„Viola König verlässt das Ethnologische Museum“

26.11.2017   Der Tagesspiegel

 

Nach 17 Jahren als Museumsdirektorin verabschiedet sich Viola König. Ihr Posten wird künftig zwischen Humboldt-Forum und Dahlem gesplittet

Von Nicola Kuhn

„Umpacken, einpacken, verpacken“ ist die am Wochenende eröffnete Ausstellung im Foyer der Dahlemer Museen überschrieben, mit der das Künstlerduo gaehtgens.hirsch den Umzug der außereuropäischer Sammlungen ins Humboldt-Forum filmisch und fotografisch dokumentiert. Der Titel passt auch auf Viola König, denn es ist ihre letzte Ausstellung. Die Direktorin des Ethnologischen Museums hat ebenfalls ihre sieben Sachen gepackt, allerdings geht es für sie nicht mit nach Mitte, sondern in den Ruhestand nach 37 Jahren Museumstätigkeit – zunächst in Hamburg, Köln, Hannover und Bremen, bevor sie 2001 als Chefin des Ethnologischen Museums nach Berlin kam.

Mit Viola König geht eine leidenschaftliche Macherin, das wurde in den Abschiedsreden von Stiftungspräsident Hermann Parzinger, Michael Eissenhauer, dem Generaldirektor der Staatlichen Museen, und Volker Hassemer als Vorsitzendem des Fördervereins deutlich. Nachdem die Altamerikanistin im Bremer Übersee-Museum die neue Dauerausstellung eingerichtet hatte, war sie vor 17 Jahren nach Dahlem geholt worden, um die Ethnologischen Sammlungen auf den Weg für das schon damals geplante Humboldt-Forum zu bringen. Nur verschwand die Idee immer mal wieder in den Schubladen, wie Parzinger in seiner Rede humorvoll zum Besten gab.

In Sachen Provenienzforschung positionierte Viola König sich schon früh

Einfach dürfte das für König nicht gewesen sein: beständig auf Abruf, vom großen Publikum abgehängt, das seit der Wende auf die Museumsinsel strömt. Für das Humboldt-Forum hatte sie sich schließlich mit dem Museum für Asiatische Kunst zu einem gemeinsamen Ausstellungskonzept zusammengerauft, „auf das wir alle stolz sein können“ (König). Bei der kombinierten Ausstellungseröffnung und Abschiedsfeier im Dahlemer Museumsfoyer blieb jedoch unerwähnt, dass viele dieser Vorüberlegungen mit der Berufung Neil McGregors als Gründungsintendanten infrage gestellt wurden. Gut möglich, dass manches davon wiederkehrt. Das habe sich bereits mit ihren frühen Publikationen zur Provenienzforschung erwiesen, so Parzinger. In diesem Sommer avancierte das Thema zum größten Streitpunkt rund um das Humboldt-Forum.

Mit Viola König verabschiedet sich die letzte vollgültige Direktorin des Berliner Ethnologischen Museums. Ihr Job wird künftig aufgeteilt sein zwischen einem stärker wissenschaftlich orientierten Leiter der Sammlungen in Dahlem und einem „Direktor/in für die Sammlungen im Humboldt Forum“, wie es in der Ausschreibung heißt. Ihr Nachfolger in Mitte wird außerdem den Posten des Direktors vom Museum für Asiatische Kunst übernehmen, wenn auch Klaas Ruitenbeek in den Ruhestand gegangen ist. Worin die Aufgaben dieses Direktors genau bestehen, wie viel Autonomie er noch besitzt, ob er selbstständig seine Ausstellungen entwickeln kann oder sich der künftigen Generalintendanz unterzuordnen hat, ist noch nicht geklärt. Die komplizierte Gemengelage der Zuständigkeiten zwischen Bund, Staatlichen Museen, Humboldt Universität und Stadtmuseen lassen Kompetenzgerangel bei der künftigen Programmgestaltung erahnen. Kein Wunder, dass Viola König bei ihrem Abschied vor allem für ihre Doppeltätigkeit gepriesen wurde: als Museumsfrau und Wissenschaftlerin.

Ethnologisches Museum, Lansstr. 8, bis 14. 1.; Sa / So 11–18 Uhr, außerdem am 25. / 26. 12., 11–18 Uhr, 1. 1., 12–18 Uhr.

 

Quelle: Der Tagesspiegel, 26.11.2017