„Berlin will keine schwäbischen Spender“

14.03.2017   Schwäbsiche Zeitung

 

Von Sabine Lennartz

Till Casper, der schwäbische Unternehmer aus Remchingen, versteht die Berliner nicht. Als Kuratoriumsmitglied des Berliner Schlosses hatte er eine Idee, wie dem Schlossbau Unter den Linden weitere Millionen zufließen könnten: Indem Unternehmer aus dem Land spenden und im Schloss ein „Baden-Württemberg-Saal“ entsteht. Da sollte eine Bronzetafel die größten Spender nennen, weitere Spendentafeln die mittelgroßen und kleineren Spenden. Doch daraus wird nichts. Berlin lehnt ab. „Spende fürs Schlössle? Nein, danke“ titelte der „Tagesspiegel“.

„Eigentlich wurde im Kuratorium immer gefrotzelt, Ihr seid doch reich“, berichtet Casper. So sei ihm auch die Idee zum Spendensammeln gekommen, und als ehemaliger Präsident der Industrie- und Handelskammer Baden-Württemberg hat Casper die besten Verbindungen zu Geschäftsleuten und Politik. Er fragte Bekannte und Freunde, ob sie bereit wären, mitzumachen und traf auf viel Unterstützung. Rund fünf Millionen wollten die Schwaben beisteuern.

Appetit verdorben

Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann konnte sich für Caspers Idee eines Baden-Württemberg-Saales im Schloss begeistern und hatte deshalb vor einer Woche im Stuttgarter Staatsministerium zu einem Fundraising-Dinner eingeladen. Hier wollte er zusammen mit dem Intendanten des Humboldt-Forums, Neil MacGregor, bei den rund 45 angesprochenen Unternehmern Spenden einwerben. Doch es kam nicht zum Dinner, denn es konnte im Vorfeld keine Klarheit geschaffen werden, dass das Schloss einen Baden-Württemberg-Saal erhalten soll. „Unter diesen Umständen wäre es unredlich gewesen, die Sponsoren zusammenzurufen“, sagt der Stuttgarter Regierungssprecher.

Am gleichen Tag traf sich in Berlin der Stiftungsrat, und da gab es weiter Differenzen über die angepeilten Millionen aus dem Land, genauer gesagt, über die Benennung eines Saales nach dem Land. Die Berliner boten zwar an, gleich abends in Stuttgart Bescheid zu sagen, wie entschieden worden sei. „Ein Treppenwitz“, meint Casper. Denn das wäre dann wohl allen Spendern nachträglich auf den Magen geschlagen. Schließlich fand der Vorschlag, einen Baden-Württemberg-Saal einzurichten, keine Mehrheit.

Treibende Kraft der Ablehnung ist das Berliner Staatsministerium für Kultur unter Leitung von Monika Grütters (CDU), das der Meinung ist, man lasse sich von Sponsoren nicht die Namensnennung der Schlossräume vorschreiben. Die Hervorhebung eines Bundeslandes passe nicht „zum weltoffenen Charakter“ des Hauses.

Als weltoffen gelten die Schwaben in Berlin nicht, wohl aber als reich. So ärgern sich einige in der Hauptstadt über die vielen Eigentumswohnungen in Stuttgarter Besitz und über Schwaben, die in Berlin Weckle kaufen wollen statt es bei Schrippen zu belassen. Einer, der sich stets gegen zu viel schwäbische Gentrifizierung gewehrt hat, ist Wolfgang Thierse (SPD), der frühere Bundestagspräsident. Doch diesmal versteht auch Thierse die Berliner, genauer gesagt, die Kulturstaatssekretärin Monika Grütters (CDU) nicht mehr. „Es kann doch nicht sein, dass Spenden abgelehnt werden und die Steuerzahler am Ende einspringen“, sagt Thierse. Außerdem müsse doch gelten: „Spender behandelt man freundlich.“

Thierse, Mitglied des Stiftungsrats des Berliner Schlosses, hält die Abfuhr für die Schwaben für einen „groben Fehler“. Und er hofft, dass die Spender aus dem Süden jetzt nicht abspringen, sondern zu weiteren Gesprächen bereit sind. Zehn bis zwölf Räume im Schloss sollen einen Namen erhalten. Auf die Frage, ob er persönlich sich denn einen Baden-Württemberg-Saal vorstellen kann, sagt Wolfgang Thierse: „Ich neige zur Großzügigkeit, schließlich ist Deutschland ein föderales Land.“ Die Einwände im Sitftungsrat, dass es ja 16 Bundesländer gebe und damit nicht jedes Land einen Saal nach sich benennen könne, hält er für wenig stichhaltig. Schließlich wollen ja nicht alle Länder spenden.

Das Schloss mit der Nutzung als Humboldtforum soll 2019 fertiggestellt werden. Und es sieht bislang auch danach aus, dass es mit der Eröffnung klappt. Neben den rund 600Millionen des Bundes sammelt der Förderverein Berliner Schloss seit 25 Jahren Geld für die barocken Schlossfassaden. Von den benötigten 105 Millionen Euro hat der Verein nach eigenen Angaben inzwischen 66 Millionen beisammen.

Auch wenn Wolfgang Thierse hofft, dass für die schwäbischen Spender noch eine Lösung gefunden werden kann, ist Unternehmer Till Casper erst einmal enttäuscht, „typisch Berlin“ ist für ihn die Absage. Ganz aufgegeben hat aber auch Casper noch nicht. Sollte sich die Stimmung doch noch anders entwickeln, könne man ja erneut nachdenken.

 

Quelle: Schwäbische Zeitung, 14.03.2017