„Das Schloss ist bald fertig. Wie soll seine Umgebung aussehen?“

03.10.2016  B.Z. Berlin

In der September-Ausgabe der Schloss-Zeitung („Berliner Extrablatt“) fragt der unermüdliche Wilhelm von Boddien noch einmal, wie denn die Umgebung des Stadtschlosses aussehen soll, wenn es schließlich fertig ist.

Von Gunnar Schupelius

Die Debatte ist bekannt. Der Senat in Gestalt von Baudirektorin Regula Lüscher lehnt eine Rekonstruktion vehement ab. Das Schloss soll mit seinen Fassaden, die originalgetreu wiederaufgebaut werden, auf einer kahlen, gepflasterten Fläche stehen. Wie wird das aussehen?

Ursprünglich war die Umgebung des Schlosses aufwendig und künstlerisch durchdacht gestaltet. Das Gebäude war umringt von Figuren und Denkmälern, zum Beispiel von den berühmten Rossebändigern, den Oranierfürsten, der Lustgartenterrasse oder dem Neptunbrunnen. Diese alle ließen sich mühelos wieder an ihren Platz stellen.

Für den Neptunbrunnen gab der Deutsche Bundestag bereits vor knapp einem Jahr genügend Geld frei, damit er gründlich repariert und dann an seinem ursprünglichen Platz wieder aufgestellt werden könnte. Dieser Ort befindet sich auf der Südseite, dort, wo die Breite Straße auf das Schloss zuläuft.

Der Berliner Senat will dieses Geld für den Neptunbrunnen aber nicht annehmen. Denn der Brunnen soll an seinem provisorischen Platz verbleiben, dort vor dem Roten Rathaus, an den man ihn nach dem Abriss des Schlosses gestellt hat.

Wir mögen uns daran gewöhnt haben, dass der Neptunbrunnen da mitten auf der öden Fläche steht. Man gewöhnt sich an alles. Wenn er aber wieder vor dem neu entstandenen Platz stünde, würden wir sicherlich zustimmen, dass er dorthin viel besser passt.

Kern des Problems ist der Berliner Bausenat, der nicht bereit ist, dem Schloss eine rekonstruierte Umgebung zu gewähren, selbst aber auch keine überzeugende Alternative zu bieten hat. Das war schon unter der Bausenatorin Junge-Reyer (SPD) so und änderte sich nicht unter ihren Nachfolgern Michael Müller (SPD) und Andreas Geisel (SPD).

Am Wiederaufbau des Stadtschlosses scheiden sich die Geister. Die einen halten das Projekt für verfehlt, die anderen sehen darin eine Heilung der größten Wunde, die die DDR-Regierung dem Zentrum der Stadt zugefügt hat.

Wie auch immer man den Wiederaufbau beurteilt, eines ist sicher: Die kunstvoll errichteten Fassaden brauchen eine würdige Umgebung. Auf einer kahlen Fläche kommen sie nicht zur Wirkung.

Wer A sagt, muss auch B sagen. Der Bundestag hat A gesagt und den Wiederaufbau finanziert. Alles läuft wie am Schnürchen. Ebenfalls A gesagt haben die vielen Bürger, die bisher insgesamt schon 61 Millionen Euro für die Fassade gespendet haben.

B sagen müsste jetzt der Berliner Bausenat. Der hatte nichts Besseres zu tun, als zehn Millionen Euro für den Neptunbrunnen abzulehnen.

Schade! Da wird die Chance gar nicht ergriffen, die Museumsinsel um das Schloss zu erweitern. Da fehlt jede eigene Idee und jeder Sinn für dieses Jahrhundertprojekt.

 

Quelle: B.Z. Berlin, 03.10.2016

 

 

  • Wiederaufbau Berliner Schloss

    Sie können das Berliner Extrablatt jetzt digital lesen oder alle aktuellen Ausgaben auch in gedruckter Form kostenlos anfordern: http://berliner-schloss.de/aktuelle-infos/berliner-extrablatt/

  • Ulrich Zimmermann

    Es wird noch ein heftiger Kampf!

  • Harald Schukraft

    Etwas anderes als die Rückführung von Brunnen und Skulpturen kann nicht infrage kommen!

  • Thorsten Weiland

    Natürlich müssen die anderen, noch vorhandenen Dinge auch wieder zurückgesetzt werden….Die moderne Fassade auf der einen Seite ist schon schlimm genug. Man kann so ein Schloss mit dieser liebevoll gestalteten Fassade nicht auf einen seelenlosen Platz stellen. Zumal ja „Gott sei Dank“ einige schöne Dinge von Früher erhalten sind (Brunnen u.s.w.) Man hängt einen Rembrandt auch nicht in die Garage.

  • Joachim Ferrang

    Welche unverbesserliche Kulturbanausen es doch gibt. Diese Verhinderer, die womöglich noch nicht einmal selber daran glauben, was sie da von sich geben.

  • Hans-georg Freyther

    Es sollte jedem klar sein das alles wieder so hergestellt werden soll wie es war. Nur den SPD regierten Berlin nicht. Die machen nir mist siehe flughafen. Die Wiederherstellung ist eine Bereicherung für berlin und ganz Deutschland

  • Hans-georg Freyther

    Der überflüssige Streit kostet nur Geld und Zeit. Es gibt kein für und wieder wenn ich etwas Wiederherstelle dann alles und nicht nach 80% aufhören

  • David Zuckerman

    Die SPD denkt, wenn wir alles wieder historisch aufbauen, zieht am Ende der Kaiser wieder ein. Liebe SPD, das macht der eines Tages sowieso, so wie ihr euch benehmt.

  • Michael Ruth

    puuh…dieser Artikel ist absolut stringent ausformuliert….und, ehrlich gesagt, kann ich keine noch so arg wissentschaftlich fundierte Ablehnung bzw. Verwässerung akzeptieren…

  • Klaus Burger

    Die Umgebung des Schlosses muss nach historischer Vorgabe wieder hergestellt werden.Nur so wird Berlin sein altes und gewachsenes Gesicht wieder bekommen !

  • Michael Friedrich

    Komisch das sich hier größtenteils nur nicht Berliner zu Wort melden. Ich bin dafür das er da bleibt wo er ist! Ansonsten wäre doch cool auch die Mauer wieder aufzubauen. 😂

  • Marcel Oertel

    Da es ein vom Bund und nicht dem Land Berlin getragenes Projekt ist, und auch ansonsten Privat aus aller Welt finanziert wird, dürfen sich selbstverständlich auch nicht Berliner hier zu Wort melden.
    Der Mauervergleich ist so ziemlich Äpfel und Birnen.

  • Michael Friedrich

    Stimmt das Projekt heißt Schloss und nicht Neptunbrunnen, Kolonaden oder sonstiges! Was unmittelbar das Schloss betrifft können Sie gerne Tun. Aber hier geht’s um den Neptunbrunnen und ich finde das hat so rein garnichts damit zu tun! Lebt ihr hier? Wart ihr bei den Sitzungen worum es um die Umgestaltung des Alex ging? Ich denke ja wohl nicht!

  • Jens-Olaf Griese-Bandelow

    Welche nachvollziehbare Begründung geben die zuständigen Politiker für ihr mir unverständliches Verhalten?

  • Marcel Oertel

    Stimmt, und wenn dort stehen bleiben soll und das begründet ist, dann ist das so. Der Platz drum herum gehört zwar diskutiert aber hat erstmal nichts mit den schloss zu tun. Aber es ist dennoch schade das der Senat auch das Geld für die dringend benötigte Sanierung ablehnt. Geld welches die Stadt an anderer Stelle sparen könnte. Und das ist schon schade. Außerdem sollten schon Alternativen vorliegen wenn man etwas ablehnt. Und ehrlich, mehr grün schadet keiner Großstadt. Darf auch gern modern sein.

  • Paul Horst Tribbels

    Das Schloß und seine Umgebung ist ein Deutsches Unternehmen bzw.ein Europäisches.Was FrauLüscher und die SPD sonst noch in Berlin in Angriff nehmen sollten,ergibt sich auch aus der Chaos -Verwaltung in dem immer noch Provinziell regierten Berlin.Wenn der Bundestag schon Gelder freigibt,dann sollte sich Berlin auf seine sozialen Probleme zurückziehen .

  • Marion Hirte

    Wie auch immer es letztendlich aussehen wird, bitte keinen betonierten Platz, sondern grün, Zeit zu verweilen. Die Mitte ist bereits zugekleistert genug!

  • Theodor Hoppenstedt

    Graffitifrei und ein bisschen gepflegter als z.B. die Bahnhofsgegend von Frankfurt am Main. Wäre nett.

  • Rodrigo Horn da Silva

    Die über 60 Millionen Spenden sind ein ganz klares Statement und muss die Politiker in die Verantwortung nehmen die Dinge an ihren angestammten Platz zurückzuführen, alles andere ist absurd!!!

  • Marcel Wolfgangson

    Die linke Regierung in Berlin konnte Erichs Lampenladen nicht retten, sie konnte das Schloss nicht verhindern – jetzt will sie dem Symbol des preussischen Militarismus wenigstens das verdiente und rechtmäßige Umfeld versauen! Einen wirklich konkreten Grund gibt es nämlich nicht!!!
    PS: Ich bin Berliner! 😉

  • Peter Weisbrich

    So, wie et mal war – muß doch wohl möglich sein ! Für jede Bausünde war doch in Stadtmitte Geld da ! Warum denn nu uff eenmal nich ?

  • Hans-Joachim Langer

    Bin auch für die alte Version. Die Figuren glaube fristen irgendwo in Berlin in einer Nische ihr dasein. Warum kann man als Baudirektorin so kalt sein. Die Frau sollte sich nochmal mit deutscher Geschichte auseinandersetzen, bevor sie alles was vor 1945 aufgestellt wurde als NS-Kunst deklariert. So sehe ich das. Preußen und das Kaiserreich bekommen immer wieder „braune“ Farbe verpasst, nur weil es einige Freiheiten noch nicht gab. Den Spruch „Jedem das Seine“ (Suum Cuique) hat der alte Fritz gesagt und nicht das NS-Regime erfunden. Dann müsste man ja jeden Feldjäger der Bundeswehr verhaften, da das auf seinem Barettabzeichen steht. 🙂

  • Hans-Joachim Langer

    Also derzeitige Hohenzollenregent ist aufgeklärter als Frau Merkel

  • Jan Voss
  • Rainer Jacob

    Berlin ist durch die modernistischen Architekten zu einer der häßlichsten Städte der Erde geworden. Die Schloßgegend ist nach der Verhunzung der Museumsinsel die die einzige Möglichkeit, dem entgegenzusteuern. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist ein Ansatzpunkt. Der Unterbau und die vier Löwen sind noch erhalten. Hier die Bilder der Einweihung (von Titzenthaler!) und der Löwen (oben).

  • Rainer Jacob

    Zwei der Löwen im Tierpark Friedrichsfelde.

  • Spender aus der Provinz

    Tja, der Alexanderplatz wie man ihn heute sieht mit dem vergammelten Neptunbrunnen  entspricht eben dem Geschmack der genannten Politikerin und Politiker. Das ist deren Kultur. Vielleicht auch bei denen zu Hause.

  • Michael Friedrich

    Gegen grün hab ich definitiv nichts einzuwenden, allerdings wie gesagt war ich auf diesem Bürgerforum gewesen. Was ich sehr gruselig fand, ist die Tatsache das uns Historiker aus Bayern und anderen Ländern sagen wollten das die Stadt eine Historische Mitte bräuchte. Ich denke diese ist mit Abschluss des Schlosses gegeben. Einzelne kleine Häuser um die Marienkirche zu errichten und noch mehr Freiflächen zu Vernichten halte ich für wenig Produktiv. Zu mal das zu der jetzigen Architektur nicht passt.

  • Marcel Oertel

    Das ist eben Deutschland, Leute aus den entlegensten Winkeln kommen zusammen und wollen mitreden.
    Das Berlin sich verdichten wird ist abzusehen, die Bevölkerung wächst einfach rapide. Und nach alten Straßenzügen zu bauen ist auch erstmal nicht dumm. Ansonsten Stimme ich dir aber zu. Rekonstruktionen zählen zwar zur modernen Architektur, sie müssen aber etwas besonderes bleiben. Schließlich soll nur dann rekonstruiert werden wenn die Gebäude eine besondere Architektur aufweisen. Ansonsten sollte eine zeitgemäße bzw zeitlose Architektur walten.
    Berlin ist aber eine Großstadt, dort treffen halt immer viele verschiedene Meinungen aufeinander. Und deshalb wird es immer Menschen ( uns das nicht zu wenig) geben die hier und da traditionellen Architektur befürworten. Das gehört dann eben diskutiert. Beim schloss hat es 10 Jahre gedauert.

  • Patrick Dörr

    Natürlich soll der Brunnen vors Schloss 🙂
    Da kommt er immerhin her und da stand er richtig! 😀

  • Manfred Tust

    Es darf nicht wahr sein, dass mühsam erkämpfte Gelder nicht abgerufen werden. Da kann man richtig wütend werden. Der Wiederaufbau ist so perfekt gelungen, – und dann wird dieser tolle Bau in eine Jetztzeit-Arena gestellt, mit einem unpassenden Einheitsdenkmal und einer unpassenden Ost-Verkleidung.. Nicht zu fassen!

  • Manfred Agatter

    In Berlin schon!

  • Arn Praetorius

    Erfreulich ist, dass die B. Z., die oft einseitig Kritiker des Schlossprojektes mit sehr unterschiedlichem Niveau und billigster Polemik zu Wort kommen ließ, nun zur Abwechslung einen differenzierten und sachlichen Beitrag veröffentlicht hat. Die Chance, die Museumsinsel um das Schloss zu erweitern ist noch nicht vertan. Ich denke es muss und wird noch „B“ gesagt werden.

  • Manfred Tust

    Es könnte alles so schön sein….😖

  • Pascal Buntrock