicht nur unter positiven Aspekten gesehen haben und noch heute sehen. Und für viele Menschen auf der Welt ist gerade unter diesem Gesichtspunkt das Kreuz eben auch ein Zeichen der damit verbundenen jahrhundertelangen Unterdrückung der eigenen Identität.

    • Martintre

      Ach ja, und auch zum Thema Islam sei eine Lektüre der Glaubensgrundlage empfohlen. Nach dem Lesen des Koran und vielleicht noch einiger Hadithen wird man nicht umhin kommen, „friedliche Muslime“ als eigentliche Abweichler vom Islam zu betrachten.

      • Marco P.

        Oh, dann müssen diese „Christen“ wohl auch ziemliche Abweichler des Christentums sein, oder sie kennen die Bibel nicht, das kann natürlich auch sein, klingt sogar etwas wahrscheinlicher..

  • Marco P.

    Ja Herr Wessel, von Kreuzigung nach Kreuzzüge war es auch nicht weit.
    Und Hexenverfolgung und -verbrennung fällt bei Ihnen wohl unter Gleichstellung von Mann und Frau.
    Azteken? Wie Sie darauf kommen, wissen wohl nur Sie.
    Es geht nicht darum, WELCHES kirchliche Symbol auf ein staatliches Museum gehört, sondern dass KEINES dieser Symbole dahin gehört.
    Damals waren Schloss (Staat) und Kirche eng verflochten – das ist heute anders.
    Es werden drei Fassaden rekonstruiert. Die vierte Fassade, das Innenleben und vor allem der Zweck (staatliches Museum als Teil und Erweiterung der Museumsinsel) sind komplett anders.
    Innen sind viele Kulturen, alle großen Religionen vertreten – außen hat keine davon etwas zu suchen.

    • Jürgen Haase

      „…von Kreuzigung nach Kreuzzüge war es auch nicht weit.
      Und Hexenverfolgung und -verbrennung fällt bei Ihnen wohl unter Gleichstellung von Mann und Frau…“ – auch Sie sollten wissen, dass gerade das von Ihnen hier Genannte eben nicht in der christlichen Religion von vornherein angelegt ist (ganz im Gegensatz zu anderen Religionen). Natürlich steht die Frage „welches“ religiöse Symbol … überhaupt nicht – da haben Sie ganz recht, denn hier werden die Fassaden ORIGINALGETREU rekonstruiert. Auch wenn es nicht jeder wahrhaben will: Rekonstruktion ist eine international anerkannte Methode des Denkmalschutzes (interessanter Weise nur nicht in einigen deutschen Bundesländern). Wie viele andere ERHALTENE Gebäude mit religiösen Symbolen möchten Sie denn gern von staatlichen Nutzungen frei machen bzw. dort die Symbole entfernen?

      • hirnbatzl

        Originalgetreu ist in genau diesem Falle allerdings dann schon sehr auslegungsfähig. Richtig ist, dass die Gebäudefassaden weitgehend (!) originalgetreu rekonstruiert werden. Dies trifft aber eben schon nur auf 3 Seiten des Gebäudes zu. Mehr aber auch nicht. Nicht die Ostfassade, nicht die Innenhöfe und (weil wir schon bei Äußeren sind), offenbar auch nicht die beiden kleinen Türmchen an den Ecken der Westfront. Die könnte man jetzt auch noch fordern, haben aber wohl „leider“ keinen religiösen Bezug.
        Im Prinzip wurden aber sogar beim Gebäudegrundriß Abstriche gegenüber dem ursprünglichen Gebäude gemacht.

        • Marco P.

          Ganz zu schweigen vom Namen, es heißt nicht Religions-Forum sondern Humboldt(!)-Forum und hat einen ganz anderen Zweck als das ursprüngliche Schloss. Innen finden Kulturen und Religionen Platz, außen muss es als Teil und Erweiterung der Museumsinsel neutral sein.
          Das Kreuz war auch nicht immer auf dem Schloss – von wegen historische Wahrheiten und so.. ?

    • Martintre

      Kreuzzüge und Hexenverfolgung sind Erfindungen der Kirche. Sie sind NICHT Bestandteil der Christlichen Lehre! Bitte mal in der Bibel nachschauen, bitte!

      • Marco P.

        An Ihren Taten sollt Ihr sie messen..

  • frittenfred

    Dr Ing Wessel, Ihre angebliche Friedfertigkeit zeigen Sie schon im ersten Satz, in dem Sie Rote und Gruene zu Beschuetzern des Islamismus denunzieren. Eine unfassbar schamlose Aussage, mit der Sie aber netterweise gleich Ihr Niveau preisgeben.
    Ansonsten kann ich zu Ihren pseudowissenschaftlichen Theologisierungen und Historisierungen nur sagen, dass all das hier gar nicht der Punkt ist:
    Der Schlossnachbau ist ein Profanbau und braucht kein Kreuz. Die stadtraeumliche Wirkung entsteht auch ohne Kreuz. Ein wissenschaftliches Symbol wie z.B. das Mikroskop dagegen symbolisiert das, wofuer Berlin eigentlich stehen steht: Offenheit, Ehrgeiz, Sachlichkeit – und Wahrheit.

  • Christian Maximus

    Ich verstehe gar nicht wie man sich derart aufregen kann und dabei aztheken al kaida usw in die Waagschale wirft. Uns ist halt dieser schlossnachbau vergönnt und ein paar Fassaden werden rekonstruiert – Originalgetreu…. wenn auf der Kuppel damals ein Kreuz war, wen juckt es, ob da jetzt wieder ein Kreuz ist. Ok die Wiedervereinigungsbanane vor dem Eingang wäre für meinen Geschmack sicher eher lustig als bewegend aber wenn wir Deutschen gelernt haben mit etwas umzugehen , dann mit Bausünden 😉 Bausünden sind definitiv Teil unserer Geschichte 😉 ich kann damit leben .

  • Oliver Esterl

    Es ist ganz einfach. Es wurde beschlossen, ein Architekturdenkmal zu rekonstruieren, zumindest an drei Außenfassaden, drei Fassaden des Schlüterhofs und mit der historischen Kuppel. So wie auf der Kuppel des Schlosses Charlottenburg die römische Göttin Fortuna wieder aufgestellt wurde (ohne dass wir heute noch dem Fortunakult nachgehen würden), soll im Zuge der Rekonstruktion der Kuppel des Stadtschlosses auch deren historische Gesamterscheinung wieder hergestellt werden – noch dazu aus privaten Spendengeldern. Dazu gehören die Propheten des alten Testaments an der Kuppellaterne wie auch das vergoldete Kreuz oben drauf. Ich wüsste nicht, was an einer historisch und künstlerisch korrekten Rekonstruktion auszusetzen ist. An den Fassaden werden schließlich auch die Widmungen für Friedrich I, König in Preußen, prangen, ohne das damit gleich die Monarchie eingeführt würde. Ich kann nur den Kopf schütteln angesichts eines nicht für möglich gehaltenen Maßes an Borniertheit mancher politischer Zeitgenossen, die ich nur als Kulturbanausen bezeichnen kann. Ich glaube, nicht mal meine muslimischen Freunde hätten etwas an dem Kreuz auszusetzen.

    • frittenfred

      Sehen Sie, Hr Esterl, und hier liegt ein Problem in der Auseinandersetzung: Entgegen Ihrer Aussage schuetteln Sie eben nicht nur den Kopf. Sondern Sie poebeln herum und unterstellen Leuten, die einfach nur andere Ansichten haben, „maszlose Borniertheit“ und beschimpfen sie als „Kulturbanausen“. Auf Argumente, die auch hier gegen eine 100%ig korrekte Rekonstruktion bereits genannt wurden, gehen Sie natuerlich ueberhaupt nicht ein.
      Und dann muessen noch die muslimischen Freunde herhalten, um zu zeigen, dass Sie ja ein ach so offener Mensch sind. Aber wissen Ihre muslimischen Freunde eigentlich, dass Sie sie offenbar fuer weniger tolerant als andere halten? Zitat: „NICHT MAL meine muslimischen Freunde…“.
      Traurig.

      • Oliver Esterl

        Wissen Sie was, Herr Frittenfred, der Sie sich offenbar hinter läppischen Pseudonymen verstecken müssen? Ich finde Ihren Pöbelvorwurf kurios. Es tut mir leid, wenn Sie sich angegriffen fühlen. Ich weiß nicht, ob Sie sich mit Architekturgeschichte im Allgemeinem und diesem Gebäude im Besonderen auseinandergesetzt haben. Mir scheint, das ist nicht der Fall. Aber man muss sich ja auch nicht mit allem auskennen und jeder hat so seine Hobbies. Ich bin davon überzeugt, dass man diese Diskussion in keiner anderen Kulturnation führen würde. Sie ist bizarr und völlig überflüssig. Es geht um ein kulturhistorisch korrekte Rekonstruktion und kein X-beliebiges Museumsgebäude. Niemand käme auf die Idee, einem Museumsneubau, dessen Erscheinungsbild kein historisches Vorbild hat, ein Kreuz aufzusetzen. Das Bildprogramm der Fassade des Schlosses ist aber durchsetzt mit Verklärungen der Hohenzollerndynastie und der Verbundenheit von Staat und Kirche in diesem nicht mehr existenten Staat. Das ist alles Vergangenheit, aber es gehört zu einer kulturhistorisch korrekten Rekonstruktion. Die Schlossrekonstruktion generell abzulehnen, ist Ihr gutes Recht, es wurde aber anders entschieden – für eine Rekonstruktion mit Preußenadlern, Widmungen im Gedenken an die Erbauer – autokratische Herrscher und einer Kuppel mit Propheten, Engeln und Kreuz. In einem Punkt haben sie überhaupt nicht gelesen, was ich geschrieben habe oder verdrehen den Sinn ins Gegenteil. Ich schrieb, dass meine muslimischen Freunde (und meine muslimische Ehefrau genauso) dem Kreuz auf dem Dach des Schlosses unkritischer gegenüberstehen als manche Zeitgenossen, sie mithin also toleranter gegenüber einer Rekonstruktion getreu ihrem historischen Vorbild sind. Was wollen Sie? Wollen Sie auch die Propheten aus dem alten Testament auf der Kuppel durch Micky Maus, Spiderman, den Hulk und Donald Duck ersetzen, weil diese Propheten für die jüdische Religion stehen und nicht über einem Museumsbau prangen dürfen?

        • Oliver Esterl

          @ Herr Frittenfred: Noch eins: Ich bin übrigens Atheist.

    • Marco P.

      Dass tolerante Muslime nichts gegen andere Religionen haben, ist aber jetzt sowas von ner Neuheit – wow! Tolerante Christen haben auch nix gegen eine Moschee, wird vermutet. Aber aufgeklärte Menschen haben etwas gegen klerikale Symbole auf staatlich finanzierten Museen und nein, private Spender haben nicht zu bestimmen, ob und was auf der Kuppel steht. Der Dom ist gegenüber, da gehören Kreuze hin und da sind sie auch.
      Und was Preussenadler und Widmungen für den König, beides Symbole des damaligen STAATES und eben genau nicht der Kirche, damit zu tun haben sollen, wissen wohl auch nur Sie.
      Und ja, wie überall, auch Atheismus schützt vor Torheit nicht..

  • Martintre

    Eine solche offene Gegenüberstellung des ursprünglichen Charakters von Christentum und Islam ist heutzutage leider selten. Wer sich (wie ich) einmal die Mühe macht, das Neue Testament UND den Koran durchzulesen, wird Ihnen nur zustimmen können. Danke, Herr Dr. Wessel.