„Das Berliner Schloss prägte als Herrschaftssymbol die Stadt“

23.11.2016    Berliner Zeitung

Von Nikolaus Bernau

Ein Bohrer kreischt, auf dem Boden liegen Schaumstofffolien, aus denen die Ausstellungsmacher kurz zuvor Gemälde gewickelt haben. Zwei Tage vor der Eröffnung der Schau „Schloss.Stadt.Berlin“ fragen wir den Kurator Peter Schwirkmann nach deren Entstehungsgeschichte.

Herr Schwirkmann, Sie verzichten auf den häufig benutzten Begriff „Stadtschloss“ im Zusammenhang mit dem Berliner Schloss. Warum?

Weil der historisch einzig angemessene Name Berliner Schloss ist. Der Begriff Stadtschloss verweist lediglich auf ein Schloss in der Mitte, insofern liegt auch darin eine Wahrheit, aber es gab in Berlin eben nur dieses eine, das Berliner Schloss.

In jüngster Zeit wird der Begriff vor allem ideologisch verwandt, um künstlich eine Nähe zwischen Schloss und Stadt herzustellen. Die hat es doch nie gegeben, oder?

Wenn man auf die Bürger und die Stadt auf der einen und den König und sein Schloss auf der anderen Seite blickt, ist das Verhältnis sogar eher antithetisch gewesen.

Das Schloss als Herrschaftssymbol.

So ungefähr. Das nahm seinen Anfang mit dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der, geprägt von den Erfahrungen aus dem Dreißigjährigen Krieg, die Stadt von einem Kommandanten regieren und Berlin zur Festung ausbauen ließ. Das ist schön an dem Stadtmodell zu sehen, das Berlin um 1688 zeigt. Die Bürgerschaft spielte allenfalls noch eine Nebenrolle. Das tragische Moment war, dass die Festung, kaum war sie fertiggestellt, von dem Fortschritt der Militärtechnik überholt war und auch dem Wachstum der Stadt im Wege stand.

Wie schnell wuchs Berlin?

Im Jahr 1650 lebten 6000 Menschen in der Stadt, dreißig Jahre später waren es 20000 und um 1800 bereits 170000.

Woher kamen die Menschen?

Das waren Zugewanderte aus deutschen Landen, aus Böhmen und Hugenotten aus Frankreich. 1671 wurde auch wieder eine jüdische Gemeinde gegründet. Allein fünfzig Familien kamen aus Wien, wo sie vertrieben wurden. Das waren reiche Leute, sogenannte Hofjuden, die ein Vermögen von 5 000 Talern nachweisen mussten, bevor sie sich niederlassen durften.

In dieser Zeit wurde das Renaissance-Schloss auf ein vielfach größeres Barock-Schloss erweitert. Mehr Volk, mehr Quadratmeter?

Vor allem ging es Friedrich I., dem Sohn des Großen Kurfürsten, um Repräsentation. Er hatte sich 1701 selbst gekrönt und durfte sich fortan König in Preußen nennen. Da brauchte er eine entsprechende Hofhaltung, um in der Konkurrenz der europäischen Königshäuser mithalten zu können.

Die Ausstellung nimmt die Sicht der Herrschenden ein, einfache Berliner sind kaum vertreten.

In Bildern und Kunstgegenständen wird stets die Hochkultur überliefert. Im alten Festungsgraben aber fanden Archäologen zum Beispiel Scherben oder Tonpfeifen, die wir auch zeigen. Das Rauchen war weit verbreitet unter einfachen Leuten, nicht zuletzt, um das Hungergefühl zu vertreiben.

Aber was für eine Bedeutung hatte das Schloss konkret für Berlin?

Das Schloss war der größte Arbeitgeber der Stadt und beschäftigte bis zu 800 Menschen, vom Bürger in der Verwaltung bis hin zur Waschfrau. Es war ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und der Hof war der wichtigste Auftraggeber für die Luxuswarenindustrie: Silberschmiede, Schneider oder Glasbläser. Die merkantilistische Wirtschaftspolitik aber, die auf Abschottung setzte, geriet schnell an ihre Grenzen. Am Ende des 18. Jahrhunderts, am Ende der Herrschaft von Friedrich II., ging nichts mehr voran.

Sie sind auch am Berlinauftritt im Humboldt Forum beteiligt. Ist dies der erste Schaulauf?

Nein, aber es gibt durchaus Themen, die auch im Humboldt Forum eine Rolle spielen werden, wie etwa die Folgen von Zuwanderung.

 

Quelle: Berliner Zeitung, 23.11.2016

 

 

  • Peter Croft

    Looking good! A lot done since we saw it in July, well done!

  • Rene Krammer

    The work is moving forward.

  • Michael Ruth

    nun ja…BZ und Herr Schwirkmann, dieser Erguss ist wahrlich ein bissl dünne…….