„Zoff um Kreuz auf Berliner Stadtschloss“

20.05.2017  FOCUS

Seit etwa acht Jahren wird in Berlin das Stadtschloss wiedererrichtet. Im Jahr 2019 das Bauvorhaben fertiggestellt sein. Doch nun ist eine hitzige Debatte über das Kreuz entbrannt, das bald die Kuppel des Gebäudes zieren soll.

Das Berliner Stadtschloss ist eines von Deutschlands berühmtesten Bauvorhaben. Das Gebäude soll 2019 fertig werden. Die rund 70 Meter hohe Kuppel ist bereits weithin sichtbar. Darauf soll demnächst ein Kreuz angebracht werden. Doch darüber ist nun eine heftige Diskussion entbrannt.

Die „Stiftung Zukunft Berlin“ hatte mitgeteilt, aus ihrer Sicht gefährde das geplante Kreuz den Dialog der Kulturen und Religionen. Unterstützung erhält die Stiftung von Grünen und Linkspartei. So sagte die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Sigrid Hupach, der „Welt“: „Die Bundesregierung beteuert immer, das Humboldt-Forum solle ein Museum neuen Typs für die gesamte Weltgemeinschaft werden. Es soll ein öffentliches Gebäude sein, in das sich alle eingeladen fühlen. Aber wie soll ein solcher offener Dialog der Kulturen gelingen, wenn oben auf der Kuppel ein Kreuz schon die Richtung vorgibt? Eine solche Hierarchisierung der Kulturen und Religionen halte ich für absurd.“

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) dagegen hat das geplante vergoldete Kreuz auf der Kuppel des neuen Berliner Stadtschlosses gegen Kritik verteidigt. „Unsere Kultur der Offenheit, Freiheit und Barmherzigkeit hat ihre Wurzeln in unserem christlichen Menschenbild“, sagte Grütters der „Welt“.

Das Schloss war das dominierende Bauwerk in der historischen Mitte Berlins. Die DDR ließ das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Gebäude abreißen und errichtete dort den Palast der Republik. Der wiederum wurde bis 2009 abgerissen. Seit 2013 wird an ursprünglicher Stelle ein Neubau des Schlosses errichtet.

 

Quelle: FOCUS, 20.05.2017