„Im Sommer wird die Barockfassade enthüllt“

12.01.2017   Berliner Zeitung

 

Alt und neu: In Berlins Mitte nehmen die Barockfassaden des Schlosses Konturen an – allerdings noch verborgen hinter Baugerüsten

Von Ulrich Paul

Bagger rollen, Kräne drehen sich, laute Schläge auf Metall ertönen. Auf der Baustelle für das neue Berliner Schloss gehen die Arbeiten trotz Kälte weiter. „Wir sind im Zeitplan, 2019 werden wir fertig sein“, sagt Hans-Dieter Hegner, Vorstandsmitglied der Stiftung Berliner Schloss im Humboldt Forum, die den Bau managt. Er führt an diesem Tag über die Baustelle.

Von den Fassaden ist noch wenig zu sehen. Baugerüste verstellen den Blick. Nur am Ostflügel sind sie abgebaut. Es ist die Seite, die nach dem preisgekrönten Entwurf Franco Stellas in moderner Architektur gestaltet wurde. Noch in diesem Jahr sollen sich die Berliner aber die erste rekonstruierte Barockfassade ansehen können. „Wir wollen im Sommer die Fassade zur Lustgartenseite abrüsten und dem Publikum präsentieren – fertig geputzt und gemalert“, sagt Hegner. Außerdem wird die Kuppel über dem Portal III mit Kupfer eingedeckt.

Die meisten der mehr als 1000 Fenster des Schlosses sind bereits eingesetzt. Das Material der historischen Rahmen: Europäische Weißeiche, die ist besonders robust. Im Gebäude hat der Innenausbau begonnen. Be- und Entlüftungsrohre verschwinden in Fußböden und hinter abgedeckten Decken. Im Schlossforum, dem Durchgang zwischen Breite Straße und Lustgarten, zieren natursteinfarbene Säulen in moderner Architektur die Fassade. Daneben liegt das überdachte Foyer. „Hier befinden sich später die Kassen und Info-Stände“, sagt Hegner. „Außerdem wird es einen riesigen Medienturm geben, der über die Veranstaltungen informiert.“

Alle geeigneten Überreste des Schlosses werden eingebaut

Im Portal IV zur Lustgartenseite wurde der Grundstein eingemauert. Er trägt als Inschrift zwei Zahlen: 1443 und 2013. Die Daten für die Grundsteinlegung des kurfürstlichen Schlosses und für den Wiederaufbau des Schlosses als Humboldt Forum. Daneben ist ein Stein aus dem 1950 gesprengten Schloss eingebaut worden. Er trägt noch die rote Markierung aus Ölfarbe, die die Sprengmeister aufmalten. „Viele Überreste des alten Schlosses gibt es nicht mehr, aber alle, die geeignet sind, bauen wir ein“, sagt Hegner.

An die Geschichte wird an verschiedenen Stellen erinnert. Zum Beispiel in einem 360 Quadratmeter großen „Zeitraum“ im Erdgeschoss. Hier sollen die Besucher alles vom Bau des Schlosses über die Revolution von 1848 bis zur Novemberrevolution 1918 erfahren. Und selbstverständlich soll auch an den Palast der Republik erinnert werden. Wie genau, wird noch diskutiert. Denkbar ist, dass einige der erhaltenen Bilder gezeigt werden, sagt Hegner. Etwa „Wenn Kommunisten träumen“ von Walter Womacka.

 

Quelle: Berliner Zeitung, 12.01.2017

 

 

  • Spender aus der Provinz

    Wieder wird 1871 bewusst ausgelassen, aber an die Revolution 1848, die Novemberrevolution 1918 und an den_Palast  der DDR  erinnert. Fehlt noch die Befreiung 1945!

  • Philipp Alexander Wünschel

    ein tolles Projekt!

  • Michael Ruth

    ….dennoch vermisse ich die flankierenden beiden Uhren-Kuppelchen…um ein stimmiges Bild zu erzielen……

  • Stefan Dieth

    Gibt es ein Datum, wann die Barockfassade enthüllt wird? Ich bin Ende Juni/Anfang Juli urlaubsmäßig in Berlin. Bin gespannt, ob das Gerüst noch steht? Übrigens ein gewaltiges Projekt! Ich war gerade in Berlin, als der Bau begann. Faszinierend, dass heute so viel nachkonstruiert wird. Ich denke an die Frankfurter Altstadt, die rekonstruiert wird. Oder bei uns in Österreich der Salzburger Hauptbahnhof, wo die Original Stahlhalle aus dem 19. Jahrhundert rekonstruiert wurde.

  • Amir Hadscho

    Ronald,
    Im Sommer ist es soweit!

  • Henry Schubert-Ochs

    Ich freue mich drauf.

  • Andreas Foos

    Da haben sich ein paar geniale Handwerker und Künstler ausgetobt! Mal was anderes als Glas-Beton -stahl

  • UweKaden

    Spender aus der Provinz Ja, ist ein Witz, der Lampenladen war gerade mal 15 Jahre in Betrieb. Jede Aldi-Filiale weist mehr Kontinuität auf. Und noch immer schämen sich scheinbar sehr viele über das erste deutsche Wirtschaftswunder zur Kaiserzeit nach 1871. Stolz sollten wir eigentlich über das damals Erreichte sein. Ach ja, den alten Hegemonialmächten passte es nicht…

  • Paul Horst Tribbels

    Trotz Aller Unkenrufe,freuen wir uns dann doch SEHR….

  • Rolf Dieter Budde

    Dominik Budde, dass müssen wir uns auf jeden Fall angucken

  • Ronald Steinborn

    Amir wir müssen dann gleich mal dort hin.

  • Annika Franke

    Wahnsinn, so schnell! Da kann der Bauherr vom Flu-ch-hafen sich mehr als nur eine Scheibe abschneiden…

  • Marcel Oertel

    Aber nur die Seite zum Lustgarten hin! 😉 Spiele ja ungern die Spaßbremse ;-P