Geduld, Freude, Gelassenheit und Stolz auf die Aufgabe: Das Ehrenamt

Beinahe ein wenig andächtig stehen sie vor dem Modell des alten Hohenzollernschlosses mitsamt seiner noch intakten Umgebung bei uns in der Humboldt-Box, die Augen erforschen jedes markante Gebäude und tasten förmlich stumm das alte, versunkene Berlin ab.

„Sie“, das sind unsere zahlreichen Gäste, die das Thema „Schlossneubau“ nicht mehr loslässt. Sie kommen in Scharen, täglich. Wir stehen ihnen, auch täglich, gerne mit Auskünften, guter Laune und Informationen zur Seite. „Wir“, das ist eine große Gruppe ehrenamtlicher Mitarbeiter, die, je nach Dienstplan und zeitlich verschieden tätig, geduldig auch zum 270sten Mal ständig wiederkehrende Fragen wie z. B. die der Baukosten, eines Fertigungstermins usw. beantworten werden und natürlich auch die anschließende Glosse über Berlins Flughafen BER gebührend originell finden…

Unser besonderes Vergnügen besteht darin, den interessierten Besucher aus dem historischen Berlin hinweg direkt zum Glaskasten des Neubau-Modells und schließlich zu dessen geplantem Inhalt durch vier Schubkasten-Etagen zu begleiten. Nur so lassen sich Vergangenheit, Gegenwart und vor allen Dingen die Zukunft kontinuierlich und anschaulich darstellen. Die anstehenden Themen können sich dabei ohne Mühe von Steinbrüchen hin zu Bautechnik und Historie, bis zu angedachten Planungen von Kolonnaden, dem Umzug des Neptunbrunnens und einer repräsentativen Lustgartenfassade erstrecken. Das Informationsbedürfnis ist riesig.

In diesem Kontext wird auch seriös die Notwendigkeit weiterer Spendenbereitschaft zur endgültigen Fassadengestaltung angesprochen und stößt vielfach auf offene Ohren und positive Gesprächspartner.

Allerdings: Wir Ehrenamtlichen sind weder Architekten oder gar Historiker, sondern „nur“ engagierte Bürger, die sich jedoch mit Herz und Seele dem Projekt Humboldt Forum/Berliner Schloss verschrieben haben. Und das zu 100 %.
In dem Begriff „Ehrenamt“ verbirgt sich neben dem Amt auch das Wort „Ehre“. So bin ich mir sicher, jeder von uns empfindet für sich auch persönlichen Stolz, dieses einmalige Projekt auf seine Weise begleiten zu dürfen. Und der vertreibt sogar Rückenschmerzen und geschwollene Knöchel.

Von Ulrich Kirschbaum, Berlin


Ulrich Kirschbaum gehört seit Jahren zu unserem Team von ehrenamtlichen Mitarbeitern, die die Ausstellung in der Humboldt-Box betreuen. Seine Zurückhaltung macht diesen Bericht so interessant, denn für das Ehrenamt stehen die Aufgabe und ihre Umsetzung bei den Menschen an erster Stelle. Aus solchem Holz sind unsere ehrenamtlichen Helfer überall geschnitzt!

Manchmal herrscht großer Andrang in unserer Ausstellung in der Humboldt-Box!

„Jede neue Idee durchläuft drei Entwicklungsstufen: In der ersten wird sie belacht, in der zweiten wird sie bekämpft, in der dritten ist sie selbstverständlich.“

Arthur Schopenhauer

Erinnert Sie dies nicht auch an die Wiederaufbaugeschichte des Berliner Schlosses?