„Denkmal-Wippe am Schloss – Bald wackelt die Einheit wieder“

14.02.2017    Berliner Kurier

 

Von Mike Wilms

Die Revolution von 1989 war eine Sternstunde – unsere Sternstunde! Stasi und Mauer verschwanden, Ost und West wurden 1990 auch staatlich vereint. Damals entstand die Idee, den Kampf mit einem „Freiheits- und Einheitsdenkmal“ zu würdigen.

Aber beides erwies sich als holprig: Das Miteinander der Deutschen und die Denkmal-Debatte. Völlig überraschend wird es jetzt doch gebaut – in Form einer Wippe. Ist das alles, was von 1989 übrig bleibt?

Die Wippe als Gleichnis: Am Ende eines beispiellosen Hin und Her verständigte sich die GroKo darauf, das Denkmal zu errichten. Dabei hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags erst 2016 die Mittel für das Projekt gestoppt – wegen einer absehbaren Kostensteigerung von 10 auf 15 Millionen Euro.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann verkündete jetzt, die Baugenehmigung sei erteilt. Nun müsse noch rasch die Finanzierung abgenickt werden.

Das Denkmal in Form einer begehbaren Waage soll neben dem künftigen Berliner Schloss entstehen. Hintergedanke: Die riesige Wippe kommt in Bewegung, wenn viele Besucher sie gemeinsam betreten. So wie 1989 die DDR-Opposition und letztlich die ganze deutsche Geschichte in Bewegung kamen.

Ein großer Fan der Pläne ist Berlins CDU-Chefin Monika Grütters. Sie hatte die Wippe zuletzt gegen die Idee verteidigt, statt des Denkmals die historischen Kolonnaden wieder aufzubauen.

Das ehrgeizige Ziel ist es jetzt, das Denkmal zum 30. Jahrestag der Revolution 2019 zu eröffnen. Ob das klappt? Man bedenke: Bereits 1998 forderten Promis in einem offenen Brief, zum 10. Jahrestag ein Einheitsdenkmal zu errichten. Und dass der Bundestag die Pläne prinzipiell durchwinkte, ist auch schon fast zehn Jahre her.

Etwas süffisant könnte man sagen, es sei wie den „blühenden Landschaften“, die Helmut Kohl (CDU) einst versprach: Der Osten wartet noch immer darauf. Brauchen und wollen wir ein Einheitsdenkmal? Ist die Wippe wirklich das richtige Symbol? Martin Dörmann, (SPD) nannte die Entscheidung gestern ein „klares Bekenntnis zu den Leistungen der ostdeutschen Bürger“.

 

Quelle: Berliner Kurier, 14.02.2017

 

 

  • Reiner A. Hampusch

    Dann möchten doch, bitte, die ostdeutschen Bürger darüber entscheiden! Aber wer trifft die Entscheidung? Kein weiterer Kommentar.

  • Paul Horst Tribbels

    Vüllig überflüssig