„Vom Berliner Schloss zum ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR“

26.02.2017   Berliner Morgenpost

 

Berlin früher und heute: Kaum eine Stadt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so rasant verändert wie Berlin. Im Fotovergleich zeigen wir historische Fotos aus der Hauptstadt – und besuchen die Orte heute noch einmal.

Von Isabell Jürgens

Auch das Schlossportal IV wird es in Berlins historischer Mitte künftig gleich zwei Mal in der Stadt geben – und das nur wenige Meter voneinander entfernt. Denn das 1706 und 1713 von Johann Friedrich Eosander von Göthe errichtete Portal auf der Lustgartenseite des Berliner Schlosses wird derzeit originalgetreu an der Schlossfassade rekonstruiert.

Dabei steht das alte Portal quasi gleich „um die Ecke“. Es entging 1950 der Sprengung, weil von seinem Balkon aus Karl Liebknecht am 9. November 1918 die „Sozialistische Republik“ ausgerufen hatte. Das reichte, um von der DDR-Regierung gerettet und in das 1962 bis 1964 errichtete Staatsratsgebäude integriert zu werden.

Das von einer Wappenkartusche bekrönte Balkonfenster trägt seitdem allerdings nicht mehr das preußische Adlerwappen und darüber die Königskrone, sondern die Jahreszahlen „1713“ und „1963“. Schlossförderer Wilhelm von Boddien, verweist stets darauf, dass auch das, was die DDR-Regierung einbauen ließ, mit dem Original schon nicht mehr viel zu tun hatte. Denn das war bei der Belagerung des Schlosses 1918 und später in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt worden.

Auch sei nicht sicher, ob Liebknecht tatsächlich von diesem Portal aus die Republik verkündete, entsprechendes Fotomaterial gäbe es nicht. Heute ist das im Stil der DDR-Moderne errichtete Gebäude mit seinem imposanten Portal Sitz der European School of Management and Technology (ESMT).

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 26.02.2017