„Berliner wollen Einheits-Wippe nicht am Schloss“

28.05.2017   BILD

… aber der Bundestag entscheidet wohl FÜR das 15-Millionen-Projekt

Berlin – Jetzt gibt’s kein Wackeln mehr. Donnerstag gegen 19.40 Uhr soll der Bundestag endgültig den Bau des Einheitsdenkmals („Wippe“) beschließen. Ruckzuck, ohne große Debatte. Das Volk würde das 15-Millionen-Projekt allerdings lieber kippen.

Besonders in der Hauptstadt, wo die 50 Meter breite Schale neben dem Schloss-Neubau errichtet werden soll, ist die Ablehnung des Entwurfs groß!

32 Prozent der Befragten gefiel er gar nicht und 17 Prozent weniger gut (10 Prozent sehr gut), bundesweit lehnten ihn 17 Prozent strikt ab, 16 Prozent gefiel er weniger gut (6 Prozent sehr gut).

► Überhaupt: Am Schloss, zumindest vor den drei Barock-Fassaden, wünschen sich die meisten wieder die Umgebung von anno dunnemals. Ein Comeback der Kolonnaden hat in Berlin 58 Prozent Anhänger (bundesweit 43 Prozent) – im Vergleich dazu befürworten die moderne Version mit Wippe in der Hauptstadt lediglich 18 Prozent Fans (bundesweit 43 Prozent).

„Dieses Ergebnis konterkariert den bevorstehenden Parlamentsbeschluss zugunsten der Wippe“, sagt Wilhelm von Boddien (75). Sein Förderverein „Berliner Schloss“ hat die Umfrage bei Infratest Dimap im April/Mai in Auftrag gegeben – die Ergebnisse werden Montagmorgen alle Bundestags-Mitglieder und Berliner Abgeordnete in ihrem Postfach haben.

Schwarz auf weiß können sie dann auch nachlesen:

► 47 Prozent der Berliner (49 Prozent bundesweit) sind für eine Rückkehr des Neptun-Brunnes vom Fernsehturm wieder auf den Schlossplatz – nur 37 Prozent wollen den jetzigen Standort.

► 51 Prozent der Berliner wollen auch die Rückkehr der sogenannten Rossebändiger (44 Prozent bundesweit) – die Skulpturen wurden 1945 in den Kleistpark (Schöneberg) versetzt.

Boddien: „Beim Bau des Denkmals, das vor allem der Freiheitsbewegung in der DDR gewidmet ist, sollte man sich die wichtigsten Ereignisse des Jahres 1989 vor Augen halten: die Besetzung der Prager Botschaft durch Tausende von Flüchtlingen, die Montags-Gebete und Demos in Leipzig, die tief bewegten Ostberliner in der Nacht zu 9.November – all diesem wird das abstrakte Denkmal der Wippe nicht gerecht.“

► Nicht verschaukeln lassen will sich auch das Bürgerforum Berlin. Vereins-Vize Benedict Goebel (48, Historiker): „Der für acht Millionen Euro sanierte Sockel des Kaiser-Wilhelm-Denkmals soll für die Wippe von Betonpfählen durchbohrt werden – abenteuerlich!“
Das Areal solle im Hinblick auf den künftigen Touristenansturm lieber frei bleiben. Die Forderung: Für die Abstimmung am Donnerstag im Bundesrat möge der Ältestenrat den Fraktionszwang aufheben. Bei einer namentlichen Abstimmung wird protokolliert, wie jeder Abgeordnete gestimmt hat.

 

Quelle: BILD, 28.05.2017

 

 

 

  • Magnus Åhs

    Der Bundestag muss dien Willen der Einwohner in Berlin und Detschland folgen. Die beste Optionen für der Wippe sind entlang die alte Grenze Ost/West, und nicht am Schloss. Vor dem Schloss gibt es schon ein alte Sockel mit Platz für die Kollonaden, Sie war beschlossen von dem Bundestag mit Geld und Alles. Die Kollonaden erinnert ja die erste Einigung des heutige Deutschlands. Wollen man nicht die Kollonaden bauen, kann der für Millionen Euro sanierte Sockel sein wie es ist, bis eine spätere Entscheidung getroffen. Der historische Sockel ist selbst ein Denkmal für die Einigung 1871.

  • Reiner A. Hampusch

    Es wird so aussehen: Fünfzehn Abgeordnete von fünfhundertachtundneunzig verschiedener Fraktionen sitzen gelangweilt in ihren Sitzen, heben ebenso gelangweilt die Hände und fertig. Fünfzehn Millionen untergebracht, mit der Tendenz zu zwanzig oder mehr, je nachdem der Bauklüngel für sich abzweigen möchte. BER lässt grüßen.

  • Paul Horst Tribbels

    ..dann könnten wir nur hoffen,daß die Abgeordneten des Bundestages so informiert sind,nicht gegen den Bürgerwillen und nur den Wünschen des Herrn Thierse entsprechen!

  • Reiner A. Hampusch

    Und sie haben es getan.