„Schinkels Bauakademie wird wieder aufgebaut“

20.09.2017  Berliner Morgenpost

Von Patrick Goldstein

Die Nationale Bauakademie Berlin soll nahe dem Humboldt Forum wiederentstehen. Der Bau könnte 2020/21 beginnen.

Die Vorschläge reichen von Dauer- bis Wechselausstellung, von Zeit-Wohnungen für Stadtforscher bis zu Veranstaltungsräumen für zahlungskräftige Unternehmen, die sich mit einem prominent gelegenen Show-Room präsentieren wollen: In der Nationalen Bauakademie Berlin, die mit rund 6800 Quadratmetern Nutzfläche nahe dem Humboldt Forum wiederentstehen soll, ist reichlich Platz für Ideen. Die Finanzierung hat der Bund gesichert, sogar ein Baubeginn 2020/21 wurde bereits skizziert. Völlig offen dagegen ist, was hineinkommt. Dies wird vom nächsten Monat an ein sogenannter Programmwettbewerb klären, den Florian Pronold (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium, am Mittwoch vorstellte.

Noch befindet sich an der Stelle eine 2004 errichtete Schaufassade. Das Projekt des Vereins Interna­tionale Bauakademie Berlin e. V. zeigt, wie der markant rote, monumentale Rohziegelbau einst aussah – und im neuen Berlin wirken würde.

Bei einem Bombenangriff 1945 ausgebrannt

Die Bauakademie war nach einem Entwurf des königlich-preußischen Hofbaumeisters Karl Friedrich Schinkel von 1832 bis 1836 auf dem Gelände des ehemaligen Packhofs errichtet worden. Sie vervollständigte an dieser Stelle seine Vision von Berlin, zu der Neue Wache, Altes Museum, Schlossbrücke und Friedrichswerdersche Kirche gehörten. Nach einem Bombenangriff 1945 brannte das Gebäude aus. 1962 wurde es abgerissen. An seiner Stelle stand bis 1996 der zuletzt leerstehende Hochhausriegel des DDR-Außenministeriums. Ende vergangenen Jahres bewilligte der Haushaltausschuss des Bundestags eine Summe von 62 Millionen Euro für den Wiederaufbau.

Seit Februar 2017 fanden unter Leitung der Bundesstiftung Baukultur drei öffentliche Dialogforen statt, in denen jeweils mehr als 200 Teilnehmer diskutierten, mit welchen Inhalten der Bau gefüllt werden kann. Der nun ausgelobte Programmwettbewerb steht unter dem Motto „So viel Schinkel wie möglich“ – und entsprechend betonte Pronold in Bezug auf die Fassade, es werde eine „weitestgehende Rekonstruktion der Hülle“ angestrebt.

Fehler des Humboldt Forums sollen vermieden werden

Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) erklärte: „Schinkels rekonstruierte Akademie darf keine bloße Kopie des Originals werden, sondern muss eine Denk- und Kreativfabrik sein.“ Diese solle Wissenschaft, Kunst, Forschung, Lehre, Theorie und Praxis unter einem Dach zusammenführen. „Mit der Nationalen Bauakademie wollen wir einen Ort schaffen, an dem die verschiedenen Aspekte des nachhaltigen Planens und Bauens und der Stadtentwicklung dargestellt und in einer lebhaften gesellschaftlichen Diskussion weiterentwickelt werden“, sagte Hendricks.

Im Ministerium will man bei der Konzeption der neuen Bauakademie nun dringend Fehler vermeiden, die bei der Planung des Humboldt Forums gemacht wurden. Dass der Bau zukünftig erfolgreich von Kunst, Forschung und Leben erfüllt sein soll, erscheint vielen Beobachtern zwei Jahre vor dem angestrebten Eröffnungstermin fraglich.

Eine am Mittwoch vorgelegte Machbarkeitsstudie der Bundesstiftung Baukultur empfiehlt eine gemischte Nutzung der Akademie. Dabei könnten Angebote für die Öffentlichkeit wie Läden, Show-Rooms und Ausstellungsräume mit weniger öffentlicher Nutzung wie Labors, Werkstätten und Büros kombiniert werden. Neben Vertretungen von Bundesbau- und Außenministerium sind als mögliche Mieter auch die Technische Universität Berlin sowie das Goethe-Institut im Gespräch. Ein Viertel des Baus soll für gewerbliche Nutzung reserviert werden. Damit sollen 50 Prozent der laufenden Kosten gedeckt werden, den Rest werde sein Ministerium tragen, sagte Pronold.

Kein „Gemischtwarenladen“

Angesichts einer so breiten Nutzung hatten Teilnehmer des dritten Dialogforums im Mai gemahnt, aus der Bauakademie keinen „Gemischtwarenladen“ zu machen. Pronold räumte am Mittwoch ein, es brauche eine Handvoll „Leitlinien, die der Bauakademie ihre Erkennbarkeit verleihen“.

Damit räumliche und inhaltliche Ansprüche an das Gebäude berücksichtigt werden, wendet sich der Programmwettbewerb explizit an Teams. Dazu sollen nicht nur Architekten und Ingenieure gehören, sondern auch Veranstaltungs- und Kulturmanager. Die Auslobungsunterlagen stehen ab dem 16. Oktober zur Verfügung. EU-weit ist eine Gesamtsumme von 355.000 Euro ausgeschrieben. Die Preise sind von 17.000 bis 80.000 Euro dotiert und werden von einer internationalen Jury im März 2018 vergeben. Der nächste Schritt ist im gleichen Jahr der Start eines Realisierungswettbewerbs. Die Eröffnung und Inbetriebnahme plant das Ministerium für 2023.

Zu den offenen Fragen zählt jetzt, wer Wettbewerbe, Konzeption und Umsetzung steuern wird. Pronold kündigte daher die Benennung eines „Gründungsbeauftragten“ an. Wie im Fall der drei Gründungsintendanten des Humboldt Forums wird wohl auch der neue Verantwortliche der Bauakademie unter peinlichster öffentlicher Beobachtung stehen. Wer den Job übernimmt, so Florian Pronold, werde sein Ministerium bis zur ersten Sitzung der Jury Mitte November bekannt geben.

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 20.09.2017